Königreich der Angst
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Martha Nussbaum ist die einflussreichste Philosophin der Gegenwart. Die Professorin an der University of Chicago wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Kyoto-Preis, der als Nobelpreis der Philosophie gilt. Außerdem erhielt sie den mit einer Million Dollar dotierten Berggruen-Preis. Die bekennende Musik-Liebhaberin wurde besonders bekannt durch ihre Arbeiten zum Thema Emotionen.
Beiträge
"The Monarchy of Fear" ist als Titel noch unmissverständlicher als der deutsche - in Anlehnung an Freuds Idee, ein Baby als König zu beschreiben, das von seinen Untertanen - den Eltern - alles verlangt, beschreibt Nussbaum in 2/3 dieses Buchs das Gefühl "Angst" als destruktives, aber zugleich sehr grundlegendes Gefühl von Menschen. Psychologisch untermauert sie also ihre Ansicht, dass Angst DAS Grundgefühl von Menschen ist, und zwar die Angst vor Schmerzen, Hunger usw. Alle Menschen gewinnen eine Kontrolllust aus dem Problem der Verlorenheit, sie sind vom ersten Tag ihres Lebens abhängig von anderen Menschen. Ab einer gewissen Zeit verbindet sich diese generelle Angst mit der etwas spezifischeren, nämlich der Angst vor dem eigenen Tod. Weil aber Ängste Kontrollverlust voraussetzen und -lust nach sich ziehen, ist Angst ein destruktives Gefühl und gefährlich für die Menschen. Also muss man dieses Gefühl philosophisch kritisieren und schauen, wie man es vermindern kann. Die politische Implikation von Angst ist dann nämlich, folgt man dieser Idee, tatsächlich eine "Monarchie", man will andere kontrollieren. Und gleichzeitig verabscheut man andere und verbindet diese Abscheu mit einem Ekel, der sich dann so verfestigen kann, dass er sich körperlich äußert. Aus uranfänglicher Angst wird so ein Ekel gegen andere Körper und Körperflüssigkeiten. So kann Nussbaum die Kritik an dem sich konstruierenden Gefühl Angst schlüssig mit der Kritik an Rassismus und Homophobie verbinden, die das Gefühl Ekel konstruieren. Gefühle sind somit eingeübte Ausdrücke von Vorstellungen, die Menschen sich machen, aber oft zurückführbar sind - auf Allgemeinmenschliches, auf ihre Kindheit, oder auf Prägungen oder Ideologien ihres Umfelds. Deswegen müssen sie auch kritisiert werden - um das Miteinander im Privaten, aber vor allem politischen Bereich zu verbessern. Deswegen bietet Nussbaum auch einen positiven Ausweg an - Hoffnung als Gefühl ist das Gegenstück von Angst, insoweit es sich auch nicht auf einen realen Zustand bezieht, sondern sich nur aus fiktiven Vorstellungen einzelner Menschen nährt (aber eben dadurch dann das Verhalten dieser Menschen ändern kann). Nussbaum glaubt (immer noch? zurecht?) daran, dass politische Kommunikation wie die ihrer drei Säulenheiligen Mandela, King und Gandhi tatsächlich Angst, Ekel, Rassismus, Homophobie und aus Angst geborene monarchistische, antidemokratische Bestrebungen überwinden kann. Sie schreibt unkonventionell - erzählt das Broadway-Musical Hamilton nach, erwähnt Privates von ihrer eigenen jüdisch-religiösen, ihr Hoffnung gebenden Praxis (oder von ihren vergangenen Ehen), wiederholt Vieles aus vergangenen Werken (bspw. das sie beschäftigende Thema des Hindunationalismus, des Speziesismus, ihrer besonderen, weil universalistisch-liberalen Position im Feminismus, ihr universalistisch, sich auf Literatur aufbauendes universalistisches Modell des Menschseins (immer noch ihr verwunderlichster, grandiosester Befähigungsansatz, 11 Elemente, die nach ihr Menschsein ausmachen), ihre Kritik am Gefühl "Zorn") und begegnet einigen philosophischen Klassikern vielleicht ein bisschen zu sehr auf Augenhöhe (statt sie einzuordnen und zu analysieren). Doch ihr weder akademisch-systematisierender noch essayistischer, sondern assoziativ-argumentativer Stil (von einem göttinger Philosophiestudenten mal zu Unrecht despektierlich als "feuilletonistisch" bezeichnet, als läge in seinem Hausarbeiten-Fußnoten-Fremdwörter-Stil der einzige Weg zur philosophischen Wahrheit) schafft Gedankengänge, über die man sich freuen kann. Ihre konkretester Vorschlag: alle jungen Menschen sollten 3 Jahre lang eine soziale Arbeit in einer Art Freiwilligendienst in einem andern sozialen und regionalen Umfeld ausüben, als sie es bisher kennen - dies würde Angst vor "anderem" am Nachhaltigsten bekämpfen.
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Autorenbeschreibung
Martha Nussbaum ist die einflussreichste Philosophin der Gegenwart. Die Professorin an der University of Chicago wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Kyoto-Preis, der als Nobelpreis der Philosophie gilt. Außerdem erhielt sie den mit einer Million Dollar dotierten Berggruen-Preis. Die bekennende Musik-Liebhaberin wurde besonders bekannt durch ihre Arbeiten zum Thema Emotionen.
Beiträge
"The Monarchy of Fear" ist als Titel noch unmissverständlicher als der deutsche - in Anlehnung an Freuds Idee, ein Baby als König zu beschreiben, das von seinen Untertanen - den Eltern - alles verlangt, beschreibt Nussbaum in 2/3 dieses Buchs das Gefühl "Angst" als destruktives, aber zugleich sehr grundlegendes Gefühl von Menschen. Psychologisch untermauert sie also ihre Ansicht, dass Angst DAS Grundgefühl von Menschen ist, und zwar die Angst vor Schmerzen, Hunger usw. Alle Menschen gewinnen eine Kontrolllust aus dem Problem der Verlorenheit, sie sind vom ersten Tag ihres Lebens abhängig von anderen Menschen. Ab einer gewissen Zeit verbindet sich diese generelle Angst mit der etwas spezifischeren, nämlich der Angst vor dem eigenen Tod. Weil aber Ängste Kontrollverlust voraussetzen und -lust nach sich ziehen, ist Angst ein destruktives Gefühl und gefährlich für die Menschen. Also muss man dieses Gefühl philosophisch kritisieren und schauen, wie man es vermindern kann. Die politische Implikation von Angst ist dann nämlich, folgt man dieser Idee, tatsächlich eine "Monarchie", man will andere kontrollieren. Und gleichzeitig verabscheut man andere und verbindet diese Abscheu mit einem Ekel, der sich dann so verfestigen kann, dass er sich körperlich äußert. Aus uranfänglicher Angst wird so ein Ekel gegen andere Körper und Körperflüssigkeiten. So kann Nussbaum die Kritik an dem sich konstruierenden Gefühl Angst schlüssig mit der Kritik an Rassismus und Homophobie verbinden, die das Gefühl Ekel konstruieren. Gefühle sind somit eingeübte Ausdrücke von Vorstellungen, die Menschen sich machen, aber oft zurückführbar sind - auf Allgemeinmenschliches, auf ihre Kindheit, oder auf Prägungen oder Ideologien ihres Umfelds. Deswegen müssen sie auch kritisiert werden - um das Miteinander im Privaten, aber vor allem politischen Bereich zu verbessern. Deswegen bietet Nussbaum auch einen positiven Ausweg an - Hoffnung als Gefühl ist das Gegenstück von Angst, insoweit es sich auch nicht auf einen realen Zustand bezieht, sondern sich nur aus fiktiven Vorstellungen einzelner Menschen nährt (aber eben dadurch dann das Verhalten dieser Menschen ändern kann). Nussbaum glaubt (immer noch? zurecht?) daran, dass politische Kommunikation wie die ihrer drei Säulenheiligen Mandela, King und Gandhi tatsächlich Angst, Ekel, Rassismus, Homophobie und aus Angst geborene monarchistische, antidemokratische Bestrebungen überwinden kann. Sie schreibt unkonventionell - erzählt das Broadway-Musical Hamilton nach, erwähnt Privates von ihrer eigenen jüdisch-religiösen, ihr Hoffnung gebenden Praxis (oder von ihren vergangenen Ehen), wiederholt Vieles aus vergangenen Werken (bspw. das sie beschäftigende Thema des Hindunationalismus, des Speziesismus, ihrer besonderen, weil universalistisch-liberalen Position im Feminismus, ihr universalistisch, sich auf Literatur aufbauendes universalistisches Modell des Menschseins (immer noch ihr verwunderlichster, grandiosester Befähigungsansatz, 11 Elemente, die nach ihr Menschsein ausmachen), ihre Kritik am Gefühl "Zorn") und begegnet einigen philosophischen Klassikern vielleicht ein bisschen zu sehr auf Augenhöhe (statt sie einzuordnen und zu analysieren). Doch ihr weder akademisch-systematisierender noch essayistischer, sondern assoziativ-argumentativer Stil (von einem göttinger Philosophiestudenten mal zu Unrecht despektierlich als "feuilletonistisch" bezeichnet, als läge in seinem Hausarbeiten-Fußnoten-Fremdwörter-Stil der einzige Weg zur philosophischen Wahrheit) schafft Gedankengänge, über die man sich freuen kann. Ihre konkretester Vorschlag: alle jungen Menschen sollten 3 Jahre lang eine soziale Arbeit in einer Art Freiwilligendienst in einem andern sozialen und regionalen Umfeld ausüben, als sie es bisher kennen - dies würde Angst vor "anderem" am Nachhaltigsten bekämpfen.




