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Italien, Anfang des 16. Jahrhunderts: Der junge Bauernsohn Aurelio macht sich nach dem Ableben seines Vaters auf dem Weg nach Rom, um sich einen langgehegten Traum zu erfüllen – er möchte Schüler des berühmten Bildhauers Michelangelo Buonarroti werden. Bereits als Kind hat er diesen bei einer zufälligen Begegnung in Bologna kennengelernt und Michelangelo, der sich tatsächlich noch daran erinnern kann, nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch statt Skulpturen zu fertigen, wird Michelangelo von Papst Julius II dazu genötigt die Sixtinische Kapelle mit einem biblischen Decken-Fresko zu versehen, die das Vorgängergemälde ersetzen soll. Und so entsteht ein Jahrhundertwerk der Renaissance, das Michelangelo zu einem der berühmtesten Künstler der Geschichte machen wird, ihn aber auch unwiderruflich viel kostet. ➸ Wenn es um historische Romane geht, bin ich eigentlich eher jemand, der gerne mal einen großen Bogen um solche Bücher macht. Aber von Zeit zu Zeit juckt es mich in den Fingern und ich könnte alles verschlingen, was ich zu einem bestimmten Thema in die Finger bekomme. Vor ein paar Jahren habe ich beispielsweise jedes Buch von Philippa Gregory zu Heinrich VIII und seinen sechs Ehefrauen inhaliert und da dieses Jahr wieder ein Italienurlaub mit einem Abstecher nach Rom ansteht, bin ich zufällig auf “Der sixtinische Himmel“ gestoßen, dessen Klappentext mich sofort angesprochen hat. Und was soll ich sagen? Ich glaub, ich hab damit eine neue Obsession freigeschalten 😊. Erzählt wird der auf vielen Tatsachen beruhende und mit Fiktion ausgeschmückte Roman aus der Sicht von Aurelio, dessen außergewöhnliche Schönheit vor allem Michelangelo sofort in seinen Bann zieht, denn Leon Morell lässt nicht nur seinen Künstler außergewöhnliches erschaffen, sondern malt sprachlich gesehen auch selbst ein so lebendiges Bild vom Vatikan des frühen 16. Jahrhunderts, sodass die Figuren und die Erschaffung des Freskos wie von selbst vor dem inneren Auge entstehen. Man ist ganz nah dabei, wenn Aurelio den Ätzkalk anrührt, Pigmente mischt und Putz kopfüber an die Decke anbringt. Man spürt die Verzweiflung, wenn Schimmel entsteht, die Arbeiten zum Stillstand kommen und Michelangelo, von künstlerischer Besessenheit und Selbstzweifel getrieben, Essen und Schlaf verweigert. Er ist ein Mann, der sich selbst als hässlich empfindet und seinen Skulpturen die ihm verwehrte Schönheit verleiht. Ein Mann, der weiß, wie Leid und Verzweiflung aussehen und es vehement ablehnt, auch nur einen Pinselstrich für sein Fresko aus der Hand zu geben. Der Autor schafft es die damalige Zeit in seinem feinen Schreibstil einzufangen, erzählt dabei aber nie zu ausschweifend oder überladend. Es gibt Passagen, die ich direkt mit einem Stift markieren, und Passagen, über die ich sofort im Internet nachforschen musste. Ich war fasziniert und berührt von der Dramatik der Geschichte, aber auch ehrfürchtig, was die Entstehung des Freskos angeht. Bisher war dieses nämlich für mich nichts weiter als ein übertrieben buntes und zusammengewürfeltes Wimmelbild - wie kompliziert die Fertigstellung allerdings in Wirklichkeit gewesen sein muss, lässt mich dann doch etwas demütig und beeindruckt zurück. Im Urlaub werd ich Rom dieses Mal definitiv mit etwas anderen Augen betrachten. Fazit: "Der Sixtinische Himmel“ ist ein herrlich historischer Schmöker, der zwar auch ein paar fiktionale Elemente mit einfließen lässt, aber mich durch seine unkomplizierte Nahbarkeit sehr beeindruckt hat. Er gewährt einen ungewöhnlichen Blick auf den italienischen Bildhauer, Dichter und Maler Michelangelo Buonarroti und erinnert, wie er zu einem der bedeutendsten Künstler unserer Zeit wurde. Klare Leseempfehlung!
16. Mai 2025
Italien, Anfang des 16. Jahrhunderts: Der junge Bauernsohn Aurelio macht sich nach dem Ableben seines Vaters auf dem Weg nach Rom, um sich einen langgehegten Traum zu erfüllen – er möchte Schüler des berühmten Bildhauers Michelangelo Buonarroti werden. Bereits als Kind hat er diesen bei einer zufälligen Begegnung in Bologna kennengelernt und Michelangelo, der sich tatsächlich noch daran erinnern kann, nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch statt Skulpturen zu fertigen, wird Michelangelo von Papst Julius II dazu genötigt die Sixtinische Kapelle mit einem biblischen Decken-Fresko zu versehen, die das Vorgängergemälde ersetzen soll. Und so entsteht ein Jahrhundertwerk der Renaissance, das Michelangelo zu einem der berühmtesten Künstler der Geschichte machen wird, ihn aber auch unwiderruflich viel kostet. ➸ Wenn es um historische Romane geht, bin ich eigentlich eher jemand, der gerne mal einen großen Bogen um solche Bücher macht. Aber von Zeit zu Zeit juckt es mich in den Fingern und ich könnte alles verschlingen, was ich zu einem bestimmten Thema in die Finger bekomme. Vor ein paar Jahren habe ich beispielsweise jedes Buch von Philippa Gregory zu Heinrich VIII und seinen sechs Ehefrauen inhaliert und da dieses Jahr wieder ein Italienurlaub mit einem Abstecher nach Rom ansteht, bin ich zufällig auf “Der sixtinische Himmel“ gestoßen, dessen Klappentext mich sofort angesprochen hat. Und was soll ich sagen? Ich glaub, ich hab damit eine neue Obsession freigeschalten 😊. Erzählt wird der auf vielen Tatsachen beruhende und mit Fiktion ausgeschmückte Roman aus der Sicht von Aurelio, dessen außergewöhnliche Schönheit vor allem Michelangelo sofort in seinen Bann zieht, denn Leon Morell lässt nicht nur seinen Künstler außergewöhnliches erschaffen, sondern malt sprachlich gesehen auch selbst ein so lebendiges Bild vom Vatikan des frühen 16. Jahrhunderts, sodass die Figuren und die Erschaffung des Freskos wie von selbst vor dem inneren Auge entstehen. Man ist ganz nah dabei, wenn Aurelio den Ätzkalk anrührt, Pigmente mischt und Putz kopfüber an die Decke anbringt. Man spürt die Verzweiflung, wenn Schimmel entsteht, die Arbeiten zum Stillstand kommen und Michelangelo, von künstlerischer Besessenheit und Selbstzweifel getrieben, Essen und Schlaf verweigert. Er ist ein Mann, der sich selbst als hässlich empfindet und seinen Skulpturen die ihm verwehrte Schönheit verleiht. Ein Mann, der weiß, wie Leid und Verzweiflung aussehen und es vehement ablehnt, auch nur einen Pinselstrich für sein Fresko aus der Hand zu geben. Der Autor schafft es die damalige Zeit in seinem feinen Schreibstil einzufangen, erzählt dabei aber nie zu ausschweifend oder überladend. Es gibt Passagen, die ich direkt mit einem Stift markieren, und Passagen, über die ich sofort im Internet nachforschen musste. Ich war fasziniert und berührt von der Dramatik der Geschichte, aber auch ehrfürchtig, was die Entstehung des Freskos angeht. Bisher war dieses nämlich für mich nichts weiter als ein übertrieben buntes und zusammengewürfeltes Wimmelbild - wie kompliziert die Fertigstellung allerdings in Wirklichkeit gewesen sein muss, lässt mich dann doch etwas demütig und beeindruckt zurück. Im Urlaub werd ich Rom dieses Mal definitiv mit etwas anderen Augen betrachten. Fazit: "Der Sixtinische Himmel“ ist ein herrlich historischer Schmöker, der zwar auch ein paar fiktionale Elemente mit einfließen lässt, aber mich durch seine unkomplizierte Nahbarkeit sehr beeindruckt hat. Er gewährt einen ungewöhnlichen Blick auf den italienischen Bildhauer, Dichter und Maler Michelangelo Buonarroti und erinnert, wie er zu einem der bedeutendsten Künstler unserer Zeit wurde. Klare Leseempfehlung!
16. Mai 2025






