Eichmann in Jerusalem

Eichmann in Jerusalem

Taschenbuch
4.630
ProzessTheresienstadtAntisemitismusMassenmord

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Beschreibung

Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, daß er war wie viele und daß diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind. Vom Standpunkt unserer Rechtsinstitutionen und an unseren moralischen Urteilsmaßstäben gemessen, war diese Normalität viel erschreckender als all die Greuel zusammengenommen (Hannah Arendt).

Buchinformationen

Haupt-Genre
Fachbücher
Sub-Genre
Geschichte & Archäologie
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
448
Preis
13.40 €

Beiträge

5
Alle
5

Das Buch Eichmann in Jerusalem basiert auf Reportagen, die Hannah Arendt während des Prozesses gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann schrieb. Der Prozess fand 1961 in Jerusalem statt, nachdem Eichmann vom israelischen Geheimdienst aus Argentinien entführt worden war. Eichmann war während des Nationalsozialismus einer der Organisatoren der Deportation von Millionen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager. Im Prozess wurde untersucht, welche Rolle er im Holocaust spielte und in welchem Maß er persönlich verantwortlich war. Arendt schildert den Ablauf des Prozesses und analysiert Eichmanns Auftreten vor Gericht. Sie beschreibt ihn nicht als fanatischen Monster-Täter, sondern als erschreckend gewöhnlichen Bürokraten, der sich selbst als pflichtbewussten Beamten darstellte. Eichmann behauptete immer wieder, er habe lediglich Befehle ausgeführt und sich an geltende Gesetze gehalten. Arendt nutzt diese Beobachtung, um über die Struktur moderner Bürokratien und über individuelle Verantwortung nachzudenken. Das Buch ist daher nicht nur eine Prozessreportage, sondern auch eine philosophische Analyse über Schuld, Moral und politisches Handeln im Kontext des Holocaust. Einfach ein grandioses Buch, in dem alles strukturiert aufgedröselt wird!

5

Das Buch ist zweischneidig. Auf der einen Seite beschreibt Hannah Arendt den Ablauf des "Eichmann-Prozesses". Sie legt dar, zu welchen Themen der Angeklagte befragt wird, was er dazu aussagte und ergänzt dies mit den zur Zeit der Entstehung aktuellen thematischen Quellen. Teils eingestreut, vorwiegend jedoch auf den letzten Seiten zeigt Arendt dann ihre persönliche Meinung und Einschätzung auf. Sie befasst sich dabei eingehend mit drei Aspekten: 1) Das Gericht und die rechtlichen Grundlagen des Prozesses 2) Die Rolle der Judenräte im Holocaust 3) Die Charakterisierung Adolf Eichmanns. Der dritte Punkt ist schließlich jener, der dem Buch den Untertitel "Ein Bericht von der Banalität des Bösen" verleiht. Hier ist durchaus nachempfindbar, warum Arendts Werk bei Veröffentlichung auf heftige Kritik stieß und es wird das Naturell der Verfasserin, ihre Grundüberzeugung des freien Denkens, offenbar. Dabei kann der Leser an den Analysen dieser scharfen Denkerin des 20. Jhd. teilhaben und wird zum eigenen Nachdenken angeregt. Dies wird unterstützt durch den vorangestellten kritischen Essay des Historikers Theodor Mommsen. Fazit: "Eichmann in Jerusalem" bleibt eines der bedeutendsten Werke Hannah Arendts und dient der kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik.

4

Es war interessant auch wenn ich gern mehr über die Gerichtsverhandlung erfahren hätte und man sieht auch wie schnell man zum Täter wird und am Ende wird gezeigt was die Leute von ihrem Buch gehalten haben

4.5

Hannah Arendts schonungslose Beobachtung und Einordnung des Eichmann-Prozesses ist bis heute ein Meisterwerk der politisch-soziologischen Literatur. Arendts Frage nach der Banalität des Bösen ist zeitlos.

5

Intensiv und erschreckend aktuell

Anfangs hat mich der Schreibstil etwas irritiert, sehr lange und viele Schachtelsätze haben meinen Lesefluss gehemmt. Doch mit der Gewöhnung wurde es besser und auch mit dem Bewusstsein, dass es sich bei dem Buch um einen Bericht und keinen Roman handelt. Abgesehen davon hat Arendt sehr eindrucksvoll ihre Eindrücke des Prozesses gegen Otto Adolf Eichmann geschildert und zudem viele geschichtliche Fakten einbezogen, was ich sehr interessant fand. Fasziniert hat mich Eichmanns Überzeugung seiner eigenen Unschuld. Der übliche Satz „Ich habe nur Befehle befolgt“, ganz nach dem Motto „War ja nicht meine Idee, also bin ich unschuldig“, war für ihn in den Befragungen vorher sowie im Prozess selbst fast schon zum Dogma geworden. Ebenso faszinierend wie auch erschreckend war für mich die titelgebende Banalität mit der Menschen wie Eichmann Böses getan haben, ohne in irgendeiner Weise besonders zu sein. Das Böse war schon so normal geworden, dass es eben alltäglich und damit gesellschaftstauglich war. Die Nazis von damals sind, genau wie die Nazis von heute, nicht genetisch anders oder besonders, sie sind irgendwo falsch abgebogen, haben sich indoktrinieren und instrumentalisieren lassen. Viele, wie Eichmann, strebten nach Macht und haben dafür die Moral vergessen. Ich habe kurz nach dem ich das Buch ausgelesen habe den Film „Nürnberg“ gesehen, der sich im Prinzip genau mit diesem Thema beschäftigt. Ebenso wie der Psychologe Douglas Kelley zu Hermann Göring, empfand auch Ahrendt eine gewisse Sympathie (vielleicht auch Mitleid?) zu Eichmann, der auf der rein menschlichen Seite eben auch nicht von Grund auf böse war. Da geht es weniger um Überzeugung und Logik, als wirklich um Macht und Ansehen. Das schlimme an dem Buch: es hat mir vor Augen geführt, was wir auch momentan erleben - ein paar fanatische Faschist*innen die nach Macht streben und dafür versuchen so viele Anhänger*innen wie möglich zu gewinnen, Zwietracht zu sehen und die Demokratie zu stürzen um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Gruselig und gefährlich!

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