Malacarne
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Beschreibung
Durch die nachtschwarzen Straßen von Monza läuft ein junges Mädchen, das Nachthemd klebt ihr am Rücken, ihre Füße sind nackt. Es ist das Jahr 1940 und Francesca hat seit vier Jahren nichts mehr von ihrer besten Freundin Maddalena gehört. Seit dem Tag, an dem diese weggesperrt wurde. Und auch Francescas Leben ist aus den Fugen geraten: Das Haus ihrer Eltern betritt sie nicht mehr, ihre Mutter schimpft sie eine »Malacarne«, eine durch und durch Verkommene. Dann endlich kehrt Maddalena in den Ort zurück. Äußerlich kaum verändert, ist sie doch eine völlig andere. Ein unüberwindbarer Graben scheint die Freundinnen zu entzweien. Während Italien in den Krieg eintritt, müssen sie sich entscheiden: füreinander einstehen oder für immer getrennte Wege gehen?
Mit ungeheurer erzählerischer Kraft entführt uns Beatrice Salvioni in das Italien der 1940er-Jahre. Die Geschichte zweier unzertrennlicher Freundinnen, die die Fesseln ihrer Zeit sprengen wollen, auch wenn es sie alles kostet.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Beatrice Salvioni, geboren 1995, studierte Literatur an der Universität Mailand und besuchte dann in Turin die renommierte Schreibschule Holden, gegründet von Alessandro Baricco. Sie hat bereits mehrere Erzählungen geschrieben, von denen eine mit dem Premio Calvino ausgezeichnet wurde. 2021 erregte das literarische Debüt der jungen Autorin große internationale Aufmerksamkeit. »La Malnata« wurde noch vor Erscheinen in Italien zu einem literarischen Ereignis und verkaufte sich innerhalb weniger Wochen in 20 Länder; inzwischen sind es 35.
Beiträge
Sternebewertung fiktiv
In jeder Faser meines Körpers steckte die Angst, mich mit einem Mann in einem geschlossenen Raum zu befinden. Allein. Seite 461 Manche Bücher liest man. Andere tragen einen noch Jahre später mit sich herum. Malnata war für mich genau so ein Buch. Ich weiß noch genau, wie ich damals in diese Geschichte hineingezogen wurde. Kurz zuvor hatte ich die Verfilmung von Elena Ferrantes Neapel-Romanen gesehen, und plötzlich war da wieder dieses Gefühl. Italien. Freundschaft. Wut. Armut. Enge. Mädchen, die sich ihren Platz in einer Welt erkämpfen müssen, die ihnen eigentlich keinen zugestehen will. Die Autorin selber hat in einem Interview auch einiges zur Entstehung erzählt, was das ganze noch interessanter gemacht hat. Mit Malacarne kehren wir vier Jahre später nach Italien zurück. Viel Zeit ist vergangen. Viel Schmerz ebenfalls. Maddalena, die von allen nur Malnata (die Unheilbringende) genannt wird, wurde 1936 in eine Nervenheilanstalt eingewiesen nicht weil sie krank war, sondern weil sie sich für ihre Freundin Francesca eingesetzt hat. Während Malnata hinter Mauern verschwindet, schreibt Francesca ihr jahrelang Briefe. Jeden einzelnen Tag. Doch nie erhält sie eine Antwort. Bis sie die schreckliche Wahrheit entdeckt. Ihr Vater hat die Briefe niemals abgeschickt. Dieser Moment hat mir beim Lesen regelrecht das Herz gebrochen. Die Vorstellung, vier Jahre lang zu glauben, von dem wichtigsten Menschen im Leben vergessen worden zu sein, ist kaum auszuhalten. Und gleichzeitig erlebt man Wut und dieses Gefühl von Unrecht in einem enormen Ausmaß. Francesca setzt nun alles daran, Malnata zurückzuholen. Während wir Francesca auf ihrem Weg begleiten, erfahren wir gleichzeitig, was Malnata in der Anstalt durchleben musste. Demütigungen, Gewalt, Machtmissbrauch und Einsamkeit prägen ihren Alltag. Die wenigen Momente von Sicherheit muss sie sich auf ihre eigene Weise erkämpfen. Jede Seite fühlt sich authentisch an. Die politische Stimmung des aufkommenden Faschismus, die gesellschaftlichen Zwänge, die Rolle der Frauen und die Brutalität gegenüber allem, was nicht ins Bild passt, all das wird so greifbar, dass man zeitweise vergisst, einen Roman zu lesen. Vor allem aber erzählt Salvioni von einer Freundschaft, die stärker ist als Blut. Francesca und Malnata gehören für mich zu den Figuren, die man nicht einfach zurücklässt, wenn ein Buch endet. Man leidet mit ihnen, hofft mit ihnen und möchte sie manchmal einfach nur in den Arm nehmen. Direkt auf den ersten Seiten war dieses vertraute Gefühl wieder da. Als hätte ich die beiden nie verlassen. Für mich ist Malacarne eine würdige Fortsetzung, die die Geschichte von Malnata nicht nur weitererzählt, sondern vertieft. Düsterer, schmerzhafter und gleichzeitig noch emotionaler. Und die Anmerkungen der Autorin am Ende des Romans haben mich fast genauso berührt wie die eigentliche Geschichte. Die persönlichen Bezüge zu den Frauen ihrer Kindheit verleihen dem Ganzen noch einmal eine besondere Tiefe. Wer also Malnata geliebt hat, wird an Malacarne nicht vorbeikommen. Ein Roman über Freundschaft, Mut, Verlust und die Kraft der Frauen, die sich weigern, klein gemacht zu werden.
Starke Fortsetzung von Malnata
Den ersten, schmalen Band habe ich geliebt! Tolle Geschichte, stark, unerschütterlich und besonders. Die Fortsetzung der Geschichte von Francesca und Maddalena ist so viel umfassender und hat mich tief in die Geschichte Italiens während des 2. Weltkriegs hineingezogen. Gewalt, Widerstand, täglicher Überlebenskampf und die Rückkehr des Patriarchates.
Eine tolle Fortsetzung über die Kraft der Freundschaft und den Zusammenhalt.
"Wir nahmen uns das Recht heraus, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, die jeder zum Schweigen gebrachten Frau zustand." Ich habe Beatrice Salvionis Debüt "Malnata" geliebt und war daher sogleich Feuer und Flamme als mit ihrem neuen Roman "Malacarne" eine Fortsetzung angekündigt wurde. Denn Francesca und Maddalena hatte ich im ersten Buch schon sehr ins Herz geschlossen. "Wenn du ein Mädchen bist, wird deine Wut als Wahnsinn abgetan, also lernst du, dass es besser ist, sie zu verbergen." Über Maddalena Merlini, die stets von allen nur die "Malnata" genannt wurde - was so viel wie die Unheilbringende bedeutet -, wird in Monza seit den Vorkommnissen vor 4 Jahren geschwiegen. Damals waren sie und Francesca noch Kinder von 12 und 13 Jahren. Und nun vier Jahre später entdeckt Francesca den größten Verrat ihres Vaters: All die Briefe, die sie an Maddalena geschrieben hat, und von denen sie glaubte, ihr Vater hätte sie an Maddalena geschickt, befinden sich in einer dummen Hutschachtel! Er hat sie nie abgegeben. Nachdem Francesca ihren Vater wütend damit konfrontiert hat, läuft sie mitten in der Nacht, barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet weg. Der einzige Mensch, der ihr einfällt, der ihr vielleicht Unterschlupf gewähren würde, ist Noè Tresoldi. Natürlich nimmt er Francesca bei sich auf, obwohl ihm klar ist, dass das eine Menge Ärger bedeutet. Francesca macht sich darum weniger Sorgen, denn ihre Angst gilt einzig und allein Maddalena. Ob Maddalena ihr das vierjährige Schweigen verzeihen kann? Ob sie denkt sie hätte sie vergessen? Und in all den Wirren zieht auch in Italien der Krieg ein. Mit Mussolini an der Spitze, wird das ganze Volk gebeutelt und schikaniert und die Probleme immer größer ... "Eine mir ewig vorkommende Minute lang glaubte ich zu sterben, dann bekam alles wieder Konturen, und die Wirklichkeit ergab wieder Sinn." Salvioni hat einen wunderbar leichten Schreibstil, der mich durch die Seiten fliegen und mich nach mehr verlangen lässt. Sie zeigt sehr eindrücklich wie das Leben der Frauen in Italien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aussah. Dass die Frauen nur der Besitz eines Mannes waren, die vom Vater in die Hände ihres Ehemannes gegeben wurden und nie sich selbst gehörten. Doch es gab sie schon immer ... die Freigeister ... die Frauen, die wussten, dass das Leben mehr für sie bereithalten muss, als nur Tochter, Ehefrau, Mutter und Geliebte zu sein. Frauen die selbstbestimmt leben wollten. Salvionis Figur Maddalena Merlini ist so eine Frau. Und während Francesca Strada als Mädchen, aufgrund ihrer Erziehung, sehr angepasst war, färbte Maddalenas Freigeistigkeit allmählich auf sie ab. Wir erleben wie Francesca ihre Fesseln sprengt, sich über Konventionen hinwegsetzt und sich nimmt, was sie will. Dabei hat sie immer Maddalenas Stimme im Ohr. Maddalenas Stimme von damals, als sie noch 13 waren. "Es gibt niemanden auf der Welt, der keinen Schaden davonträgt oder wenigstens einen kleinen Knacks bekommt. Das Leben verschont niemanden." In der zweiten Hälfte des Buches spielt der Zweite Weltkrieg, der Faschismus und der Widerstand in Italien eine zentrale Rolle. Dabei schildert Salvioni die Gräuel ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Insgesamt mochte ich auch diesen Part, jedoch hat sich für mich hier etwas der Kern der Geschichte verschoben. Mir war das zu wenig Francesca & Maddalena. Diese innige Freundschaft trat in den Hintergrund und blitzte nur noch hin und wieder auf. Mit einem Blick auf die Story verstehe ich natürlich durchaus, dass wir die beiden nicht mehr so innig miteinander verbunden und aneinanderklebend sehen können, aber gerade diese Freundschaft ist für mich persönlich im ersten Buch das Herz der Geschichte gewesen. Das hat sich hier etwas verloren. "Der einzige Weg, im Krieg man selbst zu bleiben, besteht darin, ihn nicht zu überleben." Doch trotz meiner kleinen Kritik ist "Malacarne" ein großartiger Roman, der die Zeit damals in Italien lebendig werden lässt. Ein Roman, der von der Kraft der Freundschaft und dem Zusammenhalt erzählt. Übersetzt aus dem Italienischen von Anja Nattefort. "Wir alle leben in den Ruinen der Vergangenheit: Jeder hat seine eigenen Tricks, um sie zu verdrängen."

Monza, 1940. 4 Jahre ist es nun her, seit Maddalena sich für ihre Freundin Francesca geopfert hat und in eine Anstalt gesperrt wurde. Seitdem hat Francesca nichts mehr von ihr gehört, obwohl sie ihr zahlreiche Briefe geschrieben hat. Als sie erfährt, dass alle diese Briefe von ihrem Vater zurückgehalten wurden, ist Francesca eines klar: Sie muss Maddalena nach Hause holen und ihr sagen, dass sie sie niemals vergessen hat. Doch Italien steht kurz vor dem Kriegseintritt und die Zeiten sind schwer. Kann die Freundschaft der beiden jungen Frauen den Faschismus überstehen? „Malacarne“ ist die Fortsetzung von „Malnata“ von Beatrice Salvioni – ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Auch dieser zweite Band wurde von Anja Nattefort ins Deutsche übersetzt. Während der Titel des ersten Buches sich auf Maddalena bezog, die im Ort nur als die „Malnata“ („die Unheilbringende“) bekannt ist, ist „Malacarne“ (eine durch und durch Verkommene) nun der Spitzname, den Francesca ertragen muss. Und das nur, weil sie leben möchte, wie sie es für richtig hält und an ihrer Freundschaft zu Maddalena festhalten will. Als sie noch jünger waren, bestand die Freundschaft von Maddalena und Francesca aus gemeinsamen Streichen und Abenteuern unten am Fluss. Nun sehen sie sich einem ganzen System gegenüber, das Andersartigkeit in jeder Art und Weise bestraft. Seien das Frauen, die unverheiratet mit einem Mann zusammenleben oder Ladenbesitzerinnen, deren Ehemann Jude ist. Inmitten dieser Umbrüche entwickelt jede der beiden Frauen ihren eigenen Weg, mit der Situation umzugehen. Maddalena hat in der Anstalt Schlimmes erlebt und erkauft sich mit vorgetäuschter Liebe den Schutz eines Faschisten. Francesca hingegen treibt die Wut aus dem Elternhaus und schließlich in den Widerstand. Es war schön, die beiden Frauen wiederzusehen, auch wenn sie es in diesem Buch nicht leicht haben. Besonders interessant ist es, mitzuerleben, wie Francesca sich ohne Maddalena entwickelt hat, die ja früher immer die Führung übernahm. Nun ist es an ihr, Mut zu fassen und vielleicht auch Maddalena zu zeigen, worauf es in diesen Zeiten ankommt.
Beschreibung
Durch die nachtschwarzen Straßen von Monza läuft ein junges Mädchen, das Nachthemd klebt ihr am Rücken, ihre Füße sind nackt. Es ist das Jahr 1940 und Francesca hat seit vier Jahren nichts mehr von ihrer besten Freundin Maddalena gehört. Seit dem Tag, an dem diese weggesperrt wurde. Und auch Francescas Leben ist aus den Fugen geraten: Das Haus ihrer Eltern betritt sie nicht mehr, ihre Mutter schimpft sie eine »Malacarne«, eine durch und durch Verkommene. Dann endlich kehrt Maddalena in den Ort zurück. Äußerlich kaum verändert, ist sie doch eine völlig andere. Ein unüberwindbarer Graben scheint die Freundinnen zu entzweien. Während Italien in den Krieg eintritt, müssen sie sich entscheiden: füreinander einstehen oder für immer getrennte Wege gehen?
Mit ungeheurer erzählerischer Kraft entführt uns Beatrice Salvioni in das Italien der 1940er-Jahre. Die Geschichte zweier unzertrennlicher Freundinnen, die die Fesseln ihrer Zeit sprengen wollen, auch wenn es sie alles kostet.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Beatrice Salvioni, geboren 1995, studierte Literatur an der Universität Mailand und besuchte dann in Turin die renommierte Schreibschule Holden, gegründet von Alessandro Baricco. Sie hat bereits mehrere Erzählungen geschrieben, von denen eine mit dem Premio Calvino ausgezeichnet wurde. 2021 erregte das literarische Debüt der jungen Autorin große internationale Aufmerksamkeit. »La Malnata« wurde noch vor Erscheinen in Italien zu einem literarischen Ereignis und verkaufte sich innerhalb weniger Wochen in 20 Länder; inzwischen sind es 35.
Beiträge
Sternebewertung fiktiv
In jeder Faser meines Körpers steckte die Angst, mich mit einem Mann in einem geschlossenen Raum zu befinden. Allein. Seite 461 Manche Bücher liest man. Andere tragen einen noch Jahre später mit sich herum. Malnata war für mich genau so ein Buch. Ich weiß noch genau, wie ich damals in diese Geschichte hineingezogen wurde. Kurz zuvor hatte ich die Verfilmung von Elena Ferrantes Neapel-Romanen gesehen, und plötzlich war da wieder dieses Gefühl. Italien. Freundschaft. Wut. Armut. Enge. Mädchen, die sich ihren Platz in einer Welt erkämpfen müssen, die ihnen eigentlich keinen zugestehen will. Die Autorin selber hat in einem Interview auch einiges zur Entstehung erzählt, was das ganze noch interessanter gemacht hat. Mit Malacarne kehren wir vier Jahre später nach Italien zurück. Viel Zeit ist vergangen. Viel Schmerz ebenfalls. Maddalena, die von allen nur Malnata (die Unheilbringende) genannt wird, wurde 1936 in eine Nervenheilanstalt eingewiesen nicht weil sie krank war, sondern weil sie sich für ihre Freundin Francesca eingesetzt hat. Während Malnata hinter Mauern verschwindet, schreibt Francesca ihr jahrelang Briefe. Jeden einzelnen Tag. Doch nie erhält sie eine Antwort. Bis sie die schreckliche Wahrheit entdeckt. Ihr Vater hat die Briefe niemals abgeschickt. Dieser Moment hat mir beim Lesen regelrecht das Herz gebrochen. Die Vorstellung, vier Jahre lang zu glauben, von dem wichtigsten Menschen im Leben vergessen worden zu sein, ist kaum auszuhalten. Und gleichzeitig erlebt man Wut und dieses Gefühl von Unrecht in einem enormen Ausmaß. Francesca setzt nun alles daran, Malnata zurückzuholen. Während wir Francesca auf ihrem Weg begleiten, erfahren wir gleichzeitig, was Malnata in der Anstalt durchleben musste. Demütigungen, Gewalt, Machtmissbrauch und Einsamkeit prägen ihren Alltag. Die wenigen Momente von Sicherheit muss sie sich auf ihre eigene Weise erkämpfen. Jede Seite fühlt sich authentisch an. Die politische Stimmung des aufkommenden Faschismus, die gesellschaftlichen Zwänge, die Rolle der Frauen und die Brutalität gegenüber allem, was nicht ins Bild passt, all das wird so greifbar, dass man zeitweise vergisst, einen Roman zu lesen. Vor allem aber erzählt Salvioni von einer Freundschaft, die stärker ist als Blut. Francesca und Malnata gehören für mich zu den Figuren, die man nicht einfach zurücklässt, wenn ein Buch endet. Man leidet mit ihnen, hofft mit ihnen und möchte sie manchmal einfach nur in den Arm nehmen. Direkt auf den ersten Seiten war dieses vertraute Gefühl wieder da. Als hätte ich die beiden nie verlassen. Für mich ist Malacarne eine würdige Fortsetzung, die die Geschichte von Malnata nicht nur weitererzählt, sondern vertieft. Düsterer, schmerzhafter und gleichzeitig noch emotionaler. Und die Anmerkungen der Autorin am Ende des Romans haben mich fast genauso berührt wie die eigentliche Geschichte. Die persönlichen Bezüge zu den Frauen ihrer Kindheit verleihen dem Ganzen noch einmal eine besondere Tiefe. Wer also Malnata geliebt hat, wird an Malacarne nicht vorbeikommen. Ein Roman über Freundschaft, Mut, Verlust und die Kraft der Frauen, die sich weigern, klein gemacht zu werden.
Starke Fortsetzung von Malnata
Den ersten, schmalen Band habe ich geliebt! Tolle Geschichte, stark, unerschütterlich und besonders. Die Fortsetzung der Geschichte von Francesca und Maddalena ist so viel umfassender und hat mich tief in die Geschichte Italiens während des 2. Weltkriegs hineingezogen. Gewalt, Widerstand, täglicher Überlebenskampf und die Rückkehr des Patriarchates.
Eine tolle Fortsetzung über die Kraft der Freundschaft und den Zusammenhalt.
"Wir nahmen uns das Recht heraus, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, die jeder zum Schweigen gebrachten Frau zustand." Ich habe Beatrice Salvionis Debüt "Malnata" geliebt und war daher sogleich Feuer und Flamme als mit ihrem neuen Roman "Malacarne" eine Fortsetzung angekündigt wurde. Denn Francesca und Maddalena hatte ich im ersten Buch schon sehr ins Herz geschlossen. "Wenn du ein Mädchen bist, wird deine Wut als Wahnsinn abgetan, also lernst du, dass es besser ist, sie zu verbergen." Über Maddalena Merlini, die stets von allen nur die "Malnata" genannt wurde - was so viel wie die Unheilbringende bedeutet -, wird in Monza seit den Vorkommnissen vor 4 Jahren geschwiegen. Damals waren sie und Francesca noch Kinder von 12 und 13 Jahren. Und nun vier Jahre später entdeckt Francesca den größten Verrat ihres Vaters: All die Briefe, die sie an Maddalena geschrieben hat, und von denen sie glaubte, ihr Vater hätte sie an Maddalena geschickt, befinden sich in einer dummen Hutschachtel! Er hat sie nie abgegeben. Nachdem Francesca ihren Vater wütend damit konfrontiert hat, läuft sie mitten in der Nacht, barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet weg. Der einzige Mensch, der ihr einfällt, der ihr vielleicht Unterschlupf gewähren würde, ist Noè Tresoldi. Natürlich nimmt er Francesca bei sich auf, obwohl ihm klar ist, dass das eine Menge Ärger bedeutet. Francesca macht sich darum weniger Sorgen, denn ihre Angst gilt einzig und allein Maddalena. Ob Maddalena ihr das vierjährige Schweigen verzeihen kann? Ob sie denkt sie hätte sie vergessen? Und in all den Wirren zieht auch in Italien der Krieg ein. Mit Mussolini an der Spitze, wird das ganze Volk gebeutelt und schikaniert und die Probleme immer größer ... "Eine mir ewig vorkommende Minute lang glaubte ich zu sterben, dann bekam alles wieder Konturen, und die Wirklichkeit ergab wieder Sinn." Salvioni hat einen wunderbar leichten Schreibstil, der mich durch die Seiten fliegen und mich nach mehr verlangen lässt. Sie zeigt sehr eindrücklich wie das Leben der Frauen in Italien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aussah. Dass die Frauen nur der Besitz eines Mannes waren, die vom Vater in die Hände ihres Ehemannes gegeben wurden und nie sich selbst gehörten. Doch es gab sie schon immer ... die Freigeister ... die Frauen, die wussten, dass das Leben mehr für sie bereithalten muss, als nur Tochter, Ehefrau, Mutter und Geliebte zu sein. Frauen die selbstbestimmt leben wollten. Salvionis Figur Maddalena Merlini ist so eine Frau. Und während Francesca Strada als Mädchen, aufgrund ihrer Erziehung, sehr angepasst war, färbte Maddalenas Freigeistigkeit allmählich auf sie ab. Wir erleben wie Francesca ihre Fesseln sprengt, sich über Konventionen hinwegsetzt und sich nimmt, was sie will. Dabei hat sie immer Maddalenas Stimme im Ohr. Maddalenas Stimme von damals, als sie noch 13 waren. "Es gibt niemanden auf der Welt, der keinen Schaden davonträgt oder wenigstens einen kleinen Knacks bekommt. Das Leben verschont niemanden." In der zweiten Hälfte des Buches spielt der Zweite Weltkrieg, der Faschismus und der Widerstand in Italien eine zentrale Rolle. Dabei schildert Salvioni die Gräuel ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Insgesamt mochte ich auch diesen Part, jedoch hat sich für mich hier etwas der Kern der Geschichte verschoben. Mir war das zu wenig Francesca & Maddalena. Diese innige Freundschaft trat in den Hintergrund und blitzte nur noch hin und wieder auf. Mit einem Blick auf die Story verstehe ich natürlich durchaus, dass wir die beiden nicht mehr so innig miteinander verbunden und aneinanderklebend sehen können, aber gerade diese Freundschaft ist für mich persönlich im ersten Buch das Herz der Geschichte gewesen. Das hat sich hier etwas verloren. "Der einzige Weg, im Krieg man selbst zu bleiben, besteht darin, ihn nicht zu überleben." Doch trotz meiner kleinen Kritik ist "Malacarne" ein großartiger Roman, der die Zeit damals in Italien lebendig werden lässt. Ein Roman, der von der Kraft der Freundschaft und dem Zusammenhalt erzählt. Übersetzt aus dem Italienischen von Anja Nattefort. "Wir alle leben in den Ruinen der Vergangenheit: Jeder hat seine eigenen Tricks, um sie zu verdrängen."

Monza, 1940. 4 Jahre ist es nun her, seit Maddalena sich für ihre Freundin Francesca geopfert hat und in eine Anstalt gesperrt wurde. Seitdem hat Francesca nichts mehr von ihr gehört, obwohl sie ihr zahlreiche Briefe geschrieben hat. Als sie erfährt, dass alle diese Briefe von ihrem Vater zurückgehalten wurden, ist Francesca eines klar: Sie muss Maddalena nach Hause holen und ihr sagen, dass sie sie niemals vergessen hat. Doch Italien steht kurz vor dem Kriegseintritt und die Zeiten sind schwer. Kann die Freundschaft der beiden jungen Frauen den Faschismus überstehen? „Malacarne“ ist die Fortsetzung von „Malnata“ von Beatrice Salvioni – ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Auch dieser zweite Band wurde von Anja Nattefort ins Deutsche übersetzt. Während der Titel des ersten Buches sich auf Maddalena bezog, die im Ort nur als die „Malnata“ („die Unheilbringende“) bekannt ist, ist „Malacarne“ (eine durch und durch Verkommene) nun der Spitzname, den Francesca ertragen muss. Und das nur, weil sie leben möchte, wie sie es für richtig hält und an ihrer Freundschaft zu Maddalena festhalten will. Als sie noch jünger waren, bestand die Freundschaft von Maddalena und Francesca aus gemeinsamen Streichen und Abenteuern unten am Fluss. Nun sehen sie sich einem ganzen System gegenüber, das Andersartigkeit in jeder Art und Weise bestraft. Seien das Frauen, die unverheiratet mit einem Mann zusammenleben oder Ladenbesitzerinnen, deren Ehemann Jude ist. Inmitten dieser Umbrüche entwickelt jede der beiden Frauen ihren eigenen Weg, mit der Situation umzugehen. Maddalena hat in der Anstalt Schlimmes erlebt und erkauft sich mit vorgetäuschter Liebe den Schutz eines Faschisten. Francesca hingegen treibt die Wut aus dem Elternhaus und schließlich in den Widerstand. Es war schön, die beiden Frauen wiederzusehen, auch wenn sie es in diesem Buch nicht leicht haben. Besonders interessant ist es, mitzuerleben, wie Francesca sich ohne Maddalena entwickelt hat, die ja früher immer die Führung übernahm. Nun ist es an ihr, Mut zu fassen und vielleicht auch Maddalena zu zeigen, worauf es in diesen Zeiten ankommt.









