Ich habe dir eine abgetrennte Hand gebracht

Ich habe dir eine abgetrennte Hand gebracht

Taschenbuch
4.32

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Beschreibung

Eine außergewöhnliche Art politischer Literatur, aus der eine tiefe Liebe zu allen Menschen spricht.

»Nachts schlich sich der Krieg auf Zehenspitzen herein wie eine liebevolle Mutter, um zu sehen, ob wir gut schliefen. Sie legte unsere Köpfe gerade auf die Sandsäcke, als wären es Daunenkissen, sie bedeckte unsere Körper mit Schutt, damit wir uns nicht erkälteten, und sie versuchte, uns in Massengräbern zusammenzubringen, damit wir uns nicht einsam fühlten.«
Auf den ersten Blick schreibt Ghayath Almadhoun Prosa, denn das, worüber er schreibt, eignet sich nicht zum lyrischen Gesang: Es sind die Folgen des anhaltenden Kriegs im Nahen Osten, eine Wirklichkeit, die sich nur in Gleichnissen beschreiben lässt. In seinen Gedichten hält er das Gefühl völliger Verzweiflung und Fassungslosigkeit angesichts des Schrecklichen mit den Mitteln der Paradoxie fest – für Ghayath Almadhoun liegt im Surrealen eine Möglichkeit, das Unmögliche darzustellen.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Lyrik & Dramen
Sub-Genre
N/A
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
144
Preis
20.60 €

Autorenbeschreibung

Ghayath Almadhoun, 1979 in einem Flüchtlingslager in Damaskus als Kind eines palästinensischen Vaters und einer syrischen Mutter geboren, studierte arabische Literatur an der Universität Damaskus und wanderte 2008 nach Schweden aus. Seine Gedichte werden in viele Sprachen übersetzt und für Preise nominiert. Der Dichter und Filmemacher lebt abwechselnd in Stockholm und Berlin.

Beiträge

1
Alle
4.5

Beeindruckende lyrische ProsaTexte über die Zerrissenheit einer Generation, arabischer Männer und den Zynismus, mit dem Europa sie behandelt

Auf dieses Buch war ich sehr neugierig verbindet, es doch Prosa und Lyrik in Texten über politisch immer noch hoch aktuelle Themen, den Krieg in Syrien und die Lebenssituation im Nahen Osten. Der Almahoun ist 1979 in einem Flüchtlingslager in Damaskus als Kind eines palästinensischen Vaters und einer syrischen Mutter geboren. Er wanderte 2008 nach Schweden aus und lebt heute abwechselnd in Stockholm und Berlin. Seine Texte werfen einen Blick auf die Lebensrealität vieler arabischstämmiger Menschen. Ausgezehrt, verletzt und getötet. Durch Kriege die Anderen nutzen, kämpfen sie sich Stück für Stück aus den Trümmern, leben in Lagern und sehnen sich nach Europa, das ihnen Diskriminierung gibt, und Ehre nimmt. „Als wir in Syrien waren, träumten wir von der Rückkehr nach Palästina. Jetzt träumen wir von der Rückkehr nach Syrien, damit wir den Traum von der Rückkehr nach Palästina fortsetzen können.“ Er kehrt dabei oft die Logik um und führt die Realität ad absurdum. Herauskommt Poesie, die sich wie Prosa anfühlt. Die Lektüre steckt voller starker Emotionen, dominiert von Wut und Wehmut, Anklage und Unverständnis.„Wir lieben dich, Europa. Wir lieben deine Kunst und hassen deine Kolonialgeschichte, wir lieben dein Theater und hassen deine Konzentrationslager,“… „Wir lieben deinen zivilisatorischen Fortschritt, deinen Säkularismus, deine gerechten Gesetze und die Menschenrechte auf deinem Territorium, und wir hassen deinen Rassismus, deine Doppelmoral, deinen hochmütig Blick und deine blutige Geschichte.“ Almahoun arbeitet mit starken Bildern und Metaphern, doch am Ende setzt sich für mich eine Art poetische Biografie seiner inneren Zerrissenheit zusammen. Das Buch ist also Poesie in dem sich Kunst, Politik, Geschichte und die Klage einer Generation von Männern breitmacht, die auf der Suche sind und denen man das finden schwer macht. Sehr beeindruckend und berührend. Eine große Leseempfehlung für alle, die auf der Suche nach außergewöhnlichen Texten sind.

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