Jahresringe

Jahresringe

Taschenbuch
4.08
TagebauFridays For FutureGenerationenromanFlucht

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Beschreibung

Von der Suche nach Heimat und uns selbst:
eine große deutsche Familien-Geschichte am Rand des Hambacher Forstes

Heimat, das ist für Leonore Klimkeit vor allem der Wald nahe des kleinen Dorfes, in dem die aus Ostpreußen Vertriebene Zuflucht gefunden hat. Zwischen den hohen Bäumen findet sie Trost und neuen Lebensmut.
Doch als Leonores Sohn Paul zwölf Jahre alt ist, muss der Wald dem Braunkohle-Tagebau weichen, das Dorf wird umgesiedelt. In einer Neubausiedlung am Rand der Kreisstadt versucht Leonore, für Paul und später die Enkel Jan und Sarah eine neue Heimat zu schaffen. Die immer weiter fortschreitende Rodung des Waldes treibt jedoch einen tiefen Keil in die Familie – bis sich die Geschwister schließlich als Gegner gegenüberstehen: Denn während Jan einen der gigantischen Schaufelradbagger des Braunkohle-Konzerns steuert, schließt sich seine Schwester Sarah den Wald-Besetzern im Hambacher Forst an.

Unaufgeregt und einfühlsam erzählt Andreas Wagner eine berührende Familien-Geschichte, die immer wieder die Frage stellt, was Heimat bedeutet. Gleichzeitig porträtiert sein Roman auf anschauliche Weise die Nachkriegs- und Wirtschaftswunder-Zeit in Deutschland, die Folgen des Braunkohle-Abbaus nicht nur für die Landschaft und die Ereignisse rund um den Hambacher Forst.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
256
Preis
15.50 €

Autorenbeschreibung

Andreas Wagner, 1978 in Neuss geboren, studierte Sozialpädagogik und arbeitet heute an einer Realschule in Köln. Gemeinsam mit seinen drei Töchtern lebt er in der Domstadt am Rhein. Zum Verfassen literarischer Texte kam er über das Schreiben von Songs, durch das er schon als Jugendlicher einen künstlerischen Ausdruck fand. Nach »Jahresringe« ist »Wie Treibgut im Fluss« sein zweiter Roman. Die Weite seiner niederrheinischen Heimat inspirierte ihn dabei ebenso wie die Lebenserinnerungen seiner Großmutter. Er hat eine Schwäche für Schokolade und ausgedehnte Spaziergänge, bei denen er sich mit den Sehnsüchten und Abgründen seiner Romanfiguren auseinandersetzt und neue Ideen sammelt.

Beiträge

4
Alle
4.5

Ein Buch das nachklingt und über das ich nach wie vor Redebedarf habe. Klare Empfehlung!! Schaut es euch an, kauft es und lest es. ☺️

Es ist wirklich schwer dieses Buch zu beschreiben, ohne zu viel zu verraten. Mir gefiel sehr gut, wie die Brücke über die Jahrzehnte und Generationen geschlagen wurde. Wir starten 1946 und enden 2018. Der Schreibstil ist super leicht, trotzdem ist es nicht leicht zu lesen, da neben Krieg, Flucht, Entwurzelung auch das Thema Umweltschutz und -zerstörung eine Rolle spielen. Aber das schöne an dem Buch war, dass diese Themen einfach in die Geschichte eingearbeitet waren und nicht die Aufklärungskeule geschwungen wurde. Es fällt mir echt schwer das Buch gesamt zu bewerten, da ich den Anfang gut, die Mitte naja und das Ende richtig gut fand. Gerade die letzte Generation hat mich richtig abgeholt, weil sie teilt einfach die gleichen Sorgen und Probleme wie ich.

Ein Buch das nachklingt und über das ich nach wie vor Redebedarf habe. Klare Empfehlung!! Schaut es euch an, kauft es und lest es. ☺️
4

Ein Buch, das die Geschichte meiner Heimat erzählt. „Jahresringe“ umfasst drei Teile, von denen jeder Teil die Geschichte einer Generation einer Familie erzählt. Leonore landet in den 1940er Jahren als Geflüchtete in Lich-Steinstraß, einem Ort bei Jülich, in dem sie fortan ihr Leben verbringt. Wir lernen im Verlauf der Geschichte außerdem ihren Sohn, sowie ihre Enkelkinder kennen. Thematisch befasst der Roman sich mit dem Verlust der Heimat und was dies für einen Menschen bedeutet, denn Lich-Steinstraß ist einer der Orte, die dem Tagebau Hambach weichen mussten und umgesiedelt wurden. Einfühlsam werden die verschiedenen Aspekte des Verlusts der Heimat sowie die Gefühle der Menschen beleuchtet. Es gibt Unverständnis unter den Dorfbewohnern und einen zwiespältigen Groll gegen Rheinbraun, die den geliebten Bürgewald roden und die Bagger anrücken lassen, andererseits aber auch Arbeit für viele der Menschen in der Umgebung bieten. Ich habe das Buch als sehr atmosphärisch und nah empfunden, nicht zuletzt, da ich in der Nähe lebe und aufgewachsen bin. Auch mein Dorf ist, wenn auch lange vor meiner Geburt, umgesiedelt und weggebaggert worden und ich erinnere mich an die Zeiten, in denen wir den Familienspaziergang zum „Loch“ machten, um Bagger zu gucken. Heute gibt es zumindest hier das Loch nicht mehr und an den eigentlichen Tagebau erinnert nur der junge Wald sowie die alten Aussichtspunkte, an denen teils noch Teile der Bagger und Fototafeln ausgestellt sind. An anderen Orten hier in der Umgebung ist das Thema aber durchaus noch aktueller und der Hambacher Forst, der kleine noch vorhandene Teil des Bürgewalds, ist wohl den meisten ein Begriff. Ich mochte das Buch aufgrund seiner Lebensnähe sehr, auch wenn mir das Ende der Geschichte etwas zu parteiisch war.

5

Das Buch wird in drei verschiedene Abschnitte unterteilt, in denen der Leser Einblicke in drei unterschiedliche Zeitzonen bekommt. Teil eins umfasst die Zeit von 1946-1964, Teil zwei 1976-1986 und Teil drei 2017-2018. Die Geschichte fängt mit der jungen Leonore an, welche aus Ostpreußen Richtung Westen flieht und in einem kleinen Dort in der Nähe von Jülich sich niederlässt. Der Leser erlebt mit, wie sich Leonore versucht im Dort einzugliedern und bekommt mit, wie die Situation war bevor das Dorf, später im weiteren Verlauf des Buches dem Braunkohle Tagebau weichen muss. Teil zwei erzählt von Leonores Sohn und Teil drei befasst sich im Wesentlichen mit Leonores Enkelkindern. An dieser Stelle möchte ich von der Handlung an sich auch nicht zu viel vorwegnehmen, sondern empfehle jedem der sich für dieses Thema interessiert dieses Buch zu lesen. Ganz gleich, ob man positiv oder negativ gegenüber dem Ganzen Thema rund um Braunkohleabbau, RWE und Aktivisten steht. Wagner hat es geschafft dem Leser es nahe zu bringen, wie sich die Bewohner der verschwundenen bzw. umgesiedelten Dörfer ansatzweise fühlen mussten und wie die nachfolgenden Generationen teilweise im Zwiespalt und Konflikt mit sich selber und der Heimat der Vorfahren stehen. Ganz nebenbei möchte ich auch einmal die Arbeit der Personen loben, die für die Covergestaltung und für die Farbauswahl des Buchdeckels verantwortlich sind – wunderschöne stimmige Farben, die hervorragend zum Thema des Buches passen. Dieses Buch hat auf jeden Fall viel Aufmerksamkeit verdient und ich wünsche allen viel Freude beim Lesen!

5

Der Hambacher Forst, einer der ältesten deutschen Wälder und Heimatort vieler seltener Tier- und Pflanzenarten, ist zum Synonym für die deutsche Umwelt(zerstörungs)politik geworden. Andreas Wagner hat die Rodungsgeschichte dieses Waldes und die damit verbundenen menschlichen Schicksale zum Gegenstand seines Debütromans gemacht. Die Handlung wird bestimmt durch die umstrittene Thematik des Braunkohletagebaus, die mit der Abholzung von Waldgebieten, die an den Lebensraum der Romanfiguren angrenzen sowie der Zerstörung und Umsiedlung ganzer Dörfer einhergeht. Wir alle kennen den Hambacher Forst und wissen um seine prekäre Situation. Andreas Wagner aber will mit seinem Roman genauer fokussieren: Wer sind neben der Natur die Leidtragenden der Rodung, wer die Opfer, wer die Täter, wer die Aktivisten. Natürlich sind seine Figuren fiktiv, aber so oder so ähnlich hätte es ablaufen können bzw. ist es tatsächlich abgelaufen, nur eben mit anderen (realen) Personen. Die Firma RWE, die den Braunkohleabbau in NRW betreibt, wird sogar explizit genannt und nicht etwa unter fiktivem Namen verklausuliert. Schauplatz der Handlung von “Jahresringe” ist das kleine “Doppeldorf” Lich-Steinstraß in Nordrhein-Westfalen, das an den Hambacher Wald oder Bürgewald, wie er auch genannt wird, angrenzt. Die “Entwurzelungsgeschichte” dieses Ortes, der tatsächlich im Zuge des Braunkohle-Tagebaus umgesiedelt wurde, wird exemplarisch anhand der Familie Klimkeit erzählt, deren “Gründerin” Leonore Klimkeit ist. 1946 wird die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Heimatvertriebene im äußersten Westen der jungen Republik “angespült”. Ein auf traditionelle rheinische Lebkuchen (“Moppen”) spezialisierter Bäcker und dessen Mutter nehmen sie bei sich auf, sie erlernt das Handwerk und wird zur Ersatztochter der Familie. Ihre Geschichte geht dem Leser (zumindest wenn ich für mich spreche) sehr nahe. Als “das Flüchtlingskind” oder “die Evangelische aus dem Osten” bleibt sie zeitlebens eine Außenseiterin der Dorfgemeinschaft, die sich trotz aller Anstrengungen als “Fremde” nie integrieren kann. Nur im Wald fühlt sie sich frei und geborgen, wie auch später ihr Sohn Paul (“Alles hier war echt. Alles war Geschichte. Alles war Natur." S.114) . Aber der Wald ist in Gefahr. Von 1946 bis 2018 wird die Geschichte der Familie weiter verfolgt, immer vor dem Hintergrund der Abholzung des Hambacher Waldes. Von 1976-1984 steht Leonores Sohn Paul im Fokus, später dann ihre Enkelkinder. Andreas Wagner erzählt unaufgeregt, ohne Schnörkel, aber mit großer Intensität. Sein Erzähler ist allwissend, er macht Verweise in die Zukunft. Vor allem arbeitet der Autor mit einer starken Symbolik und Elementen des magischen Realismus. Das titelgebende Maiglöckchen-Motiv zieht sich leitmotivisch durch den Roman. Gerne hätte ich manche Figuren ausführlicher verfolgt und mehr über sie erfahren. Zum Beispiel über Pauls Vater oder Jan und Sarah. Was ist aus ihnen geworden? Wie haben sich ihre Anschauungen und Pläne angesichts der Ereignisse im Wald verändert? Schade dass das Buch dann doch ein wenig zu kurz war für einen opulenten Familienroman. Dennoch ist das für mich kein Grund, keine 5 Sterne zu geben: Ein beeindruckendes Debüt mit wichtigem Thema!

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