Schatten der Pinus

Schatten der Pinus

Hardcover
4.17

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Beschreibung

»Schatten der Pinus«, der erste Roman der Lyrikerin Martina Caluori, führt uns auf einen fast verlassenen Campingplatz irgendwo am Meer: Die alte Dame trägt das stille Gedächtnis vergangener Generationen; Phine ringt mit dem Tod von Mutter; Bo kämpft mit dem Erbe eines repressiven Glaubens. Jochen wiederum wurde von seiner Frau und den Kindern verlassen, S. und Vira erhalten eine Stimme für die Brüche durch Kriege und Konflikte. Zwischen Kiefern (Pinus) und Gischt entfaltet sich auf dem Campingplatz ein Beziehungs- und Erinnerungsgeflecht, das nicht linear, sondern in zersplitterten Strömen erzählt wird. Caluoris Roman, in dem erzählerische Passagen raffiniert mit lyrischen und mehrsprachigen Einschüben vermengt werden, durchbricht traditionelle Erzählstrukturen und spiegelt das komplexe Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wider. »Schatten der Pinus« ist ein Roman, der für ganz Europa spricht: leise, genau, unerbittlich. In der Auseinandersetzung mit Themen wie Heimatlosigkeit, Mutterfiguren, Vatererbe, Migration und der Mehrsprachigkeit in Erinnerung und Sprache spiegelt »Schatten der Pinus« die globalen Umbrüche unserer Zeit. Martina Caluori gelingt ein sprachmächtiges Werk über den Widerstand der Natur, das Aufbrechen von Erinnerungen und die ständige Transformation von Identität.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Hardcover
Seitenzahl
144
Preis
22.70 €

Autorenbeschreibung

Martina Caluori lebt als Autorin in der Schweiz. Nach einem Studium der Publizistik und Filmwissenschaften debütierte sie 2019 mit dem Lyrikband »Frag den Moment«, gefolgt 2022 von ihrem Kurzprosadebüt »Weiswein zum Frühstück«. 2023 erschien ihr Gedichtband mit Audiowerk »Ich weine am liebsten in Klos« (beide lectorbooks). Ihre Lyrik führte sie an Festivals und Veranstaltungen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Rumänien und Italien.

Beiträge

1
Alle

Ein nahezu verlassener Campingplatz am Rand des Meeres wird zum stillen Schauplatz gelebter Brüche. Die alte Dame bewahrt in sich das leise Echo vergangener Generationen, während Phine im Schatten des mütterlichen Verlusts tastend nach Halt sucht. Bo trägt die Narben eines Glaubens, der mehr Enge als Trost versprach, und Jochen steht vor den Trümmern eines Lebens, das Frau und Kinder hinter sich gelassen haben. S. und Vira schließlich verleihen den unsichtbaren Rissen eine Stimme, die Kriege und Konflikte in ihre Biografien geschrieben haben. Zwischen den windgegerbten, knorrigen Kiefern und dem salzgetränkten Atem der Gischt spannt sich ein feines, vielschichtiges Gewebe aus Beziehungen und Erinnerungen, das sich jeder geradlinigen Ordnung entzieht. Die Erzählung bewegt sich in aufgebrochenen, ineinanderfließenden Strömungen, durchsetzt von poetischen Splittern und fremdsprachigen Klanginseln. So öffnet sich ein literarischer Raum, in dem sich Zeitebenen übereinanderschieben, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander greifen und sich wechselseitig durchdringen. Fragmentarisch, vielstimmig und von einer eigentümlich schwebenden Schönheit. Martina Caluori erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn. Was in ihren ineinander verwobenen Textflächen aufscheint und wieder versinkt, sind keine linearen Erinnerungen, sondern Splitter: flüchtige Bilder, tastende Gefühle, atmende Stimmungen. Ihr Schreiben gleicht weniger einem Erzählen als einem langsamen Ausmalen, wie ein langgezogenes Bild, das Szenen von Menschen zeigt, die sich dem Leben nicht entzogen haben und doch nichts mehr von ihm erwarten, nicht einmal den kommenden Tag. Der Roman besitzt dystopische Züge: eine Gegenwart ohne Verheißung, in der selbst die Vergangenheit ihre Farben verliert und Erinnern nicht mehr tröstet. Doch Martina Caluoris Blick gilt nicht dem Erinnern selbst, sondern seinem Vollzug. Dem Innehalten, dem Hineinsehen und den leisen Veränderungen, die es in den Figuren auslöst. Diese ganze Szenerie entfaltet sich mit einer besonderen Wortkargheit, und doch liegt in jedem Satz eine tiefe, vibrierende Fülle. Während ich Seite um Seite in mich aufsog, schien die Welt um mich herum zu verschwimmen und sich zugleich neu zu formen: Ich spürte den salzigen, sanften Hauch des Küstenwinds auf meiner Haut und unter meinen Füßen knisterten die trockenen, gefallenen Nadeln der Pinus pinaster, die sich wie ein weicher, duftender Teppich über den warmen, sandigen Boden des Campingplatzes legten. Jeder Schritt, jede Bewegung verband mich stärker mit dieser Szenerie, bis ich nicht mehr nur las, sondern selbst Teil dieses stillen, eindringlichen Augenblicks wurde. Lesehighlight 👌

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