Reisst die Knospen ab...

Reisst die Knospen ab...

Taschenbuch
3.912
LiteraturnobelpreisErwachseneZweiter Weltkrieg2. Weltkrieg

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Beschreibung

Japan während des Zweiten Weltkriegs. Eine Gruppe heranwachsender Jungen soll aus einer Erziehungsanstalt wegen drohender Bombenangriffe evakuiert werden. Man bringt sie in ein entlegenes Bergdorf. Aus Angst vor einer Seuche fliehen die Dorfbewohner aber und versperren den Jungen den einzigen Fluchtweg über eine Schlucht. Nach anfänglicher Beklemmung beginnt die Gruppe - ähnlich wie in Goldings Herr der Fliegen - ihr Überleben zu organisieren. Sie brechen in die verlassenen Häuser ein, versorgen sich mit Lebensmitteln und ergreifen vom Dorf Besitz. Doch dieser anarchisch-paradiesische Zustand einer solidarischen Kindergemeinschaft findet ein jähes Ende, als die Dorfbewohner zurückkehren. Sie etablieren erneut ihr Erwachsenenregime. Dieser Roman von Kindern »in einer Zeit des Tötens« ist ein hochpoetisches und zeitloses Buch. Ein Roman, der »über die Grenzen von Sprache und Kultur hinweg kommuniziert, eine Poesie reich an neuen Beobachtungen und prägnanten Bildern«, wie es in der Nobelpreislaudation von 1994 heißt. »Ich wollte von der Angst der Kinder schreiben, ihrer Angst vor der Natur und ihrer Angst vor dem Krieg.« Kenzaburo Oe

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
222
Preis
22.70 €

Autorenbeschreibung

Kenzaburô Ôe, geboren 1935 auf der Insel Shikoku, Romanistik-Studium an der Tokyo University mit einer Abschlussarbeit über Sartre. Er schrieb Essays, Geschichten und Romane. Mit 23 Jahren erhielt Ôe den renommierten Akutagawa-Preis, es folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen – darunter 1994 der Nobelpreis für Literatur. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen die Romane »Reißt die Knospen ab…«, »Der stumme Schrei«, »Stille Tage« und »Sayonara, meine Bücher«. In »Tagame. Berlin-Tokyo« schreibt er über seine Zeit als S. Fischer Gastprofessor in Berlin; in »Der nasse Tod« spricht er über das Trauma seines Lebens: der Tod seines Vaters 1944. Über das Zusammenleben mit seinem Sohn Hikari, der mit einer Schädelanomalie geboren wurde, berichtet er in »Licht scheint auf mein Dach. Geschichte meiner Familie«. Bis zu seinem Tod am 3. März 2023 lebte Ôe in Tokyo.

Beiträge

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Alle
5

Eine düstere Parabel über die Gewalt und Abscheulichkeit, die dem Menschen innewohnt, gleichermaßen poetisch und brutal erzählt. Ein Stoff, nichts für schwache Nerven - und den man auch nicht viel länger als über diese unglaublich dichten, nervenzerreißenden 221 Selten aushalten würde. Das Buch ist so sensationell geschrieben, dass man nicht glauben kann, dass es 1958 das Debüt des späteren Literaturnobelpreisträgers Kenzaburo Oe war. Von Seite 1 an ist man mitten unter ihnen, unter den Heranwachsenden aus einer japanischen Besserungsanstalt, die während des zweiten Weltkriegs in die Berge evakuiert und unter unmenschlichen Bedingungen in einem Bergdorf untergebracht und von dessen Einwohnern brutal schickaniert und terrorisiert werden - bis diese aus Angst vor einer Seuche plötzlich verschwinden und den auf sich gestellten Jugendlichen jeden Ausweg aus dem Bergdorf versperren. Wie klar, poetisch und hart der Überlebenskampf der Jugendlichen, wie auch die Bildung einer Zwangsgemeinschaft beschrieben wird, habe ich in dieser, oft auch emotionalen, schonungslosen Wucht selten zuvor gelesen. Zwar habe ich auch hier, wie bei vielen männlichen japanischen Autoren (allen voran der beinahe misogyne Haruki Murakami), ein Problem mit dem Frauenbild - die einzige wirklich ansatzweise relevante Frauenfigur wird eher als lustbringendes Objekt für testosterongesteuerte Teenager denn als eigenständige Person geschildert. Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob sich dies - wie bei Murakami - auch durch das weitere Werk Oes zieht oder ob sich dies in folgenden Texten von ihm ändert. Zum anderen ist Japan ja bis heute eine zutiefst patriarchische Gesellschaft, und das hier Dargestellte möglicherweise zwar moralisch in Frage zu stellen, in der Realität aber gerade 1958 in dem Köpfen heranwachsender Männer durchaus so gewesen, weswegen ich diesem Buch vorerst keinen Stern dafür abziehe. Davon abgesehen: Sprachlich ist es sowieso auf einer ganz anderen Ebene, einer, von der ein Murakami etliche Universen entfernt ist. Jeder Satz in diesem kleinen Roman pulsiert. Man riecht, schmeckt, fühlt, hört all das mit, was die Figuren riechen, schmecken, hören und fühlen. Nicht selten packt einen der Ekel, nicht selten muss man zwischendurch einige Minuten verschnaufen, bevor man weiterlesen kann. Was für ein großer, wilder, archaischer Roman! Ich kann nur sagen: dieses Buch macht etwas mit den Lesenden. Es kriecht mit jeder Zeile tief in uns hinein. Und das ist für mich wirklich, wirklich große Literatur - und zurecht Nobelpreis-gewürdigt. Schade, dass ich erst nach Oes Tod im März 2023 auf sein Werk gestoßen bin. Ich werde definitiv bald noch mehr von ihm lesen. Leseempfehlung: ein Muss! Mein bisheriges Jahreshighlight! 5 Sterne!

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