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Skandal in Königsberg

3,3(12)
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Über das Buch

Das neue Buch des Bestsellerautors von „Preußen“ und „Die Schlafwandler“ – Königsberg 1835: Eine Phase des Friedens. Doch hinter der ruhigen Fassade brodelt die Angst

Bestsellerautor und Preußen-Experte Christopher Clark entführt uns ins frühe 19. Jahrhundert, in eine Welt voller Intrigen und Verrat. Königsberg, die verschlafene Kleinstadt und einstige Residenz von Immanuel Kant, wird in den späten 1830er-Jahren zum Schauplatz eines spektakulären Skandals, der zwei lutherischen Predigern zum Verhängnis werden soll. Sensationelle Anschuldigungen und dunkle erotische Geheimnisse erschüttern das Vertrauen der Gemeinschaft und versetzen die preußischen Behörden in Aufruhr. Meisterhaft erzählt Clark, wie religiöser Eifer, sexuelle Ausschweifungen und menschliche Unberechenbarkeit die Stadt ins Chaos stürzen, zu einer Zeit, in der moralische Fehltritte als Vorboten neuer Unruhen gefürchtet wurden. Eine kaum bekannte Episode ausdem alten Preußen – und ein Skandal, der überraschende Parallelen zur Gegenwart aufweist.

Editionen (1)

ISBN9783421070494
VerlagDVA
Erscheinungsdatum12.11.25
Seitenzahl224

Rezensionen & Bewertungen

12 Bewertungen

3 Rezensionen

3,3

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  • floetenfisch
    floetenfisch

    75 Follower

    4,0

    "Skandal in Königsberg" präsentiert sich als eine exzellent erzählte, quellengesättigte Mikrogeschichte, deren analytische Präzision und narrative Eleganz überzeugen. Clark demonstriert meisterhaft, wie religiöser Eifer, sexuelle Projektionen und politische Unsicherheiten zu einem moralischen Konflikt eskalieren können. Clark entfaltet den Skandal um die Prediger Ebel und Diestel als ein vielschichtiges Panorama aus religiöser Erregung, sexueller Angst und politischer Überforderung. Dies zeichnet ein lebendiges Bild einer Provinzstadt, in der sich eine „kleine moralische Panik“ entwickelt. Besonders hervorzuheben ist Clarks Analyse der Mechanismen von Hysterie: Sie beleuchtet, wie religiöser Eifer, unterdrückte Sexualität, politische Intrigen und persönliche Rivalitäten ineinandergreifen und eine toxische Dynamik erzeugen. Diese Verknüpfung macht das Buch nicht nur historisch relevant, sondern auch zeitdiagnostisch bedeutsam, da Clark Parallelen zu modernen Medienöffentlichkeiten aufzeigt. Clark zeichnet die Hauptfiguren – insbesondere den charismatischen Prediger Ebel – plastisch und mit psychologischem Feingefühl. Die religiöse Lehre, die den Skandal befeuerte, erscheint in Clarks Darstellung zugleich bizarr und nachvollziehbar. Er verdeutlicht die Ambivalenz der Akteure: Opfer- und Täterrollen verschwimmen, moralische Gewissheiten lösen sich auf. Allerdings bleibt die breitere politische Einbettung – beispielsweise die preußische Verwaltungskultur oder die Rolle der Kirche im Vormärz – eher knapp dargestellt. Der Skandal dient als Lehrstück darüber, wie Gerüchte, Denunziation und moralische Panik funktionieren – lange vor den sozialen Medien. Diese Perspektive verleiht dem Buch besondere Aktualität: Es zeigt auf, wie schnell sich moralische Erregung verselbstständigen kann und wie eng Medien, Politik und Justiz miteinander verknüpft sein können. Es handelt sich um ein hervorragend geschriebenes, kluges und atmosphärisch dichtes Buch, das eine nahezu vergessene Episode preußischer Geschichte mit erzählerischer Kraft und analytischer Tiefe rekonstruiert. Clark gelingt es, aus einem lokalen Skandal ein universelles Lehrstück über Moral, Macht und Medien zu gestalten.

    7. Juni 2026

  • 4,0

    Skandal in Königsberg von Christopher Clark aus dem #dvaverlag ▪️ Auf dieses Buch hatte ich mich sehr freut. . Auch wenn ich keine anderen Bestseller von dem Autoren gelesen habe, hat mich ein Buch von einem Historiker, der Erfahrung hat Bücher für ein größeres Publikum zu schreiben und zu publizieren … schon einmal angesprochen. . Dann finde ich Preußen seit meinem letzten Urlaub in Danzig sehr interessant. Ich muss gestehen, dass ich zu diesem Thema, sehr große Wissenslücken habe. . Ebenfalls angesprochen hat mich ein Buch mit nur 200 Seiten und nur einer Geschichte aus dieser Zeit. Zum Einstieg dachte ich. , Für die Recherche, für die Detailgenauigkeit usw würde volle Punktzahl vergeben. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ein Buch von einem Historiker zu lesen, der sich auskennt. Der sich in das Thema mehr als hineingearbeitet hat. Der weiß wovon er spricht. . Aber es war teilweise so sperrig geschrieben. Lange Schachtelsätze. Passagen, die mich vergessen ließen, worum es eigentlich ging. Diesen Texstellen war es schwer zu folgen. Selbst beim laut vorlesen, damit ich mit anderen darüber reden konnte, habe ich mich verhaspelt und mir konnte keiner folgen. . Es mag an mir liegen. Ich bin keine Wissenschaftlerin. Ich lese Bücher zur Unterhaltung. Aber ich lese auch gerne Sachbücher, an die sich nicht jeder traut. . Der Autor ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Ich hätte mir gewünscht, dass er sein Thema auch etwas gefälliger und flüssiger zum Nachlesen aufbereitet. . Da es ein Sachbuch ist und kein Roman, werte ich den Informationsgehalt höher als den Schreibstil. . Hier bin ich von dem „Skandal“ auch etwas enttäuscht oder durch unsere aktuelle Lebenssituation auch verroht. Ungerechtfertigte und falsche Anschuldigungen stehen bei uns leider auf der Tagesordnung. Dadurch hat dieses Buch eher ein Gefühl von „damals war es auch nicht besser“ hinterlassen. . Ein paar neue Einblicke in die Geschichte konnte ich werfen. Das hat mir gefallen. Ich vergebe 3,5 Sterne.

    13. Feb. 2026

  • wildeskopfkino
    wildeskopfkino

    147 Follower

    4,0

    Wenn fromme Fassaden bröckeln und Königsberg flüstert

    Moral, Macht und muffige Kirchenluft. Klingt trocken, wird hier aber plötzlich erstaunlich pikant. Königsberg wirkt zunächst wie eine Stadt, in der nach 18 Uhr nur noch Fensterläden klappern. Und dann kommt dieser Skandal daher und reißt die fromme Fassade mit einem satten Knall ein. Zwei Prediger, viele Gerüchte und ein ganzes Gemeinwesen, das nervös mit den Fingern auf den Tisch trommelt. Christopher Clark erzählt das Ganze mit einem Blick, der gleichzeitig neugierig und leicht amüsiert wirkt. Hinter der steifen preußischen Ordnung brodeln Eitelkeiten, Begierden und jede Menge Angst vor Kontrollverlust. Beim Lesen entsteht dieses Gefühl, heimlich durch halb geöffnete Türen zu schauen. Man weiß, das gehört sich nicht, macht aber genau deshalb so viel Spaß. Besonders stark ist die Atmosphäre. Enge Gassen, moralische Empörung und dieses leise Tuscheln, das immer lauter wird. Kein reiner Krimi, eher ein historisches Drama mit echtem Zündstoff. Man merkt, wie sehr Clark die Zeit versteht. Und wie wenig sich Menschen seitdem verändert haben. Manchmal nimmt sich das Buch Zeit. Sehr viel Zeit. Einige Passagen wirken wie ein gemütlicher Spaziergang durch Archivstaub. Aber genau daraus entsteht auch die Glaubwürdigkeit. Am Ende bleibt ein kluger, unterhaltsamer Blick auf einen Skandal, der überraschend modern wirkt. Und ein Grinsen, weil selbst im strengsten Preußen ordentlich Chaos möglich war.

    Wenn fromme Fassaden bröckeln und Königsberg flüstert

    5. Apr. 2026

Autorin / Autor

Über Christopher Clark

Christopher Clark, geboren 1960, lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine's College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens. Er ist Autor einer Biographie Wilhelms II., des letzten deutschen Kaisers. Für sein Buch »Preußen« erhielt er 2007 den renommierten Wolfson History Prize sowie 2010 als erster nicht-deutschsprachiger Historiker den Preis des Historischen Kollegs. Sein epochales Buch über den Ersten Weltkrieg, »Die Schlafwandler« (2013), führte wochenlang die deutsche Sachbuch-Bestseller-Liste an und war ein internationaler Bucherfolg. 2018 erschien von ihm der vielbeachtete Bestseller »Von Zeit und Macht«, 2020 folgte das von der Kritik gefeierte »Gefangene der Zeit« und 2023 das Epochengemälde »Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt«. Einem breiten Fernsehpublikum wurde Christopher Clark bekannt als Moderator der mehrteiligen ZDF-Doku-Reihen »Deutschland-Saga«, »Europa-Saga« und »Welten-Saga«. 2022 wurde ihm der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten verliehen.

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