Tage wie aus blauer Seide

Tage wie aus blauer Seide

Taschenbuch
4.35

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Beschreibung

Eine Augenerkrankung reißt Marlene aus ihrem Alltag. Auf der Suche nach einem Ausweg aus der Lebenskrise begibt sie sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit ihrer Vorfahren. Im zerissenen Europa der Weltkriege verbinden sich die Schicksale von Menschen aus Belgien, Deutschland und dem Saarland. Die Nachfahren des Droschkenfahrers Hellenbrecht aus Wiesbaden, des Schiffinspekteurs Mondier aus Antwerpen, des Bergmanns Jakobs aus Jägersfreude, des Eisenbahners Gerstner aus Saarbrücken und der Kriegswitwe Barbian aus einem Eifeldorf werden Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Aus wechselnden Perspektiven erzählt Marion Hammes bewegende Geschichten von Ausweisung und Auswanderung, von Festen und Alltagsbewältigung, von Kriegserfahrung und Todesfällen – und nicht zuletzt von starken Frauen und der Liebe.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
350
Preis
18.40 €

Beiträge

1
Alle
5

,,Mein Leben ist verklammert mit dem meiner Vorfahren, meiner Familie, kein brüchiges Einzelleben, ein bescheidener Teil eben. Auch die Lebensentwürfe anderer haben mich gestreift, beeinflusst, mein Leben durchdrungen. Ich bin Teil von Lebensgeschichten. Mit dem diesjährigen Wanderbuch ,,Tage wie aus blauer Seide" von Marion Hammes hat mir eine liebe Lesefreundin aus dem heimatlichen Bücherforum ein wundervolles, aber auch gänzlich unerwartetes Lesehighlight beschert. ,,Unerwartet", weil ich es mir vermutlich von selbst nie zugelegt hätte – wenn ich es überhaupt in einer Buchhandlung im tiefsten Hessen entdeckt hätte, denn es ist in einem kleineren unabhängigen Verlag erschienen und hat einen leicht saarländischen Lokalkolorit, da es zum größten Teil im Saarland spielt und von einer Saarländerin geschrieben wurde. Und ich hatte auch noch nie zuvor von diesem Buch gehört, das bereits 2011 erschienen ist. Ich gestehe, ich musste mich ein paar Seiten in den Erzählstil der Autorin einlesen, aber dank der Nähe zu der Erzählerin Marlene und ihrer Familie, die sehr schnell bei mir aufgekommen ist, mochte ich das Buch dann doch relativ schnell nicht mehr weglegen. Das lag vermutlich daran, dass mich die Geschichten, die Mitglieder von Marlenes Familie oft an meine eigene Familie haben denken lassen, sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits. Die Geschichten, die hier erzählt werden, unterscheiden sich zwar von den Geschichten aus meiner Familie, aber trotzdem hatte ich das Gefühl dazu zugehören. Hier werden Schicksale, Lebensentwürfe erzählt, wie sie in jeder Familie hätten passiert sein können, vieles davon ist nicht schön, teilweise nur schwer zu ertragen und das bezieht sich nicht nur auf die schrecklichen Zeiten der beiden Weltkriege. Es geht in diesem Buch vor allem um Familie, aber auch um Freundschaft, Partnerschaft, in guten wie in schlechten Zeiten zusammenzustehen, obwohl das nicht immer möglich ist. Manchmal muss man für das eigene Glück, das eigene Überleben auch mal egoistisch sein und unbequeme Entscheidungen treffen. Marion Hammes hat diese besonderen und doch so normalen Menschen ,,wie Du und ich", Menschen zweier grundverschiedener Familien in einem wunderbaren, sehr einfühlsamen Ton geschildert, auch wenn sich das Buch in meinen Augen nicht locker-leicht weglesen lässt. Es ist kein Buch für nebenher oder zum Abschalten vom Alltag und erfordert schon ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, um das Familiengeflecht und die mitunter sehr sprunghafte Erzählweise durchdringen zu können. Es ist auch sicherlich kein Buch, dass ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde, da es auch kein Buch für jede Lebenssituation ist. Bei mir hat es aber gerade perfekt in mein Leben, meine Stimmung gepasst. Mir geht es beruflich und privat gerade sehr gut, es gibt keine wirklichen Sorgen oder Krisen in meinem Leben oder Umfeld und ich hatte zudem Zeit und Muße um mich auf die Geschichte einzulassen. Ich weiß mit Sicherheit, dass ich mit dem Buch Schwierigkeiten gehabt hätte, wenn ich mit zu vielen anderen Dingen, größeren oder kleineren Problemen beschäftigt und mein Kopf nicht frei für diese Geschichte gewesen wäre. Ich habe dieses Buch deutlich langsamer gelesen, als die meisten anderen Bücher, aber ich habe so gut wie jede Seite genossen, den 2-3 kleinere Längen gab es auch für mich, die aber für den Gesamteindruck nicht ins Gewicht fallen. Im Endeffekt hätte ich mir für diese Familie sogar mehr Seiten gewünscht, weil mir die ein oder andere Figur zu kurz weggekommen ist und einen größeren Part verdient gehabt hätten. Aber vielleicht macht auch genau dies den Reiz aus, wenn eben nicht alles erzählt wurde. Leider habe ich von der Autorin keine weiteren Werke gefunden, ich würde gerne weitere Geschichten von ihr lesen.

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