Montana

Montana

Taschenbuch
3.99
PolizeiMenschenliebeMontana AwardSozialarbeit

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Beschreibung

In den abgeschiedenen Tälern und nahezu undurchdringlichen Bergwäldern im Nordwesten von Montana ist der Sozialarbeiter Pete Snow unterwegs, um Kindern zu helfen. Da gibt es Waffen- und Bibelnarren, drogensüchtige Mütter, gewalttätige Väter, aber vor allem die ganz normale Armut. Als eines Tages Benjamin, ein halb wilder, vernachlässigter Junge, in Petes Stadt auftaucht, lernt er dessen Vater Jeremiah Pearl kennen, einen Anarchisten und Weltverschwörer, der im Wald lebt und sich gegen die Endzeit wappnet … Smith Henderson legt mit seinem ersten Roman ein großes, kühnes und packendes Werk vor, das von der dunklen Seite Amerikas erzählt.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
608
Preis
12.40 €

Autorenbeschreibung

Smith Henderson, geboren und aufgewachsen in Montana, hat als Sozialarbeiter und Gefängniswärter sowie in einer Werbeagentur gearbeitet und lebt inzwischen als Schriftsteller in Los Angeles. Für seine Shortstorys erhielt er mehrere Preise, darunter 2011 den PEN Emerging Writers Award. Sein erster Roman »Montana« löste in den Feuilletons amerikaweit Begeisterung aus, wurde in zahlreichen Zeitungen als eines der »Best Books of the Year« empfohlen, wurde ausgezeichnet mit dem Montana Book Award 2014 und kam auf mehrere Shortlists, u.a. für den Ken Kesey Award for the Novel und den Fiction’s Flaherty-Dunnan First Novel Prize.

Beiträge

2
Alle
5

Einsame Weite … bringt manch Einen auch schon mal um den Verstand und der Eine, lässt seinen Unmut an den Kindern, der Frau oder auch an Fremden aus. Montana ist ein sehr weitläufiges Land. Und ohne Aussichten, wenn man in einem Städtchen lebt, in dem die Arbeit knapp, die Armut groß, oder die Umstände nicht einfach sind. Pete Snow ist in einer solchen kleinen Stadt, Tenmile, von Bergen und Wäldern eingeschlossen, Sozialarbeiter. Er kümmert sich um die Kinder von alleinerziehenden, drogensüchtigen Müttern, gewalttätigen Vätern oder ihren Liebhabern. Er entscheidet, ob die Kinder noch bei den Eltern bleiben dürfen oder sie vorübergehend in Übergangsfamilien, oder was noch viel schlimmer ist, in Heimen untergebracht werden müssen. Pete steckt selber in einer Krise. Seine Exfrau macht sich mit der gemeinsamen 13 jährigen Tochter aus dem Staub. Er erfährt erst spät, dass die Pubertierende davon gelaufen ist. Pete versucht, das Mädchen mit allen Mitteln zu finden. Nebenher hat er, als Sozialarbeiter, auch noch mit dem Sohn einer drogensüchtigen Mutter Ärger. Der Junge ist “unbezähmbar”, eckt überall an und stemmt sich mit aller Kraft gegen die Hilfe, die ihm Pete anbietet. Dann, gibt es noch den verwahrlosten Jungen Benjamin, der mit seinem scheinbar verrückten, unter Verfolgungswahn leidenden Vater in den unzugänglichen Bergen und Wäldern lebt, und den ein Geheimnis umgibt. Das Buch macht nachdenklich. Es liest sich ganz wunderbar und manchmal kann man fast die Tannen riechen, die in den unberührten Landstrichen stehen. Die Geschichten allerdings, machen unendlich traurig, wieviel Leid in dieser Gegend zu herrschen scheint. Wieviel Armut und Gewalt. Smith Henderson hat hier ein wirklich lesenswertes Buch geschrieben. Obwohl es 607 Seiten stark ist, ist es nie langweilig. Die drei Hauptgeschichten sind teilweise miteinander verwoben, so dass man auch nichts aus den Augen verliert. Smith Henderson ist selbst in Montana aufgewachsen. War dort Sozialarbeiter und Gefängniswärter. Mir scheint, er hat seine Geschichten aufgeschrieben. Seine Art zu schreiben ist einfach mitreißend.

5

Zustandsbericht über einen Bundesstaat In dem Buch dreht sich alles um den Sozialarbeiter Pete Snow. Frisch geschieden lebt er in einer einsamen Hütte in den Wäldern Montanas, aber eigentlich ist er immer unterwegs. Er kümmert sich um die Kinder der umliegenden Kleinstädtchen. Das hält ihn auf Trab. Als dann auch noch ein verwahrloster Junge auftaucht, der scheinbar mit seinen Eltern und Geschwistern im tiefsten Hinterwald lebt, ist Petes Hilfsbereitschaft groß. Doch die Familie um den Jungen Benjamin Pearl möchte nichts von Pete wissen. Doch Pete gibt nicht auf und versucht, die Geheimnisse der Pearls zu entschlüsseln. Damit wären wir auch schon beim Thema. Pete ist sehr hilfsbereit und hilft praktisch jedem Kind im Ort. Er kennt aber auch jeden. Doch bei den Pearls frisst er sich einen Bären aus. Diese Familie geht ihm nicht aus dem Kopf. Und später, nach ersten Begegnungen, schließt sich Pete den Pearls an, und wandert ein paar Tage mit durch die Wildnis. Denn Pete liebt die Einsamkeit. Die Natur. Dort, wo er niemanden etwas antun kann – auch sich selbst nicht. Anders als bei den Pearls ist Pete sehr ungläubig. Aber das stört nur den Pearls, die nur auf den Weltuntergang warten. Denn Pete hat auch eine andere Seite. Er kann ordentlich saufen. So wird dies auch im Buch beschrieben. Das macht den Charakter natürlich nicht gerade liebenswürdig für den Leser. Aber das ist die pure Realität. Drogen und Alkohol machen auch vor dem eifrigsten Sozialarbeiter nicht halt. Irgendwie muss man ja die ganzen Probleme der anderen aushalten können. Doch dann gibt es Hoffnung für Pete. Erst in der Form der Liebe (keine Sorge, es wird hier nicht kitschig), dann in Form der Pearls. Durch die vielen Gespräche mit dem Vater Pearl kann er doch auch etwas Gutes für sich herausnehmen. Er fängt über sich und seiner Familie nachzudenken. Und versucht, die Ansichten der Pearls zu verstehen. Das gelingt ihm mal mehr oder weniger. Aber das ist auch nebensächlich. Denn Pete macht noch etwas anderes zu schaffen. Seine Tochter ist einfach abgehauen. Kurz nachdem Petes Exfrau mit dem Teenager nach Texas umgezogen war. Und so begibt sich Pete mehr als einmal auf die Suche nach der Tochter außerhalb des Staates Montanas. Warum dann das Buch in der deutschen Übersetzung nach dem Bundesstaat genannt wurde, wenn der Protagonist öfters andere Staaten besucht, wird wohl ein Rätsel bleiben. Was nun genau mit der Tochter passiert, erfährt der Leser weit deutlich er als Pete es wohl je haben würde. In einer Art Interview zwischen den Kapiteln wird die Tochter von einem Unbekannten zu ihren Erlebnissen und Aktionen durch die Staaten befragt. Und da äußert sie sich sehr vertrauensvoll und detailreich. Trotzdem bleibt die Tochter unnahbar und kalt. Auch wenn sie ihre Momente hat. Ob Pete sie wiederfindet? Vielleicht. Auch wenn es hier nicht so scheint, so werden von Anfang an eine Vielzahl an Erzählsträngen eröffnet. Scheinbar haben diese nichts miteinander zu tun. Auch wenn es anfangs sehr durcheinander wirkt, schon fast konzeptlos, bildet sich doch ein schlüssiges und ineinander verwobenes Ende. Die Erzählstränge werden durch Pete zusammengehalten: Pete und ein traumatisierter Junge einer Drogenabhängigen, Pete und die Pearls, Pete und seine Tochter, Pete und die Liebe, etc. Pete irrt scheinbar von einem Problem zum anderen. Doch es wird gut. Auch für Pete. Es ist zusammenfassend ein gutes Buch. Viele Geschichten, bei den man schnell den Überblick verlieren kann. Es strahlt eine gewisse Faszination aus. Bei den vielen bekannten und fast schon normalen Problemen, die Pete hat, möchte man einfach wissen, wie es mit ihm weitergeht. Und das klappt hier auf wunderbarer Weise. Das Buch zeigt durchaus ein Abbild der Zeit und von Amerika. Aber es ist jetzt auch keine Studie oder Gesellschaftskritik. Es ist einfach eine tolle Story. Das ach so typische Landleben gab es hier auch nicht. Ich habe es auch nicht vermisst. Kommt bestimmt mal in einem anderen Buch vor. https://commigratio.com/2018/04/04/smith-henderson-montana/

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