Der Duft der Kirschblüten

Der Duft der Kirschblüten

Taschenbuch
3.718
TuchvillaHistorischer RomanHistorische FrauenunterhaltungGrüner Tee

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Beschreibung

Herr Akeno und das Geheimnis des grünen Tees

Im Berlin der 1870er Jahre setzt sich die 24-jährige Clara Winterfeld nach dem Tod des Vaters für das familiengeführte Teehaus ein. Für die finanzielle Absicherung des Unternehmens ist sie bereit, ihren reichen Freund Franz aus Kindertagen zu heiraten und vor die Tore Berlins zu ziehen. Doch ihre Liebe gehört dem japanischen Teehändler Akeno, der mit dem in Europa noch unbekannten grünen Tee handelt. Nach einer leidenschaftlichen Nacht reist Akeno zurück nach Japan. Clara bleiben nur heimliche Briefe und eine kostbare Teedose. Als sie schwanger wird, weiß sie nicht, wessen Kind sie in sich trägt. Verzweifelt und doch mutig will sie der Stimme ihres Herzens folgen und Franz verlassen. Doch wird sie Akeno jemals wiedersehen?

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Generationenromane
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
448
Preis
11.30 €

Autorenbeschreibung

Rosalie Schmidt ist das Pseudonym der Kultur- und Theaterwissenschaftlerin Karla Schmidt. Sie arbeitet als Lektorin und Dozentin für Dramaturgie und Storytelling und schreibt in verschiedenen Genres, von Psychothriller über Science Fiction bis zu historischen Romanen. Nach fünfundzwanzig Jahren in Berlin lebt sie mit ihren beiden Töchtern wieder in Göttingen, um im elterlichen Teegeschäft mitzuarbeiten.

Beiträge

6
Alle
5

Fesselnd und berührend!

Aus Liebe zum Tee... Berlin, 1871: Familie Winterfeld betreibt seit vielen Jahren ein Teehaus. Die Eltern haben sich alles selbst aufgebaut und lieben ihren Laden, der ihnen auch zu einem gewissen Wohlstand verholfen hat. Die Interessen der drei Kinder sind aber sehr unterschiedlich, denn so sehr wie die ältere Tochter Clara Tee liebt und in geschäftlichen wie auch fachlichen Dingen immer gut informiert ist, interessiert sich August nur für seine Laufbahn als Offizier beim Militär und auch Netty, die jüngste der drei, arbeitet zwar täglich im Verkauf, es wird aber nie eine derartige Leidenschaft für Tee erwachsen wie bei Clara. So fällt Clara auch schon früh auf, dass der Vater sich verändert und sich nicht nur langsamer bewegt, undeutlicher schreibt, sondern auch immer häufig geistig abwesend und in sich gekehrt wirkt. Also führt sie die Bücher weiter und hat alles im Blick. Bei einem Zusammentreffen mit dem befreundeten Teehändler Otto Starngrad trifft sie das erste Mal auf Akeno, den japanischen Teehändler und sofort ist da eine ganz besondere Anziehung. Dennoch lässt sich Clara in eine Ehe mit Franz, ihrem Freund aus Kindheitstagen, drängen, bereut diese aber schnell, denn Franz möchte sie besitzen und ohne Liebe kann sie sich ihm nicht bedingungslos anvertrauen... Rosalie Schmidt hat in diesem Roman mehrere interessante Themen verknüpft, denn es dreht sich zwar vieles um Tee, dennoch stehen auch die unglückliche Liebe von Clara, die historischen Begebenheiten der damaligen Zeit und die Geschichte der gesamten Familie Winterfeld im Mittelpunkt. Clara ist eine bewundernswerte Protagonistin, die sehr stark und fortschrittlich ist und deshalb perfekt geeignet ist als alleinige Erzählerin des gesamten Romanes. Es ist aber auch deutlich spürbar, dass die Autorin selbst ein großes Wissen über Tee mitbringt, was durch ihr Aufwachsen in einem Teehaus zu erklären ist. Doch obwohl oder vielleicht gerade deswegen, fließt viel Hintergrundwissen über Tee, vorallem den grünen und den schwarzen Tee, wie ganz selbstverständlich in das Geschehen mit ein und es wirkt niemals belehrend oder gar unpassend. Als ich vor einigen Tagen die Kirschbäume so wunderschön habe blühen sehen, musste ich an dieses Buch auf meinem Stapel ungelesener Bücher denken und wusste, dass ich es nun unbedingt sofort lesen muss. Tatsächlich war ich ab der ersten Seite gefesselt und bin begeistert, wie viel ich über Tee gelernt habe. Aber auch Claras Schicksal wird so lebendig erzählt, dass es sich anfühlt, als wäre man hautnah dabei und selbst ein Familienmitglied. Nun empfehle ich dieses Buch an alle Fans von Tee, historischen Romanen und herzergreifenden Liebesgeschichten weiter und wünsche euch ebenso so wunderschöne Lesestunden, wie ich sie hatte!

Fesselnd und berührend!
4

So mag ich auch Tee! 😉

Eine unkonventionelle junge Frau, die sich durch die Wirren ihrer Zeit kämpft für ihre eigene Freiheit. Gute Geschichte für eine historische Liebe-nicht nur zwischen Mann und Frau! Hier kommt die Liebe zum Tee, zum Abendteuer und zur Familie nicht zu kurz.

1

Dieses Buch ist ein Boomer-Buch: ignorant, respektlos, rassistisch, misogyn, verbreitet falsche Informationen und geht schlecht mit Geschichte um. Alles drin für Boomer! Ich habe dieses Buch im Buchclub gelesen. Normalerweise hätte ich mir das wohl nicht freiwillig ausgesucht, da ich weiß, dass Familiensagas sehr starke Probleme haben, z.B. Verklärung der eigenen Geschichte, Rassismus, Sexismus und absolut schräge historische Anschauungen. Mit diesem Buch wird das alles bestätigt. Ich hatte bereits bei 50% genug und habe nur noch die Zähne zusammengebissen, um bis zum Ende durchzuhalten. Und es war echt hart. Die Rezension enthält detailliert Spoiler, weil ich hier explizite Szenen bespreche. Inhaltswarnungen, die dem Buch gut gestanden hätten: Rassismus, sexuelle und psychische Gewalt, manipulative Beziehungen, Exotisierung und Fetischisierung von japanischer Kultur und Menschen, Suizid, Tod, Depressionen, PTSB, Demenz, Ableismus etc. Historischer Hintergrund: Ich denke nicht, dass die Boomer-Zielgruppe tatsächlich interessiert an einem ordentlich recherchierten historischen Setting ist. Trotzdem möchte ich hier zusammenfassen, dass NICHTS an diesem Buch stimmt, NICHTS. Es ist 1870/71 und die Autorin beschreibt die Epoche wie 1950. Im Nachwort zählt die Autorin ihre Quellen auf und man sieht: sie hat nix recherchiert. Das merkt man auch am Ergebnis. Ich werde hier nur auf die gröbsten Fehler eingehen. Ein ganz großes Manko, was wirklich auffällig ist, wenn man ein bisschen aufmerksamer liest, ist das falsche gesellschaftliche System. Die Epoche war enorm durch Klassismus geprägt, dabei ging es um Ansehen und Reputation. Wenn du deinen Ruf verlierst, bist du am Arsch. Im Buch wird zwar ständig darauf gepocht, "was könnten die Leute denken", jedoch hat sich die Autorin um die falschen Dinge Gedanken gemacht. Nicht, dass Clara ihrem Mann widerspricht, wäre ein Skandal, sondern dass dieser seine Frau einsperrt und man sie NIE in der Gesellschaft sieht. DAS ist ein Skandal, denn sehen und gesehen werden, war gerade in dieser Klasse eine Pflicht, das A und O. Clara wäre permanent in Berlin, würde ständig an Veranstaltungen teilnehmen, bei X Leuten zu Gast sein, selbst Events ausrichten etc. Stattdessen sitzt Clara irgendwo auf dem Land fest und ihr Mann sperrt sie ein. DAS wäre auffällig. DAS wäre ein Skandal. Auch dass Clara, schwanger wie sie ist, nicht bei ihrem Ehemann leben will, sondern stattdessen lieber im Teehaus arbeitet, wäre ein Skandal. Allerdings eher für Franz, nicht für Clara. Weil sich dann die Leute fragen würden, was mit dem Kerl nicht stimmt, dass dem seine schwangere Frau abhaut. Dass diese dann auch noch in einem Teeladen arbeitet, würde dem ganzen die Krone aufsetzen, weil man in diesen Kreisen sowas definitiv nicht machen würde, und niemand würde mehr mit Franz und seiner Familie Geschäfte machen wollen. Die halbe Stadt würde sich darüber das Maul zerreißen. Auch, dass Franz seine Frau mit Gewalt aus ihrem Zuhause zerren will und sich im Teegeschäft wie sau benimmt, entbehrt sämtlicher Grundlage. Franz wäre in der Gesellschaft dafür zerrissen und auch noch verhaftet worden. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sowas inkl. Karikatur in der Zeitung gestanden hätte. Die Autorin bauscht Kleinigkeiten zu Skandalen auf, sieht aber die wirklichen Skandale nicht. Die Autorin dreht es aber um, weil sie denkt, Frauen hätten in dieser Epoche keine Rechte gehabt. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Auch damals gab es Scheidung – und erst recht aus den Gründen, wie sie hier im Buch vorkommen. Clara wäre 100%ig sicher, wenn sich die Autorin auch nur annähernd an tatsächliche historische Begebenheiten halten würde, als sich irgendwas auszudenken. Auch dieser komische Ehevertrag, der damals wie heute niemals durchgegangen wäre, spielt hier rein. Dieser Vertrag ist nicht mal notariell beglaubigt und hat demnach gar keine rechtliche Grundlage. Weiterhin hätte Clara den Vertrag gar nicht unterschreiben dürfen und es stellt sich die Frage: warum hätte sie das auch tun sollen? Auch damals haben Menschen logisch gedacht. Aber es fängt ja schon damit an, dass Clara nicht wirklich selbst entscheiden darf, wen sie heiratet. Doch, das darf sie. Auch schon in dieser Epoche, ohne, dass ihr da jemand reinreden dürfte. Auch war es absolut möglich, dass Frauen Geschäfte geführt haben. So wie das Buch es darstellt, ist es das absolute Unding, was noch nie jemand gesehen hat. Es stimmt einfach nix an diesem Buch. Die Autorin denkt sich einfach irgendwas aus, um billiges Drama zu erzeugen. Die Autorin kann sich auch nicht entscheiden, in welcher Klasse sich Claras Familie befindet. Je nachdem, in welcher Situation sie gerade ist, wird Clara mal als bettelarm beschrieben, dann können sie sich aber plötzlich lauter sauteure Sachen leisten, z.B. Weihnachtsbaumschmuck, Angestellte, Schmuck etc. Die Autorin scheint wirklich keinen Plan zu haben, wie viel Wert GELD damals hatte. Z.B. Beschafft Clara einer alleinstehenden Freundin mit Kind eine Wohnung in einer sehr guten Gegend in Berlin, was damals wie heute überhaupt nicht gegangen wäre, weil sich die Freundin das mit ihrem kleinen Gehalt als Verkäuferin niemals hätte leisten können. Ganz eindrucksvoll kann man das Unverständnis der Autorin auch daran erkennen, dass insgesamt 1000 Taler in der Kasse des Teegeschäfts fehlen und alle zucken nur die Achseln darüber. Das wären ungefähr 20Tausend Euro. Aber die Familie geht so über das Geld hinweg, als wäre es nix. Ich halte es übrigens für ein übles Gerücht, dass das Teehaus 200 Gäste fassen kann. Nope. Dann wärst du nicht in der Klasse, wo dich die Autorin angesiedelt hat, Clara, sondern weit drüber. Es macht auch keinen Sinn, wie die Autorin die Hausangestellten beschreibt und handeln lässt. ALLE sind ausnahmslos rotzfrech gegenüber ihren Arbeitgebenden und behandeln die Herrschaften des Hauses wie ihresgleichen. Sie weigern sich Anordnungen auszuführen und widersprechen einfach. DAS wäre ebenfalls ein Skandal gewesen. Wenn die feine Gesellschaft herausgefunden hätte, wie die Hausangestellten bei dieser Familie mit den Herrschaften umgehen darf, ohne dass sie in ihre Schranken gewiesen werden, würde diese Familie nie wieder einen Fuß auf den Boden bekommen. Ist der Autorin scheinbar egal. Die Geschichte mit dem nach Japan abgeschobenen Halbbruder ist vor einem korrekten historischen Hintergrund ebenfalls hanebüchen und spottet jeder Beschreibung. Natürlich kam es vor, dass uneheliche Kinder mit Hausangestellten entstanden sind – freiwillig und unfreiwillig. Diese hat man dann z.B. an gut situierte Familien in einer anderen Stadt gegeben und damit wär die Sache erledigt gewesen. Aber nein, die Autorin muss ja noch einen draufsetzen und den Kerl nach Japan abschieben (vor der Öffnung), obwohl es für die Story an sich absolut unerheblich ist, wo der Typ nun wohnt. Es hätte vollkommen gereicht, Akeno als Kontaktperson in Japan einzusetzen. Ansonsten tut Ernst nämlich nix für die Story. Wenn man den weglassen würde, wäre es immer noch dieselbe Geschichte. Dann haben wir die ganze Exotisierung des japanischen Handelsreisenden Akeno und der damit verbundene Rassismus. Die Autorin scheint zu denken, dass Europa/Deutschland in dieser Epoche komplett nur aus weißen Leuten bestand. Das ist aber nicht richtig. Auch damals gab es alle möglichen Nationen, die auch in den höheren Klassen vertreten waren. Gerade nach der Öffnung Japans war japanische Kunst enorm beliebt und zog sich in den 1870ern und darüber hinaus durch den gesamten Lifestyle, angefangen mit Mustern auf Kleidern, am Theater, bei Geschirr und Dekoration, einfach überall. Und es war durchaus nicht selten, dass sich japanische Menschen eben in Europa niedergelassen, ein Importgeschäft eröffnet haben und damit reich geworden sind. Gleiches gilt auch umgekehrt. Nach der Öffnung Japans in den späten 1850ern haben sich dort auch europäische Menschen angesiedelt. Immigration und Migration gab es schon immer und überall. Menschen waren schon immer neugierig und haben sich dort angesiedelt, wo es ihnen gefiel. Das kann man zwar schick wegignorieren, hilft aber nix gegen Fakten. Aus diesen Gründen ist es mehr als unwahrscheinlich, dass die Autorin hier schreibt, Clara dürfte den Akeno nicht heiraten, weil dieser … eben Ausländer ist … Ich hab fast das kalte Kotzen gekriegt. Das ist übelst rassistisch. Damals waren gemixte Ehen absolut alltäglich. Auch in den höheren Klassen. Es wurde lediglich geschaut, ob der Mensch gut situiert ist und eine gute Reputation aufweist. Das wäre gegangen. Akeno hätte mit Clara ein Importgeschäft eröffnet und alles wäre super gewesen. Ganz großes Problem hier. Die Autorin vertritt zudem noch die Ansicht, Japan hätte zu diesem Zeitpunkt nur Häuser aus Holz gehabt und wäre wohl ein unterentwickeltes 3. Welt-Land. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Japan war in vielen Dingen viel weiter als Europa. Wollte die Autorin hier betonen, wie überqualifiziert die „Herrenrasse“ doch ist, oder was? Weiter geht’s hier mit dem Teegeschäft. Grundsätzlich muss gesagt werden, dass das Teegeschäft damals ausschließlich über den Großhandel lief, dieser hat mit England oder Niederlande verhandelt und diese dann wiederum mit den entsprechenden Ländern wie China, Indien und Japan (nach der Öffnung). Es wäre also schon gar nicht möglich gewesen, dass Akeno als Handelsreisender direkt mit Teegeschäften in Austausch geht. Er hätte, wenn überhaupt, allerhöchsten mit dem Großhandel was anfangen können, wenn es Niederlande und England denn erlaubt hätten. Auch, dass die Leute den Tee aus Japan nicht kennen, ist absoluter Quatsch. Die Autorin scheint wohl vergessen zu haben, dass England über sehr lange Zeit das Monopol auf Schwarztee hatte (Boston Tea Party) und nur schwer/teuer an den ranzukommen war. An GRÜNTEE jedoch schon und er war weitaus günstiger. Die Leute kennen grünen Tee also seit Jahrhunderten, aber die Autorin tut so, als wäre das das absolute Novum und „ob die Gesellschaft denn überhaupt bereit ist für so einen anspruchsvollen Tee“. Einfach lächerlich. Der gesamte Plot basiert also auf falschen historischen Darstellungen. Mal abgesehen, wird hier Grüner Tee am laufenden Band mit GRAS verglichen. Die Autorin arbeitet in einem Teehaus und vergleicht Grünen Tee mit Gras! Es wird auch nie gesagt, WAS für Grüntee das ist. Gibt ja mehr als eine Sorte. Es ist einfach nur noch peinlich. Auch ist es extrem unwahrscheinlich, dass die Akeno als „einfachen Mann“ (er ist Teepflücker) losgeschickt hätten. Er hat weder Erfahrung noch Ansehen in der Gesellschaft Japans. Und da kommt auch wieder das Unverständnis der Autorin bezüglich Geld zum Tragen: so eine Reise war 1. Sauteuer: Das hätte man keinem „einfachen Mann“ bezahlt, niemals. 2. Saugefährlich: Die Autorin beschreibt es hier wie eine angenehme Kreuzfahrt, dabei sind regelmäßig Schiffe verunglückt und lauter Menschen dabei gestorben. 3. sehr lange: Es gab keine Direktverbindung zwischen Berlin und Tokyo, man musste zwischendrin umsteigen und verschiedene Schiffe nutzen. Das ganze würde ca. 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Dies erwähnt zwar die Autorin vehement, jedoch vergisst sie das zwischendrin. So heult Clara z.B. rum, dass Akeno ihr nicht antwortet, obwohl er gerade erst losgefahren ist. Einen Landweg, wie die Autorin hier schreibt, gab es auch nicht. An diesen Ausführungen kann man erkennen, dass sich der gesamte Plot in Wohlgefallen auflösen würde, wenn die Autorin sich tatsächlich an historische Begebenheiten gehalten hätte, anstatt sich einfach nur irgendwas auszudenken. Ich erwarte nicht, dass jede Person das weiß. Wenn aber jemand ein Buch in dieser Zeit und Gesellschaft schreibt, sollte man ordentlich recherchieren. Das hat die Autorin aber offensichtlich nicht gemacht und Zeit und Gesellschaft nicht verstanden. Ich habe hier eher den Eindruck, als wolle eine Boomer-Autorin ihre konservativen Ansichten von 1950 in den 1870er drücken. Es wird nicht ein einziger aufgemachter Konflikt wirklich sinnvoll gelöst, einige Konflikte werden nicht mal als solche erkannt. Die Autorin baut teilweise über das gesamte Buch Konflikte auf, die bei 85% in einem Nebensatz gelöst werden. Wir bekommen einfach gesagt „Das Problem x wurde von Person y gelöst“. Fertig. So ein mieses Storytelling. Viele Konflikte funktionieren einfach auch gar nicht, werden aber rücksichtslos durchgezogen. Franz wird als „gemein“ bezeichnet, obwohl er ein Gewalttäter ist. Vergewaltigungen und Missbrauch werden nicht als solche benannt, sondern einfach still hingenommen. Die Mutter klaut einen Großteil des Geldes, ersetzt ohne zögern ihren Sohn durch einen anderen, zwingt ihre Tochter in eine Ehe (weil Geld fehlt, dass sie selbst geklaut hat), und bricht, ohne mit der Wimper zu zucken, ihre Zusage, dass Clara das Geschäft übernehmen darf. Nichts davon wird mal ordentlich diskutiert und als das bezeichnet, was es ist: Gewalt. Das spiegelt echt gut die Boomer-Generation wider, die auch nie gelernt haben, sich mit Konflikten, Gewalt und Missbrauch wirklich auseinanderzusetzen. Charaktere: Clara: vollkommen emotionsloses Stück Mensch. Sie fühlt nix. Gar nichts. Wenn, dann schreibt die Autorin direkt „Clara fühlte sich hilflos, Clara war wütend, Clara hatte Tränen in den Augen“. Mehr Gefühl bekommen wir hier nicht. Auf der anderen Seite befinden wir uns permanent in Claras Kopf und müssen seitenweise ihre wirren Gedankengänge lesen, die absoluter Müll sind und für mich kein Stück nachvollziehbar. Das gesamte Buch erzählt uns die Autorin, dass Clara unbedingt das Teegeschäft übernehmen will, ihr Traum, ihr einziges Ziel, ihre Leidenschaft. Auf den letzten 10% wendet sich das Blatt und die Autorin will uns weis machen, dass Clara ja nie das Geschäft wollte und es nur aus Pflichtgefühl übernommen hätte. Fühle mich verarscht. Der Vater hat eindeutig Demenz und wir wissen alle, wie das enden wird. Nun, die einzige Reaktion zum geistigen und körperlichen Abbau ihres Vaters ist: „er ist eben alt“. Dabei ist NIEMAND da, der sich um den ach so lieben Papi kümmert, NIEMAND schert sich auch nur einen Deut um den. Der wird nur ab und an erwähnt, damit die Lesenden wissen, dass der noch nicht gestorben ist. Ja, dann siecht der liebe Papi eben elendig vor sich hin – ist eben alt, passiert. Selbst sein Tod ist nur ein Nebensatz. Genauso wird mit ihrem Bruder August umgegangen, der einen Suizidversuch durchführt, bei dem er sich das halbe Gesicht wegschießt, und dann bequem in irgendein Heim abgeschoben wird. Kein Mitleid, kein Vermissen, keine Gefühle. Nur Witze darüber. Er wird am Rande mal ab und an erwähnt, nicht besucht, nicht angeschrieben, und dann prompt durch einen anderen ersetzt. Niemand sagt ihm, dass sein Vater gestorben ist, niemand bringt ihn zur Beerdigung, niemand besucht ihn zu Weihnachten. Als Clara ihn irgendwann besucht, muss sie sehr betonen, dass sie seinen Anblick gerade noch ertragen kann. Dann macht sie ihm auch noch Vorwürfe, weil das Sanatorium so teuer ist. Dass er extrem traumatisiert ist und eine fette PTBS hat, ist ihr egal – denn es geht ja nur um sie und sie leidet am schlimmsten. Es ist so ekelhaft. Wir sehen auch nicht, dass Clara sich irgendwie mal mit ihrer Schwangerschaft beschäftigt. Ganz zu Beginn tritt sie übelste Rassismen breit, weil sie nicht weiß, von dem das Kind nun ist, aber dann war es das auch schon. So ist das mit allem, komplett gefühllos. Franz sperrt sie in einer Szene in ein dunkles Kellerloch ein, da ist sie schon schwanger. Was macht Clara? Sie schläft erstmal eine Runde, ohne sich auch nur eine Sekunde Gedanken über ihre Situation zu machen. Franz verhält sich extrem missbräuchlich, bedroht sie und ihre Familie, aber Clara hat dafür keinen Gedanken, geschweige denn einen Hauch von Emotion übrig. Aber – OMG – der Briefkasten! Über dieses ungeheuerliche Gebilde lässt sich Clara über eine Seite lang aus. Sie selbst ist ein einziger Trope. Niemand ist so speziell wie sie. Sie ist nicht wie die anderen Frauen, die ja alle schlecht sind, weil sie gern häuslich sind, weil sie Mode und Gesellschaften mögen, wie ihre Schwester. Nein, Clara, ist so besonders. Niemand kann Tee so schmecken wie sie, nicht mal ihre Eltern, die seit 30 Jahren ein Teegeschäft führen. Die kommen natürlich niemals ohne sie klar. Auf der anderen Seite ist sie so dermaßen passiv und will es jedem Recht machen, dass sie einfach alles mit sich machen lässt. Sie hat quasi die Waffen in der Hand und macht nix damit, sondern bettelt und leidet sich durch die ganze Geschichte. Sie gibt sich für alles die Schuld, außer für die Dinge, an denen sie tatsächlich Schuld hat. Auch ihre Rede am Ende des Buch hat einfach nur noch Fremdscham in mir ausgelöst. Sie packt quasi auf den Tisch, dass sie ihren Mann betrogen hat vor der gesammelten High Society von Berlin. Damit hätte sie das Teegeschäft ruiniert. Aber nein, es funktioniert halt, weil die Autorin es so will, nicht weil es in der Realität tatsächlich funktioniert hätte. Clara ist die unangenehmste Figur im gesamten Buch. Akeno: Er wird von der Autorin extrem exotisiert und fetischisiert. Einen Charakter hat er aber nicht. Er wird so wie ein Stereotyp von einem Japaner dargestellt, immer reserviert, voll weise und philosophisch. Er spielt auch so gut wie keine Rolle. Die peinlichste Szene, wo ich echt Fremdscham hatte, war, als er die Teezeremonie zu einer „Traumreise“ verwandelt und weil das ganze so furchtbar erotisch ist, schmeißt er dann seine gesamte Ausrüstung gegen die Wand und fällt über Clara her. Jaaaa…. NEIN! Es ist einfach alles extrem unangenehm. Weiterhin werden Fakten über Japan falsch dargestellt, z.B. eine Daruma-Puppe wurde offensichtlich mit einer Kokeshi verwechselt und ersterer wurde dann auch noch eine sexuelle Komponente gegeben, die schlicht nicht existiert. Akeno hat auch keinen Nachnamen, obwohl es auch damals schon Nachnamen in Japan gab, ja auch schon vor der Öffnung und westlichem Einfluss. Es ist natürlich durchaus möglich, dass Akeno so dermaßen arm und unbedeutend ist, dass er keinen Nachnamen hat. Aber WARUM schicken die den dann für ein kleines Vermögen nach Europa, um Geschäftshandlungen durchzuführen? Unlogisch. Fazit: Das Buch ist rassistisch und misogyn, geht mit Geschichte um wie Pippi Langstrumpf und macht sich über psychische Erkrankungen lustig. Recherche scheint für die Autorin ein Fremdwort. Der Schreibstil ist emotionslos. Es soll feministisch sein, mit einer „starken Frau“, aber das einzige, was uns hier vermittelt wird, ist „halt die Fresse und leide stumm“. Ich rate dringend von der Lektüre dieses Buch ab. Es sei denn, euch ist alles scheiß egal, außer euch selbst.

5

Das Buch hat mich von vorne bis hinten gefesselt. Freu mich schon auf Teil 2

4

Ein durchaus gelungener historischer Liebesroman, in dem die Familie von Clara in den 1870ern ein Teehaus in Berlin leitet. Dadurch lernt jene den sanften Handelsvertreter Akeno aus Japan kennen, in den sie sich sofort verliebt. Jedoch drängt ihre Familie sie in eine Vernunftehe mit ihrem Kindheitsfreund Franz - was zum Problem wird als ihr Vater mehr und mehr verwirrt wird und die Finanzen des Teehauses nicht mehr leiten kann. Außerdem steht auch Claras eigenes Glück auf dem Spiel, denn sie kann Akeno einfach nicht loslassen. Der Schreibstil schildert aus der Erzählerperspektive und liest sich dabei überraschend locker und leicht, weshalb man super durch die Geschichte kommt. Und auch der Plot selbst ist ziemlich unterhaltsam; einfach die richtige Mischung aus zarter, verbotener Liebesgeschichte und Familiendrama. Sprich bleibt es durchgehend interessant und man möchte wissen, wie es weitergeht. Besonders da Clara auch eine relativ sympathische Protagonistin ist, die für das kämpft, was ihr wichtig ist und mit Akeno einfach ein süßes Paar ergibt. Insgesamt also ein schönes Buch für alle Fans von Tee und historisch angehauchten Liebesgeschichten, dass sich wirklich leicht und locker wegliest. Und auch der Cliffhanger am Ende ist vielversprechend, weshalb man auch den nächsten Band lesen möchte.

4

Das Cover ist wunderschön, vor allem durch die Kischblütenbäume, welche die Sehnsucht der Protagonistin schön darstellen. Es war mein erstes Buch von der Autorin und der Schreibstil hat mich direkt in die Geschichte herein gezogen. Das Buch ist dadurch sehr angenehm zu Lesen und ich wollte es gar nicht mehr weg legen. In diesem Buch begleiten wir Clara bei ihrem Leben zwischen der Liebe zu Tee und dem Pflichtgefühl gegenüber der Familie und dem Teehaus. Dabei erleben wir viel Ungerechtigkeit und erleben trotzdem eine wahrhaftige Liebe zwischen Clara und einem japanischen Teehändler, welche jedoch durch Claras Verpflichtungen für die Familie keine echte Chance erhalten kann. Sie heiratet einen reichen Geschäftsmann, welcher ihr hilft das Familienunternehmen zu retten, glücklich wird sie mit ihm trotzdem nicht. Sie flüchtet zurück zu ihrer Familie und durch viele unvohersehbare Gegebenheiten verändert sich ihr Leben und wird wieder auf den Kopf gestellt. Dabei fühlt man die ganze Zeit sehr mit Clara mit und ich musste oftmals schwer schlucken. Die Geschichte hat zwar eine eher langsame Geschwindigkeit, trotzdem ist der Lesefluss einfach super angenehm und es bleibt die ganze Zeit fesselnd und auf eine eigene Art sehr spannend. Ich hab jetzt schon große Lust auf den 2. Band und vor allem nach der Leseprobe kann ich es kaum erwarten.

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