Meeresbrise

Meeresbrise

Hardcover
3.98

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Beschreibung

Ein Dorf in den späten 80er Jahren: Zwei Töchter wachsen ohne Väter auf, denn der eine hat sich von einer Brücke gestürzt und der andere ist nach dem gewaltsamen Zeugungsakt über alle Berge; die Mutter der beiden stockt das Sozialgeld mit Telefonsex und dem Verkauf von Secondhand-Sachen auf. Es könnte alles besser sein … Mit Märchen, Lügen und geschickter Manipulation versucht die Mutter, ihre Kinder von der Außenwelt abzuschirmen und gleichzeitig an sich zu binden. Hand in Hand geht sie mit ihren beiden kleinen Prinzessinnen durchs Dorf, wobei sie eigentlich »respektlose kleine Monster« sind, die sich teils biestig durch den Alltag schlagen. Die gruselig-märchenhafte Isolation der Mädchen bekommt Risse, als die Ältere der beiden die Kraft der Neugierde entdeckt und zu ahnen beginnt, dass die Welt mehr für sie bereithält als nur dieses kleine, mühsam zusammengeflickte Leben.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
120
Preis
21.00 €

Beiträge

4
Alle
5

"Unsere Väter bestehen aus Wörtern." "Einige Kinder quietschen, während sie versuchen, voreinander davonzulaufen oder einander zu fangen. Einige Kinder sitzen im Schatten und frisieren Puppen. Einige Kinder springen mit fliegenden Zöpfen über gespannte Gummischnüre. Alle machen um uns einen Bogen, als seien wir giftig." "Die Zukunft kratzt an unserer Haut wie ein Pullover aus billigem Garn." Zwei Mädchen wachsen in den 80er Jahren alleine bei ihrer Mutter in einem kleinen Dorf auf. Und alleine ist in dieser Geschichte wörtlich zu nehmen, nicht nur die Väter "fehlen" sondern auch Freunde. Die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen beschränken sich auf den Schulbesuch, wobei beide gemieden und ausgeschlossen werden. "Besucht" wird die kleine Familie nur von einer Mitarbeiterin vom Sozialamt, die nach dem Rechten schaut und die Mutter animieren möchte zu arbeiten. Die zwei Schwestern wachsen in einer Scheinwelt auf, die ihre manipulative Mutter versucht aufrecht zu erhalten. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht schreiben, es würde zuviel Preisgeben. Die Geschichte wird ausschließlich aus Sicht der älteren Schwester erzählt, wodurch die harte Realität in kindlicher Sprache verpackt ist. Dieses schmale Buch hat, trotz der wenigen Seiten, sehr viel Inhalt und ist sehr tiefgründig. Mich hat es auf den ersten Seiten bereits gehabt und ich empfehle es auf jeden Fall ⭐

4

Sprachlich sehr gelungen.

📌 "Die Zukunft kratzt an unserer Haut wie ein Pullover aus billigem Garn." (S. 47) Eine poetische Interpretation eines armseliges Lebens, zweier kleiner Mädchen mit viel Phantasie; die uns in sprachlich beflügelter Sichtweise aufzeigt, auch im Schlimmen das Schöne zu erkennen und umgekehrt. Carolina Schutti schafft es auf wenigen Seiten die richtigen Worte zu finden und berichtet eindringlich in Form von Kindheitserinnerungen/-ereignissen zweier Mädchen, die mit einer (überforderten) Mutter aufwachsen, die sich wenig kümmert und die beiden meist sich selbst überlässt. Die Erlebnisse, von denen wir alle gerne hören und die traumatischen, die besser hinter verschlossenen Türen bleiben. Denn da wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Sprachlich sehr gelungen. Das Ende bietet Interpretationsspielraum und regt zum Nachdenken an.

Sprachlich sehr gelungen.
5

In Carolina Schuttis Roman "#Meeresbrise" fallen wir in die Enge und Bedrücktheit eines kleinen Dorfes, in dem eine alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Töchtern lebt. Das Leben der Familie ist von Armut und Ausgrenzung gezeichnet, während sie regelmäßig Besuche von Sozialarbeiterinnen über sich ergehen lassen müssen. Die Mutter versucht, durch Telefonsex in der Abstellkammer, zusätzliches Geld zu verdienen und geht abends manchmal schick aufgestylt aus, während die beiden Mädchen allein zu Hause eingesperrt sind. Die Realität der Mädchen wird von der Mutter jedoch regelmäßig mit Gegensätzen konfrontiert. Sie erschafft alternative Welten, die ein normales Familienleben vorgaukeln soll. "Meeresbrise" steht einerseits für den Duft des Badeschaums, den die Mädchen verwenden, um vor den Besuchen der Sozialarbeiterinnen sauber zu sein. Andererseits symbolisiert er die Sehnsucht nach dem Meer, nach Träumereien, die die Mutter immer mit Gewalt vertreibt. Dieser Roman bewegt sich in einem breiten Spektrum zwischen Konkretem und Imaginärem, zwischen Sanftem und Grobem. Die Erzählung folgt einer zerbrechlichen Struktur, die kurze und intensive Szenen mit sich bringt. Manche Abschnitte erstrecken sich über mehrere Seiten, andere bestehen nur aus wenigen Sätzen und sind dennoch immens eindrücklich. Die Sprache schwingt zwischen der harten, grausamen Realität und den Wunschvorstellungen von allen dreien. Ein zentrales Thema ist die Frage nach dem eigenen Platz in dieser Welt. Die Geschichte zeigt, wie sich die fragile Einheit dieser Familie in verschiedenen Situationen entfaltet. Es gibt die entfernte Wildnis des Waldes, in dem sich die Mädchen zurückziehen und eine magische Verbindung zu etwas spüren, das nichts mit den Menschen zu tun hat. Dann gibt es die Enge des Dorfes, in dem jeder Schritt einem Spießrutenlauf gleicht. Die Wohnung ist ein weiterer Ort, an dem die Mädchen ihre eigene Welt aus Fäden spannen, während die Mutter in der Abstellkammer verschwindet. Schließlich gibt es die Welt der Märchen, die eine Welt in der Welt erschafft und durch die Lektüre des Kinderlexikons der Schwestern erweitert wird. Schutti zeigt mit beeindruckender sprachlicher Virtuosität, wie instabil die Welt für Kinder wird, wenn ihre einzige Bezugsperson sich widersprüchlich verhält. Prügel und Vernachlässigung mischen sich mit Wärme und Zuwendung, um den Schein einer heilen Familie nach außen hin zu wahren. Die Mutter und ihre namenlosen Töchter sind in diesem Roman Außenseiterinnen. Sie sind verletzlich und bedroht, aber zugleich so stark in ihrer Fähigkeit, eigene Welten zu erschaffen und dadurch zu überleben. Und trotz der begrenzten Seitenzahl gelingt es der Autorin, große Themen tiefgründig zu behandeln. Mit „geschriebener Reduktion“ nähert sie sich dem seelischen Epizentrum ihrer Figuren an und benennt damit klar Emotionen ohne jedoch ins Weinerliche abzudriften. . Große #leseempfehlung!

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4

In den 80er Jahren leben zwei namenlose Schwestern mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einem abgelegenen Dorf. Die Väter sind nicht präsent - einer verstarb, der andere ist ein Vergewaltiger. Die Mutter bezieht finanzielle Unterstützung vom Amt und ergänzt ihr Einkommen durch Telefonsex. Oft verschwindet sie abends, hübsch zurechtgemacht, und lässt die Mädchen allein in der Wohnung zurück. Geld ist immer knapp, und die Schwestern erfahren auf Spielplätzen und in der Schule Ausgrenzung. Regelmäßig prüfen Frauen einer Behörde, vermutlich Jugendamt oder Sozialamt, die Lebensbedingungen der Familie. Die Mädchen haben nur einander und ihre Mutter, die unberechenbare Stimmungsschwankungen zeigt und manipulativ gegenüber ihren Kindern auftritt. Um den harten Realitäten zu entfliehen, flüchten sich die Mädchen in eine Fantasiewelt, die von ihrer Mutter unterstützt wird. Im Laufe der Zeit, erkennbar an den erwähnten Kleidergrößen, bekommen diese Traumwelten Risse, als die Mädchen älter werden. Die ältere Tochter beginnt nach Auswegen aus ihrer schwierigen Situation und der Manipulation durch ihre Mutter zu suchen. Das schmale, aber intensive Buch erzeugt eine bedrückende Atmosphäre. Mit einem besonderen psychologischen Gespür werden Momentaufnahmen einer traumatischen Kindheit in einer dysfunktionalen Familie facettenreich dargestellt. Die Geschichte wird konsequent aus der kindlichen und später jugendlichen Perspektive erzählt, was dem Buch einen besonderen Reiz verleiht. Insgesamt ist es ein kraftvoller Roman, den ich uneingeschränkt empfehlen kann.

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