Grönemeyer
Jetzt kaufen
Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, lebt in Berlin. Autor, Musiker, Herausgeber. Zuletzt erschienen: der Roman »Schattenfroh. Ein Requiem« (2018), der Kommentar »Innehaben. Schattenfroh und die Bilder« (2020), der Gedichtband »Chora« (2023), der Roman »Heimwärts« (2024) sowie »Grönemeyer« (2024), alle bei S. FISCHER. Michael Lentz wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis. Für »Chora« und sein Gesamtwerk erhielt Michael Lentz den Bettina-Brentano-Preis für Gegenwartslyrik 2024. Literaturpreise: Literaturförderpreis des Freistaates Bayern 1999 Aufenthaltstipendium Villa Aurora in Santa Monica, Kalifornien/USA 2001 Ingeborg-Bachmann-Preis 2001 Preis der Literaturhäuser 2005 Walter-Hasenclever-Literaturpreis 2012 Bettina-Brentano-Preis für Gegenwartslyrik 2024
Beiträge
»Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht / Der ihn für dich schient, der dich beschützt / Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt / Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst«
Leseerfahrung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ In einem Song: Musik, nur wenn sie laut ist — Herbert Grönemeyer In einem Wort: magisch Inhaltliches: Michael Lentz unternimmt in seiner Gesamtdarstellung zu Leben und Werk Herbert Grönemeyers eine äußerst detailreiche (und stellenweise ebenso technische) Reise, beginnend in Grönemeyers Elternhaus, von dort aus etappenweise über einige berufliche Verirrungen in Film und Fernsehen hin zu ersten, von Misserfolg geprägten Schallplatten, die er »stoisch« und mit »langem Atem« (S.86) hinnahm, von der ersten großen Platte — 4630 Bochum — über den Tod seiner Frau Anna; »Kann nicht mehr seh’n / Trau nicht mehr meinen Augen / Kann kaum noch glauben / Gefühle haben sich gedreht« (S.314) und seiner Zeit in England, hin zu den soziopolitischen Absichten hinter aktuellen Platten (z.B. »Was ist los?« oder »Oh Oh Oh« auf Das ist Los) Biografische Ereignisse werden begleitet von Ausflügen in die Gedankenwelt Grönemeyers — in seine Eigenart, »aus dem Moment heraus zu leben und so das Mögliche zu erreichen, ohne dabei irgendwelche Träume oder Ziele zu verfolgen« (S.41) und seine Texte so zu singen, »wie [er] gerade Lust habe […]: Der Text darf mir die Musik nicht kaputt machen« (S.104) —, von detailverliebten Einblicken in Entstehungs- und Schaffensprozess seiner Musik — ein sich stoisch wiederholender Prozess, beginnend mit dem »Komponieren von Melodien am Klavier«, gefolgt von artikulatorischer Begleitung mit »pseudoenglischem Lautieren« bzw. »Bananentexten« und der endgültigen Strukturierung eines Stücks durch »Instrumentalparts« seiner Band, für welche er anschließend »Blindtexte« schreibt, um zuletzt aus einem Pool an bis zu sechsundzwanzig Strophen den finalen Liedtext zusammenstellen zu können (S.118f), wobei seine Schreibphase von Ritualen begleitet ist; er »kauft sich dann neue Schreibblöcke und schöne neue Stifte […], liest kreuz und quer alles, was ihm unterkommt […], entdeckt neue SchriftstellerInnen und DichterInnen, verrennt sich in Sprache, füllt seinen Kopf mit Sätzen, Begriffen, Aphorismen, Gedanken anderer an, um dann wild und konzeptlos […] drauflos zu schreiben« (S.161) — und von diskographischen Zahlen und Fakten, sowie persönlichen Anekdoten, wie z.B. Erinnerungen an das Feedback des Veranstalters nach seinem Auftritt bei einem der bekanntesten Politkabaretts Deutschlands Anfang der Achtziger, »Herbert, ich muss Ihnen mal eins sagen, ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden gesehen, der so viel falsch spielt und dabei so freundlich ins Publikum guckt« (S.42). Persönliches: Ich liebte jede Etappe dieser großen Grönemeyer-Reise, genoss die unzähligen, detailreichen Spaziergänge hinein in die Philosophie seiner Musik und in seine Art, Geschichten zu erzählen, freute mich über jeden Abstecher in die Geschichte hinter ausgewählten Stücken und bestaunte jeden Gedanken, anhand dessen sich die unverkennbare Handschrift seiner Kunst identifizieren lässt: die »paradoxe Gleichzeitigkeit des Ungleichen und Ungleichzeitigen« (S.304), das »Verschlucken von Silben« und »Stolpern in der Artikulation« (S.270), seine liebevolle Eigenart, »›einfach etwas zu behaupten‹«, woraus bildschöne Neologismen wie z.B. »Feinmatrose« entstehen; »›ein Mensch, der einen mit zarter, mit feiner Hand da hinbringt, wohin man möchte‹« (S.198). Zu guter Letzt führte mich das Buch zu mir bislang unbekannten Schätzen auf seinen zwölf Platten und ich konnte meine Grönemeyer-Playlist erweitern um Goldstücke wie »Kino« (auf Total Egal), »Dort und Hier« (auf Mensch) oder »Schmetterlinge im Eis« (auf Bleibt alles Anders). — Ich möchte an dieser Stelle gerne noch ein paar Zitate aus seinen Liedern anfügen, die mich sehr berühren. Auf »Morgen« (Dauernd Jetzt) singt er: »Wirst Du Dich für mich verschwenden / und vergisst einfach den Rest / Wirst du immer bei mir liegen / solange man uns beide lässt.« Seine bewegendsten Zeilen finde ich in »Der Weg« (Mensch), wo er für seine verstorbene Frau Anna singt: »Haben uns verzettelt / Uns verzweifelt geliebt / Wir haben die Wahrheit / So gut es ging verlogen / Es war ein Stück vom Himmel / Dass es dich gibt«, und später, »Dein sicherer Gang / Deine wahren Gedichte / Deine heitere Würde / Dein unerschütterliches Geschick / Du hast der Fügung / Deine Stirn geboten / Hast ihn nie verraten / Deinen Plan vom Glück« und zuletzt, obwohl oben bereits zitiert — einfach, weil so wunderschön —, aus »Dort und Hier« (ebenfalls Mensch): »Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht / Der ihn für dich schient, der dich beschützt / Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt / Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst«

Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, lebt in Berlin. Autor, Musiker, Herausgeber. Zuletzt erschienen: der Roman »Schattenfroh. Ein Requiem« (2018), der Kommentar »Innehaben. Schattenfroh und die Bilder« (2020), der Gedichtband »Chora« (2023), der Roman »Heimwärts« (2024) sowie »Grönemeyer« (2024), alle bei S. FISCHER. Michael Lentz wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis. Für »Chora« und sein Gesamtwerk erhielt Michael Lentz den Bettina-Brentano-Preis für Gegenwartslyrik 2024. Literaturpreise: Literaturförderpreis des Freistaates Bayern 1999 Aufenthaltstipendium Villa Aurora in Santa Monica, Kalifornien/USA 2001 Ingeborg-Bachmann-Preis 2001 Preis der Literaturhäuser 2005 Walter-Hasenclever-Literaturpreis 2012 Bettina-Brentano-Preis für Gegenwartslyrik 2024
Beiträge
»Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht / Der ihn für dich schient, der dich beschützt / Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt / Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst«
Leseerfahrung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ In einem Song: Musik, nur wenn sie laut ist — Herbert Grönemeyer In einem Wort: magisch Inhaltliches: Michael Lentz unternimmt in seiner Gesamtdarstellung zu Leben und Werk Herbert Grönemeyers eine äußerst detailreiche (und stellenweise ebenso technische) Reise, beginnend in Grönemeyers Elternhaus, von dort aus etappenweise über einige berufliche Verirrungen in Film und Fernsehen hin zu ersten, von Misserfolg geprägten Schallplatten, die er »stoisch« und mit »langem Atem« (S.86) hinnahm, von der ersten großen Platte — 4630 Bochum — über den Tod seiner Frau Anna; »Kann nicht mehr seh’n / Trau nicht mehr meinen Augen / Kann kaum noch glauben / Gefühle haben sich gedreht« (S.314) und seiner Zeit in England, hin zu den soziopolitischen Absichten hinter aktuellen Platten (z.B. »Was ist los?« oder »Oh Oh Oh« auf Das ist Los) Biografische Ereignisse werden begleitet von Ausflügen in die Gedankenwelt Grönemeyers — in seine Eigenart, »aus dem Moment heraus zu leben und so das Mögliche zu erreichen, ohne dabei irgendwelche Träume oder Ziele zu verfolgen« (S.41) und seine Texte so zu singen, »wie [er] gerade Lust habe […]: Der Text darf mir die Musik nicht kaputt machen« (S.104) —, von detailverliebten Einblicken in Entstehungs- und Schaffensprozess seiner Musik — ein sich stoisch wiederholender Prozess, beginnend mit dem »Komponieren von Melodien am Klavier«, gefolgt von artikulatorischer Begleitung mit »pseudoenglischem Lautieren« bzw. »Bananentexten« und der endgültigen Strukturierung eines Stücks durch »Instrumentalparts« seiner Band, für welche er anschließend »Blindtexte« schreibt, um zuletzt aus einem Pool an bis zu sechsundzwanzig Strophen den finalen Liedtext zusammenstellen zu können (S.118f), wobei seine Schreibphase von Ritualen begleitet ist; er »kauft sich dann neue Schreibblöcke und schöne neue Stifte […], liest kreuz und quer alles, was ihm unterkommt […], entdeckt neue SchriftstellerInnen und DichterInnen, verrennt sich in Sprache, füllt seinen Kopf mit Sätzen, Begriffen, Aphorismen, Gedanken anderer an, um dann wild und konzeptlos […] drauflos zu schreiben« (S.161) — und von diskographischen Zahlen und Fakten, sowie persönlichen Anekdoten, wie z.B. Erinnerungen an das Feedback des Veranstalters nach seinem Auftritt bei einem der bekanntesten Politkabaretts Deutschlands Anfang der Achtziger, »Herbert, ich muss Ihnen mal eins sagen, ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden gesehen, der so viel falsch spielt und dabei so freundlich ins Publikum guckt« (S.42). Persönliches: Ich liebte jede Etappe dieser großen Grönemeyer-Reise, genoss die unzähligen, detailreichen Spaziergänge hinein in die Philosophie seiner Musik und in seine Art, Geschichten zu erzählen, freute mich über jeden Abstecher in die Geschichte hinter ausgewählten Stücken und bestaunte jeden Gedanken, anhand dessen sich die unverkennbare Handschrift seiner Kunst identifizieren lässt: die »paradoxe Gleichzeitigkeit des Ungleichen und Ungleichzeitigen« (S.304), das »Verschlucken von Silben« und »Stolpern in der Artikulation« (S.270), seine liebevolle Eigenart, »›einfach etwas zu behaupten‹«, woraus bildschöne Neologismen wie z.B. »Feinmatrose« entstehen; »›ein Mensch, der einen mit zarter, mit feiner Hand da hinbringt, wohin man möchte‹« (S.198). Zu guter Letzt führte mich das Buch zu mir bislang unbekannten Schätzen auf seinen zwölf Platten und ich konnte meine Grönemeyer-Playlist erweitern um Goldstücke wie »Kino« (auf Total Egal), »Dort und Hier« (auf Mensch) oder »Schmetterlinge im Eis« (auf Bleibt alles Anders). — Ich möchte an dieser Stelle gerne noch ein paar Zitate aus seinen Liedern anfügen, die mich sehr berühren. Auf »Morgen« (Dauernd Jetzt) singt er: »Wirst Du Dich für mich verschwenden / und vergisst einfach den Rest / Wirst du immer bei mir liegen / solange man uns beide lässt.« Seine bewegendsten Zeilen finde ich in »Der Weg« (Mensch), wo er für seine verstorbene Frau Anna singt: »Haben uns verzettelt / Uns verzweifelt geliebt / Wir haben die Wahrheit / So gut es ging verlogen / Es war ein Stück vom Himmel / Dass es dich gibt«, und später, »Dein sicherer Gang / Deine wahren Gedichte / Deine heitere Würde / Dein unerschütterliches Geschick / Du hast der Fügung / Deine Stirn geboten / Hast ihn nie verraten / Deinen Plan vom Glück« und zuletzt, obwohl oben bereits zitiert — einfach, weil so wunderschön —, aus »Dort und Hier« (ebenfalls Mensch): »Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht / Der ihn für dich schient, der dich beschützt / Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt / Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst«





