Ein Traum von Zuckerwatte
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Buchinformationen
Merkmale
1 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beiträge
Eine Liebe für die Ewigkeit
Es war einmal vor langer Zeit... So beginnen Märchen. In meinem Fall würde es ungefähr so lauten: Es war einmal... 2016. Als ich völlig unbedarft den Debütroman einer jungen Autorin vorab lesen durfte. Es ist typisch für mich, dass ich Bücher nach dem Cover und dem Titel lese/kaufe. Ich wusste nicht worauf ich mich einließ. Zehn Jahre später lese ich noch immer keine Klappentexte, konnte diesmal allerdings erahnen (ich habe nach mehreren ihrer Bücher einen "kleinen" Eindruck) was mich erwartet. Auch dieses Buch habe ich offensichtlich überlebt. Aber war es ein Märchen? Ob ich es bereue es gelesen zu haben erzähle ich euch jetzt... Cover / Titel: Mich haben Cover und Titel sofort überzeugt. Das Cover ist sehr klar, ohne viel Schnickschnack, ohne aufgeregt zu sein. Durch die sanften Farben, das ganze Ambiente, wirkt es nicht langweilig sondern beruhigend und entspannt. Es lädt direkt zum Verweilen ein, vermittelt Wärme und die Ruhe, die uns im Alltag so oft fehlt. Der Titel wirkt zuckersüß, verspricht Leichtigkeit und Freude; aber jede Medaille hat zwei Seiten. Es gibt kein Licht ohne Schatten, aber eben auch keine Schatten ohne Licht. Setting: Für meinen Geschmack haben wir hier eine sehr gelungene Mischung aus Informationen. Es ist nicht einfach den Mittelweg zu finden zwischen genug Details und zu vielen Details. Für mich funktioniert ein Buch, wenn in meinem Kopf ein Film zu laufen beginnt. Wir bekommen Orte und Hinweise, die ausreichen um ein komplettes Bild entstehen zu lassen ohne sich zu verzetteln oder zu langweilen. Charaktere: Es gibt die beiden Hauptprotagonisten, eine Handvoll weitere wichtige Personen und ein bisschen umzu. Alle vorhandenen Charaktere haben für mich so viel Farbe bekommen wie nötig. Für mich blieben keine Fragen offen. Sarah und Max sind mir sehr unter die Haut gegangen und werden mich sicher noch eine Weile begleiten. Sie sind sympathisch, ehrlich, nicht immer fehlerfrei, voller Lebensfreude und Energie, aber auch mit Abgründen behaftet. Ich habe sie so kennen und schätzen gelernt, dass ich wünschte, sie als Freunde in meinem Leben zu haben. Klappentext: "Sie will kein Fangirl sein. Er will keine Beziehung. Und doch zieht es Sarah immer wieder zu Max, dem attraktiven Frontsänger, dessen Charme sie so fasziniert. Sie treffen sich, lachen, streiten, reden über alles und vertrauen sich blind. Ihre Seelen haben sich längst verbunden, das spüren sie. Aber Max hat schwer zu tragen an emotionalen Verletzungen und steckt in alten Mustern fest, während Sarah ihren ganz eigenen romantischen Traum von der Zukunft hat. Also sind sie Freunde – mehr nicht? Eines Abends bricht Max auf der Bühne zusammen und Sarah sitzt an seinem Krankenbett. Können sie Frieden schließen mit ihrer Vergangenheit und doch zueinanderfinden? Oder hat das Leben ganz andere Pläne?" Mein Fazit: Jessica Koch ist für mich eine besondere Autorin. Ich wusste was mich dieses Buch kosten würde, wusste, dass kein/e andere/r Autor*in mir auf diese Art unter die Haut geht. Ich kannte das Risiko und ging es ein. Wieder. Und ich werde es wieder tun. Und wieder. Also nein, ich bereue es nicht. Doch ganz sicher werde ich nie wieder Zuckerwatte essen können wie zuvor. Am 01. Mai schrieb ich in der weltbesten Büchergruppe zu diesem Buch (gefragt wurde nach zwei Punkten, die uns am jeweilig gelesenen Buch gefallen): "❤️ Ein Traum von Zuckerwatte - ich mag das Realistische, auch wenn es mich zerreißt und zerstört, denn es bleibt auch immer Hoffnung. - ich verfolge Jessica seit ihrem Debüt 2016 und obwohl ihre Bücher mich immer wieder ans Ende meiner Belastungsgrenze bringen -dieses hier ist keine Ausnahme- fängt sie mich ein und setzt mich letztlich wieder zusammen. Stück für Stück. Sie heilt meine Seele."
Von verpassten Chancen, ehrlichen Charakteren und einer Hymne an das Leben
Rezensionsexemplar Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst. Ein Traum von Zuckerwatte – Jessica Koch "Ein Traum von Zuckerwatte ist oft eine Mahnung, dass die Träumenden sich der Vergänglichkeit des Lebens bewusst werden sollen." Allein dieser Satz hat mich sofort neugierig gemacht. Ich liebe solche kleinen Besonderheiten. Jeder Autor hat etwas, das seine Geschichten einzigartig macht. Ich habe beispielsweise schon von einer Autorin gelesen, die zuerst Sternzeichenprofile für ihre Figuren erstellt. Jessica Koch nutzt stattdessen Traumdeutungen – und ich finde diese Idee wunderschön. Sie spoilern nichts und verraten gleichzeitig irgendwie alles. Für mich funktionieren solche Einstiege manchmal sogar besser als ein Prolog, weil sie die Fantasie anregen. Man beginnt automatisch zu interpretieren und zwischen den Zeilen zu lesen. Fast wie früher im Deutschunterricht, wenn man versucht hat, aus einem einzelnen Satz bereits die Bedeutung einer ganzen Geschichte herauszulesen. Und genau deshalb hatte mich dieses Buch bereits vor dem ersten Kapitel. Gleich zu Beginn beobachtet Sarah eine Frau mit einem Kind an der Hand, die weint. Sarah kann nicht verstehen, welcher Schmerz so groß sein kann, dass selbst die Liebe zu ihrem Kind ihn nicht verschwinden lässt. Schon in diesem Moment war mir klar, dass hinter dem Titel mehr steckt als eine süße Liebesgeschichte. Trotzdem hat mich das Cover zunächst etwas anderes erwarten lassen. Die Farben wirken warm, lebendig und vertraut. Es strahlt für mich Leichtigkeit, Geborgenheit und etwas unglaublich Heimeliges aus. Ich hatte mit einer cozy Geschichte gerechnet. Mit Humor, Romantik und einer großen Portion Wohlfühlatmosphäre. Bekommen habe ich vieles davon. Aber eben auch sehr viel mehr. Im Mittelpunkt steht Sarah Falkenberg, die gemeinsam mit ihrer besten Freundin Steffi ein Konzert der Band Locura besucht. Dort trifft sie auf Max Schäfer, den Leadsänger der Band. Ihre erste Begegnung ist herrlich erfrischend. Während andere Fans vermutlich von seinem Rockstarstatus beeindruckt wären, kontert Sarah frech auf eine seiner Bemerkungen und macht schnell klar, dass sie nicht zu den Menschen gehört, die ihm blind zu Füßen liegen. Zwischen den beiden entsteht sofort eine besondere Dynamik voller Wortgefechte, Humor und kleiner Flirts. Und dann kreuzen sich ihre Wege erneut. Die Geschichte mit der Telefonnummer auf dem Ei ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Gleichzeitig süß und ein kleines bisschen makaber, wenn man bedenkt, dass dieses Ei vermutlich erst einmal eine ganze Weile vor sich hin fault, bevor Sarah tatsächlich zur Nummer greift. Was folgt, ist jedoch keine klassische Rockstar-Romance. Für Sarah wird Max schnell wichtig. Sie möchte nicht einfach eine von vielen sein. Nicht irgendeine Frau in seinem Leben. Ein Zitat beschreibt für mich perfekt, wonach sie eigentlich sucht: "Sei die Person, mit der er seine Leichen im Keller ausgraben will." Genau das möchte Sarah sein. Nicht die Frau für die schönen Momente. Sondern die Person, der Max auch seine dunkelsten Gedanken anvertrauen kann. Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Stärke des Buches. Denn Max ist weit mehr als der charmante Rockstar. Er ist spontan, humorvoll und abenteuerlustig, aber gleichzeitig jemand, der vieles mit sich herumträgt. Immer wieder stößt er Sarah von sich weg, verletzt sie, macht Fehler und scheint lange Zeit nicht bereit zu sein, sich seinen eigenen Gefühlen zu stellen. Gerade dieses Hin und Her hat mich manchmal wahnsinnig gemacht. Aber genau deshalb wirkte es so echt. Max ist keine perfekte Romanfigur. Er ist ein Mensch. Und genau das gilt für alle Figuren in diesem Buch. Sarah selbst hat mich stellenweise ein wenig an Luna Lovegood erinnert. Nicht, weil die Figuren identisch wären, sondern wegen dieser herrlich verträumten Art. Sie ist lebensfroh, kreativ, herzlich und glaubt fest an das Gute im Menschen. Manchmal vielleicht etwas naiv. Aber niemals oberflächlich. Gerade deshalb trifft sie die Realität umso härter. Besonders berührt hat mich ein Tagebucheintrag von ihr: "Ich habe immer gedacht, ich kenne das Leben. Dass es einfach ist. Dass man nur positiv sein muss und alles wird gut. Stimmt das? Ich glaube, es gibt auch Dunkelheit, Schmerz und Fragen, auf die es keine Antwort gibt." Für mich markiert dieser Satz einen entscheidenden Wendepunkt. Sarah wird mit Dingen konfrontiert, die nicht mehr in ihre bisherige Zuckerwattenwelt passen. Als ihre Mutter die Treppe hinunterstürzt und sie nach Hause fliegen muss, wird deutlich, dass das Leben nicht nur aus Leichtigkeit besteht. Und genau hier beginnt ihre eigentliche Entwicklung. Das Beeindruckende daran ist, dass Jessica Koch Sarah nicht verändert. Sie zerstört sie nicht. Sie macht sie reifer. Am Ende ist Sarah immer noch Sarah. Aber sie ist facettenreicher geworden. Lebensklüger. Stärker. Sie hat gelernt, dass Optimismus nicht bedeutet, Schmerz auszublenden. Sondern trotz allem weiterzumachen. Ein weiterer Mensch, der diese Geschichte für mich besonders gemacht hat, ist Steffi. Steffi ist ein absoluter Herzensmensch. Chaotisch. Kreativ. Humorvoll. Morgenmuffel. Offenbar auch jemand, der dringend frühstücken muss, bevor er mit anderen Menschen interagieren sollte. Aber vor allem ist sie die Freundin, die bleibt. Die auffängt. Die ehrlich ist. Die Sarah durch ihre dunkelsten Momente begleitet. Für mich ist sie das Herz dieser Geschichte. Auch sprachlich hat mich Jessica Koch begeistert. Wasser glitzert wie Diamanten. Augen scheinen bis in die Seele eines Menschen zu blicken. Ein verwunschener Garten mit einer alten Linde entsteht so lebendig vor dem inneren Auge, dass man ihn selbst besuchen möchte. Dazu kommen die liebevollen Kapitelüberschriften statt einfacher Kapitelnummern. Solche kleinen Details zeigen, wie viel Liebe in diesem Buch steckt. Besonders schön fand ich auch folgendes Zitat: "Wir bleiben niemals an einem Fleck. Wir ziehen immer weiter wie Wolken am Himmel." Und vielleicht beschreibt genau dieser Satz das gesamte Buch. Denn letztlich geht es um Veränderung. Um Wachstum. Um Abschied. Und darum, dass niemand sein Leben lang derselbe Mensch bleibt. Wenn ich diesem Buch eine Überschrift geben müsste, dann wäre es: Eine Hymne an das Leben. Nicht, weil das Leben darin immer schön ist. Sondern weil Jessica Koch zeigt, dass zum Leben beides gehört. Die Zuckerwatte und der Schmerz. Das Lachen und die Tränen. Die Hoffnung und die Verzweiflung. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie sich am Ende der Kreis schließt. Die Frau mit dem Kind, die Sarah zu Beginn beobachtet, erhält plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Rückblickend erkennt man, wie geschickt Jessica Koch ihre Geschichte aufgebaut hat und wie viele Hinweise von Anfang an vorhanden waren. Und dann kommt dieser Satz: "Dann fallen wir gemeinsam", flüstere ich, "aus unserem Traum von Zuckerwatte. Komme, was wolle, ich lasse dich nicht allein. Nie mehr." Für mich fasst dieses Zitat die gesamte Geschichte zusammen. Es geht nicht darum, dass alles gut wird. Es geht darum, füreinander da zu sein. Zu lieben, obwohl das Leben vergänglich ist. Und genau deshalb hat mich dieses Buch so bewegt. Obwohl ich normalerweise gar kein Fan von Geschichten bin, die mich emotional derart mitnehmen. Ich lese eigentlich lieber Cozy Romance, Fantasy oder Bücher, die mein Herz nicht komplett durch den Fleischwolf drehen. Und genau deshalb ist es vielleicht das größte Kompliment, das ich diesem Buch machen kann: Ich habe es geliebt. Es hat mich berührt, nachdenklich gemacht, aufgeregt, hoffen lassen und manchmal mein Herz ganz schön leiden lassen. Und jetzt brauche ich vermutlich erst einmal eine richtig schöne Cozy Romance, um mich emotional wieder zu erholen. Aber dieses Buch? Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.
Merkmale
1 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Buchinformationen
Beiträge
Eine Liebe für die Ewigkeit
Es war einmal vor langer Zeit... So beginnen Märchen. In meinem Fall würde es ungefähr so lauten: Es war einmal... 2016. Als ich völlig unbedarft den Debütroman einer jungen Autorin vorab lesen durfte. Es ist typisch für mich, dass ich Bücher nach dem Cover und dem Titel lese/kaufe. Ich wusste nicht worauf ich mich einließ. Zehn Jahre später lese ich noch immer keine Klappentexte, konnte diesmal allerdings erahnen (ich habe nach mehreren ihrer Bücher einen "kleinen" Eindruck) was mich erwartet. Auch dieses Buch habe ich offensichtlich überlebt. Aber war es ein Märchen? Ob ich es bereue es gelesen zu haben erzähle ich euch jetzt... Cover / Titel: Mich haben Cover und Titel sofort überzeugt. Das Cover ist sehr klar, ohne viel Schnickschnack, ohne aufgeregt zu sein. Durch die sanften Farben, das ganze Ambiente, wirkt es nicht langweilig sondern beruhigend und entspannt. Es lädt direkt zum Verweilen ein, vermittelt Wärme und die Ruhe, die uns im Alltag so oft fehlt. Der Titel wirkt zuckersüß, verspricht Leichtigkeit und Freude; aber jede Medaille hat zwei Seiten. Es gibt kein Licht ohne Schatten, aber eben auch keine Schatten ohne Licht. Setting: Für meinen Geschmack haben wir hier eine sehr gelungene Mischung aus Informationen. Es ist nicht einfach den Mittelweg zu finden zwischen genug Details und zu vielen Details. Für mich funktioniert ein Buch, wenn in meinem Kopf ein Film zu laufen beginnt. Wir bekommen Orte und Hinweise, die ausreichen um ein komplettes Bild entstehen zu lassen ohne sich zu verzetteln oder zu langweilen. Charaktere: Es gibt die beiden Hauptprotagonisten, eine Handvoll weitere wichtige Personen und ein bisschen umzu. Alle vorhandenen Charaktere haben für mich so viel Farbe bekommen wie nötig. Für mich blieben keine Fragen offen. Sarah und Max sind mir sehr unter die Haut gegangen und werden mich sicher noch eine Weile begleiten. Sie sind sympathisch, ehrlich, nicht immer fehlerfrei, voller Lebensfreude und Energie, aber auch mit Abgründen behaftet. Ich habe sie so kennen und schätzen gelernt, dass ich wünschte, sie als Freunde in meinem Leben zu haben. Klappentext: "Sie will kein Fangirl sein. Er will keine Beziehung. Und doch zieht es Sarah immer wieder zu Max, dem attraktiven Frontsänger, dessen Charme sie so fasziniert. Sie treffen sich, lachen, streiten, reden über alles und vertrauen sich blind. Ihre Seelen haben sich längst verbunden, das spüren sie. Aber Max hat schwer zu tragen an emotionalen Verletzungen und steckt in alten Mustern fest, während Sarah ihren ganz eigenen romantischen Traum von der Zukunft hat. Also sind sie Freunde – mehr nicht? Eines Abends bricht Max auf der Bühne zusammen und Sarah sitzt an seinem Krankenbett. Können sie Frieden schließen mit ihrer Vergangenheit und doch zueinanderfinden? Oder hat das Leben ganz andere Pläne?" Mein Fazit: Jessica Koch ist für mich eine besondere Autorin. Ich wusste was mich dieses Buch kosten würde, wusste, dass kein/e andere/r Autor*in mir auf diese Art unter die Haut geht. Ich kannte das Risiko und ging es ein. Wieder. Und ich werde es wieder tun. Und wieder. Also nein, ich bereue es nicht. Doch ganz sicher werde ich nie wieder Zuckerwatte essen können wie zuvor. Am 01. Mai schrieb ich in der weltbesten Büchergruppe zu diesem Buch (gefragt wurde nach zwei Punkten, die uns am jeweilig gelesenen Buch gefallen): "❤️ Ein Traum von Zuckerwatte - ich mag das Realistische, auch wenn es mich zerreißt und zerstört, denn es bleibt auch immer Hoffnung. - ich verfolge Jessica seit ihrem Debüt 2016 und obwohl ihre Bücher mich immer wieder ans Ende meiner Belastungsgrenze bringen -dieses hier ist keine Ausnahme- fängt sie mich ein und setzt mich letztlich wieder zusammen. Stück für Stück. Sie heilt meine Seele."
Von verpassten Chancen, ehrlichen Charakteren und einer Hymne an das Leben
Rezensionsexemplar Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst. Ein Traum von Zuckerwatte – Jessica Koch "Ein Traum von Zuckerwatte ist oft eine Mahnung, dass die Träumenden sich der Vergänglichkeit des Lebens bewusst werden sollen." Allein dieser Satz hat mich sofort neugierig gemacht. Ich liebe solche kleinen Besonderheiten. Jeder Autor hat etwas, das seine Geschichten einzigartig macht. Ich habe beispielsweise schon von einer Autorin gelesen, die zuerst Sternzeichenprofile für ihre Figuren erstellt. Jessica Koch nutzt stattdessen Traumdeutungen – und ich finde diese Idee wunderschön. Sie spoilern nichts und verraten gleichzeitig irgendwie alles. Für mich funktionieren solche Einstiege manchmal sogar besser als ein Prolog, weil sie die Fantasie anregen. Man beginnt automatisch zu interpretieren und zwischen den Zeilen zu lesen. Fast wie früher im Deutschunterricht, wenn man versucht hat, aus einem einzelnen Satz bereits die Bedeutung einer ganzen Geschichte herauszulesen. Und genau deshalb hatte mich dieses Buch bereits vor dem ersten Kapitel. Gleich zu Beginn beobachtet Sarah eine Frau mit einem Kind an der Hand, die weint. Sarah kann nicht verstehen, welcher Schmerz so groß sein kann, dass selbst die Liebe zu ihrem Kind ihn nicht verschwinden lässt. Schon in diesem Moment war mir klar, dass hinter dem Titel mehr steckt als eine süße Liebesgeschichte. Trotzdem hat mich das Cover zunächst etwas anderes erwarten lassen. Die Farben wirken warm, lebendig und vertraut. Es strahlt für mich Leichtigkeit, Geborgenheit und etwas unglaublich Heimeliges aus. Ich hatte mit einer cozy Geschichte gerechnet. Mit Humor, Romantik und einer großen Portion Wohlfühlatmosphäre. Bekommen habe ich vieles davon. Aber eben auch sehr viel mehr. Im Mittelpunkt steht Sarah Falkenberg, die gemeinsam mit ihrer besten Freundin Steffi ein Konzert der Band Locura besucht. Dort trifft sie auf Max Schäfer, den Leadsänger der Band. Ihre erste Begegnung ist herrlich erfrischend. Während andere Fans vermutlich von seinem Rockstarstatus beeindruckt wären, kontert Sarah frech auf eine seiner Bemerkungen und macht schnell klar, dass sie nicht zu den Menschen gehört, die ihm blind zu Füßen liegen. Zwischen den beiden entsteht sofort eine besondere Dynamik voller Wortgefechte, Humor und kleiner Flirts. Und dann kreuzen sich ihre Wege erneut. Die Geschichte mit der Telefonnummer auf dem Ei ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Gleichzeitig süß und ein kleines bisschen makaber, wenn man bedenkt, dass dieses Ei vermutlich erst einmal eine ganze Weile vor sich hin fault, bevor Sarah tatsächlich zur Nummer greift. Was folgt, ist jedoch keine klassische Rockstar-Romance. Für Sarah wird Max schnell wichtig. Sie möchte nicht einfach eine von vielen sein. Nicht irgendeine Frau in seinem Leben. Ein Zitat beschreibt für mich perfekt, wonach sie eigentlich sucht: "Sei die Person, mit der er seine Leichen im Keller ausgraben will." Genau das möchte Sarah sein. Nicht die Frau für die schönen Momente. Sondern die Person, der Max auch seine dunkelsten Gedanken anvertrauen kann. Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Stärke des Buches. Denn Max ist weit mehr als der charmante Rockstar. Er ist spontan, humorvoll und abenteuerlustig, aber gleichzeitig jemand, der vieles mit sich herumträgt. Immer wieder stößt er Sarah von sich weg, verletzt sie, macht Fehler und scheint lange Zeit nicht bereit zu sein, sich seinen eigenen Gefühlen zu stellen. Gerade dieses Hin und Her hat mich manchmal wahnsinnig gemacht. Aber genau deshalb wirkte es so echt. Max ist keine perfekte Romanfigur. Er ist ein Mensch. Und genau das gilt für alle Figuren in diesem Buch. Sarah selbst hat mich stellenweise ein wenig an Luna Lovegood erinnert. Nicht, weil die Figuren identisch wären, sondern wegen dieser herrlich verträumten Art. Sie ist lebensfroh, kreativ, herzlich und glaubt fest an das Gute im Menschen. Manchmal vielleicht etwas naiv. Aber niemals oberflächlich. Gerade deshalb trifft sie die Realität umso härter. Besonders berührt hat mich ein Tagebucheintrag von ihr: "Ich habe immer gedacht, ich kenne das Leben. Dass es einfach ist. Dass man nur positiv sein muss und alles wird gut. Stimmt das? Ich glaube, es gibt auch Dunkelheit, Schmerz und Fragen, auf die es keine Antwort gibt." Für mich markiert dieser Satz einen entscheidenden Wendepunkt. Sarah wird mit Dingen konfrontiert, die nicht mehr in ihre bisherige Zuckerwattenwelt passen. Als ihre Mutter die Treppe hinunterstürzt und sie nach Hause fliegen muss, wird deutlich, dass das Leben nicht nur aus Leichtigkeit besteht. Und genau hier beginnt ihre eigentliche Entwicklung. Das Beeindruckende daran ist, dass Jessica Koch Sarah nicht verändert. Sie zerstört sie nicht. Sie macht sie reifer. Am Ende ist Sarah immer noch Sarah. Aber sie ist facettenreicher geworden. Lebensklüger. Stärker. Sie hat gelernt, dass Optimismus nicht bedeutet, Schmerz auszublenden. Sondern trotz allem weiterzumachen. Ein weiterer Mensch, der diese Geschichte für mich besonders gemacht hat, ist Steffi. Steffi ist ein absoluter Herzensmensch. Chaotisch. Kreativ. Humorvoll. Morgenmuffel. Offenbar auch jemand, der dringend frühstücken muss, bevor er mit anderen Menschen interagieren sollte. Aber vor allem ist sie die Freundin, die bleibt. Die auffängt. Die ehrlich ist. Die Sarah durch ihre dunkelsten Momente begleitet. Für mich ist sie das Herz dieser Geschichte. Auch sprachlich hat mich Jessica Koch begeistert. Wasser glitzert wie Diamanten. Augen scheinen bis in die Seele eines Menschen zu blicken. Ein verwunschener Garten mit einer alten Linde entsteht so lebendig vor dem inneren Auge, dass man ihn selbst besuchen möchte. Dazu kommen die liebevollen Kapitelüberschriften statt einfacher Kapitelnummern. Solche kleinen Details zeigen, wie viel Liebe in diesem Buch steckt. Besonders schön fand ich auch folgendes Zitat: "Wir bleiben niemals an einem Fleck. Wir ziehen immer weiter wie Wolken am Himmel." Und vielleicht beschreibt genau dieser Satz das gesamte Buch. Denn letztlich geht es um Veränderung. Um Wachstum. Um Abschied. Und darum, dass niemand sein Leben lang derselbe Mensch bleibt. Wenn ich diesem Buch eine Überschrift geben müsste, dann wäre es: Eine Hymne an das Leben. Nicht, weil das Leben darin immer schön ist. Sondern weil Jessica Koch zeigt, dass zum Leben beides gehört. Die Zuckerwatte und der Schmerz. Das Lachen und die Tränen. Die Hoffnung und die Verzweiflung. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie sich am Ende der Kreis schließt. Die Frau mit dem Kind, die Sarah zu Beginn beobachtet, erhält plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Rückblickend erkennt man, wie geschickt Jessica Koch ihre Geschichte aufgebaut hat und wie viele Hinweise von Anfang an vorhanden waren. Und dann kommt dieser Satz: "Dann fallen wir gemeinsam", flüstere ich, "aus unserem Traum von Zuckerwatte. Komme, was wolle, ich lasse dich nicht allein. Nie mehr." Für mich fasst dieses Zitat die gesamte Geschichte zusammen. Es geht nicht darum, dass alles gut wird. Es geht darum, füreinander da zu sein. Zu lieben, obwohl das Leben vergänglich ist. Und genau deshalb hat mich dieses Buch so bewegt. Obwohl ich normalerweise gar kein Fan von Geschichten bin, die mich emotional derart mitnehmen. Ich lese eigentlich lieber Cozy Romance, Fantasy oder Bücher, die mein Herz nicht komplett durch den Fleischwolf drehen. Und genau deshalb ist es vielleicht das größte Kompliment, das ich diesem Buch machen kann: Ich habe es geliebt. Es hat mich berührt, nachdenklich gemacht, aufgeregt, hoffen lassen und manchmal mein Herz ganz schön leiden lassen. Und jetzt brauche ich vermutlich erst einmal eine richtig schöne Cozy Romance, um mich emotional wieder zu erholen. Aber dieses Buch? Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.





