Wild wuchern
Jetzt kaufen
Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.
Beschreibung
Marie rennt panisch einen Berg hinauf. Auf der Flucht vor einer Welt, in der vieles aus dem Lot geraten ist, sucht sie Schutz bei ihrer Cousine Johanna. Ausgerechnet bei Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin auf einer entlegenen Tiroler Alm lebt. Marie und Johanna, sie könnten nicht unterschiedlicher sein: die scharfzüngige Wienerin, Luxusgeschöpf aus einer Luxuswelt, zugleich verwöhnt und verachtet von Ehemann Peter – und das »wilde Tier im Körper von einem Menschen« (Marie über Johanna), das beim Erwachsenwerden scheinbar die Sprache verloren und die Gesellschaft hinter sich gelassen hat. Für die beiden Frauen beginnt ein ungewöhnliches Kräftemessen, ein Ringen um ihr Selbstverständnis, aber auch um einen gemeinsamen Weg.
In ihrem so poetischen wie politischen Roman, Märchen, Parabel und pulsierende Zivilisationskritik in einem, feiert Katharina Köller zwei Frauen und ihren eigensinnigen Aufbruch ins Leben.
»Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.«
»Kann man noch weiblicher, noch österreichischer, noch besser schreiben? Ich denke nicht!« Mareike Fallwickl
Buchcover Award: Gewinner Belletristik 2025
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Katharina Köller wurde 1984 in Eisenstadt, Österreich geboren, hat Philosophie und Schauspiel studiert und ist seit 2011 freiberuflich als Autorin, Schauspielerin und Theatermacherin tätig. 2020 erschien ihr Debütroman »Was ich im Wasser sah«, der mit dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet wurde. Ihr zweiter Roman »Wild wuchern« wurde mit dem Puchheimer Literaturpreis 2025 ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Evangelischen Buchpreises 2026. Katharina Köller lebt mit ihrer Familie in Wien und Innsbruck.
Merkmale
16 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beiträge
"Seit du da bist, bin ich einsam." "Heute kann ich dich nicht mehr wegschicken, aber morgen gehst du, und du kommst nicht wieder." "Ich habe mich vom Großvater ins Tal schleppen lassen und vom Peter nach Wien. Ich war dort, wo man mich eingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt." "Es war so schön im Sturm, denk ich. Es war so schön, ein Spielball zu sein und selbst nichts entscheiden zu müssen. So schön einfach, vom Berg zu fallen, federleicht und vom Aufwind hochgehoben, irgendwie ganz frei." "Reden war ganz sinnlos für Johanna, weil Antworten, die man dringend braucht, die kriegt man nicht durchs Fragen. Wozu also was sagen wollen? Wozu in Kontakt treten mit den Menschen?" Marie flüchtet aus Wien zu ihrer Cousine Johanna, die wie ein Emerit einsam auf einer kleinen Hütte auf einer Alm lebt. Man spürt die Ablehnung von Johanna gegenüber Marie in dem Verhalten und den wenigen Sätzen gegenüber Marie. Ablehnung, die auf Vorfälle aus ihrer gemeinsamen Kindheit basieren. Durch Rückblicke offenbart sich ihre Vergangenheit und man kann das Verhalten der beiden zum Großteil nachvollziehen. Ich war ab der ersten Seite in der Geschichte angekommen und teile die allgemeine Begeisterung für dieses atmosphärische Buch. Deswegen gibt's von mir eine ganz klare Leseempfehlung ⭐
Hat mich tief berührt 🤍
✨Rezensionsexemplar✨ 🤍Zitat🤍 „Weil ich bin jetzt auch nicht mehr dieser fanatische People Pleaser, der ich noch vor Kurzem war. Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern.“ (Seite 159) Das war mein erstes Buch der Autorin und es hat mir sehr gut gefallen: Marie flüchtet sich von ihrem gewalttätigen Ehemann auf die Almhütte ihrer Cousine Johanna. Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Tatsächlich kann man dieses Buch kaum beschreiben, denn es ist sehr ungewöhnlich und die Besonderheit liegt definitiv in der Sprache. Katharina Köller schreibt so toll, so österreichisch und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Musste ich auch nicht, wir haben ca. 200 Seiten, geschrieben als ein Kapitel und eine Geschichte, die sich aus Erinnerungen von Marie und der Gegenwart flechtet. Ich habe mehrfach versucht, weitere Zitate rauszuschreiben, aber ehrlich, das ganze Buch ist ein Zitat. Ich werde es auf den jeden Fall wieder lesen und bis dahin täglich darüber nachdenken. Ich habe mich dann noch für diesen kleinen Ausschnitt entschieden, den ich unbedingt mit Euch teilen möchte, damit Ihr einen Eindruck vom wunderbaren Schreibstil der Autorin gewinnen könnt. 🤍 Zitat 🤍 „Ich werd also den Strick schön in der Truhe lassen und ausharren wie eine Zecke im Unterholz. Ich werd mich hier festbeißen und nicht mehr loslassen, und ich werd warten, wie Zecken warten, bis meine Zeit gekommen ist, in der ich wieder eine neue Bewegung machen kann.“ Das Buch hat mich sehr bewegt! Große Leseempfehlung! 5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️❤️

Wild und überraschend, das Tempo steigert sich.
Bei diesem Buch brauchte ich eine kurze Weile un mich wirklich auf die Geschichte einzulassen und mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Aber es hat sich gelohnt. Der Schreibstil ist an sich recht einfach gehalten, aber wirkte auf mich trotzdem poetisch. Einige Sätze sind verschachtelt, was gut zu der Situation der Protagonistin passt. Man erfährt im Laufe des Buches immer mehr und kommt langsam aber sicher hinter die genauen Gründe, warum sie reißaus genommen hat. Die Figuren sind durchaus vielschichtig und konnten mich überraschen, wobei keine fehlerfrei ist. Das Ende hat mich überrascht und war für mich ein gut gewähltes Ende. Die Geschichte ist eine interessante Erzählung darüber zu sich selbst zu finden und sich zu reflektieren. Auch wird klar, dass jeder anders und niemand perfekt ist, das aber auch nicht sein muss. Es wird der Kampf von Frauen mit patriarchalen Strukturen beschrieben. Denn je mehr jemand abweicht, desto schwieriger hat diese Person es auch mit der heutigen (Norm)Gesellschaft. Es wird aber auch klar, dass Anpassung nur bedingt eine Lösung ist bzw. Abhilfe schafft. Definitiv eine empfehlenswerte, obwohl kurze Erzählung, die viel Stoff für Diskussionen bietet.

Ein Buch das nachhallt, das bereichert, das weh tut.
"Ästhetik ist wurscht. Es geht nur um Sinnhaftigkeit" In "Wild wuchern" begleiten wir Marie, die Hals über Kopf aus Wien flieht und sich schließlich in der einsamen Berghütte ihrer Cousine Johanna wiederfindet. So viel zur Geschichte. Mehr muss man nicht wissen. Beide Charaktere mochte ich gerne, wobei ich Johanna mehr ins Herz geschlossen habe. Sie ist die Eremitin, die die Gesellschaft von Tieren die der Menschen vorzieht und ihr Leben auf der Berghütte fernab der Zivilisation verbringt. Marie mochte ich zwar auch, aber sie ist eher das Stadtmädchen. Sie ekelt sich vor der Hütte und dem eiskalten Wasser aus dem Brunnen. Aber sie passt sich an. Jetzt zu den Details. Ich bin völlig überwältigt von der Klugheit dieses Romans. Katharina Köller schreibt eine sehr präzise Gesellschaftskritik und legt den Finger direkt in die Wunde. Es geht um die Entfremdung zur Natur, psychologischen Missbrauch, gestörte Eltern-Kind-Beziehung, Feminismus und Identitätssuche und um so viel mehr, was mir beim ersten Lesen bestimmt entgangen ist. Man möchte denken, ein Buch, das so viele verschiedene Themen abdecken möchte, erfüllt seine Aufgabe eher schlecht als recht. Nicht so hier. Katharina Köller muss nicht großartig ins Detail gehen, denn jeder Satz ist so auf den Punkt gebracht und trifft so ins Mark, sodass nicht mehr Worte oder mehr Details benötigt werden. Also ein unfassbar gut geschriebener Roman, der in mehrere Richtungen den ausgestreckten Mittelfinger zeigt, ohne an Klugheit oder Würde zu verlieren. Ein Buch das nachhallt, das bereichert, das weh tut. Lest es! P.S: besonders mochte ich es, dass die Autorin österreichische Wörter in den Text genommen hat. Das Hörbuch liest sie selbst und die Dialoge liest sie ebenfalls im Dialekt.
Katharina Köllers "Wild Wuchern" erzählt die Geschichte der Befreiung und Selbstermächtigung zweier Frauen, die beide ganz unterschiedliche Wege gehen und schliesslich doch am selben Punkt zusammenfinden. "Wild wuchern" ist ein lebhafter, spannungsvoller und doch stiller und feinsinniger Roman, der für mich zu den Highlights meines bisherigen Lesejahres zählt.
Marie, die Ich-Erzählerin, und Johanna sind Cousinen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Marie lebt wohlhabend in Wien, Johanna hat sich für ein hartes und einsames Leben in den Tiroler Bergen entschieden. Als Kinder und Jugendliche haben sie viel Zeit miteinander verbracht, später aber den Kontakt zueinander verloren. "Wild wuchern" beginnt damit, dass Marie mitten in der Nacht unterwegs zu Johannas Berghütte ist. Sie ist getrieben von grosser Angst, die sie die Gefahren des nächtlichen Aufstiegs und die Ungewissheit, ob Johannna noch dort oben lebt, überwinden lässt. In der Berghütte angekommen, findet sie Johanna tatsächlich vor, die sich aber offenbar gestört fühlt und ihre Cousine sehr distanziert aufnimmt. Marie ist entschlossen zu bleiben und Johanna zu zeigen, dass ihr Aufenthalt Vorteile für beide bringt. Sie hat keine andere Wahl, denn offenbar ist in Wien etwas passiert, das ihr den Weg zurück versperrt. So nach und nach entwickelt sich eine Geschichte, die von der Annäherung beider Frauen und ihren Erfahrungen mit der Natur und der Selbstversorgung in den Bergen erzählt. In Rückblicken erschliessen sich auch Details der früheren gemeinsamen Zeit der Cousinen und ihrer späteren Entwicklung. Ihr kauziger Grossvater, dem die Hütte einst gehörte, spielt dabei eine wichtige Rolle, aber auch ihre Eltern, die sie beide in Lebensentwürfe drängten, die sie beschädigt haben. Immer wieder geht es um Maries Anpassung und Johannas Anderssein. Goldmarie und Pechmarie, das sind sie gewesen, denkt die Wienerin, und merkt schliesslich, dass das nicht stimmt.

Highlight 2025
Das war mal wieder ein Pageturner vom Feinsten. Eine Reiseempfehlung aus dem Bücherwurm in Minden/Westfalen. Die Geschichte ist kurz erzählt. Ehe/Frau flüchtet in die Berge in eine Hütte, in der ihre Cousine ausgestiegen lebt. Der Roman hat ein unglaubliches Tempo von Anfang an. In Rückblicken wird erzählt, wieso sie blutend in der Nacht vor der Hütte steht, wieso ihre Cousine die Berge als Lebensmittelpunkt gewählt hat. Die Sprache ist immer wieder überraschend: Ich bin einsam, seitdem du bei mir bist. Die Naturgewalten und die „feinen“ Familien wunderbar beschrieben. Großes Kopfkino.
Dieses Buch ist eine Wucht. Einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Marie ist auf der Flucht und rettet sich auf die Berghütte ihres Großvaters. Hier lebt ihre Cousine Johanna. Zwei Cousinen, die nicht unterschiedlicher sein können, sich aber auch brauchen. Auf dem Klapoentext steht "Ein Roman wie eine Naturgewalt: Stürmisch, fesselnd und dabei voller Zärtlichkeit ". Das trifft es auf dem Punkt. Absolut lesenswert
"Wild wuchern" ist ein kraftvoller und bildgewaltiger Roman der österreichischen Autorin Katharina Köller über die beiden gegensätzlichen Cousinen Marie und Johanna und ihre vielschichtige Vergangenheit. Der klare, präzise Schreibstil und der reichlich vorhandene Humor hat mich nur so durch die Seiten fliegen lassen. Für mich ist "Wild wuchern" eine großartige Lektüre mit intensiver Atmosphäre. Ganz große Leseempfehlung!
Mitreißender Gedankenstrom, der oft etwas subtil märchenhaftes besitzt und im schroffen (Umgangs-)Ton von Zerrüttung und Annäherung erzählt - sehr fesselnd und mit passendem Dialekt von der Autorin vertont! Mir hat lediglich eine stärkere emotionale Verbindung zu den beiden Frauencharakteren gefehlt.
„Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.“ „Was mich der Geschichtsunterricht in der Oberstufe also gelehrt hat, ist, dass man immer noch kann, wenn man glaubt, dass man nicht mehr kann. Solange man nicht umgefallen ist, geht es.“ Marie ist auf der Flucht, sie rennt panisch einen Berg hinauf und hat Angst. Ihr Ziel ist ihre Cousine Johanna. Sie lebt seit Jahren in einer abgelegenen Hütte auf dem Berg, ein perfekter Ort um sich zu verstecken. Besonders gut hat Marie Johanna aber noch nie verstanden, sie ist ganz anders. Johanna liebt Tiere mehr als Menschen und redet nicht viel. Der Roman kommt daher wie ein Kammerspiel, mit einer ordentlichen Wucht, hart, schonungslos und manchmal wieder ganz zart. Marie reflektiert ihr Leben. Zum Großvater hatte sie kein gutes Verhältnis aber sonst mochten sie alle, sie war die Goldmarie. Sie ist schön, klug und erfolgreich. Ganz anders war es bei Johanna, sie war eher still und zurückhaltend, galt als nicht besonders schlau. Nun treffen die beiden unterschiedlichen Frauen wieder aufeinander und Marie sucht nach Antworten. Das Annähern ist nicht leicht, sie umkreisen sich, finden schwer zueinander. Nach und nach erfahren wir warum Marie geflüchtet ist und wie die beiden Frauen aufgewachsen sind. Es geht um Kindheitstraumata, ob die augenscheinliche „Normalität“ wirklich immer so richtig ist und auch um das harte, entbehrliche Leben auf der Alm. Dazu kommt österreichischer Dialekt , wunderbar bildliche Naturbeschreibungen und die manchmal fast raue Sprache. Ein grandioser Roman, den man gar nicht mehr weglegen möchte.
Ein großes Highlight für mich - und ganz bestimmt für alle, die gerne mit allen Sinnen lesen und fühlen. 🖤
Marie und Johanna sind Cousinen. Die eine lebt mit ihrem Mann in einer schicken Wohnung in Wien. Die andere lebt ein ursprüngliches Leben in den Bergen. Früher hat die eine der anderen beigebracht, wie man klarkommt. Heute ist es umgekehrt. Marie muss fliehen, ausbrechen und Schutz suchen bei Johanna. Und wir erfahren nach und nach, wie die beiden Mädchen zu den Frauen wurden, die sie heute sind. 🌾 Was für eine Wucht! Die Hütte auf der Tiroler Alm eingebettet in die bebende Natur, die so mächtig ist, dass sie alles verschlingen könnte, wenn sie nur will. Beschrieben hat Katharina Köller alles so lebendig, dass ich es fühlen kann - das eiskalte Brunnenwasser, den kriechenden Nebel, die tippelnden Mäusefüsschen, das pieksende Stroh und das wilde Wuchern. Wenn ich Herzklopfen und schwitzige Hände bekomme, weil mich Maries Schicksal so mitnimmt, wenn ich mit ihr den Berg hinauf hetze und versuche, Wurzeln zu schlagen auf der Alm. Und wenn die Tränen laufen, weil der Grund für Johannas Schweigen mich mitten ins Herz trifft. Was für eine Sprache - so nah, so echt, so intensiv, so packend. Dieser Roman ist bitter und erbarmungslos, so ungerecht und brutal wie das Leben. Und ganz unvermittelt bekomme ich vor Augen geführt, was Genugtuung bedeutet. Warm und zäh fließt das Gefühl über meine Seele, ebnet alle Narben und verschließt die Wunden. Warum Marie in die Berge flieht, erfahren wir ganz zum Schluss. Und glühend heiß brennt dann die Frage zwischen den Zeilen: Wer schreibt die Regeln? Wer beschließt, was richtig ist und was falsch? Das Leben passt nicht zu diesem Konzept. Das Muster verschiebt sich, es zeichnet sich neu mit jedem einzelnen Moment, in dem wir handeln - oder zur Handlung gezwungen sind. Was für eine Wucht! Ich werde dieses Buch und Johannas Hütte auf der Tiroler Alm nicht vergessen - als wäre ich selbst dort gewesen.

Zwei Frauen, die zu sich selbst finden (müssen). Johanna, die Eremitin, die autark in einer Berghütte im Einklang mit der Natur lebt und ihre Cousine Marie, die aus dem Stadtleben ausbricht, um häuslicher Gewalt und Erniedrigung durch ihren Ehemann zu entfliehen. Das Verhältnis der Beiden, seit Kindertagen nicht zum Besten bestimmt und doch nähern sie sich langsam an und beginnen einander zu respektieren, voneinander zu lernen/profitieren und sich gegenseitig zu öffnen. Wild wuchern ist nicht nur der Titel dieses Buches. Wild wuchern auch die beiden Protagonistinnen während ihrer jeweiligen Entwicklung in der einsamen Berghütte auf einem Tiroler Berg. Wild wuchern ebenfalls die Sätze und Worte im Verlauf der Handlung. Katharina Köller schafft es, dass sich einem einfache Sätze bildhaft einprägen. Anfangs war ich etwas irritiert, durch die österreichische Sprechweise, die hier verschriftlicht wurde, aber nichts anderes wäre passender gewesen, für diesen Ausflug in die Berge, um Marie und Johanna beim wild wuchern zu begleiten. "Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen wild zu wuchern." [S. 159]
Wild wuchern - Katharina Köller Ja...was habe ich erwartet? Nichts in der Richtung! Ich brauchte tatsächlich einige Seiten da die Geschichte viel in Österreicher Mundart geschrieben ist. Das hat es dann aber später sehr authentisch gemacht. Wir haben hier einen ziemlich einschneidenden Roman über Häusliche Gewalt und ein Leben als unerwünschte Kinder. Die beiden Cousinen Marie und Johanna könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine immer das (ungesehene) Goldkind, die Andere zu eigenartig und eigentlich unerwünscht. Marie taucht nach vielen Jahren auf der Alm bei ihrer Cousine auf unangekündigt und genauso unerwünscht, denn die Cousine hat dem Leben in der Stadt abgeschworen und lebt gerne allein und abgeschieden. Marie weiß aber nicht wohin sonst, denn sie flüchtet vor ihren Mann der sie regelmäßig prügelt. Beide verstehen nicht so recht wieso die jeweils Andere in Kinderzeiten war wie sie war, bis sie nach einem schweren Gewitter auf der Alm und einem heftigen Streit (endlich) ein intensives Gespräch führen , über all das was die Familien ihnen angetan haben. Für mich sehr bewegend und hart. Man ist regelrecht mit wütend auf den prügelnden Mann, die Eltwen und Großeltern die Ihre Kinder regelrecht psychisch misshandeln
"Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt." (S. 108) Marie ist auf der Flucht. Blutend und voller Angst macht sie sich auf den Weg, der ihr als erstes in den Sinn kommt: zu ihrer Cousine Johanna auf eine abgelegene Tiroler Alm. Ausgerechnet zu Johanna, die seit Jahren kauzig und stumm in ihrer Hütte am Berg hockt. Die beiden Frauen verbindet so viel wie sie trennt und Johanna ist keineswegs erfreut über den plötzlichen Besuch. Vor Jahren hat sie die Zivilisation hinter sich gelassen, während Marie ein Leben zum Gefallen anderer lebte. Doch sind die Rollen der Pech- und der Goldmarie wirklich zu klar verteilt?! Es ist eine gewittrige Stimmung zwischen ihnen. Unausgesprochenes, nie Gefragtes schwebt aufgeladen im Raum, bis es endlich krachen muss und Marie sich den Naturgewalten hingibt. Katharina Köllers Roman ist wie ein mühsamer Aufstieg - atemlos, brennend. Doch oben angelangt erwartet einen ein tiefes Ein- und wieder Ausatmen, das einem alle Last von den Schultern nimmt. Beide Figuren hatten sehr schnell mein Herz erobert. Ich konnte mich reinfühlen in die Verletzungen, die sie erlitten hatten - jede auf unterschiedliche Weise, von Kindesbeinen an. "Wild wuchern" handelt davon, wie wir in unserem Umfeld wachsen, blühen oder verdursten können - je nachdem, was man uns gibt. Es geht um negative Glaubenssätze, die einem von anderen eintätowiert werden, bis man sie tief verinnerlicht hat. Und um Gaslighting, das uns das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung nimmt. "Ich sammel alles und schreib es mir hinter die Ohren. Weißt, was ich da für eine Liste hab, hinter den Ohren? Die ist lang." (S. 159) Erst wenn man diese Menschen aus seinem Leben verbannt, kann man wieder in den Spiegel blicken und die Person erkennen, die man eigentlich einmal war. Also, weg mit euch Lichtdieben, Schattenwerfern und Giftranken! "[I]ch bin jetzt auch nicht mehr dieser fanatische People Pleaser, der ich noch vor Kurzem war. Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern." (S. 159)
"Jetzt bin ich da und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt." 🗻🐐
Es geht um Cousinen, die eine lebt augenscheinlich zivilisiert, die andere hat sich tief in den Bergen zurück gezogen. Aus der Not findet die eine zur Anderen. Gegenseitig verstehen und wahrnehmen tun sie sich deshalb erstmal noch nicht... Es stellt sich eine unglaubliche urige Stimmung ein beim lesen. Ich mochts sau gern. Es ist amüsant, so herzig, schockierend, traurig und augenöffnend.

Werbung|Rezensionsexemplar Wild Wuchern| Katharina Köller| Penguin Verlag| ET 26.02.2025 ______________________________________ Intensiv, kraftvoll und fesselnd! ~ Jetzt bin ich hier und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt.~ Wenn ich dieses Buch Revue passieren lasse, sind das die 3 Schlagwörter, die mir als erstes einfallen. Worum gehts: Marie, aus deren Ich-Erzählperspektive auch geschrieben ist, will sich aus ihrem goldenen Käfig befreien und flüchtet aus der Stadt zu ihrer Cousine Johanna in die Berge. Sie versucht dort, neu zu wuchern. Ob ihr das gelingt und warum Sie überhaupt flüchtet und was sich alles hinter dieser Geschichte verbirgt, müsst ihr selbst lesen. Denn hier prallen nicht nur was das Setting angeht zwei Welten aufeinander. Aber ziemlich temporeich, mit ein wenig Ironie und ziemlich viel Ernsthaftigkeit, wird in diesem Buch über den Versuch des Loslösens erzählt, was mich ziemlich zum Staunen gebracht hat. Klare Leseempfehlung mit 4,5/5 ⭐️ Und ganz lieben Dank ans Teambloggerportal für dieses Rezensionsexemplar.

'Wild wuchern' von Katharina Köller hat mich wirklich begeistert. Das Buch ist super kurzweilig, mit interessanten Figuren, tiefgründigen und kritischen Themen. Die Sprache ist toll, die Familiengeschichte spannend, und zwischendurch gibt es humorvolle Momente. Die Geschichte beginnt mit Maries Flucht vor ihrem tyrannischen Partner. Sie rennt nachts bergauf zur Almhütte ihrer Cousine Johanna um dort Schutz zu finden. Da die beiden seit ihrer Jugend keinen engen Kontakt mehr hatten und unterschiedlicher nicht sein könnten, entwickelt sich ein spannender Prozess des Annäherns, des gegenseitigen Verstehens und des Findens zueinander. Ich mochte die schweigsame und recht harsch wirkende Johanna sehr gerne. Dort oben, alleine mit ihren Tieren, führt sie ein friedliches Leben und hat wahrscheinlich mehr mit der neuen Situation zu kämpfen als Marie. Marie kennt es nicht anders, sie passt sich an und will gefallen, schon immer und bleibt dabei natürlich auf der Strecke. Was mich überrascht hat: Mir ist erst nach dem Lesen aufgefallen, dass das Buch keine Kapitel hat. Das hat mich aber überhaupt nicht gestört, denn ich wollte einfach immer weiterlesen und habe dabei nicht wie sonst immer mal wieder geschaut, wann Zeit für eine (Kapitel)-Pause ist. Die eingewebte österreichische Mundart hat mir sehr gut gefallen, ebenso die vielen klugen Zitate. Ich hätte mir alle markieren sollen, doch ich wollte mich nicht aus der Geschichte herausreißen lassen. Ein Zitat, das mir besonderes im Gedächtnis geblieben ist, lautet: "Seit du da bist, bin ich einsam." Das hat mich sehr berührt. Es gibt in diesem Roman einiger dieser ehrlichen, tiefgehenden und manchmal auch krassen Zitate. Alles in allem ein tolles Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

Richtig stark
Ich hatte irgendwie von Anfang an total den Fokus auf der Gefühlsebene. Das ist mir so aufgefallen. Für mich hat total die Angst im Vordergrund gestanden. Ich fand voll spannend wie es sich da über die verschiedenen Reaktionen „flight, freeze, fight“ entwickelt hat und Marie ihre Selbstwirksamkeit entdeckt hat. Mich hat das Buch sehr abgeholt. Es geht neben Beschriebenem auch um Beziehungsmuster, Achtsamkeit, Familie, Traditionen,…
Auch wenn der Roman nicht sehr lang ist brauchte ich etwas um reinzukommen. Musste mich irgendwie an dem Stil gewöhnen. Vorweg es gibt keine Kapitel nur Absätze was mein innerer Monk nicht ganz so mag. Die Story selbst steigert sich und man erfährt immer mehr über die Protagonisten die weg gerannt ist zur ihrer Cousine auf die Alm. Tatsächlich hat mich die Cousine und ihre Geschichte mehr angesprochen. Insgesamt aber eine sehr ansprechende Geschichte über toxische Besziehung, Selbstfindung und weiteren kritischen Themen.
Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern. (S.159)
Johanna lebt abgelegen auf einer Alm, ohne fließendes Wasser und Strom. Ihre Cousine Marie, eine Wienerin, die scheinbar zivilisiert ist, sucht Zuflucht bei ihr, nachdem ihr Ehemann gewalttätig geworden ist und ihr Leben aus den Fugen geraten ist. Die Cousinen versuchen sich anzunähern, was ihnen jedoch schwerfällt, weil sie lange Zeit keinen Kontakt hatten und eine traumatische Vergangenheit hinter ihnen liegt. Man lernt die beiden Protagonisten immer besser kennen. Dadurch hatte ich einen besseren Zugriff auf die Geschichte. Das Buch ist kurzweilig und tiefgründig, mit kritischen Themen und einem klaren, feinfühligen Schreibstil. Ein sehr atmosphärisches Buch. Doch irgendwie hat mich das Buch nicht komplett zufrieden zurückgelassen.

Tiefgründig, ruhig und ehrlich.
Schon die ersten Seiten haben mich gepackt, weil die Geschichte direkt rasant beginnt, ohne einen großen Einblick in das Leben der Protagonistin zu bekommen. Diese geheimnisvolle Stimmung der Geschichte zieht einen direkt in ihren Bann. Besonders bewegt hat mich die tiefe Naturverbundenheit, die das Buch durchzieht. Als jemand, der selbst viel Kraft aus den Bergen schöpft, konnte ich die geschilderten Erfahrungen sehr gut nachempfinden. Die poetische Sprache und die ruhige, intensive Erzählweise machen das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis, das noch lange nachhallt. Wild wuchern erzählt von der Kraft der Natur und davon, wie eng sie mit unserem Inneren verwoben ist. "Ich habe mich selbst aus dem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern."
Anders, aber gut
Ich musste mich erst an den Schreibstil gewöhnen. Er hat mich irgendwie an die Eberhofer Bücher erinnert 🤔 Auch, dass es keine Kapitel gibt, ist gewöhnungsbedürftig. Aber der Inhalt, der berührt. Marie steht plötzlich vor der Tür ihrer Cousine Johanna. Die lebt als Eremitin auf einer Hütte in den österreichischen Alpen. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein. Marie, aus Wien, ist kommunikativ und liebt Design und Partys. Johanna ist wortkarg und liebt Tiere und die Einsamkeit. Aus der Sicht von Marie wird erzählt, warum sie auf die Hütte gekommen ist. Und man erfährt auch von der Kindheit der Cousinen. Jede auf ihre Art, hat etwas zu bewältigen. Das ist sanft erzählt und ich konnte mitfühlen.
Wild, Rauh und ursprünglich
Was für ein Wahnsinns Roman! Schlicht wirkt er, wenn man den Klappentext liest, einfach in der Geschichte, die erzählt wird. Aber die Komplexität ist bemerkenswert! Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, treffen sich unfreiwillig nach Jahren wieder. Marie ist auf der Flucht und sieht nur einen Ausweg: Zuflucht auf dem einsamen Berg bei ihrer Cousine Johanna finden. Johanna die seit Jahren kaum mehr redet. Alte Wunden brechen auf, in der Ödnis und doch bemerken die beiden Cousinen oben auf dem Berg, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Die Themen wie häusliche Gewalt, antrainiertes Konkurrenzdenken unserer Gesellschaft, Lieblosigkeit in der Familie und Misogynie werden hier so schnörkellos erzählt, dass sie umso schwerer wiegen. Das alles in einer rauhen und ursprünglichen Sprache, die perfekt zu dem Gebirge in Tirol passt, das sich im Geiste vor einem erhebt. Und langsam taut man mit den beiden aus der Wintersmüdigkeit auf, rennt Hügel hinauf, arbeitet sich die Hände wund und riecht die klare Bergluft. Und man will es mit ihnen raus lassen, dieses Wilde, egal was die anderen denken, der Angepasstheit der Gesellschaft den Rücken kehren und leben. Leben in der Einfachheit, leben ohne dass es wichtig ist, was andere denken. Leben und lachen. Ein Roman fürs Wilde, ein Roman der erlaubt anders zu sein und der dabei so laut in die Welt hinausschreit, wie gut und wichtig dieses Anderssein ist! Große Empfehlung, lasst es wild wuchern!
So anders
Ein Buch, welches so anders ist als alles andere was ich bis jetzt gelesen hab. Die Sprache. Die Geschichte. Zwei Frauen, die sich wohl gegenseitig brauchen, obwohl sie es nicht wissen. Dazu kommt die Naturgewalt. Ein wichtiges und interessantes Buch. Mir gefiel nur nicht, dass es keine Kapitel gab. Ich brauch die einfach.
WILD WUCHERN Katharina Köller Marie flieht in die Tiroler Alpen – dorthin, wo ihre Cousine Johanna seit Jahren zurückgezogen in einer abgelegenen Berghütte lebt. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann Peter sucht sie Zuflucht an einem Ort, an dem er sie hoffentlich zuletzt vermuten würde. Sie ist überzeugt, dass er nie auf die Idee käme, ausgerechnet bei ihrer absonderlichen Cousine nach ihr zu suchen – jener Frau, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Die letzten Male, als sie zu fliehen versuchte, versteckte sie sich in Italien – doch er hatte sie dort immer wieder aufgespürt. Cousine Johanna ist alles andere als erfreut, als Marie mitten in der Nacht mit einer blutenden Kopfverletzung vor ihrer Tür steht. Ihr gemeinsamer Großvater hatte Marie einst der Hütte verwiesen, und die quirlige, luxusverwöhnte Cousine konnte sie hier oben schon gar nicht gebrauchen. Katharina Köller zeichnet ein Porträt zweier Frauen, die trotz ihrer Zwillingsmütter unterschiedlicher nicht sein könnten: Johanna – still, in sich gekehrt, die Worte schon als Kind nur zögerlich über die Lippen bringend. Und Marie – laut, lebenshungrig, der Mittelpunkt jeder Party. Nach und nach erfahren wir Dinge aus ihrer Kindheit und Gegenwart, die sich am Ende des Buches zu einem großen Ganzen fügen. Wow, was für ein gewaltiges Debüt! Wer Kitsch oder Sentimentalitäten erwartet, wird hier nicht fündig. Statt klassischer Kapitel erleben wir einen rasanten Gedankenstrom – Maries innere Stimme treibt den Text atemlos voran und zieht uns mit in ihren Strudel. Mich hat dieser Stil vollkommen gepackt: poetisch, bildgewaltig, eindringlich, wild wuchernd, kraftvoll – und erfrischend anders. Wer wortgewandte Literatur liebt, der sollte dieses Buch auf keinen Fall verpassen. 5/5

Zwischen Almidylle und Wortorkan – ein Buch wie ein Naturereignis
Also gut, ich geb’s zu: Ich wollte eigentlich nur ein paar Seiten lesen – so als literarisches Häppchen vorm Einschlafen. Tja. Blöd nur, dass mich dieses Buch mit der Wucht eines Lawinenabgangs erwischt hat. Köller schreibt nicht einfach, sie wuchert mit Worten. Und zwar wild. Und schön. Und ganz schön wild. Marie rennt da also in ihr Chaos hinein – den Berg rauf, versteht sich – und ich als Leser gleich hinterher, völlig außer Atem, aber glücklich. Was dann folgt, ist eine explosive Mischung aus Sprachkunst, Schwesternkrach (also Cousinenkrach, aber das klingt nicht so dramatisch) und einer Prise Eremiten-Mystik mit Almhütten-Aroma. Johanna ist sowas wie Gandalf, nur mit mehr Ziegen und weniger Redebedarf. Und Marie? Luxusweib trifft Überlebensinstinkt. Die Dialoge? Wie Pfeile aus Wermut – süßlich, bitter, treffend. Manchmal dachte ich, ich sei in einem feministischen Western auf 2000 Höhenmetern gelandet, dann wieder in einem poetischen Fiebertraum mit Kuhglocken. Und ja, es ist ein Kammerspiel – aber mit Gletscherblick und emotionaler Sprengkraft. Ich habe gelacht, gestaunt, fast einen Enzian-Tee aufgebrüht – und am Ende das Buch umarmt wie einen alten Freund. Wer denkt, das hier sei nur ein Frauenroman mit Almromantik, dem sei gesagt: Nein, Kollege, das ist Survival Training für die Seele. Unterm Strich: Eine literarische Wucherung, die man nicht jäten, sondern feiern sollte. Hut ab, Frau Köller – das war große Kunst mit Bergschuhen.

„Weil ich bin jetzt auch nicht mehr dieser fantastische People Pleaser, der ich noch vor Kurzem war. Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern.“ (S. 159) Die Geschichte beginnt für Marie ganz nah am Abgrund: Sie flieht auf eine Alm in den Tiroler Bergen, mit panischer Angst und Blut unter den Fingernägeln. Zuflucht sucht sie dort bei ihrer Cousine Johanna, die die Alm in Einsamkeit bewirtschaftet. Marie ist Wienerin, Modedesignerin und in ihrer Familie stets die „Goldmarie“ gewesen. Johanna ist das einsame, wortkarge und rustikale Gegenstück – eine ehemalige Außenseiterin, die allein in und mit der Natur lebt. Die Begegnung der beiden stellt Katharina Köller als eine Art psychologisches Kammerspiel dar. Reduziertes Setting, hauptsächlich zwei Figuren und die Natur. Die Zeit besteht aus harter Arbeit wie Sensen oder Ziegen versorgen sowie jeder Menge Schweigen. Doch letztlich wuchert aus diesem Schweigen eine emotionales Annäherung der beiden Frauen. Stück für Stück enthüllt die Autorin in Rückblenden, wie Marie und Johanna zu den Frauen geworden sind, die sie heute sind. Hier geht es um traumatische Kindheitserfahrungen, Prägungen durch elterliche Erwartungen, (Nicht-)Zugehörigkeit sowie auch psychische und misogyne Gewalt. Wild wuchern hat mich durch seine Gegensätze in den Figuren sowie zwischen Natur und Stadt, die sprachlich geschickt aufeinanderprallen, absolut in seinen Bann gezogen. Geschichte und Sprache sind zugleich kraftvoll und zart. Die Reduziertheit der Szenerie unterstreicht die Kraft der Naturgewalten, aber auch die Kraft des Neins an eine misogyne Gesellschaft sowie letztlich des Zusammenhalts unter Frauen. Für mich ein beeindruckendes Leseerlebnis, das mich sowohl gut unterhalten als auch zur Reflexion über das Finden der eigenen Stimme innerhalb der eigenen Verwurzeltheit angeregt hat. Wie kann Frau also „wild wuchern“ trotz oder gerade wegen starker Wurzeln, die untrennbar mit ihr verwachsen sind?
Katharina Köllers "Wild Wuchern" ist ein sprachgewaltiger, intensiver Roman, der auf nur 200 Seiten eine beeindruckende Wucht entfaltet. Mit einer Mischung aus poetischer Erzählkunst, Gesellschaftskritik und psychologischer Tiefe erzählt er die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und sich doch auf einer abgelegenen Tiroler Alm begegnen müssen. Marie flieht aus einem Leben, das sie zunehmend einengt und bedroht. Sie sucht Zuflucht bei ihrer Cousine Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin lebt, wortkarg und eigen, in einer Natur, die ebenso hart wie befreiend ist. Während Marie aus einer Welt der Oberflächlichkeiten kommt, ist Johanna von einer rauen Ursprünglichkeit geprägt. Ihr Aufeinandertreffen ist von Spannung und Konfrontation, aber auch von unmerklicher Annäherung geprägt. Köllers Sprache ist atemberaubend: direkt, voller Wucht, manchmal rau und schroff wie die Bergwelt, dann wieder poetisch und feinfühlig. Besonders beeindruckend ist die Art, wie die Autorin Traumata, gesellschaftliche Zwänge und das Ringen um Selbstbestimmung thematisiert. Häusliche Gewalt, unterdrückte Wut, familiäre Lieblosigkeit und das Gefühl, sich in einer vorgefertigten Rolle zu verlieren, durchziehen den Roman – und doch ist er auch von einer wilden, fast anarchischen Lebenslust durchdrungen. Ein intensiver, emotional aufwühlender Roman, der einen mit seiner rohen Schönheit gefangen nimmt. Es geht um weibliche Selbstermächtigung, um das Überleben in einer Welt, die nicht für alle gleich gemacht ist. Ein wahnsinnig gutes Buch und definitiv eines meiner Frühjahrshighlights – I love it!

✨ Leseempfehlung ✨ Wer die Berge und die österreichische Kultur liebt, wird hier vollends abgeholt.
✨ Leseempfehlung ✨ Stimmen zum Buch: »EIN ROMAN WIE EINE NATURGEWALT: STÜRMISCH, FESSELND UND DABEI VOLLER ZÄRTLICHKEIT.« Doris Knecht Worum geht’s? Tiroler Alpen und Wien, Zwei Frauen, zwei Leben, Gewalt Zitate: »Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.« Mein Leseeindruck: Panisch rennt die Protagonistin Marie den Berg herauf, erneut fliehend vor ihrem Ehemann, mit dem sie in Streit geraten ist. Verfolgt aus einer urbanen, zivilisierten Welt in Wien, die ins Wanken geraten ist. Angst, Angst ganz viel Angst begleitet sie auf diesem Weg. Ihre Cousine Johanna, die ein Eremitenleben auf der Alm führt soll ihr helfen. Doch tut sie dies? Nähern sich die ungleichen Frauen an und bearbeiten das Vergangene, das Ungesagte? Ein Kräftemessen beginnt, ein Aufbruch für beide! Ein Buch mit fesselnder Dynamik, atmosphärisch und bildhaft, erzählt. Es entsteht ein Sog, die Sprache schnell, laut, panisch, authentisch mit österreichischem Dialekt gespickt. Ein sensibel, psychologisch klug konstruierter, intensiver Plot wird zu einem Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen will. Ein atemberaubendes, tempomachendes Alpen-Kammerspiel! Cover und Titel polarisieren und passen perfekt. Fazit: Scho a bisserl wuid, aber guat! I mog’s! ❤️ Wer die Berge und die österreichische Kultur liebt, wird hier vollends abgeholt.

Ein wildes Buch
Wenn ich kann, mache ich einmal im Jahr Urlaub in den Bergen. Die Krönung ist nach der Wanderung eine urige Berghütte aufzusuchen, wo man einen zünftigen Snack bekommt und das herrliche Panorama genießen kann. Das ist allerdings nicht die Location, die hier in diesem Buch einen Prominenten Platz bekommt. Marie ist auf der Flucht, sie hat eine Platzwunde am Kopf aber auch der Rest ihrer Kleidung ist mit Blut besudelt. Sie rennt einen Berg hinauf, ist dabei gehetzt und hat ein klares Ziel vor Augen: die Berghütte, in der ihre Cousine Johanna als Eremitin ein einsames Leben lebt. Sie hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihr. Als Kinder hatten sie viel miteinander zu tun und ihr Verhältnis war oberflächlich gesehen gut, doch von Druck durch die Eltern und dem Verhalten des unbeherrschbaren Großvater - der wohl sehr gewollt an den Alm Öhi erinnert – geprägt. Sie tragen diese Erinnerung ins heutige Leben, ob sie wollen oder nicht! Wir werfen einen großzügigen Blick in die Kindheit der Beiden, die weder glücklich noch von Liebe geprägt war. Diese Last hat etwas mit ihnen gemacht und so wird ihr Verhältnis und ihr Charakter von diesen Altlasten maßgeblich bestimmt. Die Autorin hat es geschafft, bei mir großes Mitgefühl für die kleine Marie und die kleine Johanna zu wecken. Die Art und Weise, wie Erwachsene mit diesen Mädchen umgegangen sind, ist grausam und herablassend. Die Entwicklung, die beide dann genommen haben, ist erstaunlich und nachvollziehbar zugleich. Die Frage danach wer hier eigentlich normal ist, habe ich mehrfach gestellt und erst zum Ende hin verschob sich mein Bild. Johanna spricht nicht viel, eigentlich fast gar nicht. Marie weiß also nicht ob sie ihrer Cousine willkommen ist. Aber hat sie eine Wahl? Sie bekommt ein Bett und etwas zu essen und ist alles andere als glücklich mit ihrer Unterkunft. Denn es stinkt nach Ziege, es gibt keinen Strom, kein fließend Wasser und die Nahrung ist relativ karg. Doch sie muss bleiben. Die Frage nach dem WARUM bezüglich Maries Flucht schwebt über der ganzen Geschichte. Relativ schnell zeichnet sich ab, dass sie mit einem versnobten, aber sehr gewalttätigen Peter verheiratet ist und das ganze Blut hat irgendwie damit zu tun. Dass man da sofort an häusliche Gewalt denkt, ist nicht weit hergeholt. Doch Marie hat Angst, dass man sie findet und sie versucht zu gefallen und alles zu tun, damit sie bleiben darf, hofft, dass sie Gnade vor Johanna findet. Dabei ist auch Marie nicht einfach: „So bin ich. So bin ich, dass ich schon weiß, die Watschen kommt, und trotzdem renne ich mitten rein. Wie die Opfer in den Horrorfilmen zielsicher in ihren Tod Rennen so renn ich hinein in eine Watschen“(S. 79) Archaisch oder ursprünglich sind die ersten Adjektive, die mir zu diesem Roman einfallen. Hier ist nichts lieblich, weich oder von Alpenromantik geprägt. Es ist kalt und kratzig, wortkarg, es gibt Schrammen und Blasen und es riecht nach Ziege, ein Duft, den auch ich als sehr unangenehm empfinde. Der Schreibstil Köller ist gehetzt und vermittelt somit genau die Stimmung der Protagonistin. Man scheint sich selbst beim Lesen ständig um zu schauen. Manchmal entfaltet die Story sogar richtiggehend Humor, wenn auch einen flüchtigen der schnell in eine ernste Situation umschlagen kann. So geschehen, zum Beispiel bei der unleidlichen Liaisons, die Marie mit einem Ziegenbock namens Hubsi eingeht. Köller beschreibt die Dynamik zwischen den beiden Cousinen sehr pointiert, mit wenigen Worten und in einem Ton, der nicht literarisch wirkt und trotzdem eine eigene Poesie entfaltet. Es ist unübersehbar, dass wir hier in Tirol sind. Die Sprachen Österreichs sind Akteure dieses Romans. Partiell wird ihre Wirkung direkt benannt teilweise erschließt sie sich aus den Begriffen, die in Deutschland nicht beheimatet sind. Mir hat das gut gefallen, denn es verleiht dem Text einen Lokalkolorit, ohne ihn zu verflachen. Sehr deutlich kommt hier die Kargheit der Hochalpenlandschaft durch. Ich könnte so nicht leben, auch wenn ich mir manchmal einen weniger komplexen Alltag wünsche. Eins sein mit der Natur, ist halt nichts für Zartbesaitete. Johanna aber ist dafür geschaffen. Marie hat zuerst kämpfen, gibt sich aber nach und nach dem simplen Leben hin. „Ganz plötzlich ist alles so einfach, so klar und eindeutig. Ästhetik ist wurscht. Es geht nur noch um Sinnhaftigkeit. Man weiß, woran man ist. Man weiß, worauf es ankommt. So ein Gefühl habe ich noch nie gehabt.“(S. 72). Ein unglaublich wildes Werk, bei dem ich lange nach Sympathie für die Protagonistinnen gesucht habe und sie am Ende für beide gefühlt habe. Eine Leseempfehlung für alle, die auf der Suche nach einem schnellen Abenteuer sind.
Wild und schön
Marie schafft es aus einer toxischen Beziehung auszubrechen oder eher zu fliehen und das ausgerechnet auf eine Almhütte zu ihrer als seltsam geltenden Cousine. Eingerahmt in wilde Natur und die Tiroler Berge finden hier zwei Frauen zu sich und zueinander. Und das ist für mich so gut geschrieben, dass ich das Buch gar nicht mehr weggelegt hab. Vielleicht sollte man selber es auch manchmal machen wie Marie: “Ich habe mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern.”
Was auf der Alm passiert
•Buchrezi• 😓 Zum Inhalt: Maria ist auf der Flucht… auf der Flucht vor ihrem Mann. Es gibt nur einen Ort, wo Peter sie nicht finden wird. Eine abgelegene Alm in Tirol. Einst gehörte die Alm ihrem Großvater, heute bewohnt und bewirtschaftet sie ihre Cousine Johanna. Johanna, die schon immer etwas sonderbar gewesen ist und die Marie sooft als Kind und Jugendliche bespaßen und mit zu ihren Freundinnen nehmen musste. Johanna, die ein besonderes Gespür für Tiere hatte, das Marie bis heute fehlt. Die plötzliche Ankunft von Marie in der abgeschiedenen Alm überrascht Johanna. Was will die denn hier? Und wenn die schon mal da ist, muss sie auch arbeiten. Schließlich bewirtschaftet sich so ein Hof nicht von allein. Doch Johanna ist kein Mensch der vielen Worte, hat als Kind das Reden eine zeitlang sogar ganz eingestellt und Marie, die kann ihren Mund nicht halten, was zwangsläufig zu Konflikten führt… führt auch zu einer Wahrheit, die schmerzlicher nicht sein könnte… Mein Fazit: 🤯 Was für eine Geschichte! Rotzig und rau verbringen wir etwas über 200 Seiten auf den entbehrungsreichen Alltag einer Alm. Marie und Johanna, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Marie, ein wahrer Schatz, eine echte Goldmarie. Die immer angepasst und immer alles geschluckt hat, bis zu einem verhängnisvollen Tag, an dem der Großvater sie von der Alm verbannt hat. Und dann ist da Johanna, ein raues Naturkind, die ihr Leben lang im Schatten der Familie stand, unangepasst und irgendwie auch ungeliebt. Doch der Großvater, der hat Johannas Gespür erkannt, sie geliebt. Und dann treffen die beiden Geschichten zusammen… die mich schockiert, verletzt und sprachlos zurückgelassen haben. Familie kann man sich nicht aussuchen, so viel kann ich an dieser Stelle verraten. Den Rest müsst ihr selbst auf der Alm erleben… „Wild wuchern“ ist ein Buch, welches lange im Kopf bleibt, nachhallt, tief geht, obwohl es auf nur wenigen Seiten erzählt wird. Das können nicht viele Bücher... Volle ⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️!

Highlight
Sprachlich reduziert und dadurch markant und stark. Die Geschichte hat einen starken Spannungbogen und zwei tolle Frauen. Beide tragen schwer an ihrer Geschichte und man möchte ihre Eltern und Familie schütteln, die dazu beigetragen haben. Die Kraft der Natur, des Alleinseins mit der Natur und der Umgang beider miteinander hat mich durch das Buch rauschen lassen . Große Empfehlung.
Ein bildgewaltiges Must-Read in diesem Frühjahr
Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag: Marie ist auf der Flucht, auf der Flucht vor ihrem gut situierten Leben in der Glamourwelt der Mode in Wien, auf der Flucht vor ihrem Mann Peter und auf der Flucht vor dem, was aus ihr geworden ist. Ausgerechnet auf die einsame Almhütte zu ihrer Cousine Johanna flieht sie. Mit ihr verbinden sie viele gemeinsame Erinnerungen – im Guten wie im Schlechten. Denn Johanna war mal der Schützling von Marie, in der Kindheit der beiden. Doch jetzt hat sich die Welt umgedreht. Es beginnt ein hin und her, ein Verstehen und Missverstehen, ein Offenlegen und Verstecken. Und über allem stehen die beiden Frauen, schutzlos und zutiefst verletzt aber auch mit einem zarten Band der Liebe verbunden. Wieder ein grandioser Roman einer österreichischen Autorin – hier habe ich in den letzten Wochen einige mich begeisternde Bücher entdeckt. Ich kann mich den vielen begeisterten Stimmen nur anschließen, das Buch ist ein Highlight und ein absolutes Must-Read in diesem Frühjahr für alle, die gerne starke Frauenbücher mit einer klaren und mitreißenden Sprache und voller Feinfühligkeit und Stärke lesen. Im Vorsatz steht „Dieser Roman enthält Darstellungen von körperlicher und seelischer Gewalt.“ Wer das aushalten kann, der sollte das Buch lesen!
Zwei Frauen, zwei Welten – ein wilder Einklang
„Wild wuchern“ erzählt eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei sehr gegensätzlichen Frauen, die sich im Lauf der Geschichte auf überraschende Weise ergänzen und gegenseitig herausfordern. Besonders Johanna bleibt mit ihrer bodenständigen, offenen Art im Gedächtnis und wirkt auf Anhieb sympathisch. Die Hauptfigur hingegen neigt stellenweise zu etwas pathetischen Gedanken oder Formulierungen, was ihr Innenleben zwar vertieft, aber gelegentlich leicht aufgesetzt wirkt. Der sprachliche Umgang mit Dialekt ist authentisch und verleiht dem Roman Farbe, kann jedoch auch als Stolperstein empfunden werden – gerade wenn man mit österreichischem Deutsch nicht vertraut ist. Dass dessen Ablehnung im Buch explizit thematisiert wird, hätte man sensibler oder subtiler einbetten können. Oder ganz raus lassen. Alles in allem bleibt „Wild wuchern“ eine feinfühlige, lebensnahe Geschichte über das Zusammenwachsen trotz (oder gerade wegen) aller Unterschiede – warmherzig, ehrlich und mit einem Hauch Wildnis.
Auf der Lesung war mir die Autorin sehr sympathisch und ich ein bisschen Angst das Buch zu lesen, weil ich es gerne mögen wollte. Tatsache ist, dass ich es wirklich mag. Ich habe zwar kurz gebraucht, um in die Geschichte rein zu kommen und mich an die bedächtige Erzählweise zu gewöhnen. Dann hat es mich aber gepackt und ich war so gespannt, wie sich das Verhältnis der beiden entwickelt hat und warum sie beide dort gelandet sind. Wirklich sehr gut ausgearbeitete Charaktere und Beschreibung der Natur und der dazugehörigen Lebensweise. Ein paar Mal war ich sogar schockiert...
Marie stolpert angstgetrieben einen Tiroler Berg hoch, auf der Suche nach einer einsamen Hütte, die einst ihrem Großvater gehört hatte. Mittlerweile lebt dort seit vielen Jahren ihre eremitische Cousine Johanna. Zu ihr und zur Hütte will sie… Doch was sucht sie dort? Und was verfolgt sie? Katharina Köllers „Wild wuchern“ ist ein kurzes, aber starkes Kammerspiel über zwei sehr unterschiedliche Frauen. Marie, immer die „Goldmarie“ der Familie gewesen, hat es scheinbar zu Geld und Erfolg (dabei ist sie seit Jahren nur noch Ehefrau eines widerlichen Manns) gebracht. Johanna war immer schon „anders“. Sie fühlte sich bereits als Kind von der Natur angezogen, sprach mit Tieren und mit ihren Mitmenschen eher gar nicht. Und nun treffen diese beiden Frauen aufeinander. Inmitten der rauen Natur des Tiroler Gebirges finden sie langsam zusammen und teilen ihre schwere Vergangenheit, die von physischer und psychischer Gewalt geprägt ist. „Wild wuchern“ ist alles andere als ein Wohlfühlroman im Sinne von „Hütte in den Bergen ist doch romantisch“. Es geht an die Substanz. Die Szenerie in der Natur ist rau und schonungslos. Es wird gehungert und gefroren. Die beiden Charaktere sind schwer zugänglich und finden nur langsam einen konstruktiven Umgang. Das hat meinen Lesefluss im Mittelteil etwas verlangsamt. Das Ende ist dann aber so großartig und kraftvoll, dass alles rund und schlüssig wird. Köller schreibt modern, aber wahnsinnig atmosphärisch. Die Naturbeschreibungen sind weltklasse. Aber auch wie sie das Zwischenmenschliche beschreibt und einen feministischen Nadelstich setzt, hat mir letztendlich sehr gut gefallen. Der österreichische Einschlag macht es authentisch, ohne zu stören. Große Leseempfehlung!
Ein unerwartetes Highlight mit dem ich so gar nicht gerechnet habe! Der Roman kommt locker-leicht daher. Es gibt keine Kapitel, aber kurze Abschnitte weswegen man schnell voran kommt. Der Schreibstil ist einfach gehalten, wobei dieser ab und an poetische Züge annimmt. Gleich zu Beginn wird angedeutet, dass etwas vorgefallen ist das Marie zwingt zu ihrer Cousine in die Berge zu flüchten. Nach und nach taucht man immer mehr in die Geschichte ab und erfährt genauere Hintergründe. Es war schön zu erleben wie Marie und Johanna immer mehr zueinander finden, denn auch sie haben eine Vorgeschichte. Generell wirken die beiden wie Tag und Nacht. Das Ende hat mich sehr berührt und ihre Geschichte war tiefgründiger als ich jemals vermutet hätte. Das Buch war eine echte Überraschung! Daher eine absolute Leseempfehlung!
Anfangs holperig, dann super!
Mir haben anfangs Maries Sprache und ihre knappen abgehackten Sätze etwas Schwierigkeiten bereitet, so richtig ins Buch zu finden. Und ich fühlte mich im Storyverlauf etwas „hingehalten“, weil man auch einfach mehr über Johanna erfahren möchte … Aber nachdem ich es jetzt fertiggelesen habe gefällt es mir wirklich richtig richtig gut! Und ich kann es nur empfehlen!

Merkmale
16 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beschreibung
Marie rennt panisch einen Berg hinauf. Auf der Flucht vor einer Welt, in der vieles aus dem Lot geraten ist, sucht sie Schutz bei ihrer Cousine Johanna. Ausgerechnet bei Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin auf einer entlegenen Tiroler Alm lebt. Marie und Johanna, sie könnten nicht unterschiedlicher sein: die scharfzüngige Wienerin, Luxusgeschöpf aus einer Luxuswelt, zugleich verwöhnt und verachtet von Ehemann Peter – und das »wilde Tier im Körper von einem Menschen« (Marie über Johanna), das beim Erwachsenwerden scheinbar die Sprache verloren und die Gesellschaft hinter sich gelassen hat. Für die beiden Frauen beginnt ein ungewöhnliches Kräftemessen, ein Ringen um ihr Selbstverständnis, aber auch um einen gemeinsamen Weg.
In ihrem so poetischen wie politischen Roman, Märchen, Parabel und pulsierende Zivilisationskritik in einem, feiert Katharina Köller zwei Frauen und ihren eigensinnigen Aufbruch ins Leben.
»Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.«
»Kann man noch weiblicher, noch österreichischer, noch besser schreiben? Ich denke nicht!« Mareike Fallwickl
Buchcover Award: Gewinner Belletristik 2025
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Katharina Köller wurde 1984 in Eisenstadt, Österreich geboren, hat Philosophie und Schauspiel studiert und ist seit 2011 freiberuflich als Autorin, Schauspielerin und Theatermacherin tätig. 2020 erschien ihr Debütroman »Was ich im Wasser sah«, der mit dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet wurde. Ihr zweiter Roman »Wild wuchern« wurde mit dem Puchheimer Literaturpreis 2025 ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Evangelischen Buchpreises 2026. Katharina Köller lebt mit ihrer Familie in Wien und Innsbruck.
Beiträge
"Seit du da bist, bin ich einsam." "Heute kann ich dich nicht mehr wegschicken, aber morgen gehst du, und du kommst nicht wieder." "Ich habe mich vom Großvater ins Tal schleppen lassen und vom Peter nach Wien. Ich war dort, wo man mich eingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt." "Es war so schön im Sturm, denk ich. Es war so schön, ein Spielball zu sein und selbst nichts entscheiden zu müssen. So schön einfach, vom Berg zu fallen, federleicht und vom Aufwind hochgehoben, irgendwie ganz frei." "Reden war ganz sinnlos für Johanna, weil Antworten, die man dringend braucht, die kriegt man nicht durchs Fragen. Wozu also was sagen wollen? Wozu in Kontakt treten mit den Menschen?" Marie flüchtet aus Wien zu ihrer Cousine Johanna, die wie ein Emerit einsam auf einer kleinen Hütte auf einer Alm lebt. Man spürt die Ablehnung von Johanna gegenüber Marie in dem Verhalten und den wenigen Sätzen gegenüber Marie. Ablehnung, die auf Vorfälle aus ihrer gemeinsamen Kindheit basieren. Durch Rückblicke offenbart sich ihre Vergangenheit und man kann das Verhalten der beiden zum Großteil nachvollziehen. Ich war ab der ersten Seite in der Geschichte angekommen und teile die allgemeine Begeisterung für dieses atmosphärische Buch. Deswegen gibt's von mir eine ganz klare Leseempfehlung ⭐
Hat mich tief berührt 🤍
✨Rezensionsexemplar✨ 🤍Zitat🤍 „Weil ich bin jetzt auch nicht mehr dieser fanatische People Pleaser, der ich noch vor Kurzem war. Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern.“ (Seite 159) Das war mein erstes Buch der Autorin und es hat mir sehr gut gefallen: Marie flüchtet sich von ihrem gewalttätigen Ehemann auf die Almhütte ihrer Cousine Johanna. Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Tatsächlich kann man dieses Buch kaum beschreiben, denn es ist sehr ungewöhnlich und die Besonderheit liegt definitiv in der Sprache. Katharina Köller schreibt so toll, so österreichisch und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Musste ich auch nicht, wir haben ca. 200 Seiten, geschrieben als ein Kapitel und eine Geschichte, die sich aus Erinnerungen von Marie und der Gegenwart flechtet. Ich habe mehrfach versucht, weitere Zitate rauszuschreiben, aber ehrlich, das ganze Buch ist ein Zitat. Ich werde es auf den jeden Fall wieder lesen und bis dahin täglich darüber nachdenken. Ich habe mich dann noch für diesen kleinen Ausschnitt entschieden, den ich unbedingt mit Euch teilen möchte, damit Ihr einen Eindruck vom wunderbaren Schreibstil der Autorin gewinnen könnt. 🤍 Zitat 🤍 „Ich werd also den Strick schön in der Truhe lassen und ausharren wie eine Zecke im Unterholz. Ich werd mich hier festbeißen und nicht mehr loslassen, und ich werd warten, wie Zecken warten, bis meine Zeit gekommen ist, in der ich wieder eine neue Bewegung machen kann.“ Das Buch hat mich sehr bewegt! Große Leseempfehlung! 5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️❤️

Wild und überraschend, das Tempo steigert sich.
Bei diesem Buch brauchte ich eine kurze Weile un mich wirklich auf die Geschichte einzulassen und mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Aber es hat sich gelohnt. Der Schreibstil ist an sich recht einfach gehalten, aber wirkte auf mich trotzdem poetisch. Einige Sätze sind verschachtelt, was gut zu der Situation der Protagonistin passt. Man erfährt im Laufe des Buches immer mehr und kommt langsam aber sicher hinter die genauen Gründe, warum sie reißaus genommen hat. Die Figuren sind durchaus vielschichtig und konnten mich überraschen, wobei keine fehlerfrei ist. Das Ende hat mich überrascht und war für mich ein gut gewähltes Ende. Die Geschichte ist eine interessante Erzählung darüber zu sich selbst zu finden und sich zu reflektieren. Auch wird klar, dass jeder anders und niemand perfekt ist, das aber auch nicht sein muss. Es wird der Kampf von Frauen mit patriarchalen Strukturen beschrieben. Denn je mehr jemand abweicht, desto schwieriger hat diese Person es auch mit der heutigen (Norm)Gesellschaft. Es wird aber auch klar, dass Anpassung nur bedingt eine Lösung ist bzw. Abhilfe schafft. Definitiv eine empfehlenswerte, obwohl kurze Erzählung, die viel Stoff für Diskussionen bietet.

Ein Buch das nachhallt, das bereichert, das weh tut.
"Ästhetik ist wurscht. Es geht nur um Sinnhaftigkeit" In "Wild wuchern" begleiten wir Marie, die Hals über Kopf aus Wien flieht und sich schließlich in der einsamen Berghütte ihrer Cousine Johanna wiederfindet. So viel zur Geschichte. Mehr muss man nicht wissen. Beide Charaktere mochte ich gerne, wobei ich Johanna mehr ins Herz geschlossen habe. Sie ist die Eremitin, die die Gesellschaft von Tieren die der Menschen vorzieht und ihr Leben auf der Berghütte fernab der Zivilisation verbringt. Marie mochte ich zwar auch, aber sie ist eher das Stadtmädchen. Sie ekelt sich vor der Hütte und dem eiskalten Wasser aus dem Brunnen. Aber sie passt sich an. Jetzt zu den Details. Ich bin völlig überwältigt von der Klugheit dieses Romans. Katharina Köller schreibt eine sehr präzise Gesellschaftskritik und legt den Finger direkt in die Wunde. Es geht um die Entfremdung zur Natur, psychologischen Missbrauch, gestörte Eltern-Kind-Beziehung, Feminismus und Identitätssuche und um so viel mehr, was mir beim ersten Lesen bestimmt entgangen ist. Man möchte denken, ein Buch, das so viele verschiedene Themen abdecken möchte, erfüllt seine Aufgabe eher schlecht als recht. Nicht so hier. Katharina Köller muss nicht großartig ins Detail gehen, denn jeder Satz ist so auf den Punkt gebracht und trifft so ins Mark, sodass nicht mehr Worte oder mehr Details benötigt werden. Also ein unfassbar gut geschriebener Roman, der in mehrere Richtungen den ausgestreckten Mittelfinger zeigt, ohne an Klugheit oder Würde zu verlieren. Ein Buch das nachhallt, das bereichert, das weh tut. Lest es! P.S: besonders mochte ich es, dass die Autorin österreichische Wörter in den Text genommen hat. Das Hörbuch liest sie selbst und die Dialoge liest sie ebenfalls im Dialekt.
Katharina Köllers "Wild Wuchern" erzählt die Geschichte der Befreiung und Selbstermächtigung zweier Frauen, die beide ganz unterschiedliche Wege gehen und schliesslich doch am selben Punkt zusammenfinden. "Wild wuchern" ist ein lebhafter, spannungsvoller und doch stiller und feinsinniger Roman, der für mich zu den Highlights meines bisherigen Lesejahres zählt.
Marie, die Ich-Erzählerin, und Johanna sind Cousinen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Marie lebt wohlhabend in Wien, Johanna hat sich für ein hartes und einsames Leben in den Tiroler Bergen entschieden. Als Kinder und Jugendliche haben sie viel Zeit miteinander verbracht, später aber den Kontakt zueinander verloren. "Wild wuchern" beginnt damit, dass Marie mitten in der Nacht unterwegs zu Johannas Berghütte ist. Sie ist getrieben von grosser Angst, die sie die Gefahren des nächtlichen Aufstiegs und die Ungewissheit, ob Johannna noch dort oben lebt, überwinden lässt. In der Berghütte angekommen, findet sie Johanna tatsächlich vor, die sich aber offenbar gestört fühlt und ihre Cousine sehr distanziert aufnimmt. Marie ist entschlossen zu bleiben und Johanna zu zeigen, dass ihr Aufenthalt Vorteile für beide bringt. Sie hat keine andere Wahl, denn offenbar ist in Wien etwas passiert, das ihr den Weg zurück versperrt. So nach und nach entwickelt sich eine Geschichte, die von der Annäherung beider Frauen und ihren Erfahrungen mit der Natur und der Selbstversorgung in den Bergen erzählt. In Rückblicken erschliessen sich auch Details der früheren gemeinsamen Zeit der Cousinen und ihrer späteren Entwicklung. Ihr kauziger Grossvater, dem die Hütte einst gehörte, spielt dabei eine wichtige Rolle, aber auch ihre Eltern, die sie beide in Lebensentwürfe drängten, die sie beschädigt haben. Immer wieder geht es um Maries Anpassung und Johannas Anderssein. Goldmarie und Pechmarie, das sind sie gewesen, denkt die Wienerin, und merkt schliesslich, dass das nicht stimmt.

Highlight 2025
Das war mal wieder ein Pageturner vom Feinsten. Eine Reiseempfehlung aus dem Bücherwurm in Minden/Westfalen. Die Geschichte ist kurz erzählt. Ehe/Frau flüchtet in die Berge in eine Hütte, in der ihre Cousine ausgestiegen lebt. Der Roman hat ein unglaubliches Tempo von Anfang an. In Rückblicken wird erzählt, wieso sie blutend in der Nacht vor der Hütte steht, wieso ihre Cousine die Berge als Lebensmittelpunkt gewählt hat. Die Sprache ist immer wieder überraschend: Ich bin einsam, seitdem du bei mir bist. Die Naturgewalten und die „feinen“ Familien wunderbar beschrieben. Großes Kopfkino.
Dieses Buch ist eine Wucht. Einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Marie ist auf der Flucht und rettet sich auf die Berghütte ihres Großvaters. Hier lebt ihre Cousine Johanna. Zwei Cousinen, die nicht unterschiedlicher sein können, sich aber auch brauchen. Auf dem Klapoentext steht "Ein Roman wie eine Naturgewalt: Stürmisch, fesselnd und dabei voller Zärtlichkeit ". Das trifft es auf dem Punkt. Absolut lesenswert
"Wild wuchern" ist ein kraftvoller und bildgewaltiger Roman der österreichischen Autorin Katharina Köller über die beiden gegensätzlichen Cousinen Marie und Johanna und ihre vielschichtige Vergangenheit. Der klare, präzise Schreibstil und der reichlich vorhandene Humor hat mich nur so durch die Seiten fliegen lassen. Für mich ist "Wild wuchern" eine großartige Lektüre mit intensiver Atmosphäre. Ganz große Leseempfehlung!
Mitreißender Gedankenstrom, der oft etwas subtil märchenhaftes besitzt und im schroffen (Umgangs-)Ton von Zerrüttung und Annäherung erzählt - sehr fesselnd und mit passendem Dialekt von der Autorin vertont! Mir hat lediglich eine stärkere emotionale Verbindung zu den beiden Frauencharakteren gefehlt.
„Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.“ „Was mich der Geschichtsunterricht in der Oberstufe also gelehrt hat, ist, dass man immer noch kann, wenn man glaubt, dass man nicht mehr kann. Solange man nicht umgefallen ist, geht es.“ Marie ist auf der Flucht, sie rennt panisch einen Berg hinauf und hat Angst. Ihr Ziel ist ihre Cousine Johanna. Sie lebt seit Jahren in einer abgelegenen Hütte auf dem Berg, ein perfekter Ort um sich zu verstecken. Besonders gut hat Marie Johanna aber noch nie verstanden, sie ist ganz anders. Johanna liebt Tiere mehr als Menschen und redet nicht viel. Der Roman kommt daher wie ein Kammerspiel, mit einer ordentlichen Wucht, hart, schonungslos und manchmal wieder ganz zart. Marie reflektiert ihr Leben. Zum Großvater hatte sie kein gutes Verhältnis aber sonst mochten sie alle, sie war die Goldmarie. Sie ist schön, klug und erfolgreich. Ganz anders war es bei Johanna, sie war eher still und zurückhaltend, galt als nicht besonders schlau. Nun treffen die beiden unterschiedlichen Frauen wieder aufeinander und Marie sucht nach Antworten. Das Annähern ist nicht leicht, sie umkreisen sich, finden schwer zueinander. Nach und nach erfahren wir warum Marie geflüchtet ist und wie die beiden Frauen aufgewachsen sind. Es geht um Kindheitstraumata, ob die augenscheinliche „Normalität“ wirklich immer so richtig ist und auch um das harte, entbehrliche Leben auf der Alm. Dazu kommt österreichischer Dialekt , wunderbar bildliche Naturbeschreibungen und die manchmal fast raue Sprache. Ein grandioser Roman, den man gar nicht mehr weglegen möchte.
Ein großes Highlight für mich - und ganz bestimmt für alle, die gerne mit allen Sinnen lesen und fühlen. 🖤
Marie und Johanna sind Cousinen. Die eine lebt mit ihrem Mann in einer schicken Wohnung in Wien. Die andere lebt ein ursprüngliches Leben in den Bergen. Früher hat die eine der anderen beigebracht, wie man klarkommt. Heute ist es umgekehrt. Marie muss fliehen, ausbrechen und Schutz suchen bei Johanna. Und wir erfahren nach und nach, wie die beiden Mädchen zu den Frauen wurden, die sie heute sind. 🌾 Was für eine Wucht! Die Hütte auf der Tiroler Alm eingebettet in die bebende Natur, die so mächtig ist, dass sie alles verschlingen könnte, wenn sie nur will. Beschrieben hat Katharina Köller alles so lebendig, dass ich es fühlen kann - das eiskalte Brunnenwasser, den kriechenden Nebel, die tippelnden Mäusefüsschen, das pieksende Stroh und das wilde Wuchern. Wenn ich Herzklopfen und schwitzige Hände bekomme, weil mich Maries Schicksal so mitnimmt, wenn ich mit ihr den Berg hinauf hetze und versuche, Wurzeln zu schlagen auf der Alm. Und wenn die Tränen laufen, weil der Grund für Johannas Schweigen mich mitten ins Herz trifft. Was für eine Sprache - so nah, so echt, so intensiv, so packend. Dieser Roman ist bitter und erbarmungslos, so ungerecht und brutal wie das Leben. Und ganz unvermittelt bekomme ich vor Augen geführt, was Genugtuung bedeutet. Warm und zäh fließt das Gefühl über meine Seele, ebnet alle Narben und verschließt die Wunden. Warum Marie in die Berge flieht, erfahren wir ganz zum Schluss. Und glühend heiß brennt dann die Frage zwischen den Zeilen: Wer schreibt die Regeln? Wer beschließt, was richtig ist und was falsch? Das Leben passt nicht zu diesem Konzept. Das Muster verschiebt sich, es zeichnet sich neu mit jedem einzelnen Moment, in dem wir handeln - oder zur Handlung gezwungen sind. Was für eine Wucht! Ich werde dieses Buch und Johannas Hütte auf der Tiroler Alm nicht vergessen - als wäre ich selbst dort gewesen.

Zwei Frauen, die zu sich selbst finden (müssen). Johanna, die Eremitin, die autark in einer Berghütte im Einklang mit der Natur lebt und ihre Cousine Marie, die aus dem Stadtleben ausbricht, um häuslicher Gewalt und Erniedrigung durch ihren Ehemann zu entfliehen. Das Verhältnis der Beiden, seit Kindertagen nicht zum Besten bestimmt und doch nähern sie sich langsam an und beginnen einander zu respektieren, voneinander zu lernen/profitieren und sich gegenseitig zu öffnen. Wild wuchern ist nicht nur der Titel dieses Buches. Wild wuchern auch die beiden Protagonistinnen während ihrer jeweiligen Entwicklung in der einsamen Berghütte auf einem Tiroler Berg. Wild wuchern ebenfalls die Sätze und Worte im Verlauf der Handlung. Katharina Köller schafft es, dass sich einem einfache Sätze bildhaft einprägen. Anfangs war ich etwas irritiert, durch die österreichische Sprechweise, die hier verschriftlicht wurde, aber nichts anderes wäre passender gewesen, für diesen Ausflug in die Berge, um Marie und Johanna beim wild wuchern zu begleiten. "Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen wild zu wuchern." [S. 159]
Wild wuchern - Katharina Köller Ja...was habe ich erwartet? Nichts in der Richtung! Ich brauchte tatsächlich einige Seiten da die Geschichte viel in Österreicher Mundart geschrieben ist. Das hat es dann aber später sehr authentisch gemacht. Wir haben hier einen ziemlich einschneidenden Roman über Häusliche Gewalt und ein Leben als unerwünschte Kinder. Die beiden Cousinen Marie und Johanna könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine immer das (ungesehene) Goldkind, die Andere zu eigenartig und eigentlich unerwünscht. Marie taucht nach vielen Jahren auf der Alm bei ihrer Cousine auf unangekündigt und genauso unerwünscht, denn die Cousine hat dem Leben in der Stadt abgeschworen und lebt gerne allein und abgeschieden. Marie weiß aber nicht wohin sonst, denn sie flüchtet vor ihren Mann der sie regelmäßig prügelt. Beide verstehen nicht so recht wieso die jeweils Andere in Kinderzeiten war wie sie war, bis sie nach einem schweren Gewitter auf der Alm und einem heftigen Streit (endlich) ein intensives Gespräch führen , über all das was die Familien ihnen angetan haben. Für mich sehr bewegend und hart. Man ist regelrecht mit wütend auf den prügelnden Mann, die Eltwen und Großeltern die Ihre Kinder regelrecht psychisch misshandeln
"Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt." (S. 108) Marie ist auf der Flucht. Blutend und voller Angst macht sie sich auf den Weg, der ihr als erstes in den Sinn kommt: zu ihrer Cousine Johanna auf eine abgelegene Tiroler Alm. Ausgerechnet zu Johanna, die seit Jahren kauzig und stumm in ihrer Hütte am Berg hockt. Die beiden Frauen verbindet so viel wie sie trennt und Johanna ist keineswegs erfreut über den plötzlichen Besuch. Vor Jahren hat sie die Zivilisation hinter sich gelassen, während Marie ein Leben zum Gefallen anderer lebte. Doch sind die Rollen der Pech- und der Goldmarie wirklich zu klar verteilt?! Es ist eine gewittrige Stimmung zwischen ihnen. Unausgesprochenes, nie Gefragtes schwebt aufgeladen im Raum, bis es endlich krachen muss und Marie sich den Naturgewalten hingibt. Katharina Köllers Roman ist wie ein mühsamer Aufstieg - atemlos, brennend. Doch oben angelangt erwartet einen ein tiefes Ein- und wieder Ausatmen, das einem alle Last von den Schultern nimmt. Beide Figuren hatten sehr schnell mein Herz erobert. Ich konnte mich reinfühlen in die Verletzungen, die sie erlitten hatten - jede auf unterschiedliche Weise, von Kindesbeinen an. "Wild wuchern" handelt davon, wie wir in unserem Umfeld wachsen, blühen oder verdursten können - je nachdem, was man uns gibt. Es geht um negative Glaubenssätze, die einem von anderen eintätowiert werden, bis man sie tief verinnerlicht hat. Und um Gaslighting, das uns das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung nimmt. "Ich sammel alles und schreib es mir hinter die Ohren. Weißt, was ich da für eine Liste hab, hinter den Ohren? Die ist lang." (S. 159) Erst wenn man diese Menschen aus seinem Leben verbannt, kann man wieder in den Spiegel blicken und die Person erkennen, die man eigentlich einmal war. Also, weg mit euch Lichtdieben, Schattenwerfern und Giftranken! "[I]ch bin jetzt auch nicht mehr dieser fanatische People Pleaser, der ich noch vor Kurzem war. Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern." (S. 159)
"Jetzt bin ich da und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt." 🗻🐐
Es geht um Cousinen, die eine lebt augenscheinlich zivilisiert, die andere hat sich tief in den Bergen zurück gezogen. Aus der Not findet die eine zur Anderen. Gegenseitig verstehen und wahrnehmen tun sie sich deshalb erstmal noch nicht... Es stellt sich eine unglaubliche urige Stimmung ein beim lesen. Ich mochts sau gern. Es ist amüsant, so herzig, schockierend, traurig und augenöffnend.

Werbung|Rezensionsexemplar Wild Wuchern| Katharina Köller| Penguin Verlag| ET 26.02.2025 ______________________________________ Intensiv, kraftvoll und fesselnd! ~ Jetzt bin ich hier und wuchere. Und niemand mehr da, der mich stutzt. Aber auch niemand, der mir Wasser gibt.~ Wenn ich dieses Buch Revue passieren lasse, sind das die 3 Schlagwörter, die mir als erstes einfallen. Worum gehts: Marie, aus deren Ich-Erzählperspektive auch geschrieben ist, will sich aus ihrem goldenen Käfig befreien und flüchtet aus der Stadt zu ihrer Cousine Johanna in die Berge. Sie versucht dort, neu zu wuchern. Ob ihr das gelingt und warum Sie überhaupt flüchtet und was sich alles hinter dieser Geschichte verbirgt, müsst ihr selbst lesen. Denn hier prallen nicht nur was das Setting angeht zwei Welten aufeinander. Aber ziemlich temporeich, mit ein wenig Ironie und ziemlich viel Ernsthaftigkeit, wird in diesem Buch über den Versuch des Loslösens erzählt, was mich ziemlich zum Staunen gebracht hat. Klare Leseempfehlung mit 4,5/5 ⭐️ Und ganz lieben Dank ans Teambloggerportal für dieses Rezensionsexemplar.

'Wild wuchern' von Katharina Köller hat mich wirklich begeistert. Das Buch ist super kurzweilig, mit interessanten Figuren, tiefgründigen und kritischen Themen. Die Sprache ist toll, die Familiengeschichte spannend, und zwischendurch gibt es humorvolle Momente. Die Geschichte beginnt mit Maries Flucht vor ihrem tyrannischen Partner. Sie rennt nachts bergauf zur Almhütte ihrer Cousine Johanna um dort Schutz zu finden. Da die beiden seit ihrer Jugend keinen engen Kontakt mehr hatten und unterschiedlicher nicht sein könnten, entwickelt sich ein spannender Prozess des Annäherns, des gegenseitigen Verstehens und des Findens zueinander. Ich mochte die schweigsame und recht harsch wirkende Johanna sehr gerne. Dort oben, alleine mit ihren Tieren, führt sie ein friedliches Leben und hat wahrscheinlich mehr mit der neuen Situation zu kämpfen als Marie. Marie kennt es nicht anders, sie passt sich an und will gefallen, schon immer und bleibt dabei natürlich auf der Strecke. Was mich überrascht hat: Mir ist erst nach dem Lesen aufgefallen, dass das Buch keine Kapitel hat. Das hat mich aber überhaupt nicht gestört, denn ich wollte einfach immer weiterlesen und habe dabei nicht wie sonst immer mal wieder geschaut, wann Zeit für eine (Kapitel)-Pause ist. Die eingewebte österreichische Mundart hat mir sehr gut gefallen, ebenso die vielen klugen Zitate. Ich hätte mir alle markieren sollen, doch ich wollte mich nicht aus der Geschichte herausreißen lassen. Ein Zitat, das mir besonderes im Gedächtnis geblieben ist, lautet: "Seit du da bist, bin ich einsam." Das hat mich sehr berührt. Es gibt in diesem Roman einiger dieser ehrlichen, tiefgehenden und manchmal auch krassen Zitate. Alles in allem ein tolles Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

Richtig stark
Ich hatte irgendwie von Anfang an total den Fokus auf der Gefühlsebene. Das ist mir so aufgefallen. Für mich hat total die Angst im Vordergrund gestanden. Ich fand voll spannend wie es sich da über die verschiedenen Reaktionen „flight, freeze, fight“ entwickelt hat und Marie ihre Selbstwirksamkeit entdeckt hat. Mich hat das Buch sehr abgeholt. Es geht neben Beschriebenem auch um Beziehungsmuster, Achtsamkeit, Familie, Traditionen,…
Auch wenn der Roman nicht sehr lang ist brauchte ich etwas um reinzukommen. Musste mich irgendwie an dem Stil gewöhnen. Vorweg es gibt keine Kapitel nur Absätze was mein innerer Monk nicht ganz so mag. Die Story selbst steigert sich und man erfährt immer mehr über die Protagonisten die weg gerannt ist zur ihrer Cousine auf die Alm. Tatsächlich hat mich die Cousine und ihre Geschichte mehr angesprochen. Insgesamt aber eine sehr ansprechende Geschichte über toxische Besziehung, Selbstfindung und weiteren kritischen Themen.
Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern. (S.159)
Johanna lebt abgelegen auf einer Alm, ohne fließendes Wasser und Strom. Ihre Cousine Marie, eine Wienerin, die scheinbar zivilisiert ist, sucht Zuflucht bei ihr, nachdem ihr Ehemann gewalttätig geworden ist und ihr Leben aus den Fugen geraten ist. Die Cousinen versuchen sich anzunähern, was ihnen jedoch schwerfällt, weil sie lange Zeit keinen Kontakt hatten und eine traumatische Vergangenheit hinter ihnen liegt. Man lernt die beiden Protagonisten immer besser kennen. Dadurch hatte ich einen besseren Zugriff auf die Geschichte. Das Buch ist kurzweilig und tiefgründig, mit kritischen Themen und einem klaren, feinfühligen Schreibstil. Ein sehr atmosphärisches Buch. Doch irgendwie hat mich das Buch nicht komplett zufrieden zurückgelassen.

Tiefgründig, ruhig und ehrlich.
Schon die ersten Seiten haben mich gepackt, weil die Geschichte direkt rasant beginnt, ohne einen großen Einblick in das Leben der Protagonistin zu bekommen. Diese geheimnisvolle Stimmung der Geschichte zieht einen direkt in ihren Bann. Besonders bewegt hat mich die tiefe Naturverbundenheit, die das Buch durchzieht. Als jemand, der selbst viel Kraft aus den Bergen schöpft, konnte ich die geschilderten Erfahrungen sehr gut nachempfinden. Die poetische Sprache und die ruhige, intensive Erzählweise machen das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis, das noch lange nachhallt. Wild wuchern erzählt von der Kraft der Natur und davon, wie eng sie mit unserem Inneren verwoben ist. "Ich habe mich selbst aus dem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern."
Anders, aber gut
Ich musste mich erst an den Schreibstil gewöhnen. Er hat mich irgendwie an die Eberhofer Bücher erinnert 🤔 Auch, dass es keine Kapitel gibt, ist gewöhnungsbedürftig. Aber der Inhalt, der berührt. Marie steht plötzlich vor der Tür ihrer Cousine Johanna. Die lebt als Eremitin auf einer Hütte in den österreichischen Alpen. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein. Marie, aus Wien, ist kommunikativ und liebt Design und Partys. Johanna ist wortkarg und liebt Tiere und die Einsamkeit. Aus der Sicht von Marie wird erzählt, warum sie auf die Hütte gekommen ist. Und man erfährt auch von der Kindheit der Cousinen. Jede auf ihre Art, hat etwas zu bewältigen. Das ist sanft erzählt und ich konnte mitfühlen.
Wild, Rauh und ursprünglich
Was für ein Wahnsinns Roman! Schlicht wirkt er, wenn man den Klappentext liest, einfach in der Geschichte, die erzählt wird. Aber die Komplexität ist bemerkenswert! Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, treffen sich unfreiwillig nach Jahren wieder. Marie ist auf der Flucht und sieht nur einen Ausweg: Zuflucht auf dem einsamen Berg bei ihrer Cousine Johanna finden. Johanna die seit Jahren kaum mehr redet. Alte Wunden brechen auf, in der Ödnis und doch bemerken die beiden Cousinen oben auf dem Berg, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Die Themen wie häusliche Gewalt, antrainiertes Konkurrenzdenken unserer Gesellschaft, Lieblosigkeit in der Familie und Misogynie werden hier so schnörkellos erzählt, dass sie umso schwerer wiegen. Das alles in einer rauhen und ursprünglichen Sprache, die perfekt zu dem Gebirge in Tirol passt, das sich im Geiste vor einem erhebt. Und langsam taut man mit den beiden aus der Wintersmüdigkeit auf, rennt Hügel hinauf, arbeitet sich die Hände wund und riecht die klare Bergluft. Und man will es mit ihnen raus lassen, dieses Wilde, egal was die anderen denken, der Angepasstheit der Gesellschaft den Rücken kehren und leben. Leben in der Einfachheit, leben ohne dass es wichtig ist, was andere denken. Leben und lachen. Ein Roman fürs Wilde, ein Roman der erlaubt anders zu sein und der dabei so laut in die Welt hinausschreit, wie gut und wichtig dieses Anderssein ist! Große Empfehlung, lasst es wild wuchern!
So anders
Ein Buch, welches so anders ist als alles andere was ich bis jetzt gelesen hab. Die Sprache. Die Geschichte. Zwei Frauen, die sich wohl gegenseitig brauchen, obwohl sie es nicht wissen. Dazu kommt die Naturgewalt. Ein wichtiges und interessantes Buch. Mir gefiel nur nicht, dass es keine Kapitel gab. Ich brauch die einfach.
WILD WUCHERN Katharina Köller Marie flieht in die Tiroler Alpen – dorthin, wo ihre Cousine Johanna seit Jahren zurückgezogen in einer abgelegenen Berghütte lebt. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann Peter sucht sie Zuflucht an einem Ort, an dem er sie hoffentlich zuletzt vermuten würde. Sie ist überzeugt, dass er nie auf die Idee käme, ausgerechnet bei ihrer absonderlichen Cousine nach ihr zu suchen – jener Frau, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Die letzten Male, als sie zu fliehen versuchte, versteckte sie sich in Italien – doch er hatte sie dort immer wieder aufgespürt. Cousine Johanna ist alles andere als erfreut, als Marie mitten in der Nacht mit einer blutenden Kopfverletzung vor ihrer Tür steht. Ihr gemeinsamer Großvater hatte Marie einst der Hütte verwiesen, und die quirlige, luxusverwöhnte Cousine konnte sie hier oben schon gar nicht gebrauchen. Katharina Köller zeichnet ein Porträt zweier Frauen, die trotz ihrer Zwillingsmütter unterschiedlicher nicht sein könnten: Johanna – still, in sich gekehrt, die Worte schon als Kind nur zögerlich über die Lippen bringend. Und Marie – laut, lebenshungrig, der Mittelpunkt jeder Party. Nach und nach erfahren wir Dinge aus ihrer Kindheit und Gegenwart, die sich am Ende des Buches zu einem großen Ganzen fügen. Wow, was für ein gewaltiges Debüt! Wer Kitsch oder Sentimentalitäten erwartet, wird hier nicht fündig. Statt klassischer Kapitel erleben wir einen rasanten Gedankenstrom – Maries innere Stimme treibt den Text atemlos voran und zieht uns mit in ihren Strudel. Mich hat dieser Stil vollkommen gepackt: poetisch, bildgewaltig, eindringlich, wild wuchernd, kraftvoll – und erfrischend anders. Wer wortgewandte Literatur liebt, der sollte dieses Buch auf keinen Fall verpassen. 5/5

Zwischen Almidylle und Wortorkan – ein Buch wie ein Naturereignis
Also gut, ich geb’s zu: Ich wollte eigentlich nur ein paar Seiten lesen – so als literarisches Häppchen vorm Einschlafen. Tja. Blöd nur, dass mich dieses Buch mit der Wucht eines Lawinenabgangs erwischt hat. Köller schreibt nicht einfach, sie wuchert mit Worten. Und zwar wild. Und schön. Und ganz schön wild. Marie rennt da also in ihr Chaos hinein – den Berg rauf, versteht sich – und ich als Leser gleich hinterher, völlig außer Atem, aber glücklich. Was dann folgt, ist eine explosive Mischung aus Sprachkunst, Schwesternkrach (also Cousinenkrach, aber das klingt nicht so dramatisch) und einer Prise Eremiten-Mystik mit Almhütten-Aroma. Johanna ist sowas wie Gandalf, nur mit mehr Ziegen und weniger Redebedarf. Und Marie? Luxusweib trifft Überlebensinstinkt. Die Dialoge? Wie Pfeile aus Wermut – süßlich, bitter, treffend. Manchmal dachte ich, ich sei in einem feministischen Western auf 2000 Höhenmetern gelandet, dann wieder in einem poetischen Fiebertraum mit Kuhglocken. Und ja, es ist ein Kammerspiel – aber mit Gletscherblick und emotionaler Sprengkraft. Ich habe gelacht, gestaunt, fast einen Enzian-Tee aufgebrüht – und am Ende das Buch umarmt wie einen alten Freund. Wer denkt, das hier sei nur ein Frauenroman mit Almromantik, dem sei gesagt: Nein, Kollege, das ist Survival Training für die Seele. Unterm Strich: Eine literarische Wucherung, die man nicht jäten, sondern feiern sollte. Hut ab, Frau Köller – das war große Kunst mit Bergschuhen.

„Weil ich bin jetzt auch nicht mehr dieser fantastische People Pleaser, der ich noch vor Kurzem war. Ich hab mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern.“ (S. 159) Die Geschichte beginnt für Marie ganz nah am Abgrund: Sie flieht auf eine Alm in den Tiroler Bergen, mit panischer Angst und Blut unter den Fingernägeln. Zuflucht sucht sie dort bei ihrer Cousine Johanna, die die Alm in Einsamkeit bewirtschaftet. Marie ist Wienerin, Modedesignerin und in ihrer Familie stets die „Goldmarie“ gewesen. Johanna ist das einsame, wortkarge und rustikale Gegenstück – eine ehemalige Außenseiterin, die allein in und mit der Natur lebt. Die Begegnung der beiden stellt Katharina Köller als eine Art psychologisches Kammerspiel dar. Reduziertes Setting, hauptsächlich zwei Figuren und die Natur. Die Zeit besteht aus harter Arbeit wie Sensen oder Ziegen versorgen sowie jeder Menge Schweigen. Doch letztlich wuchert aus diesem Schweigen eine emotionales Annäherung der beiden Frauen. Stück für Stück enthüllt die Autorin in Rückblenden, wie Marie und Johanna zu den Frauen geworden sind, die sie heute sind. Hier geht es um traumatische Kindheitserfahrungen, Prägungen durch elterliche Erwartungen, (Nicht-)Zugehörigkeit sowie auch psychische und misogyne Gewalt. Wild wuchern hat mich durch seine Gegensätze in den Figuren sowie zwischen Natur und Stadt, die sprachlich geschickt aufeinanderprallen, absolut in seinen Bann gezogen. Geschichte und Sprache sind zugleich kraftvoll und zart. Die Reduziertheit der Szenerie unterstreicht die Kraft der Naturgewalten, aber auch die Kraft des Neins an eine misogyne Gesellschaft sowie letztlich des Zusammenhalts unter Frauen. Für mich ein beeindruckendes Leseerlebnis, das mich sowohl gut unterhalten als auch zur Reflexion über das Finden der eigenen Stimme innerhalb der eigenen Verwurzeltheit angeregt hat. Wie kann Frau also „wild wuchern“ trotz oder gerade wegen starker Wurzeln, die untrennbar mit ihr verwachsen sind?
Katharina Köllers "Wild Wuchern" ist ein sprachgewaltiger, intensiver Roman, der auf nur 200 Seiten eine beeindruckende Wucht entfaltet. Mit einer Mischung aus poetischer Erzählkunst, Gesellschaftskritik und psychologischer Tiefe erzählt er die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und sich doch auf einer abgelegenen Tiroler Alm begegnen müssen. Marie flieht aus einem Leben, das sie zunehmend einengt und bedroht. Sie sucht Zuflucht bei ihrer Cousine Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin lebt, wortkarg und eigen, in einer Natur, die ebenso hart wie befreiend ist. Während Marie aus einer Welt der Oberflächlichkeiten kommt, ist Johanna von einer rauen Ursprünglichkeit geprägt. Ihr Aufeinandertreffen ist von Spannung und Konfrontation, aber auch von unmerklicher Annäherung geprägt. Köllers Sprache ist atemberaubend: direkt, voller Wucht, manchmal rau und schroff wie die Bergwelt, dann wieder poetisch und feinfühlig. Besonders beeindruckend ist die Art, wie die Autorin Traumata, gesellschaftliche Zwänge und das Ringen um Selbstbestimmung thematisiert. Häusliche Gewalt, unterdrückte Wut, familiäre Lieblosigkeit und das Gefühl, sich in einer vorgefertigten Rolle zu verlieren, durchziehen den Roman – und doch ist er auch von einer wilden, fast anarchischen Lebenslust durchdrungen. Ein intensiver, emotional aufwühlender Roman, der einen mit seiner rohen Schönheit gefangen nimmt. Es geht um weibliche Selbstermächtigung, um das Überleben in einer Welt, die nicht für alle gleich gemacht ist. Ein wahnsinnig gutes Buch und definitiv eines meiner Frühjahrshighlights – I love it!

✨ Leseempfehlung ✨ Wer die Berge und die österreichische Kultur liebt, wird hier vollends abgeholt.
✨ Leseempfehlung ✨ Stimmen zum Buch: »EIN ROMAN WIE EINE NATURGEWALT: STÜRMISCH, FESSELND UND DABEI VOLLER ZÄRTLICHKEIT.« Doris Knecht Worum geht’s? Tiroler Alpen und Wien, Zwei Frauen, zwei Leben, Gewalt Zitate: »Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.« Mein Leseeindruck: Panisch rennt die Protagonistin Marie den Berg herauf, erneut fliehend vor ihrem Ehemann, mit dem sie in Streit geraten ist. Verfolgt aus einer urbanen, zivilisierten Welt in Wien, die ins Wanken geraten ist. Angst, Angst ganz viel Angst begleitet sie auf diesem Weg. Ihre Cousine Johanna, die ein Eremitenleben auf der Alm führt soll ihr helfen. Doch tut sie dies? Nähern sich die ungleichen Frauen an und bearbeiten das Vergangene, das Ungesagte? Ein Kräftemessen beginnt, ein Aufbruch für beide! Ein Buch mit fesselnder Dynamik, atmosphärisch und bildhaft, erzählt. Es entsteht ein Sog, die Sprache schnell, laut, panisch, authentisch mit österreichischem Dialekt gespickt. Ein sensibel, psychologisch klug konstruierter, intensiver Plot wird zu einem Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen will. Ein atemberaubendes, tempomachendes Alpen-Kammerspiel! Cover und Titel polarisieren und passen perfekt. Fazit: Scho a bisserl wuid, aber guat! I mog’s! ❤️ Wer die Berge und die österreichische Kultur liebt, wird hier vollends abgeholt.

Ein wildes Buch
Wenn ich kann, mache ich einmal im Jahr Urlaub in den Bergen. Die Krönung ist nach der Wanderung eine urige Berghütte aufzusuchen, wo man einen zünftigen Snack bekommt und das herrliche Panorama genießen kann. Das ist allerdings nicht die Location, die hier in diesem Buch einen Prominenten Platz bekommt. Marie ist auf der Flucht, sie hat eine Platzwunde am Kopf aber auch der Rest ihrer Kleidung ist mit Blut besudelt. Sie rennt einen Berg hinauf, ist dabei gehetzt und hat ein klares Ziel vor Augen: die Berghütte, in der ihre Cousine Johanna als Eremitin ein einsames Leben lebt. Sie hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihr. Als Kinder hatten sie viel miteinander zu tun und ihr Verhältnis war oberflächlich gesehen gut, doch von Druck durch die Eltern und dem Verhalten des unbeherrschbaren Großvater - der wohl sehr gewollt an den Alm Öhi erinnert – geprägt. Sie tragen diese Erinnerung ins heutige Leben, ob sie wollen oder nicht! Wir werfen einen großzügigen Blick in die Kindheit der Beiden, die weder glücklich noch von Liebe geprägt war. Diese Last hat etwas mit ihnen gemacht und so wird ihr Verhältnis und ihr Charakter von diesen Altlasten maßgeblich bestimmt. Die Autorin hat es geschafft, bei mir großes Mitgefühl für die kleine Marie und die kleine Johanna zu wecken. Die Art und Weise, wie Erwachsene mit diesen Mädchen umgegangen sind, ist grausam und herablassend. Die Entwicklung, die beide dann genommen haben, ist erstaunlich und nachvollziehbar zugleich. Die Frage danach wer hier eigentlich normal ist, habe ich mehrfach gestellt und erst zum Ende hin verschob sich mein Bild. Johanna spricht nicht viel, eigentlich fast gar nicht. Marie weiß also nicht ob sie ihrer Cousine willkommen ist. Aber hat sie eine Wahl? Sie bekommt ein Bett und etwas zu essen und ist alles andere als glücklich mit ihrer Unterkunft. Denn es stinkt nach Ziege, es gibt keinen Strom, kein fließend Wasser und die Nahrung ist relativ karg. Doch sie muss bleiben. Die Frage nach dem WARUM bezüglich Maries Flucht schwebt über der ganzen Geschichte. Relativ schnell zeichnet sich ab, dass sie mit einem versnobten, aber sehr gewalttätigen Peter verheiratet ist und das ganze Blut hat irgendwie damit zu tun. Dass man da sofort an häusliche Gewalt denkt, ist nicht weit hergeholt. Doch Marie hat Angst, dass man sie findet und sie versucht zu gefallen und alles zu tun, damit sie bleiben darf, hofft, dass sie Gnade vor Johanna findet. Dabei ist auch Marie nicht einfach: „So bin ich. So bin ich, dass ich schon weiß, die Watschen kommt, und trotzdem renne ich mitten rein. Wie die Opfer in den Horrorfilmen zielsicher in ihren Tod Rennen so renn ich hinein in eine Watschen“(S. 79) Archaisch oder ursprünglich sind die ersten Adjektive, die mir zu diesem Roman einfallen. Hier ist nichts lieblich, weich oder von Alpenromantik geprägt. Es ist kalt und kratzig, wortkarg, es gibt Schrammen und Blasen und es riecht nach Ziege, ein Duft, den auch ich als sehr unangenehm empfinde. Der Schreibstil Köller ist gehetzt und vermittelt somit genau die Stimmung der Protagonistin. Man scheint sich selbst beim Lesen ständig um zu schauen. Manchmal entfaltet die Story sogar richtiggehend Humor, wenn auch einen flüchtigen der schnell in eine ernste Situation umschlagen kann. So geschehen, zum Beispiel bei der unleidlichen Liaisons, die Marie mit einem Ziegenbock namens Hubsi eingeht. Köller beschreibt die Dynamik zwischen den beiden Cousinen sehr pointiert, mit wenigen Worten und in einem Ton, der nicht literarisch wirkt und trotzdem eine eigene Poesie entfaltet. Es ist unübersehbar, dass wir hier in Tirol sind. Die Sprachen Österreichs sind Akteure dieses Romans. Partiell wird ihre Wirkung direkt benannt teilweise erschließt sie sich aus den Begriffen, die in Deutschland nicht beheimatet sind. Mir hat das gut gefallen, denn es verleiht dem Text einen Lokalkolorit, ohne ihn zu verflachen. Sehr deutlich kommt hier die Kargheit der Hochalpenlandschaft durch. Ich könnte so nicht leben, auch wenn ich mir manchmal einen weniger komplexen Alltag wünsche. Eins sein mit der Natur, ist halt nichts für Zartbesaitete. Johanna aber ist dafür geschaffen. Marie hat zuerst kämpfen, gibt sich aber nach und nach dem simplen Leben hin. „Ganz plötzlich ist alles so einfach, so klar und eindeutig. Ästhetik ist wurscht. Es geht nur noch um Sinnhaftigkeit. Man weiß, woran man ist. Man weiß, worauf es ankommt. So ein Gefühl habe ich noch nie gehabt.“(S. 72). Ein unglaublich wildes Werk, bei dem ich lange nach Sympathie für die Protagonistinnen gesucht habe und sie am Ende für beide gefühlt habe. Eine Leseempfehlung für alle, die auf der Suche nach einem schnellen Abenteuer sind.
Wild und schön
Marie schafft es aus einer toxischen Beziehung auszubrechen oder eher zu fliehen und das ausgerechnet auf eine Almhütte zu ihrer als seltsam geltenden Cousine. Eingerahmt in wilde Natur und die Tiroler Berge finden hier zwei Frauen zu sich und zueinander. Und das ist für mich so gut geschrieben, dass ich das Buch gar nicht mehr weggelegt hab. Vielleicht sollte man selber es auch manchmal machen wie Marie: “Ich habe mich selbst aus meinem Blumentopf gerissen und begonnen, wild zu wuchern.”
Was auf der Alm passiert
•Buchrezi• 😓 Zum Inhalt: Maria ist auf der Flucht… auf der Flucht vor ihrem Mann. Es gibt nur einen Ort, wo Peter sie nicht finden wird. Eine abgelegene Alm in Tirol. Einst gehörte die Alm ihrem Großvater, heute bewohnt und bewirtschaftet sie ihre Cousine Johanna. Johanna, die schon immer etwas sonderbar gewesen ist und die Marie sooft als Kind und Jugendliche bespaßen und mit zu ihren Freundinnen nehmen musste. Johanna, die ein besonderes Gespür für Tiere hatte, das Marie bis heute fehlt. Die plötzliche Ankunft von Marie in der abgeschiedenen Alm überrascht Johanna. Was will die denn hier? Und wenn die schon mal da ist, muss sie auch arbeiten. Schließlich bewirtschaftet sich so ein Hof nicht von allein. Doch Johanna ist kein Mensch der vielen Worte, hat als Kind das Reden eine zeitlang sogar ganz eingestellt und Marie, die kann ihren Mund nicht halten, was zwangsläufig zu Konflikten führt… führt auch zu einer Wahrheit, die schmerzlicher nicht sein könnte… Mein Fazit: 🤯 Was für eine Geschichte! Rotzig und rau verbringen wir etwas über 200 Seiten auf den entbehrungsreichen Alltag einer Alm. Marie und Johanna, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Marie, ein wahrer Schatz, eine echte Goldmarie. Die immer angepasst und immer alles geschluckt hat, bis zu einem verhängnisvollen Tag, an dem der Großvater sie von der Alm verbannt hat. Und dann ist da Johanna, ein raues Naturkind, die ihr Leben lang im Schatten der Familie stand, unangepasst und irgendwie auch ungeliebt. Doch der Großvater, der hat Johannas Gespür erkannt, sie geliebt. Und dann treffen die beiden Geschichten zusammen… die mich schockiert, verletzt und sprachlos zurückgelassen haben. Familie kann man sich nicht aussuchen, so viel kann ich an dieser Stelle verraten. Den Rest müsst ihr selbst auf der Alm erleben… „Wild wuchern“ ist ein Buch, welches lange im Kopf bleibt, nachhallt, tief geht, obwohl es auf nur wenigen Seiten erzählt wird. Das können nicht viele Bücher... Volle ⛰️⛰️⛰️⛰️⛰️!

Highlight
Sprachlich reduziert und dadurch markant und stark. Die Geschichte hat einen starken Spannungbogen und zwei tolle Frauen. Beide tragen schwer an ihrer Geschichte und man möchte ihre Eltern und Familie schütteln, die dazu beigetragen haben. Die Kraft der Natur, des Alleinseins mit der Natur und der Umgang beider miteinander hat mich durch das Buch rauschen lassen . Große Empfehlung.
Ein bildgewaltiges Must-Read in diesem Frühjahr
Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag: Marie ist auf der Flucht, auf der Flucht vor ihrem gut situierten Leben in der Glamourwelt der Mode in Wien, auf der Flucht vor ihrem Mann Peter und auf der Flucht vor dem, was aus ihr geworden ist. Ausgerechnet auf die einsame Almhütte zu ihrer Cousine Johanna flieht sie. Mit ihr verbinden sie viele gemeinsame Erinnerungen – im Guten wie im Schlechten. Denn Johanna war mal der Schützling von Marie, in der Kindheit der beiden. Doch jetzt hat sich die Welt umgedreht. Es beginnt ein hin und her, ein Verstehen und Missverstehen, ein Offenlegen und Verstecken. Und über allem stehen die beiden Frauen, schutzlos und zutiefst verletzt aber auch mit einem zarten Band der Liebe verbunden. Wieder ein grandioser Roman einer österreichischen Autorin – hier habe ich in den letzten Wochen einige mich begeisternde Bücher entdeckt. Ich kann mich den vielen begeisterten Stimmen nur anschließen, das Buch ist ein Highlight und ein absolutes Must-Read in diesem Frühjahr für alle, die gerne starke Frauenbücher mit einer klaren und mitreißenden Sprache und voller Feinfühligkeit und Stärke lesen. Im Vorsatz steht „Dieser Roman enthält Darstellungen von körperlicher und seelischer Gewalt.“ Wer das aushalten kann, der sollte das Buch lesen!
Zwei Frauen, zwei Welten – ein wilder Einklang
„Wild wuchern“ erzählt eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei sehr gegensätzlichen Frauen, die sich im Lauf der Geschichte auf überraschende Weise ergänzen und gegenseitig herausfordern. Besonders Johanna bleibt mit ihrer bodenständigen, offenen Art im Gedächtnis und wirkt auf Anhieb sympathisch. Die Hauptfigur hingegen neigt stellenweise zu etwas pathetischen Gedanken oder Formulierungen, was ihr Innenleben zwar vertieft, aber gelegentlich leicht aufgesetzt wirkt. Der sprachliche Umgang mit Dialekt ist authentisch und verleiht dem Roman Farbe, kann jedoch auch als Stolperstein empfunden werden – gerade wenn man mit österreichischem Deutsch nicht vertraut ist. Dass dessen Ablehnung im Buch explizit thematisiert wird, hätte man sensibler oder subtiler einbetten können. Oder ganz raus lassen. Alles in allem bleibt „Wild wuchern“ eine feinfühlige, lebensnahe Geschichte über das Zusammenwachsen trotz (oder gerade wegen) aller Unterschiede – warmherzig, ehrlich und mit einem Hauch Wildnis.
Auf der Lesung war mir die Autorin sehr sympathisch und ich ein bisschen Angst das Buch zu lesen, weil ich es gerne mögen wollte. Tatsache ist, dass ich es wirklich mag. Ich habe zwar kurz gebraucht, um in die Geschichte rein zu kommen und mich an die bedächtige Erzählweise zu gewöhnen. Dann hat es mich aber gepackt und ich war so gespannt, wie sich das Verhältnis der beiden entwickelt hat und warum sie beide dort gelandet sind. Wirklich sehr gut ausgearbeitete Charaktere und Beschreibung der Natur und der dazugehörigen Lebensweise. Ein paar Mal war ich sogar schockiert...
Marie stolpert angstgetrieben einen Tiroler Berg hoch, auf der Suche nach einer einsamen Hütte, die einst ihrem Großvater gehört hatte. Mittlerweile lebt dort seit vielen Jahren ihre eremitische Cousine Johanna. Zu ihr und zur Hütte will sie… Doch was sucht sie dort? Und was verfolgt sie? Katharina Köllers „Wild wuchern“ ist ein kurzes, aber starkes Kammerspiel über zwei sehr unterschiedliche Frauen. Marie, immer die „Goldmarie“ der Familie gewesen, hat es scheinbar zu Geld und Erfolg (dabei ist sie seit Jahren nur noch Ehefrau eines widerlichen Manns) gebracht. Johanna war immer schon „anders“. Sie fühlte sich bereits als Kind von der Natur angezogen, sprach mit Tieren und mit ihren Mitmenschen eher gar nicht. Und nun treffen diese beiden Frauen aufeinander. Inmitten der rauen Natur des Tiroler Gebirges finden sie langsam zusammen und teilen ihre schwere Vergangenheit, die von physischer und psychischer Gewalt geprägt ist. „Wild wuchern“ ist alles andere als ein Wohlfühlroman im Sinne von „Hütte in den Bergen ist doch romantisch“. Es geht an die Substanz. Die Szenerie in der Natur ist rau und schonungslos. Es wird gehungert und gefroren. Die beiden Charaktere sind schwer zugänglich und finden nur langsam einen konstruktiven Umgang. Das hat meinen Lesefluss im Mittelteil etwas verlangsamt. Das Ende ist dann aber so großartig und kraftvoll, dass alles rund und schlüssig wird. Köller schreibt modern, aber wahnsinnig atmosphärisch. Die Naturbeschreibungen sind weltklasse. Aber auch wie sie das Zwischenmenschliche beschreibt und einen feministischen Nadelstich setzt, hat mir letztendlich sehr gut gefallen. Der österreichische Einschlag macht es authentisch, ohne zu stören. Große Leseempfehlung!
Ein unerwartetes Highlight mit dem ich so gar nicht gerechnet habe! Der Roman kommt locker-leicht daher. Es gibt keine Kapitel, aber kurze Abschnitte weswegen man schnell voran kommt. Der Schreibstil ist einfach gehalten, wobei dieser ab und an poetische Züge annimmt. Gleich zu Beginn wird angedeutet, dass etwas vorgefallen ist das Marie zwingt zu ihrer Cousine in die Berge zu flüchten. Nach und nach taucht man immer mehr in die Geschichte ab und erfährt genauere Hintergründe. Es war schön zu erleben wie Marie und Johanna immer mehr zueinander finden, denn auch sie haben eine Vorgeschichte. Generell wirken die beiden wie Tag und Nacht. Das Ende hat mich sehr berührt und ihre Geschichte war tiefgründiger als ich jemals vermutet hätte. Das Buch war eine echte Überraschung! Daher eine absolute Leseempfehlung!
Anfangs holperig, dann super!
Mir haben anfangs Maries Sprache und ihre knappen abgehackten Sätze etwas Schwierigkeiten bereitet, so richtig ins Buch zu finden. Und ich fühlte mich im Storyverlauf etwas „hingehalten“, weil man auch einfach mehr über Johanna erfahren möchte … Aber nachdem ich es jetzt fertiggelesen habe gefällt es mir wirklich richtig richtig gut! Und ich kann es nur empfehlen!
























































