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Romane

Als wir Waisen waren

3,6(53)
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Über das Buch

Kazuo Ishiguro ist ein Autor der Superlative: Booker- und Whitbread-Preisträger, sein Werk in 28 Sprachen übersetzt, sein Weltbestseller "Was vom Tage übrigblieb" von James Ivory grandios verfilmt. In seinem neuen Roman, der ebenfalls gleich nach Erscheinen die Bestsellerlisten eroberte, erzählt Ishiguro die Geschichte von Christopher Banks, dem berühmtesten Detektiv im England der dreißiger Jahre. Banks wird vom ungelösten Geheimnis seines eigenen Lebens gequält. Als Kind verlor er unter mysteriösen Umständen in Shanghai seine Eltern. Dorthin macht er sich nun auf, um in der Stadt, die vom chinesisch-japanischen Kriege gezeichnet ist, sein Lebensrätsel zu lösen. Doch erst als er seinen Onkel wiedertrifft, erfährt er die bittere Wahrheit. Sie zerstört gnadenlos jene Kindheitsphantasien, die er als Junge um seine Eltern gesponnen hat.

Editionen (6)

ISBN9783442729814
Verlagbtb
Erscheinungsdatum01.09.02
Seitenzahl352

Rezensionen & Bewertungen

53 Bewertungen

8 Rezensionen

3,6

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  • fred.k
    fred.k

    107 Follower

    3,5

    3,5-4 Sterne

    Es blutet mir das Herz, aber das ist für mich der schwächste Ishiguro bisher. Als wir Waisen waren/When we were orphans ist ehrlich gesagt eine ziemliche Wundertüte - wie natürlich alles, was der Autor fabriziert. Anders als in den bisherigen Romanen (ich lese sein Werk nach Erscheinungsdatum sortiert, also 5 von 9 habe ich jetzt abgeschlossen) haben wir einen eigentlich ziemlich harten Bruch in etwa der Mitte des Buchs. Die erste Hälfte liest sich in der Manier von "Was bleibt Tage übrig bleibt" - meinem bisherigen Favoriten des Autors und zweifellos eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe, geht dabei aber nicht ganz so in die Tiefe wie die Geschichte um den Butler Stevens. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir Christopher als Charakter etwas flacher erschien. Insgesamt kommt zwar die typische "Ishiguro-Atmosphäre" sehr gut rüber, geht aber nicht so weit wie in seinen bisherigen Romanen. Der erste Teil lebt also von scheinbar etwas willkürlichen Rückblenden, die den Plot überdecken bzw in den Hintergrund rücken. So weit, so gut und bekannt. Auch die üblich vage Beschreibung/Andeutung von Geschehnissen ist bereits bekannt und führt die Prämisse des Buchs ad absurdum (als Genre wurde hier der Detektivroman gewählt, aber (wie ich erwartet habe) wird detektivische Arbeit nicht wirklich erwähnt, lediglich die immensen Erfolge dieser. Ishiguros Erzählstil ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was ein Detektivroman braucht, von daher finde ich es großartig, dass er ausgerechnet dieses Medium wählt. Der zweite Teil nimmt ordentlich an Fahrt auf, inklusive Ortswechsel, und erinnert dabei nicht selten an die traumartige Struktur aus "Die Ungetrösteten", erreicht dabei aber weder die Tiefe und das Gefühl der Verlorenseins beim Leser noch das Level an Surrealismus des Vorgängerromans. Es liest sich wieder wie ein Fiebertraum, aber man geht als Leser nicht so verloren, weil man zumindest das Gefühl hat, dass der Protagonist mehr bei sich ist - was ich bezweifle, immerhin scheint er eine sehr verzerrte Wahrnehmung von der Welt und sich selbst zu besitzen (er sieht sich in seiner Funktion als Detektiv, der nun einen persönlichen Fall lösen will quasi als Heilsbringer, der durch die Lösung dieses nichtigen Falls eine globale Katastrophe verhindern kann - welche Katastrophe sich im Jahr 1937 wohl angebahnt haben könnte, lasse ich hier mal unkommentiert.) Alles in allem lebt der Roman für mich vor allem durch sein Setting. Shanghai während des Kampfes um die Stadt im zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg ist ein sehr einzigartig gewählter Schauplatz. Ich mochte, dass diesem im Westen vernachlässigten Konflikt der Raum gegeben wird - genauso wie der Opiumkrise. Der eindrucksvoll geschriebene "Frontbericht" hat sich mir sehr eingeprägt. Die Auflösung des Falls war mir dann doch etwas zu profan und nimmt der ganzen Atmosphäre etwas weg, aber das Ende insgesamt war schlüssig und erhofft melancholisch. Ein interessanter Versuch, die beiden bisherigen Erzählstil des Autors in einem Buch zu kombinieren, was für mich leider nur zum Teil geklappt hat.

    9. Feb. 2026

  • pj.jedi.1410
    pj.jedi.1410

    398 Follower

    4,5

    * Die brüchige Ordnung der Erinnerung - Ein Roman über Erinnerung, Schuld und Illusion*

    Kazuo Ishiguros Als wir Waisen waren zeigt eindringlich, wie Erinnerung und Identität untrennbar verbunden sind – und doch immer brüchig bleiben. Christopher, der Erzähler, ist wie so oft bei Ishiguro nicht verlässlich. Seine Detektivsuche wirkt wie eine Kriminalgeschichte, ist aber in Wahrheit der Versuch, die Verluste seiner Kindheit und die Schuld der Eltern in eine logische Ordnung zu bringen. Gerade im Chaos des Krieges führt diese Suche ins Absurde. Ishiguro macht damit deutlich: Die Vergangenheit lässt sich nicht rekonstruieren, nicht retten. Der Roman entlarvt zugleich koloniale Blindheit und die Illusion, man könne durch moralische oder rationale Kontrolle die Welt in Ordnung halten. Mich hat besonders berührt, wie leise Ishiguro diese große Tragik erzählt. In der Zurückhaltung liegt seine Wucht. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Erwachsenwerden bedeutet, unvollständige und manchmal enttäuschende Wahrheiten auszuhalten – und nicht die Gegenwart der Vergangenheit zu opfern. Einen halben Punkt ziehe ich ab, weil sich manche Passagen für mich etwas zu sehr im Rätselhaften verlieren. Das erzeugt zwar Atmosphäre, kann aber zwischendurch auch ermüden. 4,5 von 5 Sternen – weil Ishiguro es wieder schafft, die Zerbrechlichkeit von Erinnerung so spürbar zu machen. #AlsWirWaisenWaren #KazuoIshiguro #UnzuverlässigesErzählen #VergangenheitUndIdentität #LeiseWucht

    * Die brüchige Ordnung der Erinnerung - Ein Roman über Erinnerung, Schuld und Illusion*

    2. Okt. 2025

  • tarzansuncle
    tarzansuncle

    37 Follower

    3,0

    Shanghai in den 30ern des zwanzigsten Jahrhunderts. In der wichtigsten Wirtschaftsmetropole Asiens gibt es eine internationale Siedlung. Dort lebt der achtjährige Christopher Banks mit seinen Eltern. Der Vater arbeitet für eine englische Handelsgesellschaft, die Mutter ist eine engagierte Kämpferin gegen den Handel mit Opium. Die Engländer importieren dieses Rauschmittel, um die Einheimischen gefügig zu machen. Innerhalb weniger Wochen verschwinden Christophers Vater und seine Mutter. Der Junge wird zu einer entfernten Tante nach England geschickt und wächst dort in einem Internat auf. Schon als Kind hat er in Shanghai mit seinem japanischen Freund Akira Detektiv gespielt und diese Leidenschaft macht er schließlich zu seinem Beruf. Er wird erfolgreich und angsehen, doch sein größter Fall scheint kein gutes Ende zu nehmen. Der Opiumhandel der Engländer in China ist eine große Sache, über die ich bis zu diesem Buch zu wenig wusste. Ishiguro ist ein guter Schriftsteller. Das sind zwei Pluspunkte für dieses Buch. Doch die Handlung ist mir zu träge. Die Abschnitte enden oft mit einem Spannungsmoment, das einen reizt auch den nächsten Abschnitt noch zu lesen, doch oft wird man enttäuscht, weil es sich nur um Details am Rande handeln. Kurz, das Buch ist nicht rund, es scheint mir eine Stilübung für das spätere, wesentlich bessere "Alles was wir geben mussten" zu sein,

    27. Dez. 2025

3 von 8 Rezensionen

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