33 Place Brugmann

33 Place Brugmann

Hardcover
3.813

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Beschreibung

Wem kann man vertrauen, wenn die Welt am Abgrund steht?

Brüssel, 1939. Am Place Brugmann ist Charlotte zu Hause, hier kennt sie alle Bewohner und jeden verborgenen Winkel. Doch kurz bevor die Nazis in Belgien einmarschieren, verschwinden Charlottes Nachbarn, die Raphaëls, über Nacht und lassen alles zurück. Bald wird klar, dass die Schicksale der Hausbewohner sich unlösbar miteinander verbinden.
Alice Austen erzählt von einem Haus, den Menschen, die in ihm leben, und warum es sich lohnt, in Zeiten großer Bedrohung an die Kraft der Liebe und der Kunst zu glauben. Eine große Geschichte von Liebe und Verrat, Feigheit und Widerstand im besetzten Brüssel.

»Ein Mietshaus und seine eigensinnigen Bewohner. Eine fesselnde und schöne Lektüre.« Abraham Verghese

»Auch wenn einem das Herz bricht, ist es das größte Leseerlebnis seit Jahren.« Oprah Daily

Für Leser*innen von Anthony Doerr, Yael van der Wouden und Ann Patchett

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
448
Preis
26.80 €

Autorenbeschreibung

Alice Austen ist eine preisgekrönte Drehbuchautorin und Filmproduzentin. Sie studierte kreatives Schreiben bei Seamus Heaney in Harvard, wo sie ihren Abschluss in Rechtswissenschaften machte. Danach zog sie nach Brüssel und wohnte am Place Brugmann. Austen lebt derzeit in Milwaukee und arbeitet an einem neuen Film und ihrem nächsten Buch. 33 Place Brugmann ist ihr erster Roman.

Beiträge

5
Alle
3.5

(Über-)Leben, wenn die Welt am Abgrund steht

Ein Haus erzählt seine Geschichte. Diese Grundidee ist nicht neu, erst vor kurzem ist in der deutschsprachigen Literatur mit „Treppe aus Papier“ ein ähnlicher Plot erzählt worden. Und dennoch sind die Bücher ganz unterschiedlich. In „33 Place Brugmann“ ist die Adresse der Ausgangspunkt, um die Schicksale der Bewohner dieses Hauses zu verfolgen. Einige werden stärker beleuchtet, einige weniger. Aber alle sind Rädchen in einem großen Uhrwerk und versuchen in einer Zeit, in der Menschlichkeit abhanden kommt, zu leben und zu überleben. Der Roman lebt von der Atmosphäre, von den Charakteren der Hausbewohner, deren Leben auf vielfältige Weise miteinander verwoben sind. Am nächsten habe ich mich Charlotte gefühlt, einer Kunststudentin, die ein Geheimnis hütet – denn sie ist farbenblind. Und dennoch versucht sie ihren Traum zu leben und ist eine mutige junge Frau, die ihren Platz in der Welt sucht. Zu Beginn des Buches rüttelt ein Ereignis an den Grundfesten der Bewohner: die Raphaels, eine jüdische Familie aus dem 3. Stock, ist von einem Tag auf den anderen verschwunden. Das bekannte Gefüge beginnt sich zu verändern, jeder macht sich einen anderen Reim auf die Geschehnisse, die im Licht der politischen Situation mehr als bedrohlich wirken. Wie es nach diesem Zeitpunkt mit jedem der Bewohner weitergeht, erzählt das Buch wie ein Kaleidoskop, während es hin und wieder auch in Rückblenden auf die bisherige Geschichte der Protagonisten eingeht. So wirkt der Plot nicht rasant und durchgetaktet, sondern eher fließend, aber er stellt gekonnt die Verflechtungen und Beziehungen der Personen in den Mittelpunkt und beleuchtet damit den Zeitraum des Nationalsozialismus aus mehreren Perspektiven (z. B. ist einer der Bewohner ein Kunsthändler, ein anderer ist Anwalt). Das Buch reflektiert moralische Dilemmas genauso wie Entscheidungen vor dem Hintergrund von Zwang oder Widerstand. Es setzt Denkanstöße, aber nimmt dem Leser das Denken nicht vorweg. Damit ist es kein Roman zum „Durchsuchten“, sondern eher ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Durch die vielen unterschiedlichen Figuren, die ihre Gedanken aus der Ich-Perspektive schildern, ist man sehr nah an ihnen dran, allerdings setzt sich dadurch auch nur langsam eine wirkliche Handlung zusammen. Damit bin ich persönlich nicht ganz so gut zurechtgekommen wie ich es mir erhofft hatte. Ich empfinde das Buch insbesondere als passend für Leser*innen, die über den Tellerrand hinausschauen und ein vielschichtiges Bild des zweiten Weltkriegs aus vielen Perspektiven in nur einem Buch erhalten wollen. Wer handlungsgetriebene Plots liebt, sollte aber eher zu einem anderen Buch greifen.

(Über-)Leben, wenn die Welt am Abgrund steht
3.5

Geschichten aus einem Mehrfamilienhaus

Ein Buch mit unterschiedlichen Geschichten verschiedener Familien eines Hauses in Belgien kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Geschichten sind leise, bauen sich langsam auf und berühren teilweise in genau dieser Weise. Die Autorin schreibt gut aus den Sichtweisen der Bewohnerinnen, doch irgendwie plätschert es zu sehr für mich dahin, auch wenn diese stillen Geschichten etwas haben…

5

Sternebewertung fiktiv

Mit 33 Place Brugmann hat Alice Austen für mich einen Roman geschrieben, der sich leise entfaltet und genau dadurch so eindringlich wirkt. Ich habe dieses Jahr bereits Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg gelesen und musste beim Lesen immer wieder daran denken. Beide Bücher spielen in der Zeit des Nationalsozialismus, beide erzählen von Menschen, deren Alltag langsam von Angst, Ausgrenzung und politischer Veränderung überschattet wird und trotzdem könnten die Romane atmosphärisch kaum unterschiedlicher sein. Während Kupferberg den Fokus stark auf einzelne Figuren und familiäre Beziehungen legt, nimmt uns Alice Austen mit nach Belgien, genauer gesagt in ein Haus am Place Brugmann 33. Und genau dieses Haus wird zum eigentlichen Mittelpunkt der Geschichte. Belgien begegnet einem literarisch deutlich seltener, wenn es um den Zweiten Weltkrieg und die Zeit der nationalsozialistischen Besatzung geht. Gerade deshalb fand ich diesen Blickwinkel unglaublich spannend. Es war für mich ein anderer Zugang zu einer Zeit, über die man zwar schon viel gelesen hat, die aber nie an Bedeutung verliert. Im Haus leben unterschiedliche Menschen Tür an Tür. Ein Architekt mit seiner Tochter, eine russische Bewohnerin, eine jüdische Familie und viele weitere Nachbarn, die zunächst einfach ihrem Alltag nachgehen. Genau das mochte ich an diesem Roman so sehr: Alice Austen interessiert sich nicht nur für die großen historischen Ereignisse, sondern vor allem für die kleinen Momente dazwischen. Für Gespräche im Treppenhaus. Für Blicke zwischen Nachbarn. Für Unsicherheiten, Ängste und das Gefühl, dass sich langsam etwas verändert, das man noch nicht ganz greifen kann. Besonders eindringlich war für mich die jüdische Familie im Haus, die plötzlich verschwindet. Über Nacht. Niemand weiß genau, was passiert ist. Sind sie geflohen? Wurden sie abgeholt? Leben sie überhaupt noch? Und genau diese Unsicherheit zieht sich wie ein Schatten durch den gesamten Roman. Der Aufbau hat mir ebenfalls sehr gefallen. Die Kapitel sind nicht einfach nur nach Personen benannt, sondern orientieren sich an den Wohnungen und Etagen des Hauses. Dadurch entsteht fast das Gefühl, selbst durch dieses Gebäude zu gehen und hinter jede Tür einen kurzen Blick werfen zu dürfen. Man erlebt das Zusammenleben dieser Menschen sehr intensiv, ihre Gedanken, ihre Beziehungen und auch ihre unterschiedlichen Haltungen zu den politischen Entwicklungen jener Zeit. Besonders gelungen fand ich außerdem die eingestreuten Bekanntmachungen und Verordnungen der Behörden. Diese kurzen Einschübe machen die Veränderungen im Alltag unglaublich greifbar. Man liest nicht einfach nur von Angst und Einschränkungen, man sieht regelrecht, wie Bürokratie und politische Entscheidungen langsam in das Leben der Menschen eindringen. Dass Alice Austen eigentlich Drehbuchautorin und Filmproduzentin ist, hat man beim Lesen übrigens gemerkt, im positiven Sinn. Viele Szenen wirken sehr bildhaft, beinahe filmisch. Trotzdem verliert der Roman nie seine emotionale Nähe zu den Figuren. Mich hat dieses Buch auf eine ruhigere, fast intime Art begeistert. Die Thematik rund um Nationalsozialismus und Krieg ist natürlich nicht neu, aber die Perspektive, das Setting und diese Konzentration auf ein einziges Haus voller Menschen haben sich für mich sehr besonders angefühlt. Gerade dieses Familiäre, dieses Eingeschlossensein in einem Gebäude, während draußen die Welt langsam auseinanderbricht, hat eine unglaublich intensive Atmosphäre geschaffen. Und ehrlich gesagt wusste ich schon beim Entdecken in der Vorschau, dass dieses Buch etwas für mich sein würde. Nicht nur wegen des Covers, sondern weil ich Geschichten aus dieser Zeit literarisch immer besonders fordernd und gleichzeitig unglaublich bewegend finde. 33 Place Brugmann hat genau das für mich erfüllt.

5

Ok. Wow. Ich hatte hohe Erwartungen und wurde nicht enttäuscht.

Vorab sei erwähnt, dass die Personen und Geschichten zwar fiktiv sind, historisch und örtlich jedoch korrekt eingeordnet werden. Die Autorin hat selbst eine Zeit lang im Haus Nummer 33 am Place Brugmann gewohnt, woraus schließlich die Inspiration für diesen Roman entstand. Brüssel, 1939: Kurz vor dem Einmarsch der Nazis verschwinden Charlottes Nachbarn spurlos. Während Angst, Verrat und Widerstand das Leben am Place Brugmann bestimmen, verknüpfen sich die Schicksale der Hausbewohner immer enger. Besonders gut gefallen hat mir direkt zu Beginn die Übersicht der Bewohner:innen des Hauses. Dadurch wusste man sofort, wer wo und mit wem zusammenlebt. Generell haben mich sowohl der Schreibstil als auch der Aufbau des Romans überzeugt. Die Geschichte wird aus den Perspektiven verschiedener Hausbewohner:innen erzählt, wodurch man ihre individuellen Geschichten und Persönlichkeiten intensiv kennenlernt. Spannend fand ich außerdem, dass man als Leser:in stellenweise direkt angesprochen wurde. Etwa mit Sätzen wie: „Denken Sie jetzt nichts Falsches von mir, aber …“. Das wirkte überraschend frisch und nahbar. Ich fand es außerdem großartig, dass sich der Roman auf ein einziges Haus konzentriert. Dadurch konnte man nicht nur die Veränderungen der Menschen detailliert verfolgen, sondern auch die Entwicklung des Hauses selbst wahrnehmen. Es gibt viele Handlungsstränge, denen man aufmerksam folgen muss. Deshalb ist es kein Buch, das man einfach „wegliest“, was aber völlig in Ordnung ist. Dafür ist das Thema auch zu schwer und vielschichtig. Die Geschichten umfassen nahezu alle Situationen, die man sich in dieser Zeit vorstellen kann: Familie Raphaël, die untertauchen muss und versucht, sowohl ihre eigene Kunst als auch Kunst im Allgemeinen zu retten; Masha und der Colonel, die im Untergrund tätig sind; Madame Hobert als tratschende Nachbarin; oder die Familie des Notars, die die Nationalsozialisten offen unterstützt. Ich kann gut verstehen, wenn manche sagen, ihnen sei das zu viel oder die Geschichte wirke stellenweise überladen. Und ja: Es ist viel. Gleichzeitig finde ich genau das nachvollziehbar. Im Kontext der Kriegszeit, in der viele unterschiedliche Menschen mit völlig verschiedenen moralischen und ethischen Vorstellungen unter einem Dach leben, erscheint es nur logisch, dass sich ihre Wege nach und nach immer weiter voneinander entfernen. Die Figuren sind unglaublich geschickt miteinander verflochten. Manche Entwicklungen konnte man bereits erahnen. Beispielsweise relativ früh, als Monsieur Raphaël Monsieur Sauvin um einen Gefallen bittet. Zwar wird zunächst nicht gesagt, worum es geht, doch als kurze Zeit später bei Monsieur Sauvin neuer Boden verlegt wird, liegt der Verdacht nahe, dass unter dem neuen Parkett Gemälde versteckt wurden. Gegen Ende des Buches bestätigt sich genau das. Völlig überraschend war für mich dagegen die Rolle des Mieters von Madame Hobert. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel spoilern, aber es war schon erstaunlich, an wie vielen Stellen er plötzlich seine Finger im Spiel hatte. Charlotte steht dabei ein wenig im Zentrum der Geschichte. Man hat das Gefühl, dass sie vieles aus einer besonderen Perspektive wahrnimmt. Sie ist immer präsent, aber bis zu einem gewissen Punkt nie vollständig involviert. Für sie hätte ich mir tatsächlich ein schöneres Ende gewünscht. Das Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen. Die fiktiven Geschichten spiegeln letztlich nur einen kleinen Ausschnitt dessen wider, was damals tatsächlich passiert ist; insbesondere im 33 Place Brugmann. Man beginnt automatisch darüber nachzudenken, welche Menschen dort wirklich gelebt haben, welche Geschichten sie hatten und wie es ihnen ergangen ist. Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Empfehlung.

Ok. Wow. Ich hatte hohe Erwartungen und wurde nicht enttäuscht.
3.5

Ein Haus und seine Bewohner

Brüssel 1939. In einem eleganten Haus am Place Brugmann leben sieben verschiedene Personen bzw. Familien. Auf den ersten Blick haben die Parteien nichts, außer des Wohnortes, gemeinsam. Und trotzdem sind sie alle über dieses Haus miteinander verbunden. Im Mittelpunkt stehen für mich dabei Charlotte, eine Kunststudentin, und Julian, ein Mathematikstudent. Die Geschichte beginnt mit einem Protokoll über alle Hausbewohner vom 02. April 1939 und genau dieses Protokoll wird am 20. Januar 1942 aktualisiert. Die Geschichte spielt vorrangig in der Zeit der Besetzung Belgien durch die Nationalsozialisten und Alice Auster ist es perfekt gelungen die gedrückte und sorgenvolle Zeit der Bewohner sehr gut darzustellen. Wie das Bewohnerprotokoll am Ende des Krieges aussieht bleibt offen, genauso wie der Rest der Geschichte. Der erzählerische Herangehensweise erzeugt die Gefühlswelt der einzelnen Bewohner und offenbart mit den individuellen Empfindungen, Gefühlen und Gedanken die Persönlichkeit eines jeden einzeln. Immer wieder werden die Perspektiven gewechselt, was das Buch auf der einen Seite sehr spannend gemacht hat. Auf der anderen Seite fiel es mir manchmal schwer diesen vielen verschiedenen Gedankenwelten zu folgen. Auch habe ich sehr lange gebraucht, um mich in dieser Geschichte und ihrer Erzählweise zurechtzufinden. Alles in allem ist es aber ein spannendes Buch über Liebe, Widerstand, Flucht und Verrat.

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