Eroberung
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Beschreibung
Was, wenn in der Geschichte Europas zwei Dinge anders gelaufen wären? Erstens: Die Wikinger wären mit Pferden und eisernen Waffen bis nach Südamerika gesegelt. Zweitens: Kolumbus wäre nie aus Amerika zurückgekehrt.
In diesem Fall erobern die Inkas Europa. Sie landen im 16. Jahrhundert in Portugal, besiegen Karl V. in Frankreich und die Anhänger der Inquisition in Spanien. In Deutschland helfen ihnen die Fugger, das viele Gold zu verteilen. Im Herzen von Paris wird eine Pyramide errichtet, in Wittenberg schlägt man nach Luthers Tod die «95 Thesen der Sonne» an. Federschmuck ziert die Häupter der Europäer, auf den Feldern wächst Quinoa, Schafe sind heilig...
Wie ginge es uns heute, fragt Binet, wären wir statt der kapitalistischen Ideologie den Lehren des Inkahäuptlings Atahualpa gefolgt?
Eine mit sprühendem Witz geschriebene Alternativweltgeschichte, ein fulminantes Vexierspiel, ein brillanter Abenteuerroman. Laurent Binets Bücher sind internationale Bestseller, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die «Eroberung» Europas durch die Inkas wird in zwanzig Sprachen übersetzt und als Serie verfilmt.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Laurent Binet wurde 1972 in Paris geboren und hat in Prag Geschichte studiert. Sein erster Roman «HHhH» gewann den Prix Goncourt du Premier Roman und wurde von der New York Times zu den 100 besten Büchern des Jahres 2012 gewählt. «Die siebte Sprachfunktion» wurde mit dem Prix Interallié und dem Prix du Roman Fnac ausgezeichnet. Für «Eroberung» erhielt Binet den Grand Prix de l'Académie française. «Perspektiven» gewann den Prix Naissance d’une œuvre und den Prix du roman historique. Laurent Binet lebt in Paris.
Beiträge
Laurent Binet erzählt in „Eroberung“ eine packende alternative Weltgeschichte, in der die Inka Europa erobern. Die Umkehr der bekannten Eroberungsgeschichte ist originell und regt zum Nachdenken über Macht und Zufall in der Geschichte an. Besonders beeindruckt hat mich Binets Fähigkeit, historische Fakten und Fiktion zu verknüpfen. Allerdings gab es für meinen Geschmack einige Längen, die den Lesefluss manchmal bremsten. Insgesamt bietet der Roman aber eine erfrischende und tiefgründige Perspektive auf die Frage, wie anders die Weltgeschichte hätte verlaufen können.
Für absolute Geschichts-Freaks eine wirklich tolle Empfehlung. Hat leider nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen. Fand es stellenweise doch recht langatmig, kann aber auch an meiner - diese Zeit betreffenden - mangelnden Kenntnis liegen. Der Anfang hat mir gut gefallen und das Ende war auch sehr spannend. Der Mittelteil war Ausschlaggebend für die Bewertung.
Die Idee, die Geschichtsschreibung umzugestalten gefiel mir sehr, die Umsetzung im Buch jedoch nicht so. Besonders der Schreibstil des ersten Teils rief bei mir keine große Begeisterung hervor. Spannend war zu erfahren, wie die europäischen Bräuche und historischen Momente aus einem andern/unwissenden Blickwinkel aussehen. Dieser Aspekt des Buches hat mir gut gefallen.
Spannende Verdrehung der Geschichte, interessant geschrieben. Hinten raus etwas lahm.
Binet schafft es, die Geschichte aufgrund einer Kleinigkeit komplett zu verdrehen: die Wikinger segelten bis nach Südamerika und bringen den Ureinwohnern das Eisen und die Pferde. Kolumbus kehrt dadurch nie von seiner Reise zurück und die Inka spielen Conquista. Anhand verschiedener Schreibarten hangelt sich der Autor an der Geschichte entlang und fädelt alles gekonnt zusammen. Es ist sehr spannend zu lesen, wie das 16. Jahrhundert mit fast unbesiegbaren Inkas in Europa gelaufen wäre. Leider verliert das Buch ab dem letzten Drittel an Fahrt und Spannung, sodass es sich etwas langatmig liest. Außerdem liest es sich wesentlich einfacher, wenn Vorkenntnisse der einzelnen Epochen vorhanden sind. Nichtsdestotrotz ein gutes Buch besonders für Geschichtskundige und -interessierte die mal etwas anderes als Sachbücher zu Geschichte lesen wollen. Ohne Vorkenntnisse etwas anspruchsvoller aber dennoch empfehlenswert, wenn das Thema interessiert!
Grönland um das Jahr 1000. Freydis Eriksdottir segelt wie schon ihr Bruder Leif mit einigen Schiffen nach Vinland, das, wie wir heute wissen, in Neufundland liegt. Sie überwirft sich mit den anderen Anführern, stiehlt deren Schiff und segelt nach Süden. Sie macht mehrfach Station, bleibt jedoch nirgends lange, zumal die Einheimischen, die sie Skrälinger nennen, alle nach einer Weile krank werden und sterben. So gelangt Freydis irgendwann bis nach Peru, zu den Lambayeque, die auch krank werden, sich jedoch erholen. Dort bleiben sie. Und sie haben etwas mitgebracht und entlang ihrer Route hinterlassen: Pferde und das Wissen über die Eisenverarbeitung. Wenn man sich überlegt, wie faszinierend die Vorstellung ist, dass die Eroberung der Neuen Welt umgekehrt gelaufen wäre, ist es eigentlich verwunderlich, dass nicht schon früher ein Autor auf die Idee kam, das in einem Roman zu verarbeiten. Laurent Binet ist in die Bresche gesprungen und schafft es, dies durchaus plausibel umzusetzen. Da die Taíno, die Ureinwohner der Karibikinseln, dank den Wikingern über Eisen und Pferde verfügen, scheitert Kolumbus‘ Expedition – Amerika wird nicht „entdeckt“, die Seefahrer kommen bis auf den letzten Mann um. Doch sie hinterlassen ihre Schiffe und dem Inkaherrscher Atahualpa, der sich auf der Flucht vor seinem Bruder Huáscar befindet, gelingt es, mit diesen Schiffen nach Portugal zu gelangen. Und zwar just, als die Portugiesen vom großen Erdbeben von 1531 geschwächt sind. Man arrangiert sich, später kommt es zu Auseinandersetzungen und Atahualpa ergreift nach und nach die Macht. Binets alternativer Geschichtsroman hat mir sehr viel Vergnügen bereitet. Schon die Vorstellung, dass der englische König Heinrich VIII. überlegt, zur Sonnenreligion überzutreten, da er dann mehrere Frauen haben kann, und dass der entrüstete Thomas More sich hierüber mit Erasmus von Rotterdam in einem Briefwechsel austauscht – das ist herrlich. Geschrieben ist das Buch in unterschiedlichen Stilen, die zur jeweiligen Zeit und Situation passen, der erste Teil lehnt sich etwa an die isländischen Sagas an, die Ankunft der Inka wird im Stil der Chronisten beschrieben, nur dass die „Neue“ Welt hier aus der Sicht der Inka Europa ist. Auch dieser variable Stil hat mir sehr gefallen. Was ich einräumen muss, ist, dass es definitiv ein großer Vorteil ist, sich ein wenig mit der Geschichte der Entdeckung Amerikas durch die Wikinger und den amerikanischen Völkern auszukennen, sodass man etwa die Bedeutung, die ein hinterlassenes Pferd für die Kulturen hat, einordnen kann. Auch im Verlauf des Buches ist es sehr hilfreich, sich mit der Geschichte des 16. Jahrhunderts auszukennen. Die Zugänglichkeit des Buches ist in dieser Hinsicht also etwas eingeschränkt. Dass das Buch von mir nicht die Höchstbewertung kommt, liegt daran, dass es nach der Etablierung Atahualpas in Europa etwas nachlässt, vorübergehend beinahe ein wenig langweilig ist. Mit dem Wechsel des Erzählstils zum Briefwechsel zwischen Atahualpa und der Taíno-Prinzessin Higuenamota ändert sich dies jedoch wieder. Auch der letzte Abschnitt, in dem wir den jungen Miguel Cervantes und den Maler El Greco begleiten, hat mir gut gefallen. Laurent Binets Roman ist ein Riesenspaß, den ich unbedingt weiterempfehlen kann. Ein großes Lob sei auch an den Übersetzer Kristian Wachinger gerichtet, der es wahrlich nicht einfach hatte, die verschiedenen Erzählstile rüberzubringen, da war definitiv viel Recherchearbeit notwendig.
Das neueste Buch von Laurent Binet erfuhr ausnahmslos positive Bewertungen im Feuilleton. Sprühende Kreativität und ein enormer Lesespaß sollte dieses Geschichtsbuch mit alternativen Fakten liefern. Bei mir kam dieser Spaß leider nur zu Beginn des Buchs auf, als in den beiden kurzen ersten Teilen des Romans zum einen die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger und zum anderen das Scheitern der Mission des Christopher Columbus in zwei sehr unterschiedlichen Schreibstilen erzählt wurden. Im Stil einer nordischen Heldensaga kamen die Wikinger nicht nur bis an die kanadische Küste, sondern stießen bis nach Mittelamerika vor und brachten den Einheimischen Pferde und die Eisenverarbeitung. Diese Veränderung der beiden kleinen Rädchen in der Weltgeschichte, lösten daraufhin größer werdende Veränderungen aus. Columbus traf nämlich auf ein gut bewaffnetes und berittenes Volk, was seinen gnadenlosen Untergang bewirkte, erzählt in Tagebuchform. Der folgende dritte und längste Teil des Buchs ist als Chronik verfassend und handelt von der Eroberung Europas durch den Inkaführer Atahualpa im Jahr 1531. Und ab da begann mich das Buch zunehmend zu langweilen, denn der Chronist kommt seiner Aufgabe sachgerecht nach und schildert die kommenden Ereignisse nach der Landung in Portugal rein nach den Fakten, ohne näher auf die handelnden Personen einzugehen. So wird das Buch so langweilig wie ein Mittelstufen-Geschichtsunterricht, wo der Lehrer nur Jahreszahlen und Ereignisse an die Tafel schrieb. Die Idee des Buchs ist eigentlich gut. Was wäre passiert, wenn man den Spieß herumdreht und Europa inkanisiert worden wäre? So wie Binet, das seelenlos herunter erzählt, erinnert es an eine achtstündige Beschreibung eines Civilization-Spiels des kleinen Laurent, der das Volk der Inkas zur Weltherrschaft führt. Wären die Inkas denn wirklich die Heilsbringer der kleinen Leute geworden, die die Bauern auf ihre Seite gezogen hätten und ihnen die neue Existenzgrundlage Kartoffeln und Quinoa gebracht hätten? Würden wir wirklich heute alle den Sonnengott anbeten. Das Buch als Kritik am europäischen Kolonialismus zu verstehen, scheitert für mich daran, dass auch die Inkas sich so verhielten, wie europäischen Eroberer (Massenmord in Toledo). Binets Buch HHhH finde ich wesentlich gelungener. Er bleibt weiter auf meinem Fokus, obwohl mich Eroberung mehr enttäuscht als erfreut hat.
Was Laurent Binet hier macht, ist ein absoluter Geniestreich: Mit ein paar kleinen Twists in der Geschichte strandet im 16. Jahrhundert der Inka mit seiner Gefolgschaft an der Küste von Portugal und wirbelt das Europa an der Schwelle zur Neuzeit ganz schön auf. Mit diplomatischer Brillanz erlangt er Ruhm und Macht, schließt Pakte und legt sich mit den ganz großen Playern der damaligen Zeit an. Binet schreibt die Geschichte nicht komplett neu, sondern gibt den tatsächlichen historischen Gegebenheiten einen anderen Anstrich. Wer sich gut in der Geschichte dieser Zeit auskennt, wird einen Riesenspaß daran haben. Für Menschen wie mich, die sich nur rudimentär damit auskennen, wird es ein ganzes Stück Arbeit, die Anspielungen zu erkennen und zu recherchieren. Das führte am Ende auch dazu, dass mich die Lektüre auf die gesamte Länge hin ermüdete und ich mich immer etwas aufraffen musste, weiterzulesen. Dazu kommt, dass der längste Teil des Buches im sachlichen Chronistenstil geschrieben ist, ein paar Mal zu Auflockerung die vierte Wand durchbrochen wird, aber ansonsten recht nüchtern die "historischen" Gegebenheiten beschrieben werden. Damit hat sich das Ganze für mich letzten Endes gezogen und auch der etwas lang ausgefallene Epilog, der Cervantes als Protagonisten wie seinen Don Quichote durch die Landschaft stolpern lässt, hat es für mich nicht mehr rausgerissen (auch hier waren die Referenzen für mich größtenteils unzugänglich). Dennoch hat mich das Werk insgesamt fasziniert, mir einige Erkenntnisse offenbart und phasenweise auch wirklich Spaß gemacht. Im Süden, nicht weit von Spanien, aber durch das Meer davon getrennt, gab es eine Gegend, die bei allen Begehrlichkeiten weckte: Italien, der Schauplatz andauernder Kriege, wo der Häuptling der Geschorenen lebte, der den Angenagelten Gott auf Erden vertrat. (S. 149)
Das neueste Buch von Laurent Binet erfuhr ausnahmslos positive Bewertungen im Feuilleton. Sprühende Kreativität und ein enormer Lesespaß sollte dieses Geschichtsbuch mit alternativen Fakten liefern. Bei mir kam dieser Spaß leider nur zu Beginn des Buchs auf, als in den beiden kurzen ersten Teilen des Romans zum einen die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger und zum anderen das Scheitern der Mission des Christopher Columbus in zwei sehr unterschiedlichen Schreibstilen erzählt wurden. Im Stil einer nordischen Heldensaga kamen die Wikinger nicht nur bis an die kanadische Küste, sondern stießen bis nach Mittelamerika vor und brachten den Einheimischen Pferde und die Eisenverarbeitung. Diese Veränderung der beiden kleinen Rädchen in der Weltgeschichte, lösten daraufhin größer werdende Veränderungen aus. Columbus traf nämlich auf ein gut bewaffnetes und berittenes Volk, was seinen gnadenlosen Untergang bewirkte, erzählt in Tagebuchform. Der folgende dritte und längste Teil des Buchs ist als Chronik verfassend und handelt von der Eroberung Europas durch den Inkaführer Atahualpa im Jahr 1531. Und ab da begann mich das Buch zunehmend zu langweilen, denn der Chronist kommt seiner Aufgabe sachgerecht nach und schildert die kommenden Ereignisse nach der Landung in Portugal rein nach den Fakten, ohne näher auf die handelnden Personen einzugehen. So wird das Buch so langweilig wie ein Mittelstufen-Geschichtsunterricht, wo der Lehrer nur Jahreszahlen und Ereignisse an die Tafel schrieb. Die Idee des Buchs ist eigentlich gut. Was wäre passiert, wenn man den Spieß herumdreht und Europa inkanisiert worden wäre? So wie Binet, das seelenlos herunter erzählt, erinnert es an eine achtstündige Beschreibung eines Civilization-Spiels des kleinen Laurent, der das Volk der Inkas zur Weltherrschaft führt. Wären die Inkas denn wirklich die Heilsbringer der kleinen Leute geworden, die die Bauern auf ihre Seite gezogen hätten und ihnen die neue Existenzgrundlage Kartoffeln und Quinoa gebracht hätten? Würden wir wirklich heute alle den Sonnengott anbeten. Das Buch als Kritik am europäischen Kolonialismus zu verstehen, scheitert für mich daran, dass auch die Inkas sich so verhielten, wie europäischen Eroberer (Massenmord in Toledo). Binets Buch HHhH finde ich wesentlich gelungener. Er bleibt weiter auf meinem Fokus, obwohl mich Eroberung mehr enttäuscht als erfreut hat.
Beschreibung
Was, wenn in der Geschichte Europas zwei Dinge anders gelaufen wären? Erstens: Die Wikinger wären mit Pferden und eisernen Waffen bis nach Südamerika gesegelt. Zweitens: Kolumbus wäre nie aus Amerika zurückgekehrt.
In diesem Fall erobern die Inkas Europa. Sie landen im 16. Jahrhundert in Portugal, besiegen Karl V. in Frankreich und die Anhänger der Inquisition in Spanien. In Deutschland helfen ihnen die Fugger, das viele Gold zu verteilen. Im Herzen von Paris wird eine Pyramide errichtet, in Wittenberg schlägt man nach Luthers Tod die «95 Thesen der Sonne» an. Federschmuck ziert die Häupter der Europäer, auf den Feldern wächst Quinoa, Schafe sind heilig...
Wie ginge es uns heute, fragt Binet, wären wir statt der kapitalistischen Ideologie den Lehren des Inkahäuptlings Atahualpa gefolgt?
Eine mit sprühendem Witz geschriebene Alternativweltgeschichte, ein fulminantes Vexierspiel, ein brillanter Abenteuerroman. Laurent Binets Bücher sind internationale Bestseller, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die «Eroberung» Europas durch die Inkas wird in zwanzig Sprachen übersetzt und als Serie verfilmt.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Laurent Binet wurde 1972 in Paris geboren und hat in Prag Geschichte studiert. Sein erster Roman «HHhH» gewann den Prix Goncourt du Premier Roman und wurde von der New York Times zu den 100 besten Büchern des Jahres 2012 gewählt. «Die siebte Sprachfunktion» wurde mit dem Prix Interallié und dem Prix du Roman Fnac ausgezeichnet. Für «Eroberung» erhielt Binet den Grand Prix de l'Académie française. «Perspektiven» gewann den Prix Naissance d’une œuvre und den Prix du roman historique. Laurent Binet lebt in Paris.
Beiträge
Laurent Binet erzählt in „Eroberung“ eine packende alternative Weltgeschichte, in der die Inka Europa erobern. Die Umkehr der bekannten Eroberungsgeschichte ist originell und regt zum Nachdenken über Macht und Zufall in der Geschichte an. Besonders beeindruckt hat mich Binets Fähigkeit, historische Fakten und Fiktion zu verknüpfen. Allerdings gab es für meinen Geschmack einige Längen, die den Lesefluss manchmal bremsten. Insgesamt bietet der Roman aber eine erfrischende und tiefgründige Perspektive auf die Frage, wie anders die Weltgeschichte hätte verlaufen können.
Für absolute Geschichts-Freaks eine wirklich tolle Empfehlung. Hat leider nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen. Fand es stellenweise doch recht langatmig, kann aber auch an meiner - diese Zeit betreffenden - mangelnden Kenntnis liegen. Der Anfang hat mir gut gefallen und das Ende war auch sehr spannend. Der Mittelteil war Ausschlaggebend für die Bewertung.
Die Idee, die Geschichtsschreibung umzugestalten gefiel mir sehr, die Umsetzung im Buch jedoch nicht so. Besonders der Schreibstil des ersten Teils rief bei mir keine große Begeisterung hervor. Spannend war zu erfahren, wie die europäischen Bräuche und historischen Momente aus einem andern/unwissenden Blickwinkel aussehen. Dieser Aspekt des Buches hat mir gut gefallen.
Spannende Verdrehung der Geschichte, interessant geschrieben. Hinten raus etwas lahm.
Binet schafft es, die Geschichte aufgrund einer Kleinigkeit komplett zu verdrehen: die Wikinger segelten bis nach Südamerika und bringen den Ureinwohnern das Eisen und die Pferde. Kolumbus kehrt dadurch nie von seiner Reise zurück und die Inka spielen Conquista. Anhand verschiedener Schreibarten hangelt sich der Autor an der Geschichte entlang und fädelt alles gekonnt zusammen. Es ist sehr spannend zu lesen, wie das 16. Jahrhundert mit fast unbesiegbaren Inkas in Europa gelaufen wäre. Leider verliert das Buch ab dem letzten Drittel an Fahrt und Spannung, sodass es sich etwas langatmig liest. Außerdem liest es sich wesentlich einfacher, wenn Vorkenntnisse der einzelnen Epochen vorhanden sind. Nichtsdestotrotz ein gutes Buch besonders für Geschichtskundige und -interessierte die mal etwas anderes als Sachbücher zu Geschichte lesen wollen. Ohne Vorkenntnisse etwas anspruchsvoller aber dennoch empfehlenswert, wenn das Thema interessiert!
Grönland um das Jahr 1000. Freydis Eriksdottir segelt wie schon ihr Bruder Leif mit einigen Schiffen nach Vinland, das, wie wir heute wissen, in Neufundland liegt. Sie überwirft sich mit den anderen Anführern, stiehlt deren Schiff und segelt nach Süden. Sie macht mehrfach Station, bleibt jedoch nirgends lange, zumal die Einheimischen, die sie Skrälinger nennen, alle nach einer Weile krank werden und sterben. So gelangt Freydis irgendwann bis nach Peru, zu den Lambayeque, die auch krank werden, sich jedoch erholen. Dort bleiben sie. Und sie haben etwas mitgebracht und entlang ihrer Route hinterlassen: Pferde und das Wissen über die Eisenverarbeitung. Wenn man sich überlegt, wie faszinierend die Vorstellung ist, dass die Eroberung der Neuen Welt umgekehrt gelaufen wäre, ist es eigentlich verwunderlich, dass nicht schon früher ein Autor auf die Idee kam, das in einem Roman zu verarbeiten. Laurent Binet ist in die Bresche gesprungen und schafft es, dies durchaus plausibel umzusetzen. Da die Taíno, die Ureinwohner der Karibikinseln, dank den Wikingern über Eisen und Pferde verfügen, scheitert Kolumbus‘ Expedition – Amerika wird nicht „entdeckt“, die Seefahrer kommen bis auf den letzten Mann um. Doch sie hinterlassen ihre Schiffe und dem Inkaherrscher Atahualpa, der sich auf der Flucht vor seinem Bruder Huáscar befindet, gelingt es, mit diesen Schiffen nach Portugal zu gelangen. Und zwar just, als die Portugiesen vom großen Erdbeben von 1531 geschwächt sind. Man arrangiert sich, später kommt es zu Auseinandersetzungen und Atahualpa ergreift nach und nach die Macht. Binets alternativer Geschichtsroman hat mir sehr viel Vergnügen bereitet. Schon die Vorstellung, dass der englische König Heinrich VIII. überlegt, zur Sonnenreligion überzutreten, da er dann mehrere Frauen haben kann, und dass der entrüstete Thomas More sich hierüber mit Erasmus von Rotterdam in einem Briefwechsel austauscht – das ist herrlich. Geschrieben ist das Buch in unterschiedlichen Stilen, die zur jeweiligen Zeit und Situation passen, der erste Teil lehnt sich etwa an die isländischen Sagas an, die Ankunft der Inka wird im Stil der Chronisten beschrieben, nur dass die „Neue“ Welt hier aus der Sicht der Inka Europa ist. Auch dieser variable Stil hat mir sehr gefallen. Was ich einräumen muss, ist, dass es definitiv ein großer Vorteil ist, sich ein wenig mit der Geschichte der Entdeckung Amerikas durch die Wikinger und den amerikanischen Völkern auszukennen, sodass man etwa die Bedeutung, die ein hinterlassenes Pferd für die Kulturen hat, einordnen kann. Auch im Verlauf des Buches ist es sehr hilfreich, sich mit der Geschichte des 16. Jahrhunderts auszukennen. Die Zugänglichkeit des Buches ist in dieser Hinsicht also etwas eingeschränkt. Dass das Buch von mir nicht die Höchstbewertung kommt, liegt daran, dass es nach der Etablierung Atahualpas in Europa etwas nachlässt, vorübergehend beinahe ein wenig langweilig ist. Mit dem Wechsel des Erzählstils zum Briefwechsel zwischen Atahualpa und der Taíno-Prinzessin Higuenamota ändert sich dies jedoch wieder. Auch der letzte Abschnitt, in dem wir den jungen Miguel Cervantes und den Maler El Greco begleiten, hat mir gut gefallen. Laurent Binets Roman ist ein Riesenspaß, den ich unbedingt weiterempfehlen kann. Ein großes Lob sei auch an den Übersetzer Kristian Wachinger gerichtet, der es wahrlich nicht einfach hatte, die verschiedenen Erzählstile rüberzubringen, da war definitiv viel Recherchearbeit notwendig.
Das neueste Buch von Laurent Binet erfuhr ausnahmslos positive Bewertungen im Feuilleton. Sprühende Kreativität und ein enormer Lesespaß sollte dieses Geschichtsbuch mit alternativen Fakten liefern. Bei mir kam dieser Spaß leider nur zu Beginn des Buchs auf, als in den beiden kurzen ersten Teilen des Romans zum einen die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger und zum anderen das Scheitern der Mission des Christopher Columbus in zwei sehr unterschiedlichen Schreibstilen erzählt wurden. Im Stil einer nordischen Heldensaga kamen die Wikinger nicht nur bis an die kanadische Küste, sondern stießen bis nach Mittelamerika vor und brachten den Einheimischen Pferde und die Eisenverarbeitung. Diese Veränderung der beiden kleinen Rädchen in der Weltgeschichte, lösten daraufhin größer werdende Veränderungen aus. Columbus traf nämlich auf ein gut bewaffnetes und berittenes Volk, was seinen gnadenlosen Untergang bewirkte, erzählt in Tagebuchform. Der folgende dritte und längste Teil des Buchs ist als Chronik verfassend und handelt von der Eroberung Europas durch den Inkaführer Atahualpa im Jahr 1531. Und ab da begann mich das Buch zunehmend zu langweilen, denn der Chronist kommt seiner Aufgabe sachgerecht nach und schildert die kommenden Ereignisse nach der Landung in Portugal rein nach den Fakten, ohne näher auf die handelnden Personen einzugehen. So wird das Buch so langweilig wie ein Mittelstufen-Geschichtsunterricht, wo der Lehrer nur Jahreszahlen und Ereignisse an die Tafel schrieb. Die Idee des Buchs ist eigentlich gut. Was wäre passiert, wenn man den Spieß herumdreht und Europa inkanisiert worden wäre? So wie Binet, das seelenlos herunter erzählt, erinnert es an eine achtstündige Beschreibung eines Civilization-Spiels des kleinen Laurent, der das Volk der Inkas zur Weltherrschaft führt. Wären die Inkas denn wirklich die Heilsbringer der kleinen Leute geworden, die die Bauern auf ihre Seite gezogen hätten und ihnen die neue Existenzgrundlage Kartoffeln und Quinoa gebracht hätten? Würden wir wirklich heute alle den Sonnengott anbeten. Das Buch als Kritik am europäischen Kolonialismus zu verstehen, scheitert für mich daran, dass auch die Inkas sich so verhielten, wie europäischen Eroberer (Massenmord in Toledo). Binets Buch HHhH finde ich wesentlich gelungener. Er bleibt weiter auf meinem Fokus, obwohl mich Eroberung mehr enttäuscht als erfreut hat.
Was Laurent Binet hier macht, ist ein absoluter Geniestreich: Mit ein paar kleinen Twists in der Geschichte strandet im 16. Jahrhundert der Inka mit seiner Gefolgschaft an der Küste von Portugal und wirbelt das Europa an der Schwelle zur Neuzeit ganz schön auf. Mit diplomatischer Brillanz erlangt er Ruhm und Macht, schließt Pakte und legt sich mit den ganz großen Playern der damaligen Zeit an. Binet schreibt die Geschichte nicht komplett neu, sondern gibt den tatsächlichen historischen Gegebenheiten einen anderen Anstrich. Wer sich gut in der Geschichte dieser Zeit auskennt, wird einen Riesenspaß daran haben. Für Menschen wie mich, die sich nur rudimentär damit auskennen, wird es ein ganzes Stück Arbeit, die Anspielungen zu erkennen und zu recherchieren. Das führte am Ende auch dazu, dass mich die Lektüre auf die gesamte Länge hin ermüdete und ich mich immer etwas aufraffen musste, weiterzulesen. Dazu kommt, dass der längste Teil des Buches im sachlichen Chronistenstil geschrieben ist, ein paar Mal zu Auflockerung die vierte Wand durchbrochen wird, aber ansonsten recht nüchtern die "historischen" Gegebenheiten beschrieben werden. Damit hat sich das Ganze für mich letzten Endes gezogen und auch der etwas lang ausgefallene Epilog, der Cervantes als Protagonisten wie seinen Don Quichote durch die Landschaft stolpern lässt, hat es für mich nicht mehr rausgerissen (auch hier waren die Referenzen für mich größtenteils unzugänglich). Dennoch hat mich das Werk insgesamt fasziniert, mir einige Erkenntnisse offenbart und phasenweise auch wirklich Spaß gemacht. Im Süden, nicht weit von Spanien, aber durch das Meer davon getrennt, gab es eine Gegend, die bei allen Begehrlichkeiten weckte: Italien, der Schauplatz andauernder Kriege, wo der Häuptling der Geschorenen lebte, der den Angenagelten Gott auf Erden vertrat. (S. 149)
Das neueste Buch von Laurent Binet erfuhr ausnahmslos positive Bewertungen im Feuilleton. Sprühende Kreativität und ein enormer Lesespaß sollte dieses Geschichtsbuch mit alternativen Fakten liefern. Bei mir kam dieser Spaß leider nur zu Beginn des Buchs auf, als in den beiden kurzen ersten Teilen des Romans zum einen die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger und zum anderen das Scheitern der Mission des Christopher Columbus in zwei sehr unterschiedlichen Schreibstilen erzählt wurden. Im Stil einer nordischen Heldensaga kamen die Wikinger nicht nur bis an die kanadische Küste, sondern stießen bis nach Mittelamerika vor und brachten den Einheimischen Pferde und die Eisenverarbeitung. Diese Veränderung der beiden kleinen Rädchen in der Weltgeschichte, lösten daraufhin größer werdende Veränderungen aus. Columbus traf nämlich auf ein gut bewaffnetes und berittenes Volk, was seinen gnadenlosen Untergang bewirkte, erzählt in Tagebuchform. Der folgende dritte und längste Teil des Buchs ist als Chronik verfassend und handelt von der Eroberung Europas durch den Inkaführer Atahualpa im Jahr 1531. Und ab da begann mich das Buch zunehmend zu langweilen, denn der Chronist kommt seiner Aufgabe sachgerecht nach und schildert die kommenden Ereignisse nach der Landung in Portugal rein nach den Fakten, ohne näher auf die handelnden Personen einzugehen. So wird das Buch so langweilig wie ein Mittelstufen-Geschichtsunterricht, wo der Lehrer nur Jahreszahlen und Ereignisse an die Tafel schrieb. Die Idee des Buchs ist eigentlich gut. Was wäre passiert, wenn man den Spieß herumdreht und Europa inkanisiert worden wäre? So wie Binet, das seelenlos herunter erzählt, erinnert es an eine achtstündige Beschreibung eines Civilization-Spiels des kleinen Laurent, der das Volk der Inkas zur Weltherrschaft führt. Wären die Inkas denn wirklich die Heilsbringer der kleinen Leute geworden, die die Bauern auf ihre Seite gezogen hätten und ihnen die neue Existenzgrundlage Kartoffeln und Quinoa gebracht hätten? Würden wir wirklich heute alle den Sonnengott anbeten. Das Buch als Kritik am europäischen Kolonialismus zu verstehen, scheitert für mich daran, dass auch die Inkas sich so verhielten, wie europäischen Eroberer (Massenmord in Toledo). Binets Buch HHhH finde ich wesentlich gelungener. Er bleibt weiter auf meinem Fokus, obwohl mich Eroberung mehr enttäuscht als erfreut hat.















