Unmerklicher Verlust der Einsamkeit
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Beschreibung
»Ich war nur eine Woche nicht bei uns zu Hause, trotzdem hatte ich das Gefühl, es sei sehr viel länger gewesen. Die Zeit dehnt und zieht sich zusammen, wie es einem gerade nicht passt.«
Prag nach Ende des Zweiten Weltkriegs – Siegesfreude und Aufbruch. Als Auschwitz-Überlebender kehrt der siebzehnjährige Petr in seine Heimatstadt Prag zurück. Doch scheint die Gesellschaft zwischen Zukunftsoptimismus und verordneter Vergangenheitsverdrängung keinen Platz für ihn und jüdische Schicksale zu haben. Gegen äußere Widerstände und das eigene Trauma beginnt Petr den Weg zurück ins Leben. Er begegnet dabei Ilse, einer jungen Prager Jüdin, und verliebt sich. Die tschechoslowakischen Behörden stufen Ilse jedoch als Deutsche ein – sie wird ausgewiesen. Für Petr beginnt daraufhin eine Odyssee durch das Nachkriegseuropa nach Palästina, wo Ilse auf ihn wartet.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Eli Beneš wurde 1976 in Prag geboren. Nach dem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Literatur hat er 14 Jahre als Moderator bei Radio 1 in Prag gearbeitet, ein Label für elektronische Musik gegründet und selbst Musik für das tschechische Fernsehen komponiert.
Beiträge
Wie lebt man weiter, wenn man die Shoa überlebt hat? Wenn die Vergangenheit nicht vergeht, sondern in Bildern zurückkehrt. Gestochen scharf, unerbittlich und unauslöschlich? Es ist ein Leben zwischen den Zeiten: Der Körper ist frei, doch die Erinnerung bleibt gefangen. In jedem Geräusch kann ein Echo des Lagers liegen, in jeder Nacht der Schatten dessen, was war. Die Gegenwart verlangt nach Hoffnung, doch die Vergangenheit flüstert unaufhörlich von Verlust und Schmerz. Und dennoch: weitergehen. Schritt für Schritt, gegen das Vergessen und zugleich gegen das ständige Erinnern. Ein Leben formen aus den Bruchstücken, die geblieben sind. Lernen, dass Überleben mehr ist als bloßes Dasein, dass es ein leiser, oft mühsamer Akt des Widerstands ist. Vielleicht liegt darin ein Anfang: im vorsichtigen Zulassen von Licht, trotz allem. Prag nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Die Straßen tragen den Klang des Neubeginns, erfüllt von Siegeszuversicht und dem hastigen Willen, nach vorn zu blicken. Doch zwischen Aufbruch und bewusstem Vergessen bleibt für manche kein Raum. Der siebzehnjährige Petr kehrt als Überlebender von Auschwitz in seine Heimatstadt zurück. Was für andere ein Neubeginn ist, wird für ihn zur Konfrontation mit einer Welt, die sein Leid nicht sehen will. Die Vergangenheit liegt wie ein Schatten über ihm, während die Gesellschaft bemüht ist, ihn zu übergehen. Trotz innerer Zerrissenheit und äußerer Widerstände sucht Petr seinen Weg zurück ins Leben. Inmitten dieser Unsicherheit begegnet er Ilse, einer jungen Prager Jüdin. Zwischen ihnen wächst eine zarte und hoffnungsvolle Liebe. Ein leiser Gegenentwurf zur Kälte der Nachkriegszeit. Doch das Glück ist brüchig: Die tschechoslowakischen Behörden stufen Ilse als Deutsche ein und weisen sie aus. Was bleibt, ist Trennung und die Entscheidung, nicht aufzugeben. Für Petr beginnt eine rastlose Reise durch das zerstörte Europa, getragen von Erinnerung, Verlust und der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Sein abenteuerlicher Weg führt ihn schließlich nach Palästina, dorthin, wo Ilse auf ihn wartet und wo vielleicht ein neues Leben möglich ist. Unmerklicher Verlust der Einsamkeit ist ein eindringlicher historischer Roman, der die Wucht der Vergangenheit mit der Zerbrechlichkeit menschlicher Gefühle verwebt und in der Liebe jene leise, aber kraftvolle Energie findet, die einen Neubeginn überhaupt erst möglich macht. Ein starkes Debüt!
Gehaltvolle Literatur, die an die Substanz geht
Ich habe schon sehr viele Bücher über das Leid der Menschen gelesen, die durch die Nationalsozialisten verfolgt, misshandelt und getötet wurden. Meist ging es dabei um Geschichten, die im Lager spielten. In diesem Buch erfahren wir, was ein Überlebender nach Ende des Krieges erlebt hat. Petr Stein hat das Konzentrationslager überlebt. Auf dem Todesmarsch wurde der 17jährige von seinem Vater und seinem Bruder getrennt. Als er unter großen Mühen in Prag ankommt, beginnt ein neues Leben zwischen Hoffnung und Frustration, Einsamkeit und Neuanfang. Er wartet tagtäglich auf die Ankunft seiner Familie, muss feststellen, dass die Wohnung samt dem familiären Eigentum nun jemand anderem gehört und hält mühsam sein Lebenswillen aufrecht. Er lernt neue Leute kennen, zieht in eine Art Wohngemeinschaft und bekommt Unterstützung von der Repratiierungs Behörde. Die politischen Umwälzungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Verfolgung eines Deutschen, selbst wenn es sich dabei um Menschen handelt, die von den Nazis nicht als solche behandelt wurden. Auch die Erneuerung der jüdischen community, nimmt ihr einen großen Raum ein. Man traut, wenn überhaupt, nur noch seinen eigenen Leuten. Petr beginnt zu Boxen und seinen Körper zu stärken. Er bewegt sich in einem labilen Kreis von Personen, die ähnliches Leid erfahren haben wie er. Er lernt Ilse kennen und entwickelt Gefühle für sie. Doch Ilse ist deutsch, und sie muss das Land verlassen. Welchen Weg Petr nun geht, müsst ihr selber lesen. Als ich das Buch aufgeschlagen habe hat mich der Detailreichtum und die zugängliche Sprache sofort in ihren Bann gezogen. Ich habe aber trotzdem sehr lange gebraucht, um das Buch zu beenden. Das liegt nicht nur an den sehr klein und eng bedruckten, fast 700 Seiten, sondern auch an der Ausführlichkeit in der Beneš die Sozialisation seines Protagonisten beschreibt . Auch die Grausamkeiten des Lagerlebens, die er im Rückblick erzählt, haben dazu geführt, dass ich das Buch immer mal wieder zur Seite legen musste. Das hier ist harter Tobak, der sich manchmal ganz plötzlich und unerwartet offenbart Beneš springt manchmal so plötzlich von Absatz zu Absatz in ein vergangenes Geschehen, dass ich ein ums andere Mal überlegen musste, in welcher Zeit ich mich denn jetzt befinde. Der Autor hat es richtig gut geschafft, die Einsamkeit gequälter und vertriebener Menschen festzuhalten, die eine Heimat, aber kein zu Hause mehr haben. Die Erinnerungen aber keine Familie mehr haben und die sich auch noch so verzweifelt an jede Kleinigkeit aus ihrer Vergangenheit, klammern und sei es nur ein Wasserkocher. Es offenbart auch die egoistische Haltung des Menschen. Es gibt wenig Zusammenhalt in Krisenzeiten. Jeder ist sich selbst der Nächste und kümmert sich erst mal um sich selbst. Nächstenliebe kann nicht überleben, wenn Vertrauen in die Menschheit zerstört wurde. Sehr drastisch wird auch der Verfall und dessen Rekonvaleszenz beschrieben. Es ist ein sehr körperliches Buch. Es werden aber nicht nur die Brutalität verschiedener Kriegsparteien explizit beschrieben, sondern auch die Liebe entbehrt hier jeder Romantik und dient manchmal nur dazu, sich zu spüren. Am meisten aber schmerzt die Einsamkeit. Petr ist ein Einzelkämpfer. Auf Basis seiner Erfahrungen und den gegebenen Umständen bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Seine Freundschaft zu Iček hat mich sehr berührt und das Ende dieser unfassbar schockiert. Auch sein Warten auf Verwandte, die niemals mehr kommen werden hat, mich sehr mitgenommen. Immer wieder musste ich mir bewusst machen, dass Petr erst 17 Jahre alt ist und die Lebenserfahrung eines Greises hat. Das Ausführliche an diesem Roman ist zugleich die positive wie die negative Seite dieser Lektüre. Beneš hat mir Orte und Handeln von 1945 sehr nahe gebracht. Man lernt die meisten Figuren sehr gut kennen. Der Detailreichtum mag aber vielleicht den ein oder anderen Leser abschrecken. Wenn man sich aber darauf einlassen kann, dann hat man hier ein monumentales Werk über die Zeit nach dem Lager, wie ich es so noch nie gelesen habe. Eine unbedingte Leseempfehlung für alle die gute umfangreiche Literatur lieben und aus dieser dunklen Zeit lesen mögen.
Beschreibung
»Ich war nur eine Woche nicht bei uns zu Hause, trotzdem hatte ich das Gefühl, es sei sehr viel länger gewesen. Die Zeit dehnt und zieht sich zusammen, wie es einem gerade nicht passt.«
Prag nach Ende des Zweiten Weltkriegs – Siegesfreude und Aufbruch. Als Auschwitz-Überlebender kehrt der siebzehnjährige Petr in seine Heimatstadt Prag zurück. Doch scheint die Gesellschaft zwischen Zukunftsoptimismus und verordneter Vergangenheitsverdrängung keinen Platz für ihn und jüdische Schicksale zu haben. Gegen äußere Widerstände und das eigene Trauma beginnt Petr den Weg zurück ins Leben. Er begegnet dabei Ilse, einer jungen Prager Jüdin, und verliebt sich. Die tschechoslowakischen Behörden stufen Ilse jedoch als Deutsche ein – sie wird ausgewiesen. Für Petr beginnt daraufhin eine Odyssee durch das Nachkriegseuropa nach Palästina, wo Ilse auf ihn wartet.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Eli Beneš wurde 1976 in Prag geboren. Nach dem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Literatur hat er 14 Jahre als Moderator bei Radio 1 in Prag gearbeitet, ein Label für elektronische Musik gegründet und selbst Musik für das tschechische Fernsehen komponiert.
Beiträge
Wie lebt man weiter, wenn man die Shoa überlebt hat? Wenn die Vergangenheit nicht vergeht, sondern in Bildern zurückkehrt. Gestochen scharf, unerbittlich und unauslöschlich? Es ist ein Leben zwischen den Zeiten: Der Körper ist frei, doch die Erinnerung bleibt gefangen. In jedem Geräusch kann ein Echo des Lagers liegen, in jeder Nacht der Schatten dessen, was war. Die Gegenwart verlangt nach Hoffnung, doch die Vergangenheit flüstert unaufhörlich von Verlust und Schmerz. Und dennoch: weitergehen. Schritt für Schritt, gegen das Vergessen und zugleich gegen das ständige Erinnern. Ein Leben formen aus den Bruchstücken, die geblieben sind. Lernen, dass Überleben mehr ist als bloßes Dasein, dass es ein leiser, oft mühsamer Akt des Widerstands ist. Vielleicht liegt darin ein Anfang: im vorsichtigen Zulassen von Licht, trotz allem. Prag nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Die Straßen tragen den Klang des Neubeginns, erfüllt von Siegeszuversicht und dem hastigen Willen, nach vorn zu blicken. Doch zwischen Aufbruch und bewusstem Vergessen bleibt für manche kein Raum. Der siebzehnjährige Petr kehrt als Überlebender von Auschwitz in seine Heimatstadt zurück. Was für andere ein Neubeginn ist, wird für ihn zur Konfrontation mit einer Welt, die sein Leid nicht sehen will. Die Vergangenheit liegt wie ein Schatten über ihm, während die Gesellschaft bemüht ist, ihn zu übergehen. Trotz innerer Zerrissenheit und äußerer Widerstände sucht Petr seinen Weg zurück ins Leben. Inmitten dieser Unsicherheit begegnet er Ilse, einer jungen Prager Jüdin. Zwischen ihnen wächst eine zarte und hoffnungsvolle Liebe. Ein leiser Gegenentwurf zur Kälte der Nachkriegszeit. Doch das Glück ist brüchig: Die tschechoslowakischen Behörden stufen Ilse als Deutsche ein und weisen sie aus. Was bleibt, ist Trennung und die Entscheidung, nicht aufzugeben. Für Petr beginnt eine rastlose Reise durch das zerstörte Europa, getragen von Erinnerung, Verlust und der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Sein abenteuerlicher Weg führt ihn schließlich nach Palästina, dorthin, wo Ilse auf ihn wartet und wo vielleicht ein neues Leben möglich ist. Unmerklicher Verlust der Einsamkeit ist ein eindringlicher historischer Roman, der die Wucht der Vergangenheit mit der Zerbrechlichkeit menschlicher Gefühle verwebt und in der Liebe jene leise, aber kraftvolle Energie findet, die einen Neubeginn überhaupt erst möglich macht. Ein starkes Debüt!
Gehaltvolle Literatur, die an die Substanz geht
Ich habe schon sehr viele Bücher über das Leid der Menschen gelesen, die durch die Nationalsozialisten verfolgt, misshandelt und getötet wurden. Meist ging es dabei um Geschichten, die im Lager spielten. In diesem Buch erfahren wir, was ein Überlebender nach Ende des Krieges erlebt hat. Petr Stein hat das Konzentrationslager überlebt. Auf dem Todesmarsch wurde der 17jährige von seinem Vater und seinem Bruder getrennt. Als er unter großen Mühen in Prag ankommt, beginnt ein neues Leben zwischen Hoffnung und Frustration, Einsamkeit und Neuanfang. Er wartet tagtäglich auf die Ankunft seiner Familie, muss feststellen, dass die Wohnung samt dem familiären Eigentum nun jemand anderem gehört und hält mühsam sein Lebenswillen aufrecht. Er lernt neue Leute kennen, zieht in eine Art Wohngemeinschaft und bekommt Unterstützung von der Repratiierungs Behörde. Die politischen Umwälzungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Verfolgung eines Deutschen, selbst wenn es sich dabei um Menschen handelt, die von den Nazis nicht als solche behandelt wurden. Auch die Erneuerung der jüdischen community, nimmt ihr einen großen Raum ein. Man traut, wenn überhaupt, nur noch seinen eigenen Leuten. Petr beginnt zu Boxen und seinen Körper zu stärken. Er bewegt sich in einem labilen Kreis von Personen, die ähnliches Leid erfahren haben wie er. Er lernt Ilse kennen und entwickelt Gefühle für sie. Doch Ilse ist deutsch, und sie muss das Land verlassen. Welchen Weg Petr nun geht, müsst ihr selber lesen. Als ich das Buch aufgeschlagen habe hat mich der Detailreichtum und die zugängliche Sprache sofort in ihren Bann gezogen. Ich habe aber trotzdem sehr lange gebraucht, um das Buch zu beenden. Das liegt nicht nur an den sehr klein und eng bedruckten, fast 700 Seiten, sondern auch an der Ausführlichkeit in der Beneš die Sozialisation seines Protagonisten beschreibt . Auch die Grausamkeiten des Lagerlebens, die er im Rückblick erzählt, haben dazu geführt, dass ich das Buch immer mal wieder zur Seite legen musste. Das hier ist harter Tobak, der sich manchmal ganz plötzlich und unerwartet offenbart Beneš springt manchmal so plötzlich von Absatz zu Absatz in ein vergangenes Geschehen, dass ich ein ums andere Mal überlegen musste, in welcher Zeit ich mich denn jetzt befinde. Der Autor hat es richtig gut geschafft, die Einsamkeit gequälter und vertriebener Menschen festzuhalten, die eine Heimat, aber kein zu Hause mehr haben. Die Erinnerungen aber keine Familie mehr haben und die sich auch noch so verzweifelt an jede Kleinigkeit aus ihrer Vergangenheit, klammern und sei es nur ein Wasserkocher. Es offenbart auch die egoistische Haltung des Menschen. Es gibt wenig Zusammenhalt in Krisenzeiten. Jeder ist sich selbst der Nächste und kümmert sich erst mal um sich selbst. Nächstenliebe kann nicht überleben, wenn Vertrauen in die Menschheit zerstört wurde. Sehr drastisch wird auch der Verfall und dessen Rekonvaleszenz beschrieben. Es ist ein sehr körperliches Buch. Es werden aber nicht nur die Brutalität verschiedener Kriegsparteien explizit beschrieben, sondern auch die Liebe entbehrt hier jeder Romantik und dient manchmal nur dazu, sich zu spüren. Am meisten aber schmerzt die Einsamkeit. Petr ist ein Einzelkämpfer. Auf Basis seiner Erfahrungen und den gegebenen Umständen bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Seine Freundschaft zu Iček hat mich sehr berührt und das Ende dieser unfassbar schockiert. Auch sein Warten auf Verwandte, die niemals mehr kommen werden hat, mich sehr mitgenommen. Immer wieder musste ich mir bewusst machen, dass Petr erst 17 Jahre alt ist und die Lebenserfahrung eines Greises hat. Das Ausführliche an diesem Roman ist zugleich die positive wie die negative Seite dieser Lektüre. Beneš hat mir Orte und Handeln von 1945 sehr nahe gebracht. Man lernt die meisten Figuren sehr gut kennen. Der Detailreichtum mag aber vielleicht den ein oder anderen Leser abschrecken. Wenn man sich aber darauf einlassen kann, dann hat man hier ein monumentales Werk über die Zeit nach dem Lager, wie ich es so noch nie gelesen habe. Eine unbedingte Leseempfehlung für alle die gute umfangreiche Literatur lieben und aus dieser dunklen Zeit lesen mögen.





