Ein volles Leben

Ein volles Leben

Hardcover
3.713

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Beschreibung

Wie viel Schönheit passt in ein Leben, und wann ist es Zeit loszulassen?

Theo Engel ist in den Niederlanden als Sterbehilfearzt tätig. Fast jede Woche verabreicht er Menschen, die unzumutbar und ausweglos leiden, die erlösende Spritze. Doch der Beruf zehrt an ihm, Theo kämpft mit Depressionen. Eines Tages erhält er einen bemerkenswerten Brief: Darin bittet ihn ein zwar nicht mehr junger, aber vollkommen gesunder Mann um Sterbehilfe. Gerrit Blauw möchte sterben, weil er sein Leben für vollendet hält. Um den Arzt zu überzeugen, ihm zu helfen, erzählt Gerrit Theo von der Schönheit, die sein Leben erfüllt hat. Von seiner Arbeit für das Theater, vor allem aber von seiner großen Liebe Saartje, für die er einmal sogar eine Giraffe auf eine Nordseeinsel verschifft hat. Und zum ersten Mal beginnt Theo sich zu fragen, ob der Mensch nicht nur ein schönes Leben, sondern auch einen schönen Tod verdient hat.

»Eine Ode an das Leben, eine Feier der Lebendigkeit.«
Dagblatt van het Noorden

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Weitere Themen
Format
Hardcover
Seitenzahl
192
Preis
23.70 €

Autorenbeschreibung

Joost Oomen, geboren 1990, ist Schriftsteller, Lyriker, Theatermacher und Musiker. Sein Debütroman Het Perenlied wurde für den Anton-Wachter-Preis nominiert, sein aktueller Gedichtband Lievegedicht erlebt Nachauflage um Nachauflage. Oomen schreibt Kolumnen für verschiedene Zeitungen, tritt regelmäßig im Fernsehen und im Radio auf und begeistert auf dem von ihm mitbegründeten und kuratierten Instagram-Kanal poezieiseendaad annähernd 30'000 Follower für Lyrik. Ein volles Leben ist sein zweiter Roman.

Beiträge

7
Alle
4.5

Von Lebenslagen & Sterbenslagen

In diesem Buch lernen wir Gerrit kennen. Wir lernen aber auch Theo kennen. Denn es geht um deren ungewöhnliche Begegnung zwischen einem Sterbehilfearzt & einem Mann, der sterben möchte – obwohl er nicht krank ist. Eines Tages erhält der niederländische Arzt Theo Engel einen ungewöhnlichen Brief von dem älteren Herrn Gerrit Blauw, in dem dieser ihn trotz Gesundheit um Sterbehilfe bittet. Denn Gerrit hält sein Leben für vollendet. Theo kann ihm im Grunde nicht helfen, weil Gerrit nicht unerträglich & aussichtslos leidet. Dennoch liest er sich seine angefügte Lebensgeschichte durch. Gerrit erzählt von seiner Schullaufbahn, von seinem besten Freund Douwe, von seiner lyrischen Phase und seiner später kreativen Arbeit als Theatermacher. Wer dabei zu keiner Zeit unerwähnt bleibt, ist seine Freundin Saartje. Seine heimliche, aber vielleicht auch nicht ganz so heimlich gebliebene große Liebe. Während Gerrit seine Erinnerungen erzählt, beginnt Theo zunehmend über seine eigene Einstellung zum Leben & zum Tod nachzudenken. Er fragt sich, ob Menschen nicht nur ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben, sondern vielleicht auch auf einen selbstbestimmten Tod? ✨ Hui! Dieses Buch empfinde ich als etwas ganz Besonderes. Ein wahrer Goldschatz!💛 Erst einmal klang der Schreibstil ruhig & poetisch. Die Sprache transportierte auf angenehme Art starke Gefühle & philosophische Gedanken, aber genauso symbolische Bilder. All das machte die Story emotional & gedanklich anspruchsvoll. Theo fand ich interessant, aber auch manchmal seltsam, was ihn aber gleichzeitig wieder interessant machte.😃 Gerrit mochte ich noch ein bisschen mehr. Wunderschön fand ich auch die anhaltende Liebe, die er für Saartje empfunden hat & auf welche besondere Weise sie erzählt wurde. Weiter hat mich die ethisch schwierige Thematik der Sterbehilfe sehr angesprochen! Noch nie zuvor habe ich einen Roman gelesen, in dem es darum ging. Dabei stellte der Autor keine einfachen Antworten bereit, sondern ließ mich selbst über moralische Fragen nachdenken. Trotz des zunächst schwer erscheinenden Themas wirkte die Geschichte nicht düster sondern sinnmachend.💫 Die zentrale Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht, hat mich sehr bewegt & mich in meiner ohnehin festen Meinung bestätigt, dass ein Leben nicht unbedingt lang sein muss, um vollständig zu sein.💝

Von Lebenslagen & Sterbenslagen
2

Starke Idee, schwache Umsetzung

Der Roman Ein volles Leben bringt eine Prämisse mit, die eigentlich kaum mehr Fallhöhe haben könnte: Ein Sterbehilfearzt erhält den ausführlichen Brief eines älteren, kerngesunden Mannes, der sein Leben beenden lassen möchte – nicht aus Verzweiflung, sondern weil er es für rundum gelungen und abgeschlossen hält. Diese rückblickende Lebensbeichte verspricht eine ebenso persönliche wie philosophische Auseinandersetzung mit der Frage, wann ein Leben „genug“ sein kann. Gerade inhaltlich liegt darin ein gewisser Reiz. Die Idee, Sterbehilfe einmal nicht aus dem Kontext von Krankheit oder Leiden zu betrachten, sondern aus dem Gefühl der Vollendung heraus, ist originell und regt zum Nachdenken an. Allerdings entfaltet die geschilderte Biografie erstaunlich wenig Strahlkraft. Das angeblich so erfüllte Leben wirkt über weite Strecken eher brav und ereignisarm – fast so, als bestünde seine Vollkommenheit vor allem darin, niemandem wehgetan zu haben und ansonsten solide durchs Dasein geglitten zu sein. Hinzu kommt ein Stil, der mit bemerkenswerter Konsequenz an literarische Gepflogenheiten vergangener Jahrzehnte erinnert: würdevoll, ja, aber auch etwas spröde und selten wirklich packend. Die großen ethischen Fragen, die der Stoff zwangsläufig aufwirft, werden höflich angetippt und ebenso höflich wieder beiseitegelegt, sodass man sich als Leserin oder Leser bisweilen fragt, warum man gedanklich mehr arbeiten muss als der Text selbst. So bleibt am Ende ein Roman, dessen gedanklicher Kern durchaus fasziniert, dessen literarische Ausarbeitung jedoch eine gewisse Ironie provoziert: Ein Buch über die Vollendung des Lebens, das selbst nie ganz zu seiner eigenen erzählerischen Erfüllung findet.

3.5

EIN VOLLES LEBEN Joost Oomen ET: 11.02.26 Dr. Theo Engel ist Allgemeinmediziner und arbeitet seit einigen Jahren in den Niederlanden als Sterbehilfearzt. Täglich erreichen ihn Anfragen von Menschen, die unheilbar krank sind und sich wünschen, ohne Schmerzen aus dem Leben zu gehen. Doch die Hürden sind hoch: Sterbehilfe darf nur geleistet werden, wenn ein aussichtsloses und unerträgliches Leiden vorliegt – der bloße Wunsch zu sterben reicht nicht aus. Die vielen Vorgespräche, in denen Theo prüfen muss, ob die gesetzlichen Kriterien erfüllt sind, sind belastend. Schon lange fühlt er sich ausgebrannt, und jede neue Anfrage kostet ihn Kraft. Eines Tages erhält er einen Brief von Gerrit Blauw. Gerrit möchte seinem Leben ein Ende setzen, weil er es als erfüllt betrachtet. Dem Schreiben legt er seine Lebensgeschichte bei. Wie diese genau aussieht, müsst ihr selbst herausfinden – nur so viel sei verraten: Es geht um eine große Liebe und um eine Giraffe. Was für ein interessanter Ritt! Auf gerade einmal 190 Seiten passiert unglaublich viel, und manches ist herrlich skurril. Ich möchte gleich vorwegnehmen, dass mir das Buch gefallen hat und ich es gern gelesen habe – wenn auch mit gemischten Gefühlen. Besonders die Geschichte von Gerrit hat mir sehr gefallen. Es war schön, ihn von der Jugend bis ins Erwachsenenalter zu begleiten und Stück für Stück mehr über sein Leben zu erfahren. Der Erzählstrang um Dr. Theo Engel hat mich dagegen eher belastet. Die vielen kranken Menschen, die unzähligen Anfragen – das hat mich beim Lesen immer wieder heruntergezogen. Versteht mich nicht falsch: Ich befürworte Sterbehilfe. Vielleicht hat mich dieser Teil aber gerade deshalb so beschäftigt, weil man mit zunehmendem Alter merkt, dass Themen wie Krankheit und Tod näher rücken. Mit diesem Teil der Geschichte hatte ich daher persönlich etwas mehr Schwierigkeiten. Dennoch lässt sich der Roman leicht und flüssig lesen, und ich habe es sehr genossen, einmal eine ganz andere, ungewöhnliche Geschichte zu entdecken. Fazit: Ein Roman über Sterbehilfe und die Frage, was ein erfülltes Leben – und vielleicht auch ein guter Tod – sein kann. Ein besonderes Buch, das zum Nachdenken anregt und das ich gern weiterempfehle. 3½/5

Post image
4.5

Wenn ein Leben einfach genug gewesen ist

Sterbehilfe, Lebenssattheit und dann plötzlich eine Giraffe auf einer Nordseeinsel. Klingt wie der Beginn eines schrägen Films, ist aber ein leiser Roman, der sich direkt unter die Haut schiebt. Theo verbringt seine Tage damit, Menschen beim Sterben zu helfen. Kein dramatisches Hollywood, sondern nüchterner Alltag. Und genau das trifft. Diese Routine, diese Müdigkeit, dieses innere Abstumpfen. Dann taucht Gerrit auf. Gesund. Lebenssatt. Und überzeugt davon, dass sein Leben einfach vollständig ist. Kein Drama, kein Leiden. Nur der Wunsch nach einem schönen Ende. Während Gerrit erzählt, entfaltet sich Stück für Stück ein Leben voller verrückter, zarter und liebevoller Momente. Theater, große Gefühle, absurde Ideen und diese eine Liebe, die alles trägt. Plötzlich wird aus der Frage nach dem Tod eine Liebeserklärung ans Leben. Und irgendwo zwischen den Seiten sitzt man da und denkt, verdammt, wann wäre ein Leben eigentlich voll genug. Der Roman ist ruhig, fast vorsichtig. Kein Pathos, kein erhobener Zeigefinger. Stattdessen kleine Szenen, die hängen bleiben. Ein Satz, der kurz still macht. Ein Gedanke, der nachhallt. Und immer wieder dieses Gefühl, dass Schönheit manchmal ganz leise daherkommt. Nicht jeder wird die ruhige Erzählweise lieben. Tempo gibt es kaum. Aber genau das macht den Charme aus. Ein Buch, das nicht schreit, sondern flüstert. Und genau deshalb trifft es mitten ins Herz.

Wenn ein Leben einfach genug gewesen ist

Ein wichtiges Buch über den Tod und die Sterbebegleitung ✨️

Theo Engel arbeitet dort, wo andere sich abwenden: in den Niederlanden, an der Schwelle zwischen Leben und Tod, als Sterbehilfearzt. Fast jede Woche setzt er die Spritze, die beendet, was für seine Patienten längst unerträglich geworden ist. Doch jeder dieser Abschiede bleibt in ihm zurück. Die Nächte werden schwerer, die Tage stumpfer, und langsam frisst sich eine Müdigkeit in sein Inneres, die mehr ist als bloße Erschöpfung. Dann erreicht ihn ein Brief. Kein Hilferuf aus Verzweiflung, kein medizinischer Befund, kein drohender Verfall. Sondern die ruhige Bitte eines gesunden Mannes Anfang siebzig, der sein Leben für vollendet hält. Gerrit Blauw möchte sterben nicht, weil er muss, sondern weil er meint, alles Wesentliche gelebt zu haben. Um Theo von seinem Wunsch zu überzeugen, beginnt Gerrit zu erzählen. Von seiner Jugend in Friesland, von einer Sommernacht und einem Mädchen namens Saartje, in die er sich auf der Stelle verliebte. Obwohl sie sich für seinen Freund Douwe entschied, blieb sie das leise Zentrum seines Lebens, auch später, als Gerrit zum Studium nach Groningen ging. Er erzählt von seiner Arbeit fürs Theater, von Kulissen, Licht und Sehnsucht und davon, wie er Jahrzehnte später, nur um Saartjes Aufmerksamkeit ein letztes Mal zu gewinnen, eine Giraffe auf eine Nordseeinsel verschiffen ließ. Während Gerrit spricht, beginnt etwas in Theo zu verrutschen. Zum ersten Mal fragt er sich, ob es nicht nur ein Recht auf einen guten Tod gibt, sondern vielleicht auch auf einen schönen. In poetischen und feinfühligen Bildern entwirft Joost Oomen die Geschichte eines Mannes, der seinem Leben einen stillen, würdevollen Schlussakkord geben möchte, und eines anderen, der Tag für Tag gezwungen ist, dem ungeschönten Antlitz des Todes standzuhalten. Zwischen beiden entfaltet sich eine leise, eindringliche Annäherung an die großen Fragen unserer Existenz: Was verleiht unserem Leben Gewicht und Glanz? Und wie finden wir einen Abschied, der uns gerecht wird? Dieser Roman verdichtete sich Schritt für Schritt zu einer Sogwirkung, der ich mich weder entziehen konnte noch wollte. Zwei Männer begegnen einander: der eine entschlossen zu sterben, der andere befugt, diesen letzten Schritt zu begleiten. In ihrer Annäherung öffnen sich Räume existenzieller Tiefe, in denen Leben und Tod nicht abstrakt verhandelt, sondern mit schmerzhafter Klarheit, Zärtlichkeit und philosophischer Wucht durchdrungen werden. Ausgesprochene Leseempfehlung!

4

Bewegender, poetischer Text, der zur Diskussion bzw. Zum Nachdenken über den selbstbestimmten Tod einlädt. Besonders geschrieben, sehr empfehlenswert!

5

Wunderschön geschriebenes kleines Buch, dass moralische Fragen stellt und die Leserschaft zum Grübeln bringt.

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