Eine ganze Hälfte der Welt

Eine ganze Hälfte der Welt

Hardcover
3.57

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Beschreibung

Eine feministische Reflexion über Frauenbilder in der Literatur, und über (weibliches) engagiertes Schreiben
Bevor Alice Zeniter Autorin wurde, war sie vor allem eins: Leserin. Und immer fehlten ihr bei der Lektüre Heldinnen, mit denen sie sich identifizieren konnte. Seit Simone de Beauvoir wird dieses Manko von Frauen wie Ruth Klüger oder Elke Heidenreich thematisiert. Alice Zeniter, Superstar der französischen Literaturszene, kommt mit ihrer brillanten Analyse zu verblüffenden Einsichten. Es geht um die Darstellung von Frauen in der Literatur, um weibliche Rezeption, aber auch um die Frage, wie man als Autorin den alten Mustern entkommen kann, ohne dabei zu ideologisieren oder zu langweilen.

Buchinformationen

Haupt-Genre
N/A
Sub-Genre
N/A
Format
Hardcover
Seitenzahl
256
Preis
22.70 €

Autorenbeschreibung

Alice Zeniter wurde 1986 in Clamart geboren und wuchs in dem kleinen Dorf Champfleur auf, bis die Familie nach Alençon zog. Sie lebt heute in Paris und in der Bretagne. Schon als Schülerin schrieb sie ihren ersten Roman. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie an der École normale supérieure in Paris. Sie arbeitet(e) als Lehrerin und Dramaturgin (einige Jahre lang auch in Budapest). Internationales Aufsehen erregte sie mit ihrem fünften Roman, »Die Kunst zu verlieren«, mit dem sie es u.a. in die letzte Auswahl für den Prix Goncourt schaffte, den begehrten Prix Goncourt des Lycéens erhielt und außerdem im Jahr 2022 den wohl begehrtesten Preis für ein literarisches Einzelwerk, den Dublin Literary Award. Der Vorgängerroman »Kurz vor dem Vergessen«, war bereits mit dem Prix Renaudot ausgezeichnet worden. 2020 erschien in Frankreich »Comme un empire dans un empire« (»Machtspiele«, 2023), 2022.

Beiträge

3
Alle
2

Langweilig, trocken, unfokussiert und ohne Mehrwert für mich. Kein Vergleich zu Nicole Seiferts Werk. Super schade, hab mir mehr oder vielleicht auch einfach anderes erhofft.

Langweilig, trocken, unfokussiert und ohne Mehrwert für mich. Kein Vergleich zu Nicole Seiferts Werk. Super schade, hab mir mehr oder vielleicht auch einfach anderes erhofft.
3.5

„Eine ganze Hälfte der Welt“ von Alice Zeniter. Ein super interessantes Sachbuch über den Literaturbetrieb, die Struktur und Genese von Romanen und vor allem ein feministischer Blick auf die Hälfte, die viel zu oft und noch immer aus dem Blick gerät oder aber sich an anderen Standards abarbeiten muss. Für mich war der Anfang stark, doch dann verlor sich der feministische Blick im germanistischen Vortrag ein wenig zu sehr. Eine lohnende Lektüre, aber dann sollte man nicht primär aus feministischen Gründen danach greifen, sondern unter eher allgemeiner wissenschaftlicher Neugier am Text. Für alle anderen empfehle ich eher „Einige Herren sagten etwas dazu“ von Nicole Seifert

3

In „Eine ganze Hälfte der Welt“ widmet sich Alice Zeniter essayistisch der Frage, wie Frauen in der Literatur dargestellt werden – und wie sie selbst als Autorin ihren eigenen literarischen Weg zwischen Anspruch, Engagement und Tradition findet. Die französische Autorin wurde 1986 in der Normandie geboren und studierte in Paris und Budapest. Bereits in jungen Jahren begann sie zu schreiben, heute zählt sie zu den wichtigen Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur. Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Roman „Die Kunst zu verlieren“ (2018) wurde sie auch international bekannt. In ihrem aktuellen Buch vereint sie persönliche Reflexionen, literarische Analyse und feministische Perspektiven. Worum geht’s genau? „Eine ganze Hälfte der Welt“ ist kein klassisches Sachbuch und auch kein durchstrukturiertes Essay im herkömmlichen Sinn – vielmehr eine literarische Reflexion. Zeniter beleuchtet, wie Frauenfiguren in der Literatur dargestellt werden, welche Geschichten fehlen und warum. Sie reflektiert über ihr eigenes Schreiben, darüber, wie Literatur Welten erschließt, ausschließt oder erweitert. Dabei zieht sie feministische Linien zu Autorinnen wie Simone de Beauvoir, Ruth Klüger oder Elke Heidenreich. Immer wieder geht es um zentrale Fragen: Welche Geschichten erzählen wir uns? Wer wird dargestellt – und wer nicht? Wie kann Literatur sich den Randzonen der Gesellschaft öffnen? Und wie schreibt man als Frau, ohne zu belehren oder in Stereotype zu verfallen? Meine Meinung Schon das Cover und der Klappentext haben mich sehr angesprochen, auch weil ich bspw. Nicole Seiferts "Frauen Literatur" so gemocht hab – ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, in etwa in Richtung „Ein Raum zum Schreiben“ von Kristin Valla. Leider wurden diese Erwartungen nicht erfüllt. Während mir die ersten beiden Kapitel noch gut gefallen haben, verlor mich das Buch im weiteren Verlauf zunehmend. Das liegt vor allem daran, dass es für mich an einem klaren roten Faden mangelt. Die Kapitel sind sehr lang – oft über 40 Seiten – und Zeniter verliert sich häufig in philosophischen Ausschweifungen. Schon zu Beginn des Buches beschreibt sie selbstironisch: „Betrachtet man das vorliegende Buch als Essay, wird es sich nicht besonders gut benehmen. [...] Betrachtet man es als Träumerei zur Literatur, wird seine Ernsthaftigkeit hingegen an manchen Stellen übertrieben wirken.“ (S. 18/19). Genau dieses Unentschiedene spiegelt sich für mich im Leseeindruck wider. Zwar ist der Schreibstil poetisch und reflektiert, aber durch die sehr spezifischen literaturtheoretischen Betrachtungen, etwa zu Erzähltechniken oder literarischen Formen, fiel es mir zunehmend schwer, dem Text zu folgen. Ein wirklicher Lesefluss wollte sich nicht einstellen – auch wegen der zahlreichen, teils überbordenden Fußnoten. Sehr überzeugend fand ich hingegen Zeniters selbstkritische Auseinandersetzung mit ihrem bisherigen Schreiben und ihre feministische Perspektive. Besonders eindrücklich sind Passagen wie: „Ich möchte nicht, dass meine Bücher auch nur für eine Sekunde den Anschein erwecken, die Welt, so wie sie ist, passe mir [...].“ (S. 190) oder „Man kann nur gewinnen, wenn man sich bereitwillig zu den Regionen und Rändern umwendet, die uns von Geschichten eröffnet werden.“ (S. 148). Diese Momente bieten klare Gedanken und schöne Formulierungen, die lange nachhallen. Auch ihre ironische Bemerkung: „Bei manchen Werken hätte ich fast Lust, sie ein wenig zu schütteln, um zu sehen, ob nicht eine Bedienungsanleitung herausfällt...“ (S. 104), zeigt, dass sie mit feinem Humor schreibt. Fazit „Eine ganze Hälfte der Welt“ ist ein anspruchsvolles, vielschichtiges Buch mit wichtigen Fragen rund um Literatur, Sichtbarkeit und weibliches Schreiben. Auch wenn Zeniter streckenweise kluge, eindringliche Gedanken formuliert, verliert sich der Text durch seine Länge, die abschweifende Struktur und die zahlreichen Fußnoten immer wieder selbst. Wer gerne assoziative, essayistische Reflexionen liest, wird hier sicherlich wertvolle Impulse finden – mir persönlich fehlte jedoch der rote Faden, um dauerhaft dranzubleiben. Trotz einiger starker Zitate und Passagen konnte mich das Buch insgesamt nicht voll überzeugen. Daher vergebe ich 3 von 5 Sternen.

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