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Insgesamt wirft Katja Diehl einen nötigen, wichtigen und grob umfassenden Blick auf die Autoabhängigkeit und die Autozentriertheit in Deutschland und zeigt anhand von Interviews mit Menschen, die nicht der Mehrheitsgesellschaft entsprechen, welche Probleme mit der aktuellen Verkehrsplanung bestehen. Man sollte Volker Wissing zwingen, dieses Buch zu lesen. Leider wird aber an der ein oder anderen Stelle merklich, dass Katja "nur" eingelesene Expertin für Mobilitätsplanung ist, und in dem (praktischen oder wissenschaftlichen) Bereich nicht gearbeitet oder gelernt hat. Dadurch haben sich über das Buch einige faktische Fehler oder Ungenauigkeiten eingeschlichen, die ihre so wichtige Botschaft angreifbar machen. An der Stelle sollte gesagt sein, dass ich die erste Auflage gelesen habe, und nicht weiß, inwiefern Fehler mittlerweile schon überarbeitet wurden. Dass bspw. Gehwegbreiten immer weiter abnehmen, ist schon aufgrund der Richtlinien, die breitere Gehwege fordern, als die meisten Gehwege im urbanen Raum aufweisen, ist Quatsch. Sie setzt die "Donot-Stadt" mit tagsüber leeren Schläferdörfern als Folge von Zentrierter Arbeit gleich, obwohl die doch das Gegenteil beschreiben. Der Führerschein wird von ihr als eigentlich nur zu machen, wenn der Wunsch nach einem eigenen Auto besteht, dargestellt - gleichzeitig stellt sie CarSharing-Systeme vor, die natürlich einen Führerschein voraussetzen. Desweiteren kritisiert sie erst Carearbeit-Mehraufwand durch zu fahrende ältere Angehörige, um ein paar Seiten später Mehrgenerationenwohnen als (Teil-)Lösung vorzustellen, was aber wieder nur ein Schieben der Verantwortung ins Private und mehr Carearbeit bedeutet. Für die allergrößte Kritik ihrer Gegenredner (muss ich in dem Kontext wirklich nicht gendern), dass sie keine wirklichen Strategien für den ländlichen Raum vorstellt, hat sie mit diesem Buch leider weiter Öl ins Feuer gegossen. Konkrete (gute) Maßnahmen für den ländlichen Raum/gegen Zersiedelung fehlen - Verkehr vermeiden (Homeoffice) oder Wegelängen verkürzen ist natürlich erstrebenswert, ändert aber nichts am Mobilitätsbedürfnis (Mobilität = Möglichkeit zur Ortsveränderung) und an dem aktuell dahingehend wirklich schlechten Stand - und eben an der Abhängigkeit vom Auto. Teilweise fehlen Quellen/Fußnoten zu konkreten Zahlen, wissenschaftlicher Standard ist die gesamte Quellenarbeit nicht, aber das sollte man in so einem Buch mit der Zielgruppe vielleicht auch nicht voraussetzen. Schade fand ich auch den falschen Link zu einer Seite namens "Stadtmobil" (?), auf der Studien zu finden seien (die mich sehr interessiert hätten), die dann aber nur die Website eines Carsharing-Anbieters ist. Trotz all der Kritikpunkte fand ich das Buch angenehm zu lesen und halte es für einen sehr guten Einstieg in die Materie nachhaltige Mobilitätsplanung für Menschen, die den Quatsch nicht studieren (:D)/studiert haben oder für die, die zwar technisch Ahnung haben (vielleicht auch mehr Ahnung als Katja), aber ein Aufrütteln und tieferes Verständnis im Bereich der vielfältigen Diskriminierungsebenen des Verkehrs brauchen. Und ihren Leitspruch "Willst du Autofahren oder musst du Autofahren?" finde ich super - wir wollen niemandem das geliebte Auto wegnehmen, wir wollen Alternativen schaffen, damit niemand mehr, egal wo, Autofahren MUSS.
4. Jan. 2024
Insgesamt wirft Katja Diehl einen nötigen, wichtigen und grob umfassenden Blick auf die Autoabhängigkeit und die Autozentriertheit in Deutschland und zeigt anhand von Interviews mit Menschen, die nicht der Mehrheitsgesellschaft entsprechen, welche Probleme mit der aktuellen Verkehrsplanung bestehen. Man sollte Volker Wissing zwingen, dieses Buch zu lesen. Leider wird aber an der ein oder anderen Stelle merklich, dass Katja "nur" eingelesene Expertin für Mobilitätsplanung ist, und in dem (praktischen oder wissenschaftlichen) Bereich nicht gearbeitet oder gelernt hat. Dadurch haben sich über das Buch einige faktische Fehler oder Ungenauigkeiten eingeschlichen, die ihre so wichtige Botschaft angreifbar machen. An der Stelle sollte gesagt sein, dass ich die erste Auflage gelesen habe, und nicht weiß, inwiefern Fehler mittlerweile schon überarbeitet wurden. Dass bspw. Gehwegbreiten immer weiter abnehmen, ist schon aufgrund der Richtlinien, die breitere Gehwege fordern, als die meisten Gehwege im urbanen Raum aufweisen, ist Quatsch. Sie setzt die "Donot-Stadt" mit tagsüber leeren Schläferdörfern als Folge von Zentrierter Arbeit gleich, obwohl die doch das Gegenteil beschreiben. Der Führerschein wird von ihr als eigentlich nur zu machen, wenn der Wunsch nach einem eigenen Auto besteht, dargestellt - gleichzeitig stellt sie CarSharing-Systeme vor, die natürlich einen Führerschein voraussetzen. Desweiteren kritisiert sie erst Carearbeit-Mehraufwand durch zu fahrende ältere Angehörige, um ein paar Seiten später Mehrgenerationenwohnen als (Teil-)Lösung vorzustellen, was aber wieder nur ein Schieben der Verantwortung ins Private und mehr Carearbeit bedeutet. Für die allergrößte Kritik ihrer Gegenredner (muss ich in dem Kontext wirklich nicht gendern), dass sie keine wirklichen Strategien für den ländlichen Raum vorstellt, hat sie mit diesem Buch leider weiter Öl ins Feuer gegossen. Konkrete (gute) Maßnahmen für den ländlichen Raum/gegen Zersiedelung fehlen - Verkehr vermeiden (Homeoffice) oder Wegelängen verkürzen ist natürlich erstrebenswert, ändert aber nichts am Mobilitätsbedürfnis (Mobilität = Möglichkeit zur Ortsveränderung) und an dem aktuell dahingehend wirklich schlechten Stand - und eben an der Abhängigkeit vom Auto. Teilweise fehlen Quellen/Fußnoten zu konkreten Zahlen, wissenschaftlicher Standard ist die gesamte Quellenarbeit nicht, aber das sollte man in so einem Buch mit der Zielgruppe vielleicht auch nicht voraussetzen. Schade fand ich auch den falschen Link zu einer Seite namens "Stadtmobil" (?), auf der Studien zu finden seien (die mich sehr interessiert hätten), die dann aber nur die Website eines Carsharing-Anbieters ist. Trotz all der Kritikpunkte fand ich das Buch angenehm zu lesen und halte es für einen sehr guten Einstieg in die Materie nachhaltige Mobilitätsplanung für Menschen, die den Quatsch nicht studieren (:D)/studiert haben oder für die, die zwar technisch Ahnung haben (vielleicht auch mehr Ahnung als Katja), aber ein Aufrütteln und tieferes Verständnis im Bereich der vielfältigen Diskriminierungsebenen des Verkehrs brauchen. Und ihren Leitspruch "Willst du Autofahren oder musst du Autofahren?" finde ich super - wir wollen niemandem das geliebte Auto wegnehmen, wir wollen Alternativen schaffen, damit niemand mehr, egal wo, Autofahren MUSS.
4. Jan. 2024






