Blick ins Buch

Die Elenden. Les Misérables, 3 Bde.

4,3(187)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

"O Frühling, du bist ein Brief, den ich ihr schreibe... Wie groß ist es, geliebt zu werden! Und um wieviel größer, zu lieben! Das Herz wird heldisch durch seine Liebe. Es ist einzig aus Reinheit zusammengesetzt, nichts ist in ihm als Ewiges und Erhabenes. Ein unwürdiger Gedanke vermag in ihm sowenig zu keimen wie eine Brennessel auf Gletschereis. Die hohe und lautere Seele, unzugänglich den niederen Leidenschaften und Erregungen, wohnt im Himmelsblau. Beherrschend die Wolken und die Schatten dieser Welt, den Wahnsinn, die Lüge, den Haß, die Eitelkeit, die Not, empfindet sie nur noch die tiefen, unterirdischen Erschütterungen des Schicksals, wie die Gipfel der Berge das Beben der Erde empfinden... Wäre niemand mehr, der liebte, die Sonne würde erlöschen."
Wer kann die Liebe ergreifender schildern als Victor Hugo? Wer vermag es, all ihre Erhabenheiten und Abgründe perfekt in Worte zu kleiden? Wenn das überhaupt möglich ist, hat Victor Hugo es vollbracht. Sein Werk wird von den größten Gefühlen, zu denen ein menschliches Wesen fähig ist, getragen, ob sie sich nun in Helligkeit entfalten bis aufs Äußerste oder die weitesten Dimensionen annehmen in ihrer Düsternis. Schonungslos und mit erschreckender Plastizität führt er uns das Dasein der Ärmsten unter den Armen im Frankreich des 19. Jahrhunderts vor Augen. Er beschreibt ihren erbitterten Kampf, den tiefsten Sümpfen des Jammertals zu entrinnen und eine gerechtere Welt zu schaffen. Und doch wird dort nicht nur gekämpft und geweint. Hugo entblättert unsere Existenz in seiner ganzen Bandbreite, ob wir von unserer Bestimmung her begnadigt sind oder nicht. Jedes Leben durchzieht ein kleines Glück, auch wenn es einem erbarmungswürdigen Schicksal folgt und an unwürdigen Klippen zerschellt. Hugo befreit die Erniedrigten von ihrem Schmutz und stellt sie zurück in das Licht ihrer Würde, die jedem Menschen, egal wie sehr er beleidigt wurde, innewohnt.
Ich halte Hugos Werk hoch über meine kleine Bibliothek, weil es lebensspendenden Idealen folgt, weil es sich einer Moral verpflichtet, die mächtiger ist als die gesellschaftliche Moral, weil es den Blick auf die Welt komplett umdreht und die Sicht darauf freimacht, wie schön sie aussehen könnte, und letztlich, weil das Edle über das Gemeine im Menschen siegt. Und ich liebe es wegen seines hohen Gehaltes an Wahrheit, der gelungenen Mischung aus Realismus und Absurdität. Viel Gutes muß der Grausamkeit des Lebens zum Opfer fallen, ehe das wirklich Erhabene seinen glänzenden Sieg davontragen kann. Hugo beschönigt nichts. Trotzdem ist sein Weltbild nicht pessimistisch. Er beschreibt die Kluft zwischen Arm und Reich. Er zeigt, daß Armut böse machen kann und Reichtum blind. Dennoch siegt am Ende die Weisheit über die Dummheit und die Liebe über den Haß.
Abgestumpft von vielen Jahren auf der Galeere und als gefährlicher Mensch von der Gesellschaft geächtet, nimmt der Bischof von Digne Jean Valjean, den ehemaligen Galeerensträfling, auf und bewirkt bei ihm durch einen peinlichen Vorfall und durch seine beispiellose Güte, eine wundersame Verwandlung. Jean Valjean, durch 19 Jahre Gefangenschaft vom Bösen zersetzt und verdorben, erkennt sein ganzes Elend in einem Schlüsselerlebnis und entwickelt sich daraus zu einem Beschützer der Schwachen und Bedürftigen. Doch unerbittlich bleibt ihm seine Vergangenheit auf den Fersen. Sie verfolgt ihn in der Gestalt des Polizeiinspektors Javert, der als Reinkarnation von seelenloser Spießbürgerlichkeit und menschenverachtender Gesetzestreue bis an sein Lebensende versucht, ihn wieder hinter Schloß und Riegel zu bringen.
Rein stilistisch ist Victor Hugos dreibändiger Roman eine Schöpfung erster Güte. Wie eine Pyramide baut sich die Geschichte um Jean Valjean auf. Scheinbar völlig unabhängig voneinander beginnen hier und dort Steinwälle aus dem Boden zu wachsen, um sich irgendwann ganz unerwartet aneinanderzufügen und in einer einzigen Spitze zusammenzulaufen. Genauso entspinnt sich in Hugos Roman hier und da eine von der

Editionen (27)

ISBN9783353010407
VerlagVolk und Welt
Erscheinungsdatum01.01.83
Seitenzahl1584

Rezensionen & Bewertungen

187 Bewertungen

23 Rezensionen

4,3

Tippen zum Filtern

  • blackorchid1004
    blackorchid1004

    48 Follower

    4,0

    Wow, was ein Klopper! Seitentechnisch und inhaltstechnisch wirklich eine Herausforderung, die ich jedoch sehr genossen habe. Sprachlich nicht immer ganz ohne, da nicht editiert und veraltet, aber ich war sofort mittendrin im Kopfkino. Da nicht jeder die sprachliche Gestaltung feiern wird, ziehe ich einen Stern ab. Next Challenge: Ich mag die Verfilmung mit Hugh Jackman(❤️) sehr und muss die mit Gerard Depardieu noch schauen. Ebenso will ich das Musical noch sehen. Les Miserables wird mich also so schnell nicht loslassen. 😊

    6 Tage vor

  • gidiorr
    gidiorr

    54 Follower

    5,0

    Ein literarisches Monument der Menschlichkeit

    wo fange ich nur an? „Die Elenden“ ist kein Buch, das man einfach liest. Es ist ein Werk, das man erlebt, durchleidet, hinterfragt – und letztlich versteht. Victor Hugos Roman ist ein monumentales Zeugnis menschlicher Existenz, voll von Elend, Hoffnung, Moral und Erlösung. Seine Sprache ist präzise, bildhaft und oft abschweifend, doch jede dieser Abschweifungen trägt Sinn in sich. Es ist, als würde Hugo den Leser zwingen, die Welt nicht bloß zu betrachten, sondern sie zu durchdringen – in all ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit. Was mich besonders beeindruckt hat, war Hugos Fähigkeit, in jedem Detail eine Idee zu verstecken. Kein Charakter, kein Schauplatz, keine Anekdote bleibt bedeutungslos. Selbst seine langen philosophischen und historischen Exkurse – etwa über das Klosterleben oder die Kanalisation von Paris – wirken nicht wie Umwege, sondern wie Wege zum Verständnis des Menschen. Hugo schafft es, das Kleine im Großen und das Große im Kleinen sichtbar zu machen. Jean Valjeans Entwicklung gehört für mich zu den tiefgründigsten Charakterstudien der Weltliteratur. In ihm verdichten sich Schuld, Reue, Menschlichkeit und das Ringen um das Gute. Doch auch Figuren wie Javert, Cosette oder Marius tragen das moralische Gewicht des Romans. Niemand ist nur gut oder böse – jeder handelt aus Überzeugungen, Verletzungen, aus Glauben oder aus Angst. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so sehr gefordert und gleichzeitig so reich belohnt hat. „Die Elenden“ verlangt Zeit, Geduld und Konzentration – aber es gibt einem mehr zurück, als man hineinlegt. Es ist kein Roman, den man konsumiert, sondern einer, den man durchlebt. Am Ende hatte ich nicht das Gefühl, ein Buch geschlossen zu haben, sondern ein Kapitel menschlicher Erkenntnis. Ich habe nicht einfach gelesen – ich habe verstanden.

    Ein literarisches Monument der Menschlichkeit

    8. Okt. 2025

  • peacy1979
    peacy1979

    5 Follower

    5,0

    Absoluter Hammer! Ein Klassiker, das man gelesen haben muss!

    Magst du den Film? Das Buch ist besser, auch wenn der Film SEHR gut umgesetzt ist, aber das Buch?! WOW, ich denke immer und immer wieder dara! 5 ⭐️ reichen nicht! Eine 100/10

    29. März 2026

3 von 23 Rezensionen

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick