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Ein Buch über die Bildung in Neuseeland, die auch uns Ideenanstöße gibt
8. Juni 2024
Ein Buch über die Bildung in Neuseeland, die auch uns Ideenanstöße gibt
8. Juni 2024
Blick ins Buch
Was ist das Wichtigste, das man in der Schule lernen kann? Fehler machen. Denn dann wächst das Gehirn. Erstklässler, die ihren ersten wissenschaftlichen Versuch mit Schokolade machen. Abiturienten, die 48 Stunden im Wald verbringen, um zu lernen, wie man Einsamkeit aushält. Siebtklässler, die überall im Land das gleiche Buch lesen, um auf Twitter darüber zu diskutieren. Und ein Schuldirektor, der jedes Kind morgens wie ein Gastgeber persönlich begrüßt.
So geht Schule in Neuseeland, einem Land, das in Bildungsrankings ganz vorn abschneidet. Dieses Buch erzählt die Geschichte hinter den messbaren Zahlen. Es ist der berührende Bericht einer Mutter, die mit Mann und drei Töchtern in Neuseeland gelebt hat. Sie erzählt von Schulen, wo Lehrer zu zweit unterrichten, um voneinander zu lernen, wo Radierer verboten sind, weil man sich für Fehler nicht schämen muss, und wo der Direktor manchmal mit den Schülern im Lehrerzimmer tanzt. Sie erzählt von einem Bildungssystem, wo Wissenschaftler den Lehrern helfen, den Unterricht zu verbessern, und Bildungsentscheidungen niemals nur einer Mode folgen.
61 Bewertungen
15 Rezensionen
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8. Juni 2024
8. Juni 2024

187 Follower
Mit „Der tanzende Direktor“ hat Verena Friederike Hasel ein Buch geschrieben, das auf den ersten Blick wie ein kleines Bildungswunder wirkt. Eine Schule, in der Kinder Fehler machen dürfen, Lehrer voneinander lernen, Abiturienten zwei Tage allein im Wald verbringen, um Einsamkeit auszuhalten, und ein Direktor morgens jedes Kind persönlich begrüßt – so geht Schule in Neuseeland. Hasel beschreibt das mit einem leichten, fast journalistischen Ton, der Lust auf Schulentwicklungsarbeit in Deutschland macht. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, gerade als Lehrerin, die täglich erlebt, wie starr und überfrachtet unser Bildungssystem hierzulande ist. Und ja, manches, was sie schildert, hat mich wirklich berührt: die Idee, Fehler als Wachstumsmomente zu verstehen, das gemeinsame Unterrichten im Team, das Vertrauen, das Lehrkräfte und Schüler einander entgegenbringen. Es steckt viel Wärme und Begeisterung in diesen Schilderungen – und genau das überträgt sich beim Lesen. Davon ist bei weitem nicht alles neu, geht hier im Alltag zwischen Personalmangel und Überbelastung aber oft unter. Aber so inspirierend vieles klingt, so sehr bleibt das Buch an manchen Stellen in einer idealisierten Perspektive stecken. Hasel zeigt vor allem das Schöne, das Heile, das Mögliche – und blendet dabei fast völlig aus, dass ein Bildungssystem nicht im luftleeren Raum existiert. Neuseeland mag seine Reformen in den 1990ern erfolgreich umgesetzt haben, aber das funktioniert auch, weil gesellschaftliche Werte wie Gemeinschaftssinn und Eigenverantwortung dort höchstwahrscheinlich anders verankert sind als in unserer Gesellschaft. Wenn Schüler in Neuseeland freiwillig ans Sekretariatstelefon gehen, damit die Mitarbeiterin frühstücken kann, dann liegt das weniger an der Schulpolitik als an der Sozialisation der Kinder – an Elternhäusern, in denen solche Haltungen selbstverständlich vermittelt werden. Genau das ist aber die Grundvoraussetzung für ein System, das auf Vertrauen, Selbstständigkeit und Kooperation baut. Ohne diese Basis würde manches von dem, was Hasel beschreibt, schlicht scheitern. Daraus ergeben sich für mich viel deutlicher gesellschaftliche als bildungspolitische Fragen. Auch wirkt ihr Vergleich mit Deutschland stellenweise zu pauschal. Sie bezieht sich auf Berliner Schulen und überträgt Beobachtungen, die dort sicher ihre Berechtigung haben, auf das gesamte System. Davon dass sie im Vorfeld ihrer Schulbesuche in Neuseeland keinen Blick in deutsche Kernlehrpläne geworfen hat um diese entsprechend vergleichen zu können, mag man als Beobachter sein eigenes Urteil zu haben. Auch dass sie sich offenbar kaum Schulen in sozialen Brennpunkten angesehen hat, wird deutlich. Es bleibt unklar, wie sich ihr „tanzender Direktor“ dort bewähren würde, wo Eltern nicht mitziehen, Kinder mit ganz anderen Belastungen in die Schule kommen und Veränderungen – wie die plötzlich geforderte plastikfreie Brotdose – nicht nur belächelt und ignoriert würden, weil sie meilenweit von der Lebensrealität der Familien entfernt sind. Solche Konzepte funktionieren in bildungsnahen Milieus, in denen Werte wie Mitverantwortung und Rücksicht bereits selbstverständlich gelebt werden. Trotzdem – und das ist der große Verdienst dieses Buches – regt es zum Nachdenken an. Es macht Lust, das eigene Handeln zu hinterfragen, und erinnert daran, dass Schule wieder ein Ort der Begegnung sein könnte. Auch wenn vieles hierzulande nicht 1:1 umsetzbar ist – allein die Vorstellung, dass Lehrer inspiriert statt ausgelaugt und Kinder neugierig statt funktionalisiert sind, ist wohltuend. „Der tanzende Direktor“ ist kein Fachbuch, sondern ein Erfahrungsbericht mit Haltung. Ein Buch, das man mit Gewinn liest, wenn man die Begeisterung teilt, aber auch bereit ist, die Grenzen der idealisierten Darstellung zu sehen. Für alle, die sich im Bildungsdiskurs nicht mit „Das war schon immer so“ zufriedengeben wollen. ⭐️⭐️⭐️⭐️

20. Okt. 2025
Mit „Der tanzende Direktor“ hat Verena Friederike Hasel ein Buch geschrieben, das auf den ersten Blick wie ein kleines Bildungswunder wirkt. Eine Schule, in der Kinder Fehler machen dürfen, Lehrer voneinander lernen, Abiturienten zwei Tage allein im Wald verbringen, um Einsamkeit auszuhalten, und ein Direktor morgens jedes Kind persönlich begrüßt – so geht Schule in Neuseeland. Hasel beschreibt das mit einem leichten, fast journalistischen Ton, der Lust auf Schulentwicklungsarbeit in Deutschland macht. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, gerade als Lehrerin, die täglich erlebt, wie starr und überfrachtet unser Bildungssystem hierzulande ist. Und ja, manches, was sie schildert, hat mich wirklich berührt: die Idee, Fehler als Wachstumsmomente zu verstehen, das gemeinsame Unterrichten im Team, das Vertrauen, das Lehrkräfte und Schüler einander entgegenbringen. Es steckt viel Wärme und Begeisterung in diesen Schilderungen – und genau das überträgt sich beim Lesen. Davon ist bei weitem nicht alles neu, geht hier im Alltag zwischen Personalmangel und Überbelastung aber oft unter. Aber so inspirierend vieles klingt, so sehr bleibt das Buch an manchen Stellen in einer idealisierten Perspektive stecken. Hasel zeigt vor allem das Schöne, das Heile, das Mögliche – und blendet dabei fast völlig aus, dass ein Bildungssystem nicht im luftleeren Raum existiert. Neuseeland mag seine Reformen in den 1990ern erfolgreich umgesetzt haben, aber das funktioniert auch, weil gesellschaftliche Werte wie Gemeinschaftssinn und Eigenverantwortung dort höchstwahrscheinlich anders verankert sind als in unserer Gesellschaft. Wenn Schüler in Neuseeland freiwillig ans Sekretariatstelefon gehen, damit die Mitarbeiterin frühstücken kann, dann liegt das weniger an der Schulpolitik als an der Sozialisation der Kinder – an Elternhäusern, in denen solche Haltungen selbstverständlich vermittelt werden. Genau das ist aber die Grundvoraussetzung für ein System, das auf Vertrauen, Selbstständigkeit und Kooperation baut. Ohne diese Basis würde manches von dem, was Hasel beschreibt, schlicht scheitern. Daraus ergeben sich für mich viel deutlicher gesellschaftliche als bildungspolitische Fragen. Auch wirkt ihr Vergleich mit Deutschland stellenweise zu pauschal. Sie bezieht sich auf Berliner Schulen und überträgt Beobachtungen, die dort sicher ihre Berechtigung haben, auf das gesamte System. Davon dass sie im Vorfeld ihrer Schulbesuche in Neuseeland keinen Blick in deutsche Kernlehrpläne geworfen hat um diese entsprechend vergleichen zu können, mag man als Beobachter sein eigenes Urteil zu haben. Auch dass sie sich offenbar kaum Schulen in sozialen Brennpunkten angesehen hat, wird deutlich. Es bleibt unklar, wie sich ihr „tanzender Direktor“ dort bewähren würde, wo Eltern nicht mitziehen, Kinder mit ganz anderen Belastungen in die Schule kommen und Veränderungen – wie die plötzlich geforderte plastikfreie Brotdose – nicht nur belächelt und ignoriert würden, weil sie meilenweit von der Lebensrealität der Familien entfernt sind. Solche Konzepte funktionieren in bildungsnahen Milieus, in denen Werte wie Mitverantwortung und Rücksicht bereits selbstverständlich gelebt werden. Trotzdem – und das ist der große Verdienst dieses Buches – regt es zum Nachdenken an. Es macht Lust, das eigene Handeln zu hinterfragen, und erinnert daran, dass Schule wieder ein Ort der Begegnung sein könnte. Auch wenn vieles hierzulande nicht 1:1 umsetzbar ist – allein die Vorstellung, dass Lehrer inspiriert statt ausgelaugt und Kinder neugierig statt funktionalisiert sind, ist wohltuend. „Der tanzende Direktor“ ist kein Fachbuch, sondern ein Erfahrungsbericht mit Haltung. Ein Buch, das man mit Gewinn liest, wenn man die Begeisterung teilt, aber auch bereit ist, die Grenzen der idealisierten Darstellung zu sehen. Für alle, die sich im Bildungsdiskurs nicht mit „Das war schon immer so“ zufriedengeben wollen. ⭐️⭐️⭐️⭐️
20. Okt. 2025


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22. Feb. 2026
22. Feb. 2026
3 von 15 Rezensionen
Autorin / Autor
Verena Friederike Hasel, geboren 1978 in Berlin, ist Psychologin, Drehbuchautorin und Journalistin. Sie war für den Theodor-Wolff-Preis nominiert und erhielt 2018 den Deutschen Reporterpreis. Bei Kein & Aber erschienen die Sachbücher Der tanzende Direktor, Eine Linie ist ein Punkt, der spazieren geht sowie Das krisenfeste Kind. Sie war Co-Initiatorin des #wirfürschule-Hackathon 2021. Mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern lebt sie in Deutschland und Neuseeland.
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