Wir waren wie Brüder

Wir waren wie Brüder

Taschenbuch
3.541

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Beschreibung

»Ein ebenso wichtiges wie wuchtiges Buch über den Naziterror nach der Wende.« Dmitrij Kapitelman

Die Wende hat die Welt des zehnjährigen Ich-Erzählers aus ihren Angeln gehoben, alles was war − die gute Stellung des Vaters, die abgesteckte Wahrheit der Mutter − zählt nicht mehr. Jetzt gibt es zwei verfeindete Seiten im Land, und wer lange Haare hat, lernt am besten früh, wie man Nazis verkloppt. Aber ganz so einfach ist es gar nicht, sich klar für eine Seite zu entscheiden, wenn man sich nirgends sicher fühlt – und sich dann auch noch verliebt.
In seinem literarischen Debüt erzählt Daniel Schulz vom Aufwachsen im Vakuum der Nachwendezeit, in dem Rassismus und Gewalt ihren Nährboden fanden und findet dabei geradezu zärtliche Worte für all das Schreckliche.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
304
Preis
15.50 €

Autorenbeschreibung

Daniel Schulz wurde 1979 in Potsdam geboren und wuchs in einem brandenburgischen Dorf auf. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik in Leipzig. Nach ersten Stationen bei Zitty, Märkische Allgemeine und Freies Wort ging er zur taz, wo er heute das Ressort Reportage leitet. 2018 erhielt er den Reporterpreis und 2019 den Theodor-Wolff-Preis. »Wir waren wie Brüder« ist sein literarisches Debüt.

Beiträge

7
Alle
4

Coming-of-Age in der Nachwendezeit

Sie sind ungefähr Zehn als die Mauer fällt, die Jungs aus einem kleinen Dorf im Brandenburgischen. Erwachsen werden sie in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, wo festgeschrieben geglaubte Werte verfallen, alte Sicherheiten durch neue Unsicherheiten abgelöst werden … Das Andersein, im Äußeren wie im Inneren, macht das Leben für den Gymniasten nicht einfacher, sowohl im alten dörflichen Freundeskreis als auch im neuen Umfeld der Schule greifen Rassismus und Rechtsradikalismus um sich. Es ist ein Aufwachsen in Angst, vorsichtigem sich an den Rändern der Gruppen entlang tasten, geprägt durch eine immer latent vorhandene Bedrohung, die sich schließlich in unterdrückten Wutanfällen und Depression seine Bahn bricht. Selbst die Beziehung zu Mariam, der einzige Lichtblick und Konstante in diesen Jahren, hält dem nicht stand. Daniel Schulz erzählt die Geschichte episoden-, ja teilweise fast bruchstückhaft, manchmal in direkter Folge, manchmal mit großen Zeitabständen. Dadurch entsteht stark das Gefühl, an Erinnerungsfetzen teilzuhaben, wie sie einem vielleicht selbst im Rückblick an das eigene Erwachsenwerden kommen würden. Sprachlich wird kein Blatt vor den Mund genommen, die Radikalität der Äußerungen muss man aushalten können. Trotz allem schafft es der Text aber dennoch, nicht komplett ins Fatalistische oder Trostlose abzudriften, man hält zusammen mit dem Erzähler letztendlich durch und am Schluss verblassen dann auch bei diesem die Erinnerungen schneller als gedacht, die Angst lockert endlich ihren Griff. ‚Wir waren wie Brüder‘ ist ein in meinen Augen wichtiger Text, egal ob nun für Ost oder West, denn es fängt ein ganz wichtiges Zeitfenster der deutschen Geschichte ein, ein Text mit dem man lernen kann zu verstehen.

3

Eine Jugend im Osten der Nachwendezeit

Mir wurde mal gesagt, dass man den Ossi in mir erkennt, weil ich Wende und nicht Mauerfall sage. Aber für mich bleibt es die eine Wende in der Geschichte. Kurz vor der Wende siedelten meine Eltern mit mir in den Westen über. Daher ist dieses Gefühl dieser Zeit in der schwindenden DDR ubd dazu noch on einer ländlichen Region fremd. Ich fand mich immer eher in einem linken oder zumindest liberalen Umfeld wieder. Alltagsrassismus ist mir zwar auch begegnet, aber eher unbewusst am Rande und nie in gewalttätigen Form. Vielleicht lag es an den wenigen Schnittpunkten, vielleicht daran, dass ich mich mit dem Bekanmtenkreis des Protagonisten kaum sympathisieren konnte, aber ich wurde nicht warm mit der Geschichte.

Eine Jugend im Osten der Nachwendezeit
4.5

Richtig gut geschriebene Comming-of-age story rund um den Zerfall der DDR, irgendwo zwischen Nazis und Enttäuschungen.

4

»Ich schiebe die Jalousie ein Stück nach links und gucke raus. Im Block drei brennt kein Licht mehr. Ah, doch, ein Fernseher, zwei, drei. Die sind arbeitslos, die können so lange gucken, wie sie wollen. […] Rechts von meinem Schreibtisch hängt der Dolch. Der gehört meinem Vater, den hat er noch aus der NVA.«

Über Nazis in Brandenburg, über Alltagsbewältigung eines Teenies umgeben von Faschos, und Radikalisierungsprozesse. Über Systemwandel, Orientierungslosigkeit und den Versuch, Erzählungen einzuordnen. Heftiges Buch in gewaltvoller Sprache (TW Rassismus, Sexismus), die in die 90er/00er katapultiert und gleichzeitig erinnert, wer heute parlamentarische Macht hat.

5

Das Buch habe ich an einem Wochenende durchgelesen - es hat mich einfach abgeholt. Kurzweilig zu lesen, für mich war es ein Flashback in die eigene Jugend.

1

Was habe ich denn hier gelesen?! Zusammenhanglose Kapitel mit riesigen Zeitsprüngen, die sich aneinander reihen. Ich finde weder einen roten Faden noch einen Spannungsbogen. Das Buch strotzt vor Rassismus (mit Ansage, Triggerwarnung und Erklärung). Aber da sich für mich die Haltung des Ich-Erzählers erst viel zu spät herauskristallisiert hat, und er insgesamt eine recht schwache Persönlichkeit zu sein scheint, erschloss sich mir auch keine Botschaft. Es fiel mir schwer, die verschiedenen Personen auseinander zu halten, weil sie für mich zum Großteil nur Namen ohne Eigenschaften blieben. Oder, wenn sie mit Charakterzügen beschrieben wurden, dann waren es meist die gleichen Attribute (Schlägertypen, die zum Hobby "Kanaken" verprügeln). Auch die Lovestory zwischen Ich-Erzähler und Mariam war für mich völlig undurchsichtig. Ich finde Geschichten rund um die Wende eigentlich immer spannend und der Klappentext hat mich sofort gehabt. Aber die Lektüre war einfach nichts für mich. Wer mir erklären kann, was das Buch für eine Funktion erfüllt, kann hier gerne kommentieren.

3.5

Gutes Buch. Schreibstil fand ich zum Teil anstrengend

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