"Ich will nicht wissen, wann ich sterbe! Und solange ich nicht weiß, wann meine Stunde schlägt, bin ich ewig!"
In Sumerki geht es um den Übersetzer Dmitri Alexejewitsch der einen Bericht spanischer Konquistadoren übersetzen soll. Aber im Laufe der Übersetzungen passieren immer wieder merkwürdige Dinge die auf das Ende der Welt hindeuten.
Da ich den Schreibstil von Dmitry Glukhovsky gerne mag, hat mir auch dieses Buch von ihm richtig gut gefallen. Es geht viel um die Kultur der Mayas und wenn man gerne Bücher mit einem philosophischen Ende liest, ist dieses Buch durchaus zu empfehlen.
1. Juli 2025
4,0
"Ich will nicht wissen, wann ich sterbe! Und solange ich nicht weiß, wann meine Stunde schlägt, bin ich ewig!"
In Sumerki geht es um den Übersetzer Dmitri Alexejewitsch der einen Bericht spanischer Konquistadoren übersetzen soll. Aber im Laufe der Übersetzungen passieren immer wieder merkwürdige Dinge die auf das Ende der Welt hindeuten.
Da ich den Schreibstil von Dmitry Glukhovsky gerne mag, hat mir auch dieses Buch von ihm richtig gut gefallen. Es geht viel um die Kultur der Mayas und wenn man gerne Bücher mit einem philosophischen Ende liest, ist dieses Buch durchaus zu empfehlen.
Ich wollte dieses Buch lieben – und lange Zeit war ich sehr nah dran.
Sumerki hat mich von Beginn an gepackt. Die Grundidee um ein geheimnisvolles Manuskript, dessen Übersetzung offenbar reale Konsequenzen hat, erzeugt sofort Spannung und Neugier. Der Roman entfaltet einen starken Sog: beklemmend, düster, unterschwellig bedrohlich. Besonders gelungen ist die Atmosphäre – sie wirkt konstant, schwer und zieht einen unmerklich tiefer in die Geschichte hinein.
Das absolute Highlight des Romans ist für mich der Yucatán-Text. Dieser Teil ist hervorragend geschrieben, äußerst spannend und basiert erkennbar auf dem, was wir heute über mesoamerikanische Kulturen wissen, ohne diese platt zu exotisieren oder zu pauschalisieren. Die Rituale, die Gewalt und die Figuren folgen hier einer klaren inneren Logik – jede Handlung hat Konsequenzen. Dieser Abschnitt trägt den Roman über weite Strecken und zeigt, welches erzählerische Potenzial in ihm steckt.
Auch thematisch überzeugt das Buch lange Zeit: Wissen als Gefahr, als Sucht, als irreversible Grenzüberschreitung. Die Stimmung ist durchgehend beklemmend, fast klaustrophobisch, und der Roman versteht es sehr gut, ein Gefühl von Bedrohung und Kontrollverlust zu erzeugen.
Leider verliert Sumerki im letzten Drittel für mich deutlich an Stärke. Die Handlung wird zunehmend unklar und bricht mit den zuvor etablierten Regeln. Kosmischer Horror an sich stört mich dabei nicht – im Gegenteil, gut vorbereitet und sauber eingebettet kann er sehr wirkungsvoll sein. Hier jedoch wirkt er zu abrupt eingeführt und überlagert die zuvor sorgfältig aufgebaute mystische und verschwörerische Ebene. Viele zentrale Fragen bleiben unbeantwortet, zu viele lose Enden werden nicht mehr zusammengeführt, und das zuvor kausal erzählte Geschehen verliert seine Stringenz.
Auch der Protagonist bleibt für mich problematisch. Er wirkt über weite Strecken naiv, passiv und vor allem als bloßer Träger der Handlung, weniger als echte Figur. Sein beinahe suchtartiges Verhältnis zum Manuskript ist zwar nachvollziehbar angelegt, wird aber kaum reflektiert. Dass selbst einschneidende Ereignisse in seinem Umfeld kaum Reaktionen hervorrufen – abseits des Buches – verstärkt diesen Eindruck.
Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass Sumerki sein eigenes Versprechen nicht vollständig einlöst. Der Roman ist spannend, atmosphärisch dicht und in Teilen großartig – vor allem dort, wo er historisch und psychologisch arbeitet. Doch die letzten rund hundert Seiten nehmen ihm viel von seiner zuvor aufgebauten Kraft.
Fazit:
Ein starkes, fesselndes Buch mit herausragender Atmosphäre und einem exzellenten historischen Kern, das durch ein unausgereiftes und zu sprunghaftes Finale an Wirkung verliert. Trotz aller Kritik bleibt Sumerki ein lesenswerter Roman – nur leider keiner, den ich am Ende lieben konnte.
4. Feb. 2026
4,0
Ich wollte dieses Buch lieben – und lange Zeit war ich sehr nah dran.
Sumerki hat mich von Beginn an gepackt. Die Grundidee um ein geheimnisvolles Manuskript, dessen Übersetzung offenbar reale Konsequenzen hat, erzeugt sofort Spannung und Neugier. Der Roman entfaltet einen starken Sog: beklemmend, düster, unterschwellig bedrohlich. Besonders gelungen ist die Atmosphäre – sie wirkt konstant, schwer und zieht einen unmerklich tiefer in die Geschichte hinein.
Das absolute Highlight des Romans ist für mich der Yucatán-Text. Dieser Teil ist hervorragend geschrieben, äußerst spannend und basiert erkennbar auf dem, was wir heute über mesoamerikanische Kulturen wissen, ohne diese platt zu exotisieren oder zu pauschalisieren. Die Rituale, die Gewalt und die Figuren folgen hier einer klaren inneren Logik – jede Handlung hat Konsequenzen. Dieser Abschnitt trägt den Roman über weite Strecken und zeigt, welches erzählerische Potenzial in ihm steckt.
Auch thematisch überzeugt das Buch lange Zeit: Wissen als Gefahr, als Sucht, als irreversible Grenzüberschreitung. Die Stimmung ist durchgehend beklemmend, fast klaustrophobisch, und der Roman versteht es sehr gut, ein Gefühl von Bedrohung und Kontrollverlust zu erzeugen.
Leider verliert Sumerki im letzten Drittel für mich deutlich an Stärke. Die Handlung wird zunehmend unklar und bricht mit den zuvor etablierten Regeln. Kosmischer Horror an sich stört mich dabei nicht – im Gegenteil, gut vorbereitet und sauber eingebettet kann er sehr wirkungsvoll sein. Hier jedoch wirkt er zu abrupt eingeführt und überlagert die zuvor sorgfältig aufgebaute mystische und verschwörerische Ebene. Viele zentrale Fragen bleiben unbeantwortet, zu viele lose Enden werden nicht mehr zusammengeführt, und das zuvor kausal erzählte Geschehen verliert seine Stringenz.
Auch der Protagonist bleibt für mich problematisch. Er wirkt über weite Strecken naiv, passiv und vor allem als bloßer Träger der Handlung, weniger als echte Figur. Sein beinahe suchtartiges Verhältnis zum Manuskript ist zwar nachvollziehbar angelegt, wird aber kaum reflektiert. Dass selbst einschneidende Ereignisse in seinem Umfeld kaum Reaktionen hervorrufen – abseits des Buches – verstärkt diesen Eindruck.
Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass Sumerki sein eigenes Versprechen nicht vollständig einlöst. Der Roman ist spannend, atmosphärisch dicht und in Teilen großartig – vor allem dort, wo er historisch und psychologisch arbeitet. Doch die letzten rund hundert Seiten nehmen ihm viel von seiner zuvor aufgebauten Kraft.
Fazit:
Ein starkes, fesselndes Buch mit herausragender Atmosphäre und einem exzellenten historischen Kern, das durch ein unausgereiftes und zu sprunghaftes Finale an Wirkung verliert. Trotz aller Kritik bleibt Sumerki ein lesenswerter Roman – nur leider keiner, den ich am Ende lieben konnte.
Dieses Buch folgt einer bereits bekannten Prämisse: Inkaprophezeihungen.
Davon hatten wir ja bereits einiges. Aber hier schreibt immerhin Dmitry Glukhovsky, also darf man auch etwas erwarten. Und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht. War ich anfangs noch etwas zweifeld, ob mich dieses fast schon ausgelutschte Thema überhaupt packen kann, so brauchte Glukhovsky nur ein paar Seiten und ich war völlig in der Geschichte drin.
Der Autor verarbeitet das Material auf andere Art und Weise als Hollywood - eindeutig ein Pluspunkt. Auch wenn es bekannte Sujets gibt, auf die der Russe zurückgreift. Aber auch das passt in die Stimmung und den Aufbau dieser Geschichte.
Die realen Elemente im Buch werden am Schluss in einem Stichwortverzeichnis noch erläutert, zusammen mit einigen russischen und spanischen Begriffen. So erhält man als Leser auch noch eine kleine Portion Wissen mitgeliefert.
Glukhovsky ist mehr als nur "Metro" und mit jedem Buch, das ich von ihm lese, beweist er das mehr. Er schafft es immer wieder, sich neu zu erfinden, und nimmt sich die unterschiedlichsten Themen vor, sodass sich seine Bücher selten gleichen. Wahrlich ein Talent!
21. Dez. 2024
4,0
Dieses Buch folgt einer bereits bekannten Prämisse: Inkaprophezeihungen.
Davon hatten wir ja bereits einiges. Aber hier schreibt immerhin Dmitry Glukhovsky, also darf man auch etwas erwarten. Und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht. War ich anfangs noch etwas zweifeld, ob mich dieses fast schon ausgelutschte Thema überhaupt packen kann, so brauchte Glukhovsky nur ein paar Seiten und ich war völlig in der Geschichte drin.
Der Autor verarbeitet das Material auf andere Art und Weise als Hollywood - eindeutig ein Pluspunkt. Auch wenn es bekannte Sujets gibt, auf die der Russe zurückgreift. Aber auch das passt in die Stimmung und den Aufbau dieser Geschichte.
Die realen Elemente im Buch werden am Schluss in einem Stichwortverzeichnis noch erläutert, zusammen mit einigen russischen und spanischen Begriffen. So erhält man als Leser auch noch eine kleine Portion Wissen mitgeliefert.
Glukhovsky ist mehr als nur "Metro" und mit jedem Buch, das ich von ihm lese, beweist er das mehr. Er schafft es immer wieder, sich neu zu erfinden, und nimmt sich die unterschiedlichsten Themen vor, sodass sich seine Bücher selten gleichen. Wahrlich ein Talent!