Klasse Frauen
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Andrea Kerstinger, geb. 1976, wuchs in Klingenbach auf und wohnt mit ihrer Familie in Nikitsch (Burgenland). Zahlreiche Auslandsaufenthalte, Lehramtsstudium Deutsch und Französisch. Neben der Literaturvermittlung (als Gymnasiallehrerin, ehrenamtliche Bibliothekarin und bei Radio MORA) widmet sich Andrea Kerstinger dem Schreiben (Kurz- und Kürzestprosa, Aphorismen, Experimentelles und Lyrisches). Etliche ihrer Texte wurden bereits in Anthologien und Literaturzeitschriften (DUM, etcetera, &radieschen, Cognac&Biskotten) veröffentlicht, einige wurden auch mit Preisen ausgezeichnet. Zwei Bände mit Kurzgeschichten bzw. Gedichten sind im Verlag edition lex liszt 12 erschienen. Kerstinger ist Mitglied der ≠igfem und der GAV. Klasse Frauen ist ihr erster Roman.
Beiträge
Viele Leben, viele Fragen: Ein Blick hinter die Fassaden
„Am Rande meiner Texte bleiben die Sätze unvollständig. Am Rande meiner Sätze bleiben nur Fragezeichen stehen. Am Rande meiner Wörter bleiben immer nur Leerstellen. Am Rande meiner Buchstaben bleiben die Laute sich selbst überlassen. Am Rande bleibe immer nur ich.“ **** Mein Eindruck **** Ich finde, der grundlegende Gedanke dieses Buches lässt sich sehr gut mit dem obigen Zitat zusammenfassen. Im Mittelpunkt stehen Frauen einer ehemaligen Schulklasse, inzwischen mitten im Leben. Erschöpft vom Alltag, kämpfend mit ihren eigenen Geschichten, manchmal versteckt hinter Fassaden, manchmal unehrlich zu sich selbst. In vielerlei Hinsicht ähnlich und doch nach außen hin vollkommen unterschiedlich. Das Buch zeigt eine Vielzahl an Lebensrealitäten. Es spiegelt Gedanken, Eindrücke und innere Monologe wider und macht deutlich, dass hinter vielen scheinbar geordneten Leben ganz andere Gefühle und Konflikte verborgen liegen. Genau darin liegt eine große Stärke der Geschichte. Sie lädt dazu ein, kurz innezuhalten, über einzelne Figuren nachzudenken und sich mit ihren Gedankenwelten auseinanderzusetzen. Der Titel des Buches wirkt allerdings etwas irreführend. Das eigentliche Klassentreffen findet im Verlauf der Geschichte letztlich gar nicht mehr statt. Stattdessen bleiben die Frauen mit ihren eigenen Geschichten und Erinnerungen zurück. Es sind Momentaufnahmen aus einem Hier und Jetzt, teilweise lose miteinander verbunden, manchmal eher oberflächlich verknüpft und in einzelnen Passagen durchaus tiefgründig reflektiert. Mir persönlich hat dabei etwas gefehlt. Ich hätte mir mehr Austausch zwischen den Figuren gewünscht, mehr Entwicklung und vor allem mehr Dialog. Viele Geschichten bleiben eher für sich stehen, was zwar zum Konzept passt, mich emotional aber etwas auf Distanz gehalten hat. Der Grundgedanke hinter dem Buch ist wirklich interessant und regt zum Nachdenken an. Man kann sich in einzelne Lebenssituationen hineinversetzen und darüber reflektieren. Für mich blieb diese Verbindung jedoch etwas zu schwach. Ich habe mich in den einzelnen Schicksalen nicht wirklich wiedergefunden und dadurch insgesamt etwas Abstand zur Geschichte behalten. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, dass andere Leser*innen hier deutlich stärker andocken. Gerade wer Freude an introspektiven, nachdenklichen Texten über Lebensrealitäten und Selbstreflexion hat, könnte mit diesem Buch sehr viel anfangen. Die Botschaft am Ende des Buches ist großartig, dafür hat sich das Lesen definitiv gelohnt. **** Empfehlung **** Für Leser*innen, die ruhige, reflektierende Geschichten über unterschiedliche Lebenswege und weibliche Perspektiven mögen.
Ein vielstimmiges Portrait von Frauen in der Mitte ihres Lebens
Der Debüt – Roman Klasse Frauen von Andrea Kerstinger entwickelt sich aus einer unscheinbaren Geste: Rebekka stößt ein Maturatreffen an und setzt damit Erinnerungen, Fragen und längst sedimentierte Gefühle in Bewegung. Was folgt, ist kein geradliniges Wiedersehen, sondern ein vielschichtiges Echo vergangener Jahre. Die Frauen, einst durch Schulzeit und Herkunft verbunden, haben sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Ihre Lebensentwürfe tragen Spuren von Entscheidungen, die verteidigt, und von Erinnerungen, die lieber verschwiegen wurden. Im Wiederauftauchen dieser Vergangenheit beginnen Gewissheiten zu bröckeln. Der Raum des Burgenland wird dabei zur erzählerischen Landschaft, in der sich Biografien verzweigen. Sprachliche Vielfalt durchzieht den Text wie ein lebendiger Unterstrom: Burgenland-Kroatisch, Ungarisch, Hianzisch, Dialekte, Romani und Ukrainisch verleihen den Stimmen Eigenklang und verankern die Figuren tief in ihrer Region. Das eigentliche Treffen bleibt eine Leerstelle. Es ist ausgespart, doch allgegenwärtig und existiert als Möglichkeit, als Projektion, als innerer Schauplatz, an dem sich Begegnung, Konfrontation und vielleicht Versöhnung ereignen könnten. Ein zentrales Motiv in diesem Debüt ist die leise, oft brüchige Kraft weiblicher Solidarität. Viele der Figuren tragen ihre Lasten zunächst allein, verharren in gewohnten Mustern des Schweigens oder der Selbstbehauptung. Und doch schwingt durch den Text eine beharrliche Sehnsucht nach Verbundenheit. Andrea Kerstinger zeichnet dabei kein idealisiertes Bild von Zusammenhalt, sondern zeigt, wie Konkurrenzdenken, unausgesprochene Vorurteile und alte Verletzungen trennende Linien ziehen. Gerade in diesen Spannungen wird jedoch sichtbar, wie viel leichter das Leben sein könnte, würden die Frauen einander nicht als Gegenüber, sondern als Verbündete begreifen. Klasse Frauen ist ein sensibles, vielstimmiges Porträt von vierzehn Frauen in der Mitte ihres Lebens. Getragen von leiser Solidarität, durchzogen von Brüchen und Widersprüchen, und fest verwurzelt in einer gemeinsamen Herkunft, die sie zugleich verbindet und herausfordert. Der Roman entfaltet so die Vorstellung eines Miteinanders, das nicht selbstverständlich ist, sondern erst errungen werden muss. Durch Offenheit, durch das Teilen von Erfahrungen und durch die Bereitschaft, einander Raum zu geben. In dieser leisen, aber eindringlichen Botschaft liegt sein humaner Kern: dass echte Stärke dort entsteht, wo Frauen einander tragen, statt sich voneinander abzugrenzen. Leseempfehlung!
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Andrea Kerstinger, geb. 1976, wuchs in Klingenbach auf und wohnt mit ihrer Familie in Nikitsch (Burgenland). Zahlreiche Auslandsaufenthalte, Lehramtsstudium Deutsch und Französisch. Neben der Literaturvermittlung (als Gymnasiallehrerin, ehrenamtliche Bibliothekarin und bei Radio MORA) widmet sich Andrea Kerstinger dem Schreiben (Kurz- und Kürzestprosa, Aphorismen, Experimentelles und Lyrisches). Etliche ihrer Texte wurden bereits in Anthologien und Literaturzeitschriften (DUM, etcetera, &radieschen, Cognac&Biskotten) veröffentlicht, einige wurden auch mit Preisen ausgezeichnet. Zwei Bände mit Kurzgeschichten bzw. Gedichten sind im Verlag edition lex liszt 12 erschienen. Kerstinger ist Mitglied der ≠igfem und der GAV. Klasse Frauen ist ihr erster Roman.
Beiträge
Viele Leben, viele Fragen: Ein Blick hinter die Fassaden
„Am Rande meiner Texte bleiben die Sätze unvollständig. Am Rande meiner Sätze bleiben nur Fragezeichen stehen. Am Rande meiner Wörter bleiben immer nur Leerstellen. Am Rande meiner Buchstaben bleiben die Laute sich selbst überlassen. Am Rande bleibe immer nur ich.“ **** Mein Eindruck **** Ich finde, der grundlegende Gedanke dieses Buches lässt sich sehr gut mit dem obigen Zitat zusammenfassen. Im Mittelpunkt stehen Frauen einer ehemaligen Schulklasse, inzwischen mitten im Leben. Erschöpft vom Alltag, kämpfend mit ihren eigenen Geschichten, manchmal versteckt hinter Fassaden, manchmal unehrlich zu sich selbst. In vielerlei Hinsicht ähnlich und doch nach außen hin vollkommen unterschiedlich. Das Buch zeigt eine Vielzahl an Lebensrealitäten. Es spiegelt Gedanken, Eindrücke und innere Monologe wider und macht deutlich, dass hinter vielen scheinbar geordneten Leben ganz andere Gefühle und Konflikte verborgen liegen. Genau darin liegt eine große Stärke der Geschichte. Sie lädt dazu ein, kurz innezuhalten, über einzelne Figuren nachzudenken und sich mit ihren Gedankenwelten auseinanderzusetzen. Der Titel des Buches wirkt allerdings etwas irreführend. Das eigentliche Klassentreffen findet im Verlauf der Geschichte letztlich gar nicht mehr statt. Stattdessen bleiben die Frauen mit ihren eigenen Geschichten und Erinnerungen zurück. Es sind Momentaufnahmen aus einem Hier und Jetzt, teilweise lose miteinander verbunden, manchmal eher oberflächlich verknüpft und in einzelnen Passagen durchaus tiefgründig reflektiert. Mir persönlich hat dabei etwas gefehlt. Ich hätte mir mehr Austausch zwischen den Figuren gewünscht, mehr Entwicklung und vor allem mehr Dialog. Viele Geschichten bleiben eher für sich stehen, was zwar zum Konzept passt, mich emotional aber etwas auf Distanz gehalten hat. Der Grundgedanke hinter dem Buch ist wirklich interessant und regt zum Nachdenken an. Man kann sich in einzelne Lebenssituationen hineinversetzen und darüber reflektieren. Für mich blieb diese Verbindung jedoch etwas zu schwach. Ich habe mich in den einzelnen Schicksalen nicht wirklich wiedergefunden und dadurch insgesamt etwas Abstand zur Geschichte behalten. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, dass andere Leser*innen hier deutlich stärker andocken. Gerade wer Freude an introspektiven, nachdenklichen Texten über Lebensrealitäten und Selbstreflexion hat, könnte mit diesem Buch sehr viel anfangen. Die Botschaft am Ende des Buches ist großartig, dafür hat sich das Lesen definitiv gelohnt. **** Empfehlung **** Für Leser*innen, die ruhige, reflektierende Geschichten über unterschiedliche Lebenswege und weibliche Perspektiven mögen.
Ein vielstimmiges Portrait von Frauen in der Mitte ihres Lebens
Der Debüt – Roman Klasse Frauen von Andrea Kerstinger entwickelt sich aus einer unscheinbaren Geste: Rebekka stößt ein Maturatreffen an und setzt damit Erinnerungen, Fragen und längst sedimentierte Gefühle in Bewegung. Was folgt, ist kein geradliniges Wiedersehen, sondern ein vielschichtiges Echo vergangener Jahre. Die Frauen, einst durch Schulzeit und Herkunft verbunden, haben sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Ihre Lebensentwürfe tragen Spuren von Entscheidungen, die verteidigt, und von Erinnerungen, die lieber verschwiegen wurden. Im Wiederauftauchen dieser Vergangenheit beginnen Gewissheiten zu bröckeln. Der Raum des Burgenland wird dabei zur erzählerischen Landschaft, in der sich Biografien verzweigen. Sprachliche Vielfalt durchzieht den Text wie ein lebendiger Unterstrom: Burgenland-Kroatisch, Ungarisch, Hianzisch, Dialekte, Romani und Ukrainisch verleihen den Stimmen Eigenklang und verankern die Figuren tief in ihrer Region. Das eigentliche Treffen bleibt eine Leerstelle. Es ist ausgespart, doch allgegenwärtig und existiert als Möglichkeit, als Projektion, als innerer Schauplatz, an dem sich Begegnung, Konfrontation und vielleicht Versöhnung ereignen könnten. Ein zentrales Motiv in diesem Debüt ist die leise, oft brüchige Kraft weiblicher Solidarität. Viele der Figuren tragen ihre Lasten zunächst allein, verharren in gewohnten Mustern des Schweigens oder der Selbstbehauptung. Und doch schwingt durch den Text eine beharrliche Sehnsucht nach Verbundenheit. Andrea Kerstinger zeichnet dabei kein idealisiertes Bild von Zusammenhalt, sondern zeigt, wie Konkurrenzdenken, unausgesprochene Vorurteile und alte Verletzungen trennende Linien ziehen. Gerade in diesen Spannungen wird jedoch sichtbar, wie viel leichter das Leben sein könnte, würden die Frauen einander nicht als Gegenüber, sondern als Verbündete begreifen. Klasse Frauen ist ein sensibles, vielstimmiges Porträt von vierzehn Frauen in der Mitte ihres Lebens. Getragen von leiser Solidarität, durchzogen von Brüchen und Widersprüchen, und fest verwurzelt in einer gemeinsamen Herkunft, die sie zugleich verbindet und herausfordert. Der Roman entfaltet so die Vorstellung eines Miteinanders, das nicht selbstverständlich ist, sondern erst errungen werden muss. Durch Offenheit, durch das Teilen von Erfahrungen und durch die Bereitschaft, einander Raum zu geben. In dieser leisen, aber eindringlichen Botschaft liegt sein humaner Kern: dass echte Stärke dort entsteht, wo Frauen einander tragen, statt sich voneinander abzugrenzen. Leseempfehlung!






