Blick ins Buch

Der Sohn des Oligarchen

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Über das Buch

Ein junger Hochstapler, sein mysteriöser Tod und die globalen Verstrickungen der Superreichen – nach »Imperium der Schmerzen« das neue Buch des preisgekrönten Journalisten Patrick Radden Keefe London, 2019: Als der 19-jährige Zac Brettler vom Balkon eines Luxushochhauses in den Tod stürzt, kommt eine dunkle Wahrheit ans Licht – er hatte sich als Sohn eines russischen Oligarchen ausgegeben und immer tiefer in die kriminellen Machenschaften zwielichtiger Superreicher verstrickt. Die Polizei zeigt wenig Interesse an der Aufklärung, denn in einer Stadt, die sich längst im Würgegriff der globalen Korruption befindet, scheinen gute Geschäfte mehr zu zählen als ein Menschenleben. Minutiös recherchiert und hervorragend erzählt, widmet sich Keefe dem schillerndsten Treffpunkt der internationalen High Society und offenbart, welcher Strudel aus Gewalt hinter ihrer glänzenden Fassade verborgen liegt.

Editionen (2)

ISBN9783446283008
Verlaghanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum19.05.26
Seitenzahl448

Rezensionen & Bewertungen

7 Bewertungen

2 Rezensionen

4,1

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  • theagri
    theagri

    778 Follower

    3,5

    Zac Brettler, 19jährig, aus jüdischen Familie mit Holocaust Hintergrund, springt in London vom Balkon eines Luxushauses in den Tod. Er gab sich als Sohn eines reichen Oligarchen aus. Damit wird bereits am Beginn seiner Geschichte ein Problem unserer Zeit deutlich, "Kinder die daran leiden, dass ihre Eltern nicht reich sind". Zac sprang aus einer Londoner Luxushaus in den Tod. Zac's Eltern erlaubten die Veröffentlichung seiner Geschichte, um auch andere auf dieses Probleme hinzuweisen und auf die erschreckend oberflächlich verlaufende Ermittlung. Auch, wie sehr Politik, Wirtschaft und Reichtum verwoben sind, wie nah Schuld und Unschuld sind und wie wenig Interesse in diesen Fällen an der Wahrheit besteht. Interessant wird über den familiären Hintergrund berichtet. Schnell wird die Sehnsucht von Zec deutlich, etwas besseres zu sein, viel Geld zu haben und mehr als seine Eltern zu erreichen. Die gesellschaftliche Zustände, die Stadt, die Familie und die Charaktere werden gut vorstellbar beschrieben. Dabei bleibt der Autor immer an dem tatsächlichen Geschehen. Manchmal wird protokollmäßig erzählt und dabei hört man die Meinungen außenstehender Bekannter und Mitmenschen, dann wird das Geschehen flüsdig erzählt. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit, um den Faden nicht zu verlieren. Oft hat man das Gefühl, einer Reportage zu lauschen. Geschichtliche Zusammenhänge werden sehr weitschweifend beschrieben, um den Hintergrund der verschiedensten reichen Unternehmer zu durchleuchten, die im Kontakt zueinander und zu Zac standen. So wird von der Vertreibung der Asiaten in Uganda erzählt, von Margot Thatcher, von Ereignissen in Politik, Wirtschaft, Kunst, von Korruption. Immer auch mit kriminellen Hintergrund. Das hat oft die Geschichte von Zac überdeckt und war mir zu abschweifend. Sehr gut wird Zac's Persönlichkeitsentwicklung beschrieben, immer auch mit dem Hintergrund seiner Herkunft. Das hat mir sehr gut gefallen und davon hätte ich gern mehr gehabt. Die Frage wie und warum Zac umgekommen ist, hält die Spannung, trotz der Länge. Mit jedem Kapitel kommt man der Antwort näher, erhält aber keine befriedigende Antwort. Es ist erschreckend, wie viel während der Ermittlungen nicht korrekt verlief, wie sehr Politik, Wirtschaft und Reichtum verwoben sind und wie nah Schuld und Unschuld sind. Ein Buch, das anders ist, das aufdeckt, aufrüttelt und unbequeme Fragen stellt. Die Erzählform, mit protokollähnlichen Sequenzen ergänzt, fand ich ausschweifend, zumal sich manches wiederholte. Dennoch interessant, informativ und lesenswert, wenn man sich auf die Erzählart einlassen kann. Die Stimme des Sprechers hat mir nicht richtig zugesagt und ich brauchte einige Zeit um mich einzugewöhnen. Ich hatte Probleme mit der Stimmhöhe und -vibration. Mit der Erhöhung der Sprechgeschwindigkeit war es für mich besser.

    22. Mai 2026

  • wildeskopfkino
    wildeskopfkino

    147 Follower

    4,5

    Glanz, Geld und ein Tod, der nicht loslässt

    Manchmal reicht ein einziger Sturz, und plötzlich bröckelt eine ganze glänzende Luxusfassade. Der Sohn des Oligarchen ist genau so ein Buch. Erst denkt man: Okay, mysteriöser Todesfall, junger Hochstapler, London, reiche Leute, klingt spannend. Und dann sitzt man da und merkt, dass Patrick Radden Keefe daraus keine sensationslüsterne Show macht, sondern ein messerscharfes, ziemlich unbequemes Stück Wirklichkeit. Zac Brettler ist dabei keine einfache Figur. Mal möchte man ihn schütteln, mal beschützen, mal fragt man sich, wie einsam ein Mensch eigentlich sein muss, um sich so tief in eine erfundene Welt zu verlieren. Diese Mischung hat mich echt gepackt. Nicht auf die billige Krimi Art, sondern eher so, dass man beim Lesen kurz innehält und denkt: Alter, das ist wirklich passiert. Keefe erzählt ruhig, präzise und trotzdem mit einem Sog, der einen nicht loslässt. London wirkt hier nicht wie die schicke Postkartenstadt, sondern wie ein gläsernes Aquarium für Geld, Macht, Angst und Dreck unter dem Teppich. Sehr edel eingerichtet, aber wehe, man schaut in die Ecken. Besonders stark fand ich, dass das Buch nie den Menschen aus den Augen verliert. Hinter Oligarchen, dubiosen Deals und Polizei Desinteresse steht am Ende eine Familie, die wissen will, was mit ihrem Sohn passiert ist. Und genau da trifft das Ganze mitten ins Herz. Ein kluges, düsteres und verdammt gut erzähltes Sachbuch, das sich liest wie ein Thriller, aber leider keiner ist.

    Glanz, Geld und ein Tod, der nicht loslässt

    4. Juni 2026

Autorin / Autor

Über Patrick Radden Keefe

Patrick Radden Keefe, geboren 1976, ist preisgekrönter Investigativjournalist des Magazins The New Yorker. Er studierte an der Columbia University, der Yale Law School, der Cambridge University und der London School of Economics. Seine Bücher sind große Bestseller und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Keefe lebt mit seiner Familie in New York.

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