Tunnel

Tunnel

Hardcover
3.827

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Beschreibung

Anna-Haag-Preis 2023Vom Weg aus der Kälte in die WärmeMascha und ihre Tochter Tinka leben allein. Am Monatsende können sie nicht mehr heizen. Um die Nacht zu überstehen, bauen sie sich eine Höhle aus Decken. Sie fühlen sich gefangen. Doch sie haben einander. Und die kühne Idee für einen Ausweg.Ein Leben in Armut erfordert Mut, also ist Mascha furchtlos. Sie zieht mit ihrer Tochter in ein Altersheim, um zu überwintern und sich das Amt vom Hals zu halten. Der Tröster kommt, wenn sie ihn braucht, und bleibt, als er nicht mehr im Hinterzimmer einer Kneipe wohnen kann. Übergangslösungen, weiß Mascha. Als Tomsonov, einer der Heimbewohner, unter dem Sandsteinfundament im Keller Geräusche hört, beginnt Mascha zu graben. Nach Loyalität und Geborgenheit, nach zweiten Chancen und nach Abenteuer. Einen Tunnel hinaus.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
288
Preis
23.70 €

Beiträge

9
Alle
4

TUNNEL Grit Krüger Sie haben nichts zu essen, und die Heizung ist defekt. Eine Reparatur kann Mascha sich schon lange nicht leisten. Also bauen sie sich in der Wohnung eine Höhle aus Decken und Kissen – dort ist es wenigstens warm. Was Mascha wirklich bräuchte, ist Arbeit. Oder besser gesagt: 3000 Euro. Dann könnte sie die Heizung reparieren lassen und das Ferienlager für ihre Tochter Tinka bezahlen. Doch das Amt blockiert. „Sie müssen sich bewerben“, sagt die unfreundliche Frau mit monotoner Stimme. Auch die 7-jährige Tinka hat ihre Sorgen: Sie hat Angst vor dem „Tröster“, der immer Mutter in ihrem „Schlafwohnzimmer“ besucht. Wenn er da ist, pinkelt sie lieber in ihren Legoeimer anstatt auf die Toilette zu gehen.. Außerdem braucht sie dringend neue Turnschuhe. Die alten drücken, doch sie traut sich nicht, ihrer Mama davon zu erzählen. Genauso wenig, wie sie noch immer das Geld für den Klassenausflug benötigt. Die Blicke der anderen Kinder treffen sie jedes Mal, wenn die Lehrerin vor allen wieder erwähnt, dass ihre Zahlung noch aussteht. Alles könnte sich ändern, als Mascha ein Jobangebot als ungelernte Pflegekraft in einem Seniorenheim erhält. Ob das die Wende bringt, müsst ihr selbst herausfinden. Ein ergreifendes Buch. Der ungewöhnliche, fast poetische Schreibstil bringt die prekäre Lage der kleinen Familie eindringlich zur Geltung. Die Geschichte wird aus den Perspektiven unterschiedlicher Personen erzählt – Menschen am Rande der Gesellschaft, mit ihren ganz eigenen Sorgen und Nöten. Was mir weniger zusagte, war die Geschichte des Tunnels. Ich konnte diesen lediglich als Metapher deuten – ein Symbol dafür, dass Mascha und Tomsonov ihrem jetzigen Leben entfliehen wollen. Fazit: Ein gelungenes Debüt, das ich mit Interesse gelesen habe. 4/ 5

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2.5

📌 "Im Brummen des Patentenlifts ist die Weite schwer zu finden, auch wenn man die Augen schließt, drum pfeift Mascha, wenn sie ihn bedient." - S. 59 Schwierig. Die Geschichte von Mascha und ihrer kleinen Tochter Tinka, bei denen das Geld am Ende des Monats oft nicht mal mehr für das Nötigste reicht war schon bewegend. Das Mascha als Pflegekraft im Altenheim unterkommt und dort übergangsweise mit Tinka Unterschlupf findet, habe ich gern gelesen. Die Geschichte des Tunnelbaus, die man vermutlich metaphorisch betrachten muss eher nicht. Insgesamt gut lesbar aber schlussendlich nicht ganz mein Geschmack.

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4.5

Ein aktueller, sprachlich grandioser Roman zum Thema Armut und Hoffnung, aber auch Hoffnungslosigkeit. Was tun, wenn das Geld nur noch für Nudeln oder Toast reicht, wenn man im Kalten sitzt, weil man die Heizungsrechnung nicht bezahlen kann, wenn Tinka nicht beim Sportunterricht mitmachen kann, weil kein Geld für Turnschuhe da ist? Mascha wird vom Amt als Pflegehelferin in ein Altenheim vermittelt, wohin sie kurzerhand mit ihrer Tochter einzieht, um der kalten Wohnung zu entkommen. Die Tragik baut sich eher durch das Ungesagte auf und lässt einen so manches Mal fassungslos den Kopf schütteln. Kein Buch für zwischendurch, aber von mir eine klare Leseempfehlung

3

Die erste Hälfte des Buches gefiel mir richtig gut, dann wurde die Story für mich zu abstrus. Vielleicht habe ich aber auch nicht verstanden was die Autorin sagen wollte.

4

Besonders, aber nicht leicht zu verdauen

Es gibt Bücher, bei denen spielt sich das meiste im Kopf ab. Worte, Gedankengebäude, Bilder. Und dann gibt es Bücher, wie „Tunnel“, bei denen mindestens genau so viel ein bis zwei Etagen tiefer passiert, irgendwo zwischen Herz und Magen. Genau das macht diese Bücher schwerer beschreibbar, aber auch besonders. Weil ich von diesem schwerer Fassbarem schon so eine Ahnung hatte, war ich unsicher, ob ich überhaupt zu diesem Roman greifen soll. Allerdings löste Grit Krüger diese Unsicherheit auf der Lesung während der LBM 2023 schon mit wenigen Sätzen auf. Tunnel ist ein kluges und gesellschaftskritisches, ein poetisches und intensives Romandebüt. Dabei braucht Krügers schöne wie gleichermaßen direkte Sprache keine großen Umwege und landet oft direkt in Magengrube. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die alleinerziehende Mutter Mascha die sich mehr schlecht als recht mit ihrer Tochter Tinka durchs Leben schlägt. Mit den beiden bekommt Armut Gesicht und Stimme, da wo sich sonst so leicht wegsieht und -hört. Am Ende der Lektüre hatte ich einen rumpeligen Klumpen im Magen und frustriert, verschämte Tränen in den Augenwinkeln. Ein berührender wie aufrüttelnder Roman, den ich ganz nur weiter empfehlen kann.

3

Darstellung von Armut aus verschiedenen Perspektiven. Ein sehr schwerer, aber ehrlicher Roman.

5

In "Tunnel" tauchen wir in das Leben von Mascha und ihrer Tochter Tinka ein, die in äußerst schwierigen finanziellen Verhältnissen leben. Die Autorin zeichnet ein schonungsloses Bild von Armut und zeigt auf, wie Menschen am Rand der Gesellschaft ums Überleben kämpfen. Mascha, eine alleinerziehende Mutter, ergreift die Chance, eine Stelle als Pflegekraft in einem Heim für Senior*innen anzunehmen. Die Unterkunft im Heim bietet ihnen eine warme Bleibe über den Winter und garantierte Mahlzeiten. Mit ihrem Freund Enders, der seine eigene düstere Vergangenheit hat, finden sie einen geheimen Zufluchtsort in einem leerstehenden Zimmer. Mascha ist jedoch entschlossen, nicht länger als nötig im Heim zu bleiben. Die Geschichte wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt: Die Geschichte folgt den Perspektiven von Mascha, ihrer Tochter Tinka und ihrem Freund Enders sowie Tomsonov, ein älterer Herr und Bewohner des Heims. Diese Vielfalt der Erzählperspektiven ermöglicht es uns, tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonist*innen einzutauchen. Obwohl sie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, eint sie alle ihr gemeinsamer Kampf gegen die Ausweglosigkeit ihrer Situation. Grit Krüger vermittelt mit großer Sensibilität und Realitätsnähe, wie es ist, in Armut zu leben. Die Autorin drängt jedoch nicht auf Mitleid, sondern erzeugt vielmehr ein starkes Mitgefühl für die Charaktere. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der Vorurteile, denen Mascha ausgesetzt ist, sowie die Ausnutzung ihrer prekären Lage durch andere. Ebenso werden Enders Verlorenheit und die Gefühle der Vernachlässigung bei den älteren Bewohner*innen des Heims eindringlich dargestellt. Die Art und Weise, wie Tinka ihre Situation erkennt und sich immer wieder geschickt anpasst, berührt mich als Leserin tief und lässt auch Raum für gelegentliches Schmunzeln. "Tunnel" ist ein herausragendes Buch, das aktuelle gesellschaftliche Themen in den Fokus rückt und die Stimmen der Betroffenen hervorhebt. Die Autorin schafft es eine eindringliche Atmosphäre zu erzeugen und Leser*innen in die Sorgen und Ängste der Charaktere einzubeziehen. Der Roman ist ein Aufschrei gegen das System und ruft zur Aufmerksamkeit für die prekäre Situation von Menschen in schwierigen finanziellen Verhältnissen auf. Durch Maschas Arbeit im Altenheim wird zudem die Einsamkeit und Vernachlässigung älterer Menschen in unserer Gesellschaft thematisiert. Die Sehnsucht nach Nähe und Zuneigung wird schmerzhaft deutlich. "Tunnel" ist ein Buch, das gerade in Zeiten der Diskussion diverser, sozialer Themen zum Nachdenken anregt. Ein absolutes Muss für alle, die sich mit sozialen Ungerechtigkeiten auseinandersetzen und eine inspirierende Geschichte über den Überlebenswillen der Menschen lesen möchten.

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4

Mascha ist alleinerziehend und für sich und ihre Tochter Tinka auf Geld vom Amt angewiesen. Statt richtiger Unterstützung und eine Fortbildung, die Mascha machen kann wird ihr ein Job in einem Altenheim nachgelegt. Ansonsten soll ihr wegen fehlender Mitarbeit das Geld, welches jetzt schon teilweise nur für Marmeladentoast und Nudeln reicht, gekürzt werden. Doch der Job, für den Mascha durch die halbe Stadt fahren muss, erweist sich als Glückfall als im Winter die Heizung ausfällt. Mascha zieht mit Tinka kurzer Hand in eine leere Wohnung im Altenheim. Etwas später zieht auch Maschas Freund Enders, der bisher in einem Raum hinter einer Kneipe gewohnt hat, dort ein. Dann ist da noch Herr Tomsonov ein Bewohner des Heims, der anfängt im Keller einen Tunnel zu graben. Masche beschließt ihm zu helfen. Das Buch hat mich schon auf den ersten Seiten umgehauen. Diese Szenen im Job Center: die Sachbearbeiterin, die einem nicht die Fortbildung ermöglicht, sondern ein lieber sofort in einem schlechtbezahlten Hilfsjob vermittelt, ohne dabei Kinderbetreuung oder Fahrtzeit zu beachten und dafür lieber mit gekürzten Bezügen droht. Jeder Mensch der schon mal auf Hart IV angewiesen war oder jemanden kennt bei dem dies der Fall war, wird diese Szenen schmerzlich wiedererkennen. Das Buch beschäftigt sich damit wie eine Gesellschaft mit Menschen umgeht, die nicht (mehr) funktionieren und produktiv sind, indem sie die in Armut lebenden Mascha/Enders den Altenheim-Bewohner*innen gegenüberstellt und dabei die Frage aufwirft, wie weit das Ausbrechen in dem System in dem wir alle leben noch möglich ist. Dabei gibt es immer wieder kleine Momente des herzlichen Miteinander zwischen den Heimbewohner*innen sowie Mascha/Enders/Tinka. Das offene Ende, das eine Entwicklung zum schlechteren andeutet, hat mich traurig gemacht passt aber sehr zur Geschichte. Ich möchte für diesen vielschichtigen und sehr menschlichen Roman eine klare Empfehlung geben.

2

2,5 Sterne Eine Art [b:Eurotrash|55834180|Eurotrash|Christian Kracht|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1604323149l/55834180._SY75_.jpg|87050945] des Prekariats. Die Taxifahrt findet wegen mangelnder Knete nur nicht statt, deshalb tummelt sich alles zu heroischen Taten der Buddelei im Altersheim. Die Allegorie des Tunnels verkommt zur leeren Geste. Alles bleibt wie es ist. Tätigkeiten statt Taten. Der Systemfehler, im literarischen Realismus der Erschöpfung und Desillusionierung, in emotionsarmer, hilfloser, technischer, humorloser Sprache bearbeitet, die die verhärteten Schichten aufzeigt, jedoch selbst Teil davon bleibt. Da helfen auch die paar poetischen Einlagen nicht. Die erste Hälfte ist sprachlich äußerst problematisch. Viele schiefe Bilder und Vergleiche die knarzen. Der Text entgleitet der Autorin zusehends. Die Sprache verselbstständigt sich. Weshalb der Tunnel zum Ende hin eine absurde Deutung bekommt, die wahrscheinlich so nicht intendiert war. Der groteske Humor an diesen Stellen wirkt ungewollt. Ärgerlich ist, dass die Autorin in Szenen, die an einem interessanten Punkt ankommen, einfach ausblendet. Sie macht es sich sehr leicht mit der zersplitterten Anlage des Textes, ihr Können erst gar nicht unter Beweis stellen zu müssen. An sich aber passend. Wir betrachten eine Gesellschaft in der man nichts mehr wollen kann und darf. Zu erschöpft um aufzubegehren. Zu erschöpft um literarisch in die Tiefen der Macht der Sprache einzudringen, die Erschütterungen auslösen. Aufzeigen muss reichen. Dass die Heimleitung und auch andere Menschen im Fehler des Systems, stereotyp gezeichnet sind, erleichtert es der Autorin nochmals den sozialen Determinismus und die klare Frontstellung zu platzieren und ihre gefallenen"Helden" herauszustellen. Moralisiert wird aber überhaupt nicht. Das bitte nicht missverstehen. Trotz dieser Kritik habe ich das Buch gern gelesen. Ich sehe, dass sie stilistisch und sprachlich etwas versucht. Die Charaktere bekommen trotz der wenigen Informationen und der Wortkargheit eine umfassende Lebensgeschichte. Sie muss überhaupt nichts erklären. Sie legt es so an, dass sich ein ganzes Panorama zum Background der Personen entfaltet. Die paar Fetzen reichen. Das ist ihr wirklich gut gelungen. In dieser Trostlosigkeit blitzen schöne, gelungene zwischenmenschliche Szenen der Nähe auf. Aber ist das schon alles, das wir noch wollen und erwarten können?

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