Männlichkeit verraten!
Jetzt kaufen
Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.
Beschreibung
Das Verhältnis von Männlichkeit, Männern und Feminismus wird so intensiv diskutiert, wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Konzepte wie ‚Profeminismus‘ und die Geschichte der antisexistischen Männerbewegung werden wiederentdeckt und sollen neu belebt werden. Besonders das Schlagwort ‚kritische Männlichkeit‘ versammelt neue Ansätze und Gruppen, die das Verhältnis von Männlichkeit und feministischer Kritik bestimmen und praktisch angehen wollen. Was eigentlich Grund zur Hoffnung geben sollte, stellt sich bei genauerem Hinsehen aber oft als bloße Fortsetzung der Katastrophe heraus.
Denn die neu entflammte Debatte und Praxis zur Kritik an Männlichkeit wird von popfeministischer Lebensberatung, dem innerlichen Moralismus des Privilegiencheckens und dem verzweifelten Versuch dominiert, cis Männern feministische Kritik irgendwie schmackhaft zu machen. Vor allem das, was unter dem Label ‚kritische Männlichkeit‘ geschieht, ist nicht viel mehr als ein hoch individualisiertes Programm zur Resouveränisierung verunsicherter (cis) Männer. Feministische Kritik wird sich dafür im schlechtestmöglichen Sinne einverleibt, damit ihre Konsequenzen weiter ausgesessen und unterlaufen werden können – nur diesmal mit dem ‚korrekten‘ Vokabular und einer profeministischen Pseudo-Praxis.
Männlichkeit verraten! bricht mit allen Versuchen der einhegenden Versöhnlichkeit und geht in die Konfrontation. Der provokante Essay ist das Ergebnis von über fünf Jahren Frust, Enttäuschung und analytischer Wut über (eigene) Männlichkeit; darüber, wie sie in der Linken herrscht und wie gerade der neue Profeminismus auf sie eingeht. Er verbindet dafür Beobachtung und Polemik, Analyse und Intervention, Theorie und Praxis – in der Hoffnung auf eine organisierte Männlichkeitskritik, die Männlichkeit weder erkunden noch stärken will. Stattdessen soll sie organisiert und institutionalisiert zum konkreten Problem gemacht werden, zu dem die real existierenden Männer ein bewusstes und politisches Verhältnis einnehmen müssen.
Buchinformationen
Beiträge
Ein Essay wie ein Fausthieb in die Magengrube! Posster entlarvt und dekonstruiert auf nicht einmal 100 Seiten das Performative und Egoistische des cis-männlichen Feminismus mit einer Vehemenz und Schärfe, dass es einen sprachlos zurücklässt. Pflichtlektüre! Dennoch 1 Stern Abzug für die teilweise sehr sperrige und bemüht akademische Sprache. Ein wenig mehr Niedrigschnelligkeit hätte dem Text definitiv gut getan.
Trotz meiner 4-Sterne-Bewertung tue ich mich schwer damit, das "Einer muss es ja mal sagen"-Mackertum, das bereits eine andere Person bemerkt hat, einzuordnen. Das betrifft aber eher die Tonalität des Buches, die dennoch zu enorm treffenden Feststellungen über die Mängel profeministischer Praxis findet. Gerade entscheide ich mich dazu, die guten Argumente höher zu werten, die sich vor allem auf die Barrieren tatsächlicher kritischer Auseinandersetzung mit Männlichkeit* und die Schwächen eines eher selbsttherapeutischen Profeminismus beziehen, der für die breite Anschlussfähigkeit schmackhaft gemacht wird ("Feminismus tut auch Männern gut"), anstatt wirklich dorthin zu gehen, wo es weh tut, um daraus konkrete, organisierte Konsequenzen zu ziehen. Das wütende Seufzen über die mangelnde Breitenwirksamkeit einer kritisch-negativen Männlichkeits*-Arbeit, der Ärger darüber, dass profeministische Life Advice im Mainstream deutlicher verfängt (wenn auch ebenfalls nicht ausreichend) als tatsächliche Konfrontation mit potenzieller oder tatsächlicher Täterschaft spricht mir aus der Seele; genauso die Irritation, dass Männer* offenbar keinen Bedarf daran sehen, sich nachhaltig für das Verfolgen von und Beteiligen an feministische Zielen zu organisieren. Den Versuch einer Radikalisierung durch den Verrat an Männlichkeit*, durch das Inkaufnehmen des Unverständnisses, dass einem von anderen cis Männern* entgegenschlagen könnte, würde man(n) Täterschaft oder misogynes Verhalten outcallen, anstatt in männerbündlerische Betroffenheit und Angst vor fehlender Solidarität zu verfallen - all das fand ich beim Lesen mehr als erfrischend und inspirierend. Und dafür gibt es die Sterne, egal, ob mir Possters Tonalität sympathisch ist oder nicht. Eine Schwäche der Argumentation des Buches sehe ich lediglich darin, dass Posster zwar klare Umrisse zu seinen Überlegungen einer Alternative zum Profeminismus formuliert, letztlich aber nie wirklich beantwortet, wie jenseits kollektiver Praktiken wie Ausschluss, Sanktionierung, etc. eine Verantwortungsübernahme im Fall einer Täterschaft aussehen kann. Sexualisierte Gewalt ist eine Straftat, selbst wenn ihre juristische Verfolgung oft lächerlich patriarchal verläuft (sh. Bettina Wilpert, Nichts was uns passiert). Wie soll im Fall eines gewaltvollen Übergriffs tatsächlich Verantwortung übernommen werden: dadurch, sich freiwillig dem Recht auszuliefern und die Tat zu gestehen? Nur in Praktiken kollektiver Organisierung kann das Problem der Täterschaft doch nicht aufgelöst werden. Wo ist dann im Text aber dann die Forderung nach einer feministischen Reform des Strafrechts und einer feministischen Praxis der Rechtssprechung? Wäre das nach Lektüre von Christina Clemm, die Posster ja auch gelesen hat, nicht konsequent, diesem Argument nachzugehen? Gleichzeitig kritisiert Posster Praktiken einer "restorative justice", da sie (manchmal in einer Art christlichem Vergebungsglauben) in ihrem aktiven Dialog mit Tätern ("Schimpfen und dabei Händchen halten") diesen zu oft die Möglichkeit gäbe, sich in das Narrativ zu verziehen, sie wären Opfer ihrer selbst und nicht Menschen, die sich bewusst zu ihrer Tat entschieden haben. Das ist ein richtiger Kritikpunkt. Andererseits: Gegen die institutionalisierte Verfolgung durch Rechtssprechung wird beispielsweise in Amerika auch eingewandt, dass mit der Forderung einer Radikalisierung der Strafverfolgung möglicherweise auch die diskriminierenden Strukturen des Rechts, von dem schnelles Handeln eingefordert wird, übernommen werden könnten. Auch ein relevanter Punkt. So gerne ich das Buch gelesen habe, so sehr ich mich darin sowohl wiedergefunden als auch ertappt gefühlt habe - so sehr verbleibt mir das Buch an dieser Stelle im Dunstkreis einer Kritik an linkskollektiven Organisationen und fragt zu wenig danach, wie alternative übergeordnete Institutionen aussehen könnten, in denen eine "Verantwortungsübernahme" (die sich ja nicht in bloßer Entschuldigung und Besserungsbeteuerungen oder Akzeptanz von sozialem Ausschluss erschöpfen kann) notwendig ist, sich nicht vor ihr versteckt werden kann, in der keinesfalls Taten auf aufgrund "mangelnder Beweislage" (sh. Till Lindemann) nicht weiterverfolgt werden. Aber vielleicht wäre das auch ein Thema für ein nächstes Buch.
Trotz meiner 4-Sterne-Bewertung tue ich mich schwer damit, das "Einer muss es ja mal sagen"-Mackertum, das bereits eine andere Person bemerkt hat, einzuordnen. Das betrifft aber eher die Tonalität des Buches, die dennoch zu enorm treffenden Feststellungen über die Mängel profeministischer Praxis findet. Gerade entscheide ich mich dazu, die guten Argumente höher zu werten, die sich vor allem auf die Barrieren tatsächlicher kritischer Auseinandersetzung mit Männlichkeit* und die Schwächen eines eher selbsttherapeutischen Profeminismus beziehen, der für die breite Anschlussfähigkeit schmackhaft gemacht wird ("Feminismus tut auch Männern gut"), anstatt wirklich dorthin zu gehen, wo es weh tut, um daraus konkrete, organisierte Konsequenzen zu ziehen. Das wütende Seufzen über die mangelnde Breitenwirksamkeit einer kritisch-negativen Männlichkeits*-Arbeit, der Ärger darüber, dass profeministische Life Advice im Mainstream deutlicher verfängt (wenn auch ebenfalls nicht ausreichend) als tatsächliche Konfrontation mit potenzieller oder tatsächlicher Täterschaft spricht mir aus der Seele; genauso die Irritation, dass Männer* offenbar keinen Bedarf daran sehen, sich nachhaltig für das Verfolgen von und Beteiligen an feministische Zielen zu organisieren. Den Versuch einer Radikalisierung durch den Verrat an Männlichkeit*, durch das Inkaufnehmen des Unverständnisses, dass einem von anderen cis Männern* entgegenschlagen könnte, würde man(n) Täterschaft oder misogynes Verhalten outcallen, anstatt in männerbündlerische Betroffenheit und Angst vor fehlender Solidarität zu verfallen - all das fand ich beim Lesen mehr als erfrischend und inspirierend. Und dafür gibt es die Sterne, egal, ob mir Possters Tonalität sympathisch ist oder nicht. Eine Schwäche der Argumentation des Buches sehe ich lediglich darin, dass Posster zwar klare Umrisse zu seinen Überlegungen einer Alternative zum Profeminismus formuliert, letztlich aber nie wirklich beantwortet, wie jenseits kollektiver Praktiken wie Ausschluss, Sanktionierung, etc. eine Verantwortungsübernahme im Fall einer Täterschaft aussehen kann. Sexualisierte Gewalt ist eine Straftat, selbst wenn ihre juristische Verfolgung oft lächerlich patriarchal verläuft (sh. Bettina Wilpert, Nichts was uns passiert). Wie soll im Fall eines gewaltvollen Übergriffs tatsächlich Verantwortung übernommen werden: dadurch, sich freiwillig dem Recht auszuliefern und die Tat zu gestehen? Nur in Praktiken kollektiver Organisierung kann das Problem der Täterschaft doch nicht aufgelöst werden. Wo ist dann im Text aber dann die Forderung nach einer feministischen Reform des Strafrechts und einer feministischen Praxis der Rechtssprechung? Wäre das nach Lektüre von Christina Clemm, die Posster ja auch gelesen hat, nicht konsequent, diesem Argument nachzugehen? Gleichzeitig kritisiert Posster Praktiken einer "restorative justice", da sie (manchmal in einer Art christlichem Vergebungsglauben) in ihrem aktiven Dialog mit Tätern ("Schimpfen und dabei Händchen halten") diesen zu oft die Möglichkeit gäbe, sich in das Narrativ zu verziehen, sie wären Opfer ihrer selbst und nicht Menschen, die sich bewusst zu ihrer Tat entschieden haben. Das ist ein richtiger Kritikpunkt. Andererseits: Gegen die institutionalisierte Verfolgung durch Rechtssprechung wird beispielsweise in Amerika auch eingewandt, dass mit der Forderung einer Radikalisierung der Strafverfolgung möglicherweise auch die diskriminierenden Strukturen des Rechts, von dem schnelles Handeln eingefordert wird, übernommen werden könnten. Auch ein relevanter Punkt. So gerne ich das Buch gelesen habe, so sehr ich mich darin sowohl wiedergefunden als auch ertappt gefühlt habe - so sehr verbleibt mir das Buch an dieser Stelle im Dunstkreis einer Kritik an linkskollektiven Organisationen und fragt zu wenig danach, wie alternative übergeordnete Institutionen aussehen könnten, in denen eine "Verantwortungsübernahme" (die sich ja nicht in bloßer Entschuldigung und Besserungsbeteuerungen oder Akzeptanz von sozialem Ausschluss erschöpfen kann) notwendig ist, sich nicht vor ihr versteckt werden kann, in der keinesfalls Taten auf aufgrund "mangelnder Beweislage" (sh. Till Lindemann) nicht weiterverfolgt werden. Aber vielleicht wäre das auch ein Thema für ein nächstes Buch.
Beschreibung
Das Verhältnis von Männlichkeit, Männern und Feminismus wird so intensiv diskutiert, wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Konzepte wie ‚Profeminismus‘ und die Geschichte der antisexistischen Männerbewegung werden wiederentdeckt und sollen neu belebt werden. Besonders das Schlagwort ‚kritische Männlichkeit‘ versammelt neue Ansätze und Gruppen, die das Verhältnis von Männlichkeit und feministischer Kritik bestimmen und praktisch angehen wollen. Was eigentlich Grund zur Hoffnung geben sollte, stellt sich bei genauerem Hinsehen aber oft als bloße Fortsetzung der Katastrophe heraus.
Denn die neu entflammte Debatte und Praxis zur Kritik an Männlichkeit wird von popfeministischer Lebensberatung, dem innerlichen Moralismus des Privilegiencheckens und dem verzweifelten Versuch dominiert, cis Männern feministische Kritik irgendwie schmackhaft zu machen. Vor allem das, was unter dem Label ‚kritische Männlichkeit‘ geschieht, ist nicht viel mehr als ein hoch individualisiertes Programm zur Resouveränisierung verunsicherter (cis) Männer. Feministische Kritik wird sich dafür im schlechtestmöglichen Sinne einverleibt, damit ihre Konsequenzen weiter ausgesessen und unterlaufen werden können – nur diesmal mit dem ‚korrekten‘ Vokabular und einer profeministischen Pseudo-Praxis.
Männlichkeit verraten! bricht mit allen Versuchen der einhegenden Versöhnlichkeit und geht in die Konfrontation. Der provokante Essay ist das Ergebnis von über fünf Jahren Frust, Enttäuschung und analytischer Wut über (eigene) Männlichkeit; darüber, wie sie in der Linken herrscht und wie gerade der neue Profeminismus auf sie eingeht. Er verbindet dafür Beobachtung und Polemik, Analyse und Intervention, Theorie und Praxis – in der Hoffnung auf eine organisierte Männlichkeitskritik, die Männlichkeit weder erkunden noch stärken will. Stattdessen soll sie organisiert und institutionalisiert zum konkreten Problem gemacht werden, zu dem die real existierenden Männer ein bewusstes und politisches Verhältnis einnehmen müssen.
Buchinformationen
Beiträge
Ein Essay wie ein Fausthieb in die Magengrube! Posster entlarvt und dekonstruiert auf nicht einmal 100 Seiten das Performative und Egoistische des cis-männlichen Feminismus mit einer Vehemenz und Schärfe, dass es einen sprachlos zurücklässt. Pflichtlektüre! Dennoch 1 Stern Abzug für die teilweise sehr sperrige und bemüht akademische Sprache. Ein wenig mehr Niedrigschnelligkeit hätte dem Text definitiv gut getan.
Trotz meiner 4-Sterne-Bewertung tue ich mich schwer damit, das "Einer muss es ja mal sagen"-Mackertum, das bereits eine andere Person bemerkt hat, einzuordnen. Das betrifft aber eher die Tonalität des Buches, die dennoch zu enorm treffenden Feststellungen über die Mängel profeministischer Praxis findet. Gerade entscheide ich mich dazu, die guten Argumente höher zu werten, die sich vor allem auf die Barrieren tatsächlicher kritischer Auseinandersetzung mit Männlichkeit* und die Schwächen eines eher selbsttherapeutischen Profeminismus beziehen, der für die breite Anschlussfähigkeit schmackhaft gemacht wird ("Feminismus tut auch Männern gut"), anstatt wirklich dorthin zu gehen, wo es weh tut, um daraus konkrete, organisierte Konsequenzen zu ziehen. Das wütende Seufzen über die mangelnde Breitenwirksamkeit einer kritisch-negativen Männlichkeits*-Arbeit, der Ärger darüber, dass profeministische Life Advice im Mainstream deutlicher verfängt (wenn auch ebenfalls nicht ausreichend) als tatsächliche Konfrontation mit potenzieller oder tatsächlicher Täterschaft spricht mir aus der Seele; genauso die Irritation, dass Männer* offenbar keinen Bedarf daran sehen, sich nachhaltig für das Verfolgen von und Beteiligen an feministische Zielen zu organisieren. Den Versuch einer Radikalisierung durch den Verrat an Männlichkeit*, durch das Inkaufnehmen des Unverständnisses, dass einem von anderen cis Männern* entgegenschlagen könnte, würde man(n) Täterschaft oder misogynes Verhalten outcallen, anstatt in männerbündlerische Betroffenheit und Angst vor fehlender Solidarität zu verfallen - all das fand ich beim Lesen mehr als erfrischend und inspirierend. Und dafür gibt es die Sterne, egal, ob mir Possters Tonalität sympathisch ist oder nicht. Eine Schwäche der Argumentation des Buches sehe ich lediglich darin, dass Posster zwar klare Umrisse zu seinen Überlegungen einer Alternative zum Profeminismus formuliert, letztlich aber nie wirklich beantwortet, wie jenseits kollektiver Praktiken wie Ausschluss, Sanktionierung, etc. eine Verantwortungsübernahme im Fall einer Täterschaft aussehen kann. Sexualisierte Gewalt ist eine Straftat, selbst wenn ihre juristische Verfolgung oft lächerlich patriarchal verläuft (sh. Bettina Wilpert, Nichts was uns passiert). Wie soll im Fall eines gewaltvollen Übergriffs tatsächlich Verantwortung übernommen werden: dadurch, sich freiwillig dem Recht auszuliefern und die Tat zu gestehen? Nur in Praktiken kollektiver Organisierung kann das Problem der Täterschaft doch nicht aufgelöst werden. Wo ist dann im Text aber dann die Forderung nach einer feministischen Reform des Strafrechts und einer feministischen Praxis der Rechtssprechung? Wäre das nach Lektüre von Christina Clemm, die Posster ja auch gelesen hat, nicht konsequent, diesem Argument nachzugehen? Gleichzeitig kritisiert Posster Praktiken einer "restorative justice", da sie (manchmal in einer Art christlichem Vergebungsglauben) in ihrem aktiven Dialog mit Tätern ("Schimpfen und dabei Händchen halten") diesen zu oft die Möglichkeit gäbe, sich in das Narrativ zu verziehen, sie wären Opfer ihrer selbst und nicht Menschen, die sich bewusst zu ihrer Tat entschieden haben. Das ist ein richtiger Kritikpunkt. Andererseits: Gegen die institutionalisierte Verfolgung durch Rechtssprechung wird beispielsweise in Amerika auch eingewandt, dass mit der Forderung einer Radikalisierung der Strafverfolgung möglicherweise auch die diskriminierenden Strukturen des Rechts, von dem schnelles Handeln eingefordert wird, übernommen werden könnten. Auch ein relevanter Punkt. So gerne ich das Buch gelesen habe, so sehr ich mich darin sowohl wiedergefunden als auch ertappt gefühlt habe - so sehr verbleibt mir das Buch an dieser Stelle im Dunstkreis einer Kritik an linkskollektiven Organisationen und fragt zu wenig danach, wie alternative übergeordnete Institutionen aussehen könnten, in denen eine "Verantwortungsübernahme" (die sich ja nicht in bloßer Entschuldigung und Besserungsbeteuerungen oder Akzeptanz von sozialem Ausschluss erschöpfen kann) notwendig ist, sich nicht vor ihr versteckt werden kann, in der keinesfalls Taten auf aufgrund "mangelnder Beweislage" (sh. Till Lindemann) nicht weiterverfolgt werden. Aber vielleicht wäre das auch ein Thema für ein nächstes Buch.
Trotz meiner 4-Sterne-Bewertung tue ich mich schwer damit, das "Einer muss es ja mal sagen"-Mackertum, das bereits eine andere Person bemerkt hat, einzuordnen. Das betrifft aber eher die Tonalität des Buches, die dennoch zu enorm treffenden Feststellungen über die Mängel profeministischer Praxis findet. Gerade entscheide ich mich dazu, die guten Argumente höher zu werten, die sich vor allem auf die Barrieren tatsächlicher kritischer Auseinandersetzung mit Männlichkeit* und die Schwächen eines eher selbsttherapeutischen Profeminismus beziehen, der für die breite Anschlussfähigkeit schmackhaft gemacht wird ("Feminismus tut auch Männern gut"), anstatt wirklich dorthin zu gehen, wo es weh tut, um daraus konkrete, organisierte Konsequenzen zu ziehen. Das wütende Seufzen über die mangelnde Breitenwirksamkeit einer kritisch-negativen Männlichkeits*-Arbeit, der Ärger darüber, dass profeministische Life Advice im Mainstream deutlicher verfängt (wenn auch ebenfalls nicht ausreichend) als tatsächliche Konfrontation mit potenzieller oder tatsächlicher Täterschaft spricht mir aus der Seele; genauso die Irritation, dass Männer* offenbar keinen Bedarf daran sehen, sich nachhaltig für das Verfolgen von und Beteiligen an feministische Zielen zu organisieren. Den Versuch einer Radikalisierung durch den Verrat an Männlichkeit*, durch das Inkaufnehmen des Unverständnisses, dass einem von anderen cis Männern* entgegenschlagen könnte, würde man(n) Täterschaft oder misogynes Verhalten outcallen, anstatt in männerbündlerische Betroffenheit und Angst vor fehlender Solidarität zu verfallen - all das fand ich beim Lesen mehr als erfrischend und inspirierend. Und dafür gibt es die Sterne, egal, ob mir Possters Tonalität sympathisch ist oder nicht. Eine Schwäche der Argumentation des Buches sehe ich lediglich darin, dass Posster zwar klare Umrisse zu seinen Überlegungen einer Alternative zum Profeminismus formuliert, letztlich aber nie wirklich beantwortet, wie jenseits kollektiver Praktiken wie Ausschluss, Sanktionierung, etc. eine Verantwortungsübernahme im Fall einer Täterschaft aussehen kann. Sexualisierte Gewalt ist eine Straftat, selbst wenn ihre juristische Verfolgung oft lächerlich patriarchal verläuft (sh. Bettina Wilpert, Nichts was uns passiert). Wie soll im Fall eines gewaltvollen Übergriffs tatsächlich Verantwortung übernommen werden: dadurch, sich freiwillig dem Recht auszuliefern und die Tat zu gestehen? Nur in Praktiken kollektiver Organisierung kann das Problem der Täterschaft doch nicht aufgelöst werden. Wo ist dann im Text aber dann die Forderung nach einer feministischen Reform des Strafrechts und einer feministischen Praxis der Rechtssprechung? Wäre das nach Lektüre von Christina Clemm, die Posster ja auch gelesen hat, nicht konsequent, diesem Argument nachzugehen? Gleichzeitig kritisiert Posster Praktiken einer "restorative justice", da sie (manchmal in einer Art christlichem Vergebungsglauben) in ihrem aktiven Dialog mit Tätern ("Schimpfen und dabei Händchen halten") diesen zu oft die Möglichkeit gäbe, sich in das Narrativ zu verziehen, sie wären Opfer ihrer selbst und nicht Menschen, die sich bewusst zu ihrer Tat entschieden haben. Das ist ein richtiger Kritikpunkt. Andererseits: Gegen die institutionalisierte Verfolgung durch Rechtssprechung wird beispielsweise in Amerika auch eingewandt, dass mit der Forderung einer Radikalisierung der Strafverfolgung möglicherweise auch die diskriminierenden Strukturen des Rechts, von dem schnelles Handeln eingefordert wird, übernommen werden könnten. Auch ein relevanter Punkt. So gerne ich das Buch gelesen habe, so sehr ich mich darin sowohl wiedergefunden als auch ertappt gefühlt habe - so sehr verbleibt mir das Buch an dieser Stelle im Dunstkreis einer Kritik an linkskollektiven Organisationen und fragt zu wenig danach, wie alternative übergeordnete Institutionen aussehen könnten, in denen eine "Verantwortungsübernahme" (die sich ja nicht in bloßer Entschuldigung und Besserungsbeteuerungen oder Akzeptanz von sozialem Ausschluss erschöpfen kann) notwendig ist, sich nicht vor ihr versteckt werden kann, in der keinesfalls Taten auf aufgrund "mangelnder Beweislage" (sh. Till Lindemann) nicht weiterverfolgt werden. Aber vielleicht wäre das auch ein Thema für ein nächstes Buch.







