Josses Tal
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Angelika Rehse wurde in Sande / Kreis Friesland geboren und wohnt heute mit ihrer Familie in Bad Salzuflen. Sie wuchs in einem Umfeld von Heimatvertriebenen auf. Unter dem Eindruck der erzählten und lang verschwiegenen Geschichten der Generation ihrer Eltern, hat sie in einer späten Lebensphase mit „Josses Tal“ einen poetisch kraftvollen und politisch hellsichtigen Roman geschrieben.
Beiträge
immer noch aktuell
Schlesien 1930, Josef entstammt einer unehelichen Beziehung und ist die Schande der Familie. Dies lässt ihn sein Großvater auch regelmäßig durch Schläge spüren. Die Familie hält das Gerede im Dorf nicht mehr aus und beschließt dieses zu verlassen. Als sie mit Sack und Pack am neuen Wohnort ankommen gibt es zur Begrüßung wieder Schläge vom Großvater. Doch kommt Josef der Nachbar Wilhelm zur Hilfe. Dieser ist bei der SA und flößt dem Großvater Respekt bzw. Angst ein. Ab dem Zeitpunkt ist Josef öfter Gast bei Wilhelms Familie. Dort lernt er sich um Kaninchen zu kümmern und beginnt diese zu züchten, womit er sein eigenes Geld verdient. Josef ist so fasziniert von Wilhelm, welcher in Berlin Medizin studiert, dass es für Wilhelm ein leichtes ist Josef für sich einzuspannen. Er gibt ihm immer wieder Aufträge die Dorfbewohner zu bespitzeln. Und Josef tut was er sagt. Doch je älter Josef wird und der Krieg über sie hereinbricht stellt er sich die Frage, ob das alles richtig ist. Was wird er tun? Und wer ist sein Vater? Angelika Rehse hat in ihrem Buch sehr gut beschrieben, wie leicht Menschen beeinflussbar sind, gerade wenn sie sich in ausweglosen Situationen befinden. Sie beschreibt eben so gut, wie schrecklich Menschen zu einander sind. Der Inhalt des Buches ist leider immer noch so aktuell, dass man es gelesen haben muss, um zu verhindern, dass Geschichte sich wiederholt. Ich durfte Josses Tal als Rezensionsexemplar lesen und es ist eine klare Empfehlung.
Gutes und wichtiges Thema, wo aber mMn noch Luft nach oben beim Schreibstil und beim Handlungsaufbau ist
Seien wir ehrlich: Ohne die Lesechallenge eines Rezensionsportals wäre ich vermutlich nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden. Denn das Cover ist zumindest für meinen Geschmack einfach zu unauffällig, um aus einer Masse an Büchern hervorzustechen. Ich lese jedoch immer wieder mal Bücher, die sich mit dieser Zeit beschäftigen, deswegen konnte mich der Klappentext durchaus für das Buch begeistern. Die ersten Seiten habe ich dann auch recht flott verschlungen, wo man den jungen Josef und seine Familie kennenlernt, dann die erste Begegnung mit Wilhelm Reckzügel, der es nicht schwer hat, den kleinen Jungen für sich einzunehmen. Ich denke, das war der Teil, wo ich wohl am meisten mit dem Kind mitgelitten habe - im Zeitalter von Patchwork-Familien und unverheirateten Paaren ist es wohl nur noch schwer vorstellbar, wie sehr ein Kind in dieser Zeit ohne Vater ausgegrenzt wurde... Je mehr ich allerdings in die Geschichte eingetaucht bin, desto schwerer habe ich mich mit dem Aufbau des Buchs und dem Schreibstil getan. Die vielen direkten Gedankeneinschübe in die Dialoge hinein zum Beispiel haben es manchmal schwierig gemacht auseinanderzuhalten, was wirklich gesprochen wurde und was sich die Figuren nur gedacht haben. Hier wäre definitiv weniger mehr gewesen. Dass die einzelnen Kapitel mit Jahreszahlen und Monaten überschrieben waren, fand ich gut. So wusste man immer, wo zeitlich die einzelnen Erlebnisse einzuordnen waren und wie alt Josef zu dieser Zeit war. Trotzdem hat genau dies auch bei mir einige Fragen ausgelöst: Warum beispielsweise gab es kein Kapitel, wo die Machtergreifung Hitlers thematisiert wurde? Manche Themen wurden für meinen Geschmack irgendwie einfach ausgeklammert, während andere sogar mehrmals aufgegriffen wurden (beispielsweise die Bücherverbrennung). Was ich mich auch gefragt habe, war, warum der Krieg so wenig Raum bekommen hat, ich kann mir beispielsweise nicht vorstellen, dass nicht auch hier junge Männer eingezogen wurden... Stalingrad kommt in diesem Kontext überhaupt nur ganz am Rande vor. Hier hätte ich mir wirklich gewünscht, dass im Nachwort noch ein wenig mehr Sach-Informationen zu den im Roman verarbeiteten Themen geliefert worden wären. Ich habe hier auf eigene Faust noch ein wenig recherchiert und es hat mich sehr betroffen gemacht, was beispielsweise mit der deutschen Bevölkerung nach 1945 passiert ist. Aber gut, zurück zur Geschichte: So gut mir der Anfang gefallen hat, so wenig glücklich war ich mit dem Schluss. Denn der wirkte auf mich doch etwas überhastet heruntergeschrieben. In zwei Kapiteln wird mehr oder weniger alles auf den Kopf gestellt und die Grundlagen für die Kapitel in 2004 gelegt. Etwas weniger Tempo hätte hier der Geschichte gut getan. Ich habe schlussendlich dieses Buch zugeklappt mit der Erkenntnis, dass nicht alle offenen Fragen wirklich eine Antwort erhalten haben. Die drängendste davon war wohl die Frage nach dem Schicksal von Josses Vater - hier hätte ich noch gerne erfahren, was Josse über ihn erfahren hat. Fazit: "Josses Tal" ist thematisch ein wichtiges und nützliches Buch, aber an der Umsetzung hat es in meinen Augen doch an der einen oder anderen Stelle gehapert. Trotzdem ziehe ich meinen Hut vor der Leistung der Autorin, sich in fortgeschrittenem Lebensalter dieses Themas angenommen zu haben.
Eine aufwühlende und psychologisch interessante Geschichte über Prägung und Machtmissbrauch, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Wie und warum wird ein Mensch böse? Welche Mechanismen sorgen dafür, dass aus Arglosigkeit Hass wird?
1930. Wir begleiten den 5-jährigen Josef Tomulka, der mit seiner Mutter und den Großeltern ins das kleine Dorf Dorotheenthal im niederschlesischen Landkreis Reichenbach zieht. Liebe und Geborgenheit, das kennt er nicht. Dafür weiss er ganz genau, was Schmerzen sind, denn sein Großvater lässt ihn fast täglich spüren, dass er, das uneheliche Kind, eine Familienschande ist. Auch seine Mutter Helene nimmt ihn nicht in Schutz und verwehrt ihm die so notwendige Zuneigung. Seine Sehnsucht nach Wertschätzung und Anerkennung ist immens. Einzig der Nachbar Wilhelm Reckzügel, Medizinstudent in Berlin, erkennt dieses Bedürfnis. Er ist für Josef da, hört ihm zu, bietet ihm Freundschaft und Schutz. Er fördert Josef bei der Hasenzucht, für das er ein Händchen hat, glaubt an ihn. Was Josef in seinem plötzlichen Glück nicht merken kann: wie manipulativ Wilhelm ist und Josef über die Jahre ganz geschickt in gewisse Bahnen lenkt, falsches Gedankengut sät und diese Saat mit Zuwendung und Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt düngt. 1935 sorgt er dafür, dass Josef als Pimpf ins Jungvolk der Hitler-Jugend aufgenommen wird und schenkt ihm Hut und Uniform. Sein bis dahin nicht vorhandenes Selbstbewusstsein bekommt einen gehörigen Schub. „Es war genauso, wie Wilhelm es angekündigt hatte. Ab heute würde ihn keiner mehr spöttisch ansehen.“ Er wird zum Spion in Kinderschuhen, darf mit Wilhelm nach Berlin reisen und wird „einer von ihnen“, glaubt, was sein Mentor ihm predigt. Als seine Mutter im Sterben liegt, offenbart sie Josef ein Geheimnis, dass den bis dahin schon tief geprägten Jungen aus der Bahn wirft. Keiner darf erfahren, was er nun weiß! Doch kann er diese fatale Offenbarung vor Wilhelm geheim halten? Angelika Rehse (74) wuchs in einem Umfeld von Heimatvertriebenen auf. Unter dem Eindruck der erzählten und lang verschwiegenen Geschichten der Generation ihrer Eltern, begann sie in einer späten Lebensphase das Schreiben und legt mit #JossesTal ein beeindruckendes literarisches Debüt vor. Um den Ereignissen gerecht zu werden, verbrachte sie viel Zeit im ehemaligen Schlesien, Im Archiv und Bibliotheken und wurde bei ihrer Recherche von Zeitzeugen und Historikern unterstützt. Entstanden ist dabei eine aufwühlende und psychologisch interessante Geschichte über Prägung und Machtmissbrauch, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Wie und warum wird ein Mensch böse? Welche Mechanismen sorgen dafür, dass aus Arglosigkeit Hass wird? Angelika Rehse nimmt sich dieser Frage an und zeigt uns anhand ihrer jungen Figur Josef, warum die Saat des Nationalsozialismus so gut gedeihen konnte (was leider auch heute noch funktioniert). Ein wichtiges und sehr lesenswertes Debüt! Zitat aus dem Interview mit Angelika Rehse: „Es ist leider eine Tatsache, dass nicht in allen Köpfen ein konsequentes Umdenken, Abrücken von Schönfärberei und ehrlicher Geschichtsaufarbeitung stattgefunden hat, dass noch immer Zeiten wie diese glorifiziert und zurückgewünscht werden. So soll mein Buch auch eine Mahnung zu den vielen Parallelen zum Jetzt sein, die Gier nach Macht und Unterdrückung, den menschenverachtenden Strömungen mit ihren Vorurteilen gegen jede Art des Andersseins und es soll aufzeigen, wohin familiäres, gesellschaftliches und politisches Versagen und ihre Zwänge führen können; wie verführbar nicht nur Kinder und Jugendliche sind.“

Ein brutales familiäres Umfeld in einer brutalen Zeit
Wir befinden uns in den 1930ern in einem kleinen Dorf. Dort lebt Josef, genannt Josse, bei seinem Großvater auf dessen Hof. Doch die Beziehung der beiden steht unter keinem guten Stern. Der Großvater verachtet Josse, lässt kein gutes Haar an ihm. Als eine Nachbarsfamilie sich Josse annimmt, bekommt dieser einen neuen Ziebruder, und der wird ihm zum großen Vorbild. Leider hat der Ziehbruder nicht nur gute Absichten, und kassiert Josse ein für jene Partei, die in den folgenden Jahren Europa in Atem hält. Doch irgendwann erwacht Josse, und muss erfahren, dass er sich nicht so einfach aus den Fängen befreien kann, wie er möchte. Als Erwachsener zieht er sich zurück und öffnet erst sehr spät sein erlebtes Geheimnis. Puh, dieses Buch hat einen fast sprachlos hinterlassen. Die Geschichte ist fast beklemmend, schrecklich, und doch fühlt man sich mitten drin in dieser Geschichte. Man fühlt so sehr mit mit Josse, der nach Anerkennung sucht. Die Grausamkeiten seines Ziehbruders sind unglaublich, und man möchte schreien vor Wut. Es ist eine Familiengeschichte, die mit den Wirren des Krieges eng verwoben ist. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich dieses Buch nicht aus der Hand legen konnte. Beklemmend und doch fast schaurig faszinierend will man wissen, was mit Josse genau passiert ist. Es ist keine einfache Geschichte, und doch lässt sie einen nicht mehr los. Lesenswert allemal.
Wie leicht es ist, zu verführen. Josef wollte das bestimmt nicht, doch sein erwachsener Nazifreund wickelte ihn um den Finger. Kein Wunder
Der Alte lebt in seinem norwegischen Tal zurückgezogen. Weit weg von Elektrik und Telefon. In Josses Tal. Er bereut ... Josse, oh Josse. Wenn du damals gewusst hättest, was du heute weißt, hättest du dann auch so gehandelt? Josses Tal Josse, eigentlich Josef Tomulka, ist der uneheliche Sohn von Helene. Wäre da nicht ihr rabiater Vater gewesen, der dem Bankert oft schon als Kleinkind eine mächtige Schelle verpasst hatte, hätte sie ihr Bürschlein von Anfang an lieb haben können. Aber so wollte sie es auch dem Alten recht machen und mied es, dem Jungen ihre Liebe zu zeigen. Damit das Gerede um das "rumgewischte Frauenzimmer" und ihren Sohn aufhört, zogen die Eltern mit Helene und Josef in ein kleines Dorf. Weg von dem Getratsche. Dort trafen die Tomulkas auf nette Nachbarn, die sie freundlich aufnehmen wollten. Doch der Alte Tomulka wollte keinen Kontakt. Noch dazu schlug er auf den kleinen Josef ein. Wilhelm Reckzügel, angehender Arzt und Nachbarssohn, konnte und wollte das nicht mit ansehen und nahm Josef unter seine Fittiche. Es war 1930 und Wilhelm wurde zu Josses besten Freund und Mentor. Er war es, der Josef in der HJ unterbrachte und ihn zur Bücherverbrennung nach Berlin mitnahm. Der Besuch im Tal Eine Postkarte aus dem Jahr 1945 führt Helene im Juli 2004 nach Norwegen. Sie würde gerne wissen, warum ihre Urgroßmutter damals sterben musste und hofft auf Antworten. Josef hat sich dort in ein Tal zurückgezogen. Josses Tal. Und der Alte erzählt ihr seine Geschichte von Anfang an ... "Könntest du nach all den Jahren die Zeit zurückdrehen und hättest damals gewusst, was du heute weißt ... würdest du Widerstand leisten? " "Helen, ich war Jugendlicher, ich war allein ..." Seite 92 Es ist leicht nachzuvollziehen, warum der kleine Josef zu dem geworden ist und getan hat, was er getan hat. Alleine und immer wieder gedemütigt, findet er in Wilhelm einen Beschützer, in der HJ ein Zuhause. Mitgerissen von der Zeit, wie ein Fischlein, das alleine kaum aus dem Schwarm ausbrechen kann. Hingerissen von der Liebe, die ihm Wilhelm als erwachsener Freund bietet, macht er, was von ihm gefordert wurde. Er wird von seinen Klassenkameraden anerkannt, er ist plötzlich jemand, dem man gehorcht. Dass Wilhelm ihn nur ausnutzt und ein dunkles Geheimnis des Jungen kennt, das weiß Josse natürlich nicht. Er vertraut. Das Buch liest sich sehr angenehm. Als Leser sieht man natürlich, wohin der Junge gezogen wird, hat den Vorteil, die Geschichte schon zu kennen. Dabei wird aber auch mal ausnahmsweise die Aufmerksamkeit auf die Täter gelenkt, wie sie in diesen Strudel hinein gezogen wurden. Auf die Menschen, die sich weggedreht haben, als die Nachbarn abgeholt wurden. Auf die Familien und Freunde, die die Augen und Münder geschlossen hielten als das Unrecht geschah und vielleicht sogar mitgemacht haben. Ich fand das Buch wirklich gut. Josse ist ein Sinnbild für alle diejenigen, die es nicht gemerkt haben (wollen), dass sie in einem Unrechtsstaat lebten.
Mir hat dieses Buch wahnsinnig gut gefallen, weil es ein für mich sehr spannendes Thema hat. Es geht im Großen und Ganzen darum, wie ein Kind in der Nazizeit aufwächst und von seinem erwachsenen Gönner in die Richtung geprägt und erzogen wird, in der der Gönner ihn haben will. Es wird sehr gut deutlich, wie Kinder zu Nazis erzogen wurden, welche Vorteile sie hatten, wie durchdacht das ganze System gewesen ist. Josef, der Protagonist dieses Buches, ein uneheliches Kind, dass von seinem Großvater brutal mißhandelt wird, findet in dem jungen Mann Wilhelm einen väterlichen Freund, der ihn beschützt und prägt und ihn sich so erzieht, wie er ihn haben will. Doch dann geschieht etwas in Josses Leben, dass alles verändert... Ich fand das Buch klasse. Es hat mich berührt und mitgenommen, ich fand den Schreibstil toll.
Ein lesenswertes Buch
Der Alte lebt in seinem norwegischen Tal zurückgezogen. Weit weg von Elektrik und Telefon. In Josses Tal. Er bereut … Josse, oh Josse. Wenn du damals gewusst hättest, was du heute weißt, hättest du dann auch so gehandelt? Josses Tal Josse, eigentlich Josef Tomulka, ist der uneheliche Sohn von Helene. Wäre da nicht ihr rabiater Vater gewesen, der dem Bankert oft schon als Kleinkind eine mächtige Schelle verpasst hatte, hätte sie ihr Bürschlein von Anfang an lieb haben können. Aber so wollte sie es auch dem Alten recht machen und mied es, dem Jungen ihre Liebe zu zeigen. Damit das Gerede um das „rumgewischte Frauenzimmer“ und ihren Sohn aufhört, zogen die Eltern mit Helene und Josef in ein kleines Dorf. Weg von dem Getratsche. Dort trafen die Tomulkas auf nette Nachbarn, die sie freundlich aufnehmen wollten. Doch der Alte Tomulka wollte keinen Kontakt. Noch dazu schlug er auf den kleinen Josef ein. Wilhelm Reckzügel, angehender Arzt und Nachbarssohn, konnte und wollte das nicht mit ansehen und nahm Josef unter seine Fittiche. Es war 1930 und Wilhelm wurde zu Josses besten Freund und Mentor. Er war es, der Josef in der HJ unterbrachte und ihn zur Bücherverbrennung nach Berlin mitnahm. Der Besuch im Tal Eine Postkarte aus dem Jahr 1945 führt Helene im Juli 2004 nach Norwegen. Sie würde gerne wissen, warum ihre Urgroßmutter damals sterben musste und hofft auf Antworten. Josef hat sich dort in ein Tal zurückgezogen. Josses Tal. Und der Alte erzählt ihr seine Geschichte von Anfang an … „Könntest du nach all den Jahren die Zeit zurückdrehen und hättest damals gewusst, was du heute weißt … würdest du Widerstand leisten? “ „Helen, ich war Jugendlicher, ich war allein …“ Seite 92 Es ist leicht nachzuvollziehen, warum der kleine Josef zu dem geworden ist und getan hat, was er getan hat. Alleine und immer wieder gedemütigt, findet er in Wilhelm einen Beschützer, in der HJ ein Zuhause. Mitgerissen von der Zeit, wie ein Fischlein, das alleine kaum aus dem Schwarm ausbrechen kann. Hingerissen von der Liebe, die ihm Wilhelm als erwachsener Freund bietet, macht er, was von ihm gefordert wurde. Er wird von seinen Klassenkameraden anerkannt, er ist plötzlich jemand, dem man gehorcht. Dass Wilhelm ihn nur ausnutzt und ein dunkles Geheimnis des Jungen kennt, das weiß Josse natürlich nicht. Er vertraut. Das Buch liest sich sehr angenehm. Als Leser sieht man natürlich, wohin der Junge gezogen wird, hat den Vorteil, die Geschichte schon zu kennen. Dabei wird aber auch mal ausnahmsweise die Aufmerksamkeit auf die Täter gelenkt, wie sie in diesen Strudel hinein gezogen wurden. Auf die Menschen, die sich weggedreht haben, als die Nachbarn abgeholt wurden. Auf die Familien und Freunde, die die Augen und Münder geschlossen hielten als das Unrecht geschah und vielleicht sogar mitgemacht haben. Ich fand das Buch wirklich gut. Josse ist ein Sinnbild für alle diejenigen, die es nicht gemerkt haben (wollen), dass sie in einem Unrechtsstaat lebten.

Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Angelika Rehse wurde in Sande / Kreis Friesland geboren und wohnt heute mit ihrer Familie in Bad Salzuflen. Sie wuchs in einem Umfeld von Heimatvertriebenen auf. Unter dem Eindruck der erzählten und lang verschwiegenen Geschichten der Generation ihrer Eltern, hat sie in einer späten Lebensphase mit „Josses Tal“ einen poetisch kraftvollen und politisch hellsichtigen Roman geschrieben.
Beiträge
immer noch aktuell
Schlesien 1930, Josef entstammt einer unehelichen Beziehung und ist die Schande der Familie. Dies lässt ihn sein Großvater auch regelmäßig durch Schläge spüren. Die Familie hält das Gerede im Dorf nicht mehr aus und beschließt dieses zu verlassen. Als sie mit Sack und Pack am neuen Wohnort ankommen gibt es zur Begrüßung wieder Schläge vom Großvater. Doch kommt Josef der Nachbar Wilhelm zur Hilfe. Dieser ist bei der SA und flößt dem Großvater Respekt bzw. Angst ein. Ab dem Zeitpunkt ist Josef öfter Gast bei Wilhelms Familie. Dort lernt er sich um Kaninchen zu kümmern und beginnt diese zu züchten, womit er sein eigenes Geld verdient. Josef ist so fasziniert von Wilhelm, welcher in Berlin Medizin studiert, dass es für Wilhelm ein leichtes ist Josef für sich einzuspannen. Er gibt ihm immer wieder Aufträge die Dorfbewohner zu bespitzeln. Und Josef tut was er sagt. Doch je älter Josef wird und der Krieg über sie hereinbricht stellt er sich die Frage, ob das alles richtig ist. Was wird er tun? Und wer ist sein Vater? Angelika Rehse hat in ihrem Buch sehr gut beschrieben, wie leicht Menschen beeinflussbar sind, gerade wenn sie sich in ausweglosen Situationen befinden. Sie beschreibt eben so gut, wie schrecklich Menschen zu einander sind. Der Inhalt des Buches ist leider immer noch so aktuell, dass man es gelesen haben muss, um zu verhindern, dass Geschichte sich wiederholt. Ich durfte Josses Tal als Rezensionsexemplar lesen und es ist eine klare Empfehlung.
Gutes und wichtiges Thema, wo aber mMn noch Luft nach oben beim Schreibstil und beim Handlungsaufbau ist
Seien wir ehrlich: Ohne die Lesechallenge eines Rezensionsportals wäre ich vermutlich nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden. Denn das Cover ist zumindest für meinen Geschmack einfach zu unauffällig, um aus einer Masse an Büchern hervorzustechen. Ich lese jedoch immer wieder mal Bücher, die sich mit dieser Zeit beschäftigen, deswegen konnte mich der Klappentext durchaus für das Buch begeistern. Die ersten Seiten habe ich dann auch recht flott verschlungen, wo man den jungen Josef und seine Familie kennenlernt, dann die erste Begegnung mit Wilhelm Reckzügel, der es nicht schwer hat, den kleinen Jungen für sich einzunehmen. Ich denke, das war der Teil, wo ich wohl am meisten mit dem Kind mitgelitten habe - im Zeitalter von Patchwork-Familien und unverheirateten Paaren ist es wohl nur noch schwer vorstellbar, wie sehr ein Kind in dieser Zeit ohne Vater ausgegrenzt wurde... Je mehr ich allerdings in die Geschichte eingetaucht bin, desto schwerer habe ich mich mit dem Aufbau des Buchs und dem Schreibstil getan. Die vielen direkten Gedankeneinschübe in die Dialoge hinein zum Beispiel haben es manchmal schwierig gemacht auseinanderzuhalten, was wirklich gesprochen wurde und was sich die Figuren nur gedacht haben. Hier wäre definitiv weniger mehr gewesen. Dass die einzelnen Kapitel mit Jahreszahlen und Monaten überschrieben waren, fand ich gut. So wusste man immer, wo zeitlich die einzelnen Erlebnisse einzuordnen waren und wie alt Josef zu dieser Zeit war. Trotzdem hat genau dies auch bei mir einige Fragen ausgelöst: Warum beispielsweise gab es kein Kapitel, wo die Machtergreifung Hitlers thematisiert wurde? Manche Themen wurden für meinen Geschmack irgendwie einfach ausgeklammert, während andere sogar mehrmals aufgegriffen wurden (beispielsweise die Bücherverbrennung). Was ich mich auch gefragt habe, war, warum der Krieg so wenig Raum bekommen hat, ich kann mir beispielsweise nicht vorstellen, dass nicht auch hier junge Männer eingezogen wurden... Stalingrad kommt in diesem Kontext überhaupt nur ganz am Rande vor. Hier hätte ich mir wirklich gewünscht, dass im Nachwort noch ein wenig mehr Sach-Informationen zu den im Roman verarbeiteten Themen geliefert worden wären. Ich habe hier auf eigene Faust noch ein wenig recherchiert und es hat mich sehr betroffen gemacht, was beispielsweise mit der deutschen Bevölkerung nach 1945 passiert ist. Aber gut, zurück zur Geschichte: So gut mir der Anfang gefallen hat, so wenig glücklich war ich mit dem Schluss. Denn der wirkte auf mich doch etwas überhastet heruntergeschrieben. In zwei Kapiteln wird mehr oder weniger alles auf den Kopf gestellt und die Grundlagen für die Kapitel in 2004 gelegt. Etwas weniger Tempo hätte hier der Geschichte gut getan. Ich habe schlussendlich dieses Buch zugeklappt mit der Erkenntnis, dass nicht alle offenen Fragen wirklich eine Antwort erhalten haben. Die drängendste davon war wohl die Frage nach dem Schicksal von Josses Vater - hier hätte ich noch gerne erfahren, was Josse über ihn erfahren hat. Fazit: "Josses Tal" ist thematisch ein wichtiges und nützliches Buch, aber an der Umsetzung hat es in meinen Augen doch an der einen oder anderen Stelle gehapert. Trotzdem ziehe ich meinen Hut vor der Leistung der Autorin, sich in fortgeschrittenem Lebensalter dieses Themas angenommen zu haben.
Eine aufwühlende und psychologisch interessante Geschichte über Prägung und Machtmissbrauch, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Wie und warum wird ein Mensch böse? Welche Mechanismen sorgen dafür, dass aus Arglosigkeit Hass wird?
1930. Wir begleiten den 5-jährigen Josef Tomulka, der mit seiner Mutter und den Großeltern ins das kleine Dorf Dorotheenthal im niederschlesischen Landkreis Reichenbach zieht. Liebe und Geborgenheit, das kennt er nicht. Dafür weiss er ganz genau, was Schmerzen sind, denn sein Großvater lässt ihn fast täglich spüren, dass er, das uneheliche Kind, eine Familienschande ist. Auch seine Mutter Helene nimmt ihn nicht in Schutz und verwehrt ihm die so notwendige Zuneigung. Seine Sehnsucht nach Wertschätzung und Anerkennung ist immens. Einzig der Nachbar Wilhelm Reckzügel, Medizinstudent in Berlin, erkennt dieses Bedürfnis. Er ist für Josef da, hört ihm zu, bietet ihm Freundschaft und Schutz. Er fördert Josef bei der Hasenzucht, für das er ein Händchen hat, glaubt an ihn. Was Josef in seinem plötzlichen Glück nicht merken kann: wie manipulativ Wilhelm ist und Josef über die Jahre ganz geschickt in gewisse Bahnen lenkt, falsches Gedankengut sät und diese Saat mit Zuwendung und Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt düngt. 1935 sorgt er dafür, dass Josef als Pimpf ins Jungvolk der Hitler-Jugend aufgenommen wird und schenkt ihm Hut und Uniform. Sein bis dahin nicht vorhandenes Selbstbewusstsein bekommt einen gehörigen Schub. „Es war genauso, wie Wilhelm es angekündigt hatte. Ab heute würde ihn keiner mehr spöttisch ansehen.“ Er wird zum Spion in Kinderschuhen, darf mit Wilhelm nach Berlin reisen und wird „einer von ihnen“, glaubt, was sein Mentor ihm predigt. Als seine Mutter im Sterben liegt, offenbart sie Josef ein Geheimnis, dass den bis dahin schon tief geprägten Jungen aus der Bahn wirft. Keiner darf erfahren, was er nun weiß! Doch kann er diese fatale Offenbarung vor Wilhelm geheim halten? Angelika Rehse (74) wuchs in einem Umfeld von Heimatvertriebenen auf. Unter dem Eindruck der erzählten und lang verschwiegenen Geschichten der Generation ihrer Eltern, begann sie in einer späten Lebensphase das Schreiben und legt mit #JossesTal ein beeindruckendes literarisches Debüt vor. Um den Ereignissen gerecht zu werden, verbrachte sie viel Zeit im ehemaligen Schlesien, Im Archiv und Bibliotheken und wurde bei ihrer Recherche von Zeitzeugen und Historikern unterstützt. Entstanden ist dabei eine aufwühlende und psychologisch interessante Geschichte über Prägung und Machtmissbrauch, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Wie und warum wird ein Mensch böse? Welche Mechanismen sorgen dafür, dass aus Arglosigkeit Hass wird? Angelika Rehse nimmt sich dieser Frage an und zeigt uns anhand ihrer jungen Figur Josef, warum die Saat des Nationalsozialismus so gut gedeihen konnte (was leider auch heute noch funktioniert). Ein wichtiges und sehr lesenswertes Debüt! Zitat aus dem Interview mit Angelika Rehse: „Es ist leider eine Tatsache, dass nicht in allen Köpfen ein konsequentes Umdenken, Abrücken von Schönfärberei und ehrlicher Geschichtsaufarbeitung stattgefunden hat, dass noch immer Zeiten wie diese glorifiziert und zurückgewünscht werden. So soll mein Buch auch eine Mahnung zu den vielen Parallelen zum Jetzt sein, die Gier nach Macht und Unterdrückung, den menschenverachtenden Strömungen mit ihren Vorurteilen gegen jede Art des Andersseins und es soll aufzeigen, wohin familiäres, gesellschaftliches und politisches Versagen und ihre Zwänge führen können; wie verführbar nicht nur Kinder und Jugendliche sind.“

Ein brutales familiäres Umfeld in einer brutalen Zeit
Wir befinden uns in den 1930ern in einem kleinen Dorf. Dort lebt Josef, genannt Josse, bei seinem Großvater auf dessen Hof. Doch die Beziehung der beiden steht unter keinem guten Stern. Der Großvater verachtet Josse, lässt kein gutes Haar an ihm. Als eine Nachbarsfamilie sich Josse annimmt, bekommt dieser einen neuen Ziebruder, und der wird ihm zum großen Vorbild. Leider hat der Ziehbruder nicht nur gute Absichten, und kassiert Josse ein für jene Partei, die in den folgenden Jahren Europa in Atem hält. Doch irgendwann erwacht Josse, und muss erfahren, dass er sich nicht so einfach aus den Fängen befreien kann, wie er möchte. Als Erwachsener zieht er sich zurück und öffnet erst sehr spät sein erlebtes Geheimnis. Puh, dieses Buch hat einen fast sprachlos hinterlassen. Die Geschichte ist fast beklemmend, schrecklich, und doch fühlt man sich mitten drin in dieser Geschichte. Man fühlt so sehr mit mit Josse, der nach Anerkennung sucht. Die Grausamkeiten seines Ziehbruders sind unglaublich, und man möchte schreien vor Wut. Es ist eine Familiengeschichte, die mit den Wirren des Krieges eng verwoben ist. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich dieses Buch nicht aus der Hand legen konnte. Beklemmend und doch fast schaurig faszinierend will man wissen, was mit Josse genau passiert ist. Es ist keine einfache Geschichte, und doch lässt sie einen nicht mehr los. Lesenswert allemal.
Wie leicht es ist, zu verführen. Josef wollte das bestimmt nicht, doch sein erwachsener Nazifreund wickelte ihn um den Finger. Kein Wunder
Der Alte lebt in seinem norwegischen Tal zurückgezogen. Weit weg von Elektrik und Telefon. In Josses Tal. Er bereut ... Josse, oh Josse. Wenn du damals gewusst hättest, was du heute weißt, hättest du dann auch so gehandelt? Josses Tal Josse, eigentlich Josef Tomulka, ist der uneheliche Sohn von Helene. Wäre da nicht ihr rabiater Vater gewesen, der dem Bankert oft schon als Kleinkind eine mächtige Schelle verpasst hatte, hätte sie ihr Bürschlein von Anfang an lieb haben können. Aber so wollte sie es auch dem Alten recht machen und mied es, dem Jungen ihre Liebe zu zeigen. Damit das Gerede um das "rumgewischte Frauenzimmer" und ihren Sohn aufhört, zogen die Eltern mit Helene und Josef in ein kleines Dorf. Weg von dem Getratsche. Dort trafen die Tomulkas auf nette Nachbarn, die sie freundlich aufnehmen wollten. Doch der Alte Tomulka wollte keinen Kontakt. Noch dazu schlug er auf den kleinen Josef ein. Wilhelm Reckzügel, angehender Arzt und Nachbarssohn, konnte und wollte das nicht mit ansehen und nahm Josef unter seine Fittiche. Es war 1930 und Wilhelm wurde zu Josses besten Freund und Mentor. Er war es, der Josef in der HJ unterbrachte und ihn zur Bücherverbrennung nach Berlin mitnahm. Der Besuch im Tal Eine Postkarte aus dem Jahr 1945 führt Helene im Juli 2004 nach Norwegen. Sie würde gerne wissen, warum ihre Urgroßmutter damals sterben musste und hofft auf Antworten. Josef hat sich dort in ein Tal zurückgezogen. Josses Tal. Und der Alte erzählt ihr seine Geschichte von Anfang an ... "Könntest du nach all den Jahren die Zeit zurückdrehen und hättest damals gewusst, was du heute weißt ... würdest du Widerstand leisten? " "Helen, ich war Jugendlicher, ich war allein ..." Seite 92 Es ist leicht nachzuvollziehen, warum der kleine Josef zu dem geworden ist und getan hat, was er getan hat. Alleine und immer wieder gedemütigt, findet er in Wilhelm einen Beschützer, in der HJ ein Zuhause. Mitgerissen von der Zeit, wie ein Fischlein, das alleine kaum aus dem Schwarm ausbrechen kann. Hingerissen von der Liebe, die ihm Wilhelm als erwachsener Freund bietet, macht er, was von ihm gefordert wurde. Er wird von seinen Klassenkameraden anerkannt, er ist plötzlich jemand, dem man gehorcht. Dass Wilhelm ihn nur ausnutzt und ein dunkles Geheimnis des Jungen kennt, das weiß Josse natürlich nicht. Er vertraut. Das Buch liest sich sehr angenehm. Als Leser sieht man natürlich, wohin der Junge gezogen wird, hat den Vorteil, die Geschichte schon zu kennen. Dabei wird aber auch mal ausnahmsweise die Aufmerksamkeit auf die Täter gelenkt, wie sie in diesen Strudel hinein gezogen wurden. Auf die Menschen, die sich weggedreht haben, als die Nachbarn abgeholt wurden. Auf die Familien und Freunde, die die Augen und Münder geschlossen hielten als das Unrecht geschah und vielleicht sogar mitgemacht haben. Ich fand das Buch wirklich gut. Josse ist ein Sinnbild für alle diejenigen, die es nicht gemerkt haben (wollen), dass sie in einem Unrechtsstaat lebten.
Mir hat dieses Buch wahnsinnig gut gefallen, weil es ein für mich sehr spannendes Thema hat. Es geht im Großen und Ganzen darum, wie ein Kind in der Nazizeit aufwächst und von seinem erwachsenen Gönner in die Richtung geprägt und erzogen wird, in der der Gönner ihn haben will. Es wird sehr gut deutlich, wie Kinder zu Nazis erzogen wurden, welche Vorteile sie hatten, wie durchdacht das ganze System gewesen ist. Josef, der Protagonist dieses Buches, ein uneheliches Kind, dass von seinem Großvater brutal mißhandelt wird, findet in dem jungen Mann Wilhelm einen väterlichen Freund, der ihn beschützt und prägt und ihn sich so erzieht, wie er ihn haben will. Doch dann geschieht etwas in Josses Leben, dass alles verändert... Ich fand das Buch klasse. Es hat mich berührt und mitgenommen, ich fand den Schreibstil toll.
Ein lesenswertes Buch
Der Alte lebt in seinem norwegischen Tal zurückgezogen. Weit weg von Elektrik und Telefon. In Josses Tal. Er bereut … Josse, oh Josse. Wenn du damals gewusst hättest, was du heute weißt, hättest du dann auch so gehandelt? Josses Tal Josse, eigentlich Josef Tomulka, ist der uneheliche Sohn von Helene. Wäre da nicht ihr rabiater Vater gewesen, der dem Bankert oft schon als Kleinkind eine mächtige Schelle verpasst hatte, hätte sie ihr Bürschlein von Anfang an lieb haben können. Aber so wollte sie es auch dem Alten recht machen und mied es, dem Jungen ihre Liebe zu zeigen. Damit das Gerede um das „rumgewischte Frauenzimmer“ und ihren Sohn aufhört, zogen die Eltern mit Helene und Josef in ein kleines Dorf. Weg von dem Getratsche. Dort trafen die Tomulkas auf nette Nachbarn, die sie freundlich aufnehmen wollten. Doch der Alte Tomulka wollte keinen Kontakt. Noch dazu schlug er auf den kleinen Josef ein. Wilhelm Reckzügel, angehender Arzt und Nachbarssohn, konnte und wollte das nicht mit ansehen und nahm Josef unter seine Fittiche. Es war 1930 und Wilhelm wurde zu Josses besten Freund und Mentor. Er war es, der Josef in der HJ unterbrachte und ihn zur Bücherverbrennung nach Berlin mitnahm. Der Besuch im Tal Eine Postkarte aus dem Jahr 1945 führt Helene im Juli 2004 nach Norwegen. Sie würde gerne wissen, warum ihre Urgroßmutter damals sterben musste und hofft auf Antworten. Josef hat sich dort in ein Tal zurückgezogen. Josses Tal. Und der Alte erzählt ihr seine Geschichte von Anfang an … „Könntest du nach all den Jahren die Zeit zurückdrehen und hättest damals gewusst, was du heute weißt … würdest du Widerstand leisten? “ „Helen, ich war Jugendlicher, ich war allein …“ Seite 92 Es ist leicht nachzuvollziehen, warum der kleine Josef zu dem geworden ist und getan hat, was er getan hat. Alleine und immer wieder gedemütigt, findet er in Wilhelm einen Beschützer, in der HJ ein Zuhause. Mitgerissen von der Zeit, wie ein Fischlein, das alleine kaum aus dem Schwarm ausbrechen kann. Hingerissen von der Liebe, die ihm Wilhelm als erwachsener Freund bietet, macht er, was von ihm gefordert wurde. Er wird von seinen Klassenkameraden anerkannt, er ist plötzlich jemand, dem man gehorcht. Dass Wilhelm ihn nur ausnutzt und ein dunkles Geheimnis des Jungen kennt, das weiß Josse natürlich nicht. Er vertraut. Das Buch liest sich sehr angenehm. Als Leser sieht man natürlich, wohin der Junge gezogen wird, hat den Vorteil, die Geschichte schon zu kennen. Dabei wird aber auch mal ausnahmsweise die Aufmerksamkeit auf die Täter gelenkt, wie sie in diesen Strudel hinein gezogen wurden. Auf die Menschen, die sich weggedreht haben, als die Nachbarn abgeholt wurden. Auf die Familien und Freunde, die die Augen und Münder geschlossen hielten als das Unrecht geschah und vielleicht sogar mitgemacht haben. Ich fand das Buch wirklich gut. Josse ist ein Sinnbild für alle diejenigen, die es nicht gemerkt haben (wollen), dass sie in einem Unrechtsstaat lebten.










