Schweben

Schweben

Hardcover
3.640

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Beschreibung

Amira Ben Saouds atmosphärisch dichtes Debüt ist »ein mit gespenstisch ruhiger Seele geschriebener Roman über die existenziellen Zerreißproben der Menschen«. Clemens J. Setz Gewalt scheint nicht mehr zu existieren, der Klimawandel längst vollzogen. Eine bedrohliche Gelassenheit liegt über der abgeschotteten Siedlung, in der sie lebt. An ihren eigenen Namen hat sie keine Erinnerung mehr. Sie verdient ihr Geld damit, andere Frauen zu imitieren, deren Angehörige nicht mit dem Verlust der Geliebten, der Ehefrau, der Tochter zurechtkommen. Während eines neuen Auftrags gerät ihre Welt ins Wanken: Wer ist diese Emma, die sie spielt? Weisen seltsame Phänomene am Rand der Siedlung auf deren Untergang hin? Und warum ist sie selbst so besessen davon, eine andere zu sein? Amira Ben Saoud gelingt ein fesselndes Debüt, das schwebend leicht grundsätzliche Fragen nach Identität und Beziehungen stellt und danach, was wir uns selbst vorspielen.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
192
Preis
23.70 €

Autorenbeschreibung

Amira Ben Saoud, geboren 1989 in Waidhofen/Thaya, studierte Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Komparatistik in Wien. Sie war Chefredakteurin des Popkulturmagazins The Gap und Kulturredakteurin beim Standard. »Schweben« ist ihr erster Roman.

Beiträge

8
Alle
4

Im Grunde genommen waren alle Klienten so: bereit zuzugeben, dass es immer zwei brauchte, um eine giftige Beziehung zu führen, aber gleichzeitig davon überzeugt, dass die andere Person noch ein bisschen niederträchtiger war, noch ein bisschen mehr Schuld trug. Dass sie selbst nur die waren, die auf die Boshaftigkeiten des anderen reagierten, reagieren mussten. Dass sie keine andere Wahl hatten. - Zitat, Seiten 44,45 Wo fängt Gewalt an und warum scheint sie ein Teil der Lebensrealität der Menschheit zu bleiben? Dies ist das Debüt von Amira Ben Saoud, geboren 1989. Sie hat Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Komparistik in Wien studiert. Für ihren Roman hat sie ein dystopisches Setting gewählt, in denen die Menschen, welche die "Große Hitze" überlebt haben, in fest zugeordneten Siedlungen leben, die sie zeitlebens nicht verlassen sollen. Das Ziel innerhalb dieser Siedlungen ist ein möglichst friedliches Miteinander - ohne "Ausreißer". Diese Rahmenbedingungen sind zwar interessant, aber für die eigentliche Geschichte nicht unbedingt ganz so relevant. Denn die Protagonistin lebt davon, in die Haut einer anderen Person zu schlüpfen. Ihre Klienten sind Personen, welche die Trennung von einem besonderen Menschen nicht hinnehmen wollen, und die Protagonistin für "Begegnungen" buchen. In dem Fall ist es Gil, für den sich die Ich-Erzählerin in die Ehefrau Emma verwandelt. Aber je mehr sie sich versucht, in der Rolle von Emma zurecht zu finden, desto mehr Fragen kommen in ihr auf. Welches gefährliche Spiel haben Gil und Emma gespielt? Nachdem sie eine verstörende Beobachtung gemacht hat, wackelt ihr eigenes Weltbild. Aber kann sie ihrer eigenen Wahrnehmung überhaupt trauen? Auch im Außen scheint die Welt zunehmend aus den Fugen zu geraten und das seltsame Phänomen des "Schwebens" tritt als Vorzeichen einer möglichen Apokalypse auf ... Die Autorin wählt eher die leisen Töne und ihr Schreibstil ist eher nüchtern und voller Reflektionen. Das Grauen schleicht sich bei ihr langsam an und die Spannung wird eher durch kleine Gesten und Szenen erzeugt. Ihre Protagonistin ist völlig lost und damit fühlt sich Ihre Wahrnehmung eher wie ein Albtraum an, die Verbindung zur Realität verwischt und es scheint nur wenig klare Momente zu geben. Das ist einerseits eine Stärke der Erzählung, aber auch ihre Schwäche. Denn dadurch wirkt das dystopische Setting wie ein schwer greifbarer Überbau und die weiteren Figuren erscheinen nur schemenhaft. FAZIT Trotz der Kritikpunkte ist für mich "Schweben" ein überraschend starkes Romandebüt. Es lotet zwischenmenschliche Beziehungen auf ganz besondere Weise aus und hat durchaus interessante feministische Botschaften. Auch das Romanende war für mich stimmig. Von mir eine Leseempfehlung.

3.5

Amira Ben Saouds "Schweben" ist einer der Romane, die ihre Leser*innen schnell in die Geschichte hineinziehen. Dank eher kurzer Kapitel und eines erfreulich unprätentiösen Schreibstils lässt sich der Roman flüssig und dadurch schnell lesen. Zumindest ich dachte mir immer wieder: "Ach, komm, ein Kapitel noch." Und dann war das Buch auch schon ausgelesen. Amira Ben Saoud verwebt in ihrer Dystopie ganz alltägliche Fragen: Zum einen ganz offensichtliche Fragen wie "Wer bin ich?", aber auch Fragen, wo Gewalt beginnt und wo sie endet, die Dynamik toxischer Beziehungen und so weiter und so fort werden behandelt. Das alles geschieht vor dem Hintergrund einer Siedlung, in der dem Anschein nach alles prima funktioniert. Aber unter der Oberfläche brodelt es. Die Protagonistin und Ich-Erzählerin ist nicht unbedingt die sympathischste Person, aber sie ist ein interessanter Anker für die Leser*innen des Romans. Durch ihre Augen erleben und erfahren wir viel über das Leben in der Siedlung. Durch sie stellen sich auch die oben bereits erwähnten Fragen. Einfache Antworten gibt es nicht. Damit muss man leben können. Zum Ende hin wird auch klar, warum der Titel des Romans "Schweben" lautet. Das fand ich sehr schön. Für mich war es ein bisschen zuviel des Guten, zumal auch darauf keine erlösenden Antworten geliefert werden. Immerhin wird im Epilog die Perspektive gewechselt. Das fand ich zur Einordnung des Vorangegangenen super, zumal er auch noch bissig-komisch war - zumindest habe ich ihn so empfunden. Alles in allem ein Roman, der sicher nicht für alle geeignet ist - insbesondere wegen des tendenziell ziemlich "abgefahrenen" Endes, das so gar nichts mehr mit Realismus zu tun hat. 3,5 Sterne gibt's von mir.

4

Erfrischend anders!

Für die Bewertung des Buches schwanke ich sehr zwischen der Sternebewertung. Wird sich insgesamt so zwischen 3,5 und 4 Sterne einpendeln. Die Geschichte ist dystopisch angehaucht, was mir wirklich sehr gefallen hat. Unsere Protagonistin, deren Namen wir Anfang nicht erfahren, lebt in einer Siedlung, die nach der großen Hitze entstanden ist. Jeder der was angestellt hat, kommt ins Exil. Außerhalb der Siedlung. Hab mir das als eine große Wüste vorgestellt. Unsere Protagonistin wird hier vor allem zur Emma, innerhalb ihres Jobs und ihrer Tätigkeit. Wie es dazukommt und was ihr Job ist, wird gut erklärt und auch verständlich. Der Schreibstil ist flüssig und ganz ehrlich. Hat mich wirklich gut unterhalten und Spaß gemacht. Mir war es dennoch einfach zu kurz. Das Buch hat keine 200 Seiten und durch die lange fehlte mir der Tiefgang. Was ist da in der Siedlung los? Was gibt es im "Draußen"? Gibt es überhaupt ein "Draußen"? Dieses mysteriöse hat mir echt gefallen aber gerade zum Schluss wollte ich mehr.

3

Schweben spielt in einer dystopischen Zukunft, in der der Klimawandel bereits weit fortgeschritten ist und die Gesellschaft sich in einer bedrohlich gelassenen Atmosphäre wiederfindet. Die Protagonistin lebt in einer abgeschotteten Siedlung und verdient ihren Lebensunterhalt damit, andere Frauen zu imitieren. Sie schlüpft in die Rollen von verstorbenen Partnerinnen oder Töchtern, um den Hinterbliebenen Trost zu spenden. Als sie jedoch einen neuen Auftrag annimmt, beginnt ihr bisheriges Leben ins Wanken zu geraten. Fragen nach ihrer eigenen Identität und der Zukunft der Siedlung drängen sich auf. 🌍 „Genügend Menschen verblieben gerne in ihren selbstzerstörerischen Gewohnheiten, waren besessen von dem, was ihnen nicht guttat." Die Grundidee des Romans fand ich wirklich spannend, und auch das Setting der abgeschotteten, autokratisch geführten Siedlung hat viel Potenzial. Doch leider wurde die Entwicklung der zentralen Themen wie Identität und Verlust nicht genug vertieft, was für mich den Inhalt etwas schwächte. 😕💭 Der Schreibstil von Amira Ben Saoud ist flüssig und schafft eine dicht-spannende Atmosphäre, die zu Beginn richtig packend ist. Besonders die ersten Kapitel, in denen die Protagonistin ihre Rolle als „Ersatzfrau“ ausfüllt, waren von der Atmosphäre her stark und gut beschrieben. Die Autorin versteht es, eine fast unheimliche, dystopische Welt zu zeichnen, die mich total in den Bann gezogen hat. Leider verliert sich der Stil gegen Ende ein wenig in surrealen Elementen und unklaren Szenen, die mich als Leserin eher verwirrt zurückließen. Der Schreibstil bleibt durchgehend angenehm zu lesen, doch die komplexen Themen werden nicht immer so klar und fokussiert rübergebracht, wie ich es mir gewünscht hätte. ✍️ Die Entwicklung der Hauptfigur, die ihre eigene Identität verliert und sich in die Rollen anderer Menschen begibt, ist zu Beginn sehr spannend. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verliert sie sich in zu vielen Themen. Gewalt, Identitätsverlust, toxische Beziehungen und gesellschaftliche Strukturen werden angeschnitten, aber nicht wirklich vertieft. Das sorgt dafür, dass der Plot sich irgendwann etwas ziellos anfühlt und viele lose Enden übrig bleiben. Auch die surrealen Ereignisse gegen Ende des Romans haben für mich nicht genug Bezug zur Haupthandlung, was den Abschluss etwas verwirrend und unbefriedigend machte. 📖 Die dystopische Gesellschaft, in der Gewalt auf subtile Weise unterdrückt wird, hat mich nachdenklich über die Kontrolle von Systemen und den menschlichen Wunsch nach Flucht gemacht. Allerdings ließ mich das Buch auch mit vielen unbeantworteten Fragen zurück. Ich hätte mir gewünscht, dass der Fokus stärker auf weniger Themen gelegt und diese dann tiefer beleuchtet worden wären. 🤨🔍 Fazit: "Schweben" ist ein interessantes Debüt, welches ich vor allem Personen empfehlen würde, die Interesse an dystopischen Geschichten mit komplexen gesellschaftlichen Fragen haben und sich mit den Themen Identität und toxische Beziehungen auseinandersetzen möchten (und kein Problem mit offenen Enden haben). ⭐⭐⭐ Ein Dankeschön an Vorablesen für das Rezensionsexemplar!

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4

Amira Ben Saoud schafft ein dystopisches Szenario nach der Globalisierung: Die Menschen leben nunmehr in kleinen Siedlungen, abgeschottet von der Außenwelt. Wissen über die Vergangenheit wird geahndet, das Leben ist schlicht, wenn nicht sogar trostlos.Durch diese Welt begleiten wir unsere Protagonistin, die sich mit ihren "Begegnungen" über Wasser hält. Durch die jahrelange Imitation anderer Frauen hat sie ihren Namen schon seit langer Zeit vergessen. Ihre nächste Begegnung wird jedoch intensiver, als sie hätte ahnen können...Das Konzept hat mich wirklich überzeugt. Obwohl die meisten Aspekte des Alltags durch die Kürze des Buchs nur angerissen werden, ist die beschriebene Dystopie dennoch greifbar und anschaulich. Die triste Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.Die Protagonistin ist sehr interessant und das Rätsel um ihre Person durchweg spannend. Stück für Stück entdeckt man mit ihr zusammen ihre Vergangenheit und versteht immer mehr, warum sie so ist, wie sie ist.Einzig das ca. letzte Viertel des Buchs lässt mich mit einem kleinen Fragezeichen zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob es den paranormalen Aspekt gebraucht hätte oder ob ich diesen überhaupt richtig verstanden habe. Es hat meinem Lesespaß im Großen und Ganzen aber auch keinen Abbruch getan.Von daher: Wer sich auf ein kurzes, aber spannendes Gedankenexperiment einlassen möchte, für den ist "Schweben" genau das Richtige.

4

Spannend und interessant

In nicht allzu ferner Zukunft: nach der Klimakatastrophe leben die Menschen in Wohnsiedlungen, abgeschottet von den jeweils anderen. Es ist streng verboten seine Siedlung zu verlassen. Es regiert "das System", so genau weiß man es nicht. Der Hauptcharakter, eine Frau, ist namenlos. Beruflich schlüpft sie immer wieder für Wochen oder Monate in die Rolle einer Anderen und lebt das Leben dieser anderen Person. An ihren eigenen Namen kann sie sich längst nicht mehr erinnern. In ihrer Rolle als Emma gerät sie in eine toxische Beziehung, der Bezug zu ihrer eigenen Identität geht immer mehr verloren. "Emma" wird geplagt von Zweifeln und Fragen: Einerseits wer und wo die richtige Emma wohl ist, was ist Realität und was ist Wahnsinn, gibt es tatsächlich andere Siedlungen, was ist "draußen" und warum ist es verboten darüber zu sprechen. Der Roman ist spannend, dicht und kompakt erzählt, dunkel und besorgniserregend, aber sehr interessant und fesselnd

3.5

In „Schweben“ befinden wir uns in einer dystopischen Welt nach der „großen Hitze“, in der die wenigen Menschen, die noch existieren, in Siedlungen leben und von einer größeren, unbekannten Instanz regiert werden. Das Verlassen der Siedlung ist verboten und versucht jemand Fremdes einzudringen, wird diese Person mit dem Tode bestraft. Bis auf diese Ausnahme ist Gewalt aber verpönt und ein friedliches Miteinander ist das A und O. Die Siedlung wird als sicherster und lebenswertester Ort präsentiert; während des Lesens merkt man aber schnell, dass es keineswegs ein luxuriöses Leben ist, das die Bewohner:innen führen. Eine der Bewohnerinnen ist die vorerst namenlose Hauptprotagonistin, die ihr Geld mit „Begegnungen“ verdient. Sie schlüpft in die Rolle verschiedener Frauen und verwandelt sich sowohl optisch als auch charakterlich in die in Auftrag gegebene Person ihrer Klienten und verliert sich dabei selbst immer mehr. „Wenn ich mir einer Sache sicher war, dann, dass ich mit meinen Diensten niemandem half. Ich verlängerte die Qual einer kaputten Beziehung und ließ mich dafür bezahlen; Hilfe im eigentlichen Sinne war das keine. Aber es war das, was meine Klienten wollten.“ Für mich persönlich war dieser Auftakt perfekt, leider hat mich der Roman später aber etwas verloren und ich habe die Anknüpfung zum Start nicht mehr finden können. Es wurde sukzessive angespannter und düsterer — was ich super fand — aber je näher das Ende kam, desto konfuser wurden die Geschehnisse und mir fehlt auch jetzt noch eine sinnvolle Interpretation des Ganzen. Außerdem werden im Roman sehr viele Themen angerissen, wie Identität, patriarchale Strukturen, Rollenbilder und noch so viele mehr, aber nie wirklich ein Fokus gesetzt oder in einzelne Themen tiefer eingestiegen. Ein klarerer Fokus hätte dem Buch wahrscheinlich gutgetan, dennoch mochte ich die Grundstimmung sehr und hab das Buch super gerne gelesen.

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3

Beunruhigend und monoton

Schweben von Amira Ben Saoud ist eine Dystopie, die mich irgendwie unzufrieden zurücklässt. Das Ende ist toll, offen und beängstigend, aber die Story bis dahin ist monoton und schöpft ihr Potenzial leider nicht aus. Bedauerlicherweise finde ich alle Charaktere flach und das liegt nicht nur an unserer Hauptprotagonistin, die sich selbst nicht kennt oder vielleicht auch doch und alles nur verdrängt hat. Auch die Nebencharaktere glänzen mit äußerlichen Beschreibungen oder Stereotypen. Zwischenzeitlich hatte ich wirklich Hoffnung auf Plottwits und etwas mehr Spannung, diese wurden allerdings nicht erfüllt. Allgemein sind einige Dinge der Story sehr offen gehalten, sodass man sich überlegen kann, wie es für den einen oder anderen ausgegangen ist. Dies ist literarisch sicher gut, der Story tut es aber keinen Gefallen. Auch das Worldbuilding ist enttäuschenderweise sehr oberflächlich. Wenn schon eine Dystopie, dann hätte ich gerne mehr Beschreibung der Gegebenheiten, des Regimes und des Wie-kam-es-dazu. Alles in allem eine gute Geschichte, die es schafft eine melancholische, beängstigende Stimmung zu schaffen. Für mich aber auch einige Schwächen aufweist.

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