Blick ins Buch

Romane

Großmama packt aus

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Über das Buch

Bekanntlich verstrickt sich jeder, der über sein eigenes Leben schreiben will, in ein Lügenknäuel. Der Kunstgriff, mit dem Irene Dische diesem Dilemma entgeht, ist genial: an ihrer Statt erzählt Großmutter Elisabeth Rother, genannt Mops, und die Enkelin setzt sich lustvoll ihrem süffisanten, gnadenlos vorurteilsbeladenen Blick aus.'Daß meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermiendichte zusammen' - zum Auftakt ein Paukenschlag, und damit wird das schlesisch-rheinische Familienensemble auf die Bühne gerufen. Carl, Elisabeths jüdischer Mann aus Leobschütz, ist ihretwegen zum Katholizismus konvertiert, was die Nazis und sein neuer Erlöser aber nicht gelten lassen wollten. Gerade noch rechtzeitig gelangte er mit Frau und Tochter nach New York, während Elisabeths Brüder aufrechte Nazis wurden und Carls Verwandtschaft im KZ endete. Irenes Mutter, Renate, zerschnitt gerne Leichen und erzog ihre Tochter vornehmlich in der Pathologie, weil Dische, ihr unmöglicher Mann, zu Hause an einer Erfindung hockte, die ihm fast den Nobelpreis eingetragen hätte. Liesel, das Faktotum, ist moralisch unerschütterlich und Gott ebenso ergeben wie den Rothers:Nachdem sie der sterbenden Großmutter mittels Himbeergeist zu einem sanften Tod verholfen hat, bleiben ihrer Fürsorge immer noch die unbelehrbare Renate und die missratene Irene, die zwar ihre Jungfräulichkeit löblich lange verteidigt, dafür aber keinen Schulabschluß und, wie es lange schien, auch sonst wenig zustande gekriegt hat. Wie in einem Kaleidoskop fügen sich die atemlos, liebevoll-bösartig erzählten Episoden dieser deutsch-amerikanischen, katholisch-jüdischen Sippe zu einem Gesamtbild bürgerlicher Familienkatastrophen.

Editionen (13)

ISBN9783423191340
Verlagdtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum01.01.10
Seitenzahl416

Rezensionen & Bewertungen

49 Bewertungen

6 Rezensionen

3,7

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  • carmen86
    carmen86

    105 Follower

    3,0

    3⭐️; teilweise gut zu Lesen aber in Summe zu verwirrend und geschichtlich viel zu weit hergeholt um der Geschichte in spannender Weise folgen zu können. Es hat sich auch recht unflüssig gelesen leider.

    5. Dez. 2025

  • stines_lesereise
    stines_lesereise

    19 Follower

    4,0

    Großartiger Roman über starke Frauen und intergenerationales Trauma 

    Der bei Hoffmann und Campe 2005 erschienene Roman wurde von Reinhard Kaiser übersetzt. Irene Dische schreibt ihr einen autofiktionalen Roman über ihre Familie, beginnend in der Generation ihrer Großmutter. Dabei finde ich die gewählte Perspektive großartig gelungen. Sie schreibt aus der Sicht ihrer Großmutter in der Ich-Form. Wir sind in der ganzen Zeit ausschließlich im Kopf ihrer Großmutter, mit all ihren Vorurteilen und mit all ihren verstellten Blicken auf die Realität, mal aus Liebe, mal aus Hass, mal aus Eifersucht, mal aus Unwissenheit. Die Geschichte beginnt in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts und reicht bis in die Gegenwart. Ein wunderbares Buch, das aus meiner Sicht auf viele Arten gelesen werden kann.

    8. Jan. 2024

  • 3,5

    Glaubwürdige Frauencharaktere

    Elisabeth, Renate und Irene wachsen einem beim Hören schon etwas an's Herz ❤️ . Alle drei (oder besser vier - vergessen wir Liesl nicht) sind faszinierende Frauen. Auch wenn man natürlich nicht mit der Erziehung und der Bigotterie der deutschen, strengen Frau einverstanden ist, kann man das Verhalten im zeitlichen Kontext gut nachvollziehen. Man ist fast stolz auf die Großmama, weil sie sich sehr von ihrer Tochter und Enkelin inspirieren lässt und sich für die moderne Welt ein bisschen öffnen kann. Außerdem fand ich die Erzählweise, wie auch die Sprecherin mit ihrer trockenen, "deutschen" Art sehr authentisch 😅.

    17. Feb. 2025

3 von 6 Rezensionen

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