Die Frauen von Salaga
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ayesha Harruna Attah wurde in Ghana geboren, studierte in den USA u.a. an der Columbia University und der NYU und lebt heute mit ihrer Familie im Senegal. Ihr Roman »Die Frauen von Salaga« ist von dem Schicksal ihrer Ururgroßmutter inspiriert.
Beiträge
Das Buch “Die Frauen von Salaga” hat mich thematisch sehr angesprochen, da ich gerne Romane lese, in denen ich etwas über fremde Kulturen, Länder und Lebensweisen erfahre. Die Geschichte, wie ein Mädchen gekidnappt wird und so auf dem Sklavenmarkt in Salaga endet, beinhaltet all dies. Und: Ich kann sagen, der Klappentext hält, was er verspricht! Anfangs fand ich den Schreibstil der Autorin gewöhnungsbedürftig. In den meisten Romanen, die ich lese, wird viel umschrieben. Das spart sich die Autorin und schreibt stattdessen weitgehend objektiv. Auf den ersten Seiten bin ich daher regelrecht von all den Informationen umgehauen worden und habe einige Abschnitte zweimal gelesen. Insbesondere die vielen Namen haben mich verwirrt; zum einen, weil sie fremd klangen (z.B. Etuto und Obado) und zum anderen, weil sie sich so ähnlich sind, was wahrscheinlich an der Verwandtschaftsbeziehung liegt (z.B. Na, Issa-Na und Issa). Auch die Städte und Gerichte haben außergewöhnliche Namen. Nachdem ich die ersten Seiten besonders aufmerksam gelesen und mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, fand ich das Buch sehr eindrucksvoll. Die Geschichte an sich ist so überwältigend, dass jegliche Form von ausgeschmückt beschriebenen Gefühlen die Geschichte entweder weniger glaubhaft gemacht, oder den Leser überfordert hätte. Wer fühlt nicht mit einem Mädchen, das von seiner Familie getrennt und als Sklavin gehalten wird? Oder mit einer jungen Frau, die zwar in besseren Verhältnissen aufwächst, aber eine ungewollte Ehe eingehen muss und fortan nicht mehr über ihr eigenes Leben entscheiden kann? Man fühlt automatisch mit – egal, ob die Autorin die Gefühle der Charaktere hier und da besonders hervorhebt, oder nicht. Was mir besonders gut gefallen hat, waren – neben der Geschichte selbst – die Beschreibung der Umgebung und des Essens. Obwohl ich noch kein Oasendorf gesehen habe, habe ich mich mittendrin gefühlt. Genauso ging es mir auch auf dem Gehöft der Familie, dem Hinterzimmer des Sklavenhändlers, dem großen Fluss oder bei der Vorstellung der Speisen. Viele der Gerichte würde ich gerne mal probieren. Ich habe besonders mit einer der beiden Hauptcharakteren, Aminha, mitgefühlt. Dies lag zum einen an ihrer prekären Situation und geringen Chance, hieran etwas zu ändern. Zum anderen lag es aber auch an Aminhas Charakter. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sich selbst hintenan stellt und alle für ihre Familie tun würde. Dennoch hat sie einen weichen Kern und Träume, die sie eines Tages verfolgen möchte. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für fremde Kulturen und Geschichte interessiert.
Ayesha Harruna Attah erzählt in ihrem Roman „Die Frauen von Salaga“ die Geschichte zweier Frauen, die sich in Westafrika kennenlernen. Der Grund ihres Kennenlernens ist die Sklaverei. Aminah wurde von einer Gruppe Sklavenhändler gefangen genommen und als Sklavin veräußert. Dabei durchlebt sie mehrere unterschiedliche Etappen, bis sie an die reiche und mächtige Wurche gelangt, die sie kauft. Obwohl Wurche die Mittel und Wege hat, scheinbar frei zu handeln, ist sie fast genauso unfrei wie Aminah. Sie muss sich den Machtgefügen innerhalb der Herrscherfamilien beugen und wird mit einem Mann verheiratet, der die Position ihres Vaters stärkt. Die Autorin beschreibt die Zeit während des Kolonialismus und zeigt die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dabei sind die persönlichen Schicksale der Protagonistinnen im Vordergrund. Die Gefühle und aktuelle Situation werden thematisiert und gibt den Lesenden ein Verständnis für die innere Empfindung der Figuren. Die Kapitel wechseln zwischen der Sicht von Wurche und Aminah. Durch die Verwendung einer Erzählinstanz wird eine gewisse Distanz beim Lesen bewahrt. Dadurch sind die harten Erlebnisse der Figuren leichter zu verarbeiten. Im angehängten Interview sagt Attah, dass sie sich bei der Figur Aminah an ihre Vorfahrin orientierte, da diese innerhalb der Familie nur als „Sklavin“ bezeichnet wurde. Demnach verarbeitet Attah ein Teil ihrer eigenen Familiengeschichte. Auch die deutsche Kolonialgeschichte wird erwähnt, leider nur verhältnismäßig wenig. Da in Deutschland dieser Teil der Geschichte in meiner Schulzeit komplett ausgelassen wurde, finde ich es umso wichtiger, jetzt selbst mehr darüber zu erfahren. Ich würde nicht sagen, dass Attahs Roman darüber sehr aufklärend ist, aber immerhin wird es deutlich, dass Deutschland aktiv am Kolonialismus beteiligt war. Ayesha Harruna Attah schreibt über den Kolonialismus, aber stellt die Figuren in den Vordergrund. Dabei wird die Geschichte aufgearbeitet und Stück für Stück ermächtigt. Ein fesselnder Roman über zwei Frauen, die sich in einer Welt herumschlagen müssen, die sie gefangen hält und in der sie sich selbst befreien müssen. [Kostenloses Rezensionsexemplar]
Der Einstieg in das Buch fiel mir leider etwas schwer, da ich mir anfänglich die Namen kaum merken und so keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen konnte. Auch der Einstieg in das Setting hat mich zu Beginn etwas ratlos zurückgelassen. Der Klappentext verrät schon ziemlich viel über das Buch und somit hatte ich mir einen etwas schnelleren Einstieg erhofft. Tatsächlich plätschert es aber etwas vor sich hin und die erste Hälfte des Buches ist gefühlt die Einleitung, bis die wirkliche Story beginnt. Bei der insgesamt eher geringeren Seitenzahl war ich dadurch dann etwas enttäuscht, da man sich hier deutlich hätte kürzer fassen und den Hauptteil besser hätte ausbauen können. Im Verlauf konnte ich mich dann auch endlich an die afrikanischen Namen gewöhnen und gerade zu den Protagonistinnen eine Bindung aufbauen, sodass ich mich dann deutlich mehr in das Buch gezogen fühlte. Die Story wurde endlich interessant und insgesamt schafft "Die Frauen von Salaga" einen sehr guten Einblick in die Thematik. Beide Frauen sind Kämpferinnen und wünschen sich mehr von ihrem Leben. Sie setzen sich dafür ein, dass sich etwas ändert und müssen doch immer wieder mit den Klischees und Herausforderungen kämpfen. Der Schreibstil hat mir bis auf die etwas lange Einleitung ansonsten sehr gut gefallen. Nachdem ich endlich richtig eingestiegen war, ließ sich das Buch wahnsinnig flott lesen. Der Perspektivenwechsel war sehr gut gewählt und beide Seiten kamen somit ausreichend zur Sprache. Am Ende hätte ich mir allerdings einfach deutlich mehr Tiefe gewünscht, die leider aufgrund der Kürze des Buches nicht so ausgebaut werden konnte, wie ich es erhofft hatte. Trotz allem kann ich das Buch empfehlen.
„Die Frauen von Salaga“ habe ich mir aufgrund der Inhaltsangabe ehrlich gesagt völlig anders vorgestellt. Meiner Meinung nach ist das wieder einmal ein Beispiel dafür, wie Verlage ihre (potentiellen) Kunden an der Nase herumführen. Und ich finde das nicht witzig und ich habe vor allem überhaupt kein Verständnis dafür. Es nützt den Autor*innen herzlich wenig, wenn die Verlage mit den Klappentexten/Inhaltsangaben Erwartungen schüren, die hinterher nicht erfüllt werden. Vor allem wird es weder den angepriesenen Büchern noch den Autor*innen gerecht. Die Enttäuschung vieler Leser*innen ist bei diesem Vorgehen vorprogrammiert. Lesen diejenigen, die die Klappentexte schreiben, überhaupt die Bücher? Genug lamentiert, es soll schließlich um „Die Frauen von Salaga“ und nicht etwa mäßige bis schlechte Verlagsarbeit gehen. „Die Frauen von Salaga“ erzählt die Geschichten von Aminah und Wurche. Aminahs Schicksal nimmt seine Lauf, als ihr Vater sich mal wieder mit einer Karawane auf den Weg macht, um Stiefel zu verkaufen, aber nicht zurückkehrt. Schlimmer noch: Eines Tages ziehen Räuber durch das Dorf und brennen es nieder, nachdem sie die Menschen gefangen genommen haben, um sie als Sklaven zu verkaufen – darunter Aminah und ihre Geschwister. Der Leidensweg beginnt. Derweil wird Wurche, ihres Zeichens Königstochter, aus politisch-strategischen Gründen mit Adnan verheiratet, obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt davon ausging, sich ihren Mann selbst aussuchen zu können. Das Zusammentreffen beider Frauen, das ich wegen des Klappentextes permanent erwartete, findet letztlich erst im letzten Drittel des Buches statt. Davor lernen wir über die Lebenswege der beiden Frauen ein wenig über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse Ghanas des 19. Jahrhunderts kennen. Was mir sehr gefallen hat, ist die Tatsache, dass ich nie das Gefühl hatte, dass Ayesha Harrunah Attah dieses Buch für Europäer geschrieben hat. Sie reißt viele Themen nur an und setzt ganz offensichtlich Hintergrundwissen zur Geschichte des Landes voraus. Sie richtet sich an ihre Landsleute, nicht an potentielle Leser*innen jenseits von Afrika. Dadurch hat für mich das Buch an Authentizität gewonnen. Es sind Kleinigkeiten wie die Mahlzeiten, die nicht bis ins letzte Detail beschrieben werden, aber eben auch die verschiedenen Begriffe wie „Clans“, „Stämme“ etc., die sie nicht näher erläutert, weil sie davon ausgeht, dass die Leser wissen, was sie meint, die in mir den Eindruck erweckt haben, dass sie primär für ein Publikum geschrieben hat, das das nötige Hintergrundwissen hat. Das hat mir ganz ehrlich sehr gut gefallen. Wer mehr wissen möchte, kann sich andere Bücher über Ghana und/oder Afrika kaufen. Dies ist ein Roman, kein Sachbuch, auch wenn Ayesha Harruna Attha einen sehr sachlichen Schreibstil verwendet. Die Sätze sind knapp – trotzdem verwendet sie eine sehr bildhafte Sprache. Das Wesentliche ist aber der jeweilige Weg von Aminah und Wurche. Für mich waren sie ein bisschen wie Yin und Yang – Gegensätze, die sich anziehen. In gewisser Weise sind sie das genaue Gegenteil voneinander und ergänzen sich doch gut. Und so wie ihr Lebensweg bis zu ihrem Treffen – und auch danach – total gegensätzlich ist, so sind das ihre Charaktere und ihr Äußeres. Anders als es der Klappentext suggeriert, ist es nicht so, dass Wurche und Aminah sich quasi besprechen, für ihre Freiheit zu kämpfen. Es ergibt sich mehr aus ihrer Situation. Und dieser Kampf wird auch nicht nach Absprache und gemeinsam geführt, sondern die Frauen führen ihn jeder für sich. Sie treffen nur zufällig aufeinander und verbringen als Sklavin und Herrin einige Jahre miteinander, ehe sich ihre Lebenswege wieder trennen. Aber: Beide Frauen sind auf ihre Weise stark. Sie erleiden viel – bei Aminah ist das für uns Leser*innen vielleicht leichter nachzuvollziehen, aber auch Wurche muss einiges ertragen. Und doch zerbrechen sie nicht, sondern finden ihren Weg. Am Ende bleibt die Hoffnung. Das Buch ist wie das Leben – am Ende des Romans bleiben viele lose Fäden, nicht alles wird aufgeklärt. Auch hier bleibt sich Ayesha Harruna Attah ihrem Stil treu. „Die Frauen von Salaga“ ist ein unterhaltsamer, teilweise spannender, vor allem aber interessanter Roman, der für viele Leser*innen sicher gewöhnungsbedürftig ist (schon allein wegen der Namen), aber letztlich eine tolle Geschichte erzählt.
Ich wusste bis zu diesem Buch nicht, wo Salaga liegt und mag es, dass ich geschichtlich so viel mitnehmen konnte. Die Geschichte ist fesselnd geschrieben. Ich ziehe nur einen Stern ab, weil mir bei Wurche zu wenig erklärt wurde, woher ihre Charakterentwicklung kam und mir das Ende dadurch etwas schnell erschien. Dafür hätte das Buch gerne ein paar Seiten länger sein dürfen :-)
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ayesha Harruna Attah wurde in Ghana geboren, studierte in den USA u.a. an der Columbia University und der NYU und lebt heute mit ihrer Familie im Senegal. Ihr Roman »Die Frauen von Salaga« ist von dem Schicksal ihrer Ururgroßmutter inspiriert.
Beiträge
Das Buch “Die Frauen von Salaga” hat mich thematisch sehr angesprochen, da ich gerne Romane lese, in denen ich etwas über fremde Kulturen, Länder und Lebensweisen erfahre. Die Geschichte, wie ein Mädchen gekidnappt wird und so auf dem Sklavenmarkt in Salaga endet, beinhaltet all dies. Und: Ich kann sagen, der Klappentext hält, was er verspricht! Anfangs fand ich den Schreibstil der Autorin gewöhnungsbedürftig. In den meisten Romanen, die ich lese, wird viel umschrieben. Das spart sich die Autorin und schreibt stattdessen weitgehend objektiv. Auf den ersten Seiten bin ich daher regelrecht von all den Informationen umgehauen worden und habe einige Abschnitte zweimal gelesen. Insbesondere die vielen Namen haben mich verwirrt; zum einen, weil sie fremd klangen (z.B. Etuto und Obado) und zum anderen, weil sie sich so ähnlich sind, was wahrscheinlich an der Verwandtschaftsbeziehung liegt (z.B. Na, Issa-Na und Issa). Auch die Städte und Gerichte haben außergewöhnliche Namen. Nachdem ich die ersten Seiten besonders aufmerksam gelesen und mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, fand ich das Buch sehr eindrucksvoll. Die Geschichte an sich ist so überwältigend, dass jegliche Form von ausgeschmückt beschriebenen Gefühlen die Geschichte entweder weniger glaubhaft gemacht, oder den Leser überfordert hätte. Wer fühlt nicht mit einem Mädchen, das von seiner Familie getrennt und als Sklavin gehalten wird? Oder mit einer jungen Frau, die zwar in besseren Verhältnissen aufwächst, aber eine ungewollte Ehe eingehen muss und fortan nicht mehr über ihr eigenes Leben entscheiden kann? Man fühlt automatisch mit – egal, ob die Autorin die Gefühle der Charaktere hier und da besonders hervorhebt, oder nicht. Was mir besonders gut gefallen hat, waren – neben der Geschichte selbst – die Beschreibung der Umgebung und des Essens. Obwohl ich noch kein Oasendorf gesehen habe, habe ich mich mittendrin gefühlt. Genauso ging es mir auch auf dem Gehöft der Familie, dem Hinterzimmer des Sklavenhändlers, dem großen Fluss oder bei der Vorstellung der Speisen. Viele der Gerichte würde ich gerne mal probieren. Ich habe besonders mit einer der beiden Hauptcharakteren, Aminha, mitgefühlt. Dies lag zum einen an ihrer prekären Situation und geringen Chance, hieran etwas zu ändern. Zum anderen lag es aber auch an Aminhas Charakter. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sich selbst hintenan stellt und alle für ihre Familie tun würde. Dennoch hat sie einen weichen Kern und Träume, die sie eines Tages verfolgen möchte. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für fremde Kulturen und Geschichte interessiert.
Ayesha Harruna Attah erzählt in ihrem Roman „Die Frauen von Salaga“ die Geschichte zweier Frauen, die sich in Westafrika kennenlernen. Der Grund ihres Kennenlernens ist die Sklaverei. Aminah wurde von einer Gruppe Sklavenhändler gefangen genommen und als Sklavin veräußert. Dabei durchlebt sie mehrere unterschiedliche Etappen, bis sie an die reiche und mächtige Wurche gelangt, die sie kauft. Obwohl Wurche die Mittel und Wege hat, scheinbar frei zu handeln, ist sie fast genauso unfrei wie Aminah. Sie muss sich den Machtgefügen innerhalb der Herrscherfamilien beugen und wird mit einem Mann verheiratet, der die Position ihres Vaters stärkt. Die Autorin beschreibt die Zeit während des Kolonialismus und zeigt die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dabei sind die persönlichen Schicksale der Protagonistinnen im Vordergrund. Die Gefühle und aktuelle Situation werden thematisiert und gibt den Lesenden ein Verständnis für die innere Empfindung der Figuren. Die Kapitel wechseln zwischen der Sicht von Wurche und Aminah. Durch die Verwendung einer Erzählinstanz wird eine gewisse Distanz beim Lesen bewahrt. Dadurch sind die harten Erlebnisse der Figuren leichter zu verarbeiten. Im angehängten Interview sagt Attah, dass sie sich bei der Figur Aminah an ihre Vorfahrin orientierte, da diese innerhalb der Familie nur als „Sklavin“ bezeichnet wurde. Demnach verarbeitet Attah ein Teil ihrer eigenen Familiengeschichte. Auch die deutsche Kolonialgeschichte wird erwähnt, leider nur verhältnismäßig wenig. Da in Deutschland dieser Teil der Geschichte in meiner Schulzeit komplett ausgelassen wurde, finde ich es umso wichtiger, jetzt selbst mehr darüber zu erfahren. Ich würde nicht sagen, dass Attahs Roman darüber sehr aufklärend ist, aber immerhin wird es deutlich, dass Deutschland aktiv am Kolonialismus beteiligt war. Ayesha Harruna Attah schreibt über den Kolonialismus, aber stellt die Figuren in den Vordergrund. Dabei wird die Geschichte aufgearbeitet und Stück für Stück ermächtigt. Ein fesselnder Roman über zwei Frauen, die sich in einer Welt herumschlagen müssen, die sie gefangen hält und in der sie sich selbst befreien müssen. [Kostenloses Rezensionsexemplar]
Der Einstieg in das Buch fiel mir leider etwas schwer, da ich mir anfänglich die Namen kaum merken und so keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen konnte. Auch der Einstieg in das Setting hat mich zu Beginn etwas ratlos zurückgelassen. Der Klappentext verrät schon ziemlich viel über das Buch und somit hatte ich mir einen etwas schnelleren Einstieg erhofft. Tatsächlich plätschert es aber etwas vor sich hin und die erste Hälfte des Buches ist gefühlt die Einleitung, bis die wirkliche Story beginnt. Bei der insgesamt eher geringeren Seitenzahl war ich dadurch dann etwas enttäuscht, da man sich hier deutlich hätte kürzer fassen und den Hauptteil besser hätte ausbauen können. Im Verlauf konnte ich mich dann auch endlich an die afrikanischen Namen gewöhnen und gerade zu den Protagonistinnen eine Bindung aufbauen, sodass ich mich dann deutlich mehr in das Buch gezogen fühlte. Die Story wurde endlich interessant und insgesamt schafft "Die Frauen von Salaga" einen sehr guten Einblick in die Thematik. Beide Frauen sind Kämpferinnen und wünschen sich mehr von ihrem Leben. Sie setzen sich dafür ein, dass sich etwas ändert und müssen doch immer wieder mit den Klischees und Herausforderungen kämpfen. Der Schreibstil hat mir bis auf die etwas lange Einleitung ansonsten sehr gut gefallen. Nachdem ich endlich richtig eingestiegen war, ließ sich das Buch wahnsinnig flott lesen. Der Perspektivenwechsel war sehr gut gewählt und beide Seiten kamen somit ausreichend zur Sprache. Am Ende hätte ich mir allerdings einfach deutlich mehr Tiefe gewünscht, die leider aufgrund der Kürze des Buches nicht so ausgebaut werden konnte, wie ich es erhofft hatte. Trotz allem kann ich das Buch empfehlen.
„Die Frauen von Salaga“ habe ich mir aufgrund der Inhaltsangabe ehrlich gesagt völlig anders vorgestellt. Meiner Meinung nach ist das wieder einmal ein Beispiel dafür, wie Verlage ihre (potentiellen) Kunden an der Nase herumführen. Und ich finde das nicht witzig und ich habe vor allem überhaupt kein Verständnis dafür. Es nützt den Autor*innen herzlich wenig, wenn die Verlage mit den Klappentexten/Inhaltsangaben Erwartungen schüren, die hinterher nicht erfüllt werden. Vor allem wird es weder den angepriesenen Büchern noch den Autor*innen gerecht. Die Enttäuschung vieler Leser*innen ist bei diesem Vorgehen vorprogrammiert. Lesen diejenigen, die die Klappentexte schreiben, überhaupt die Bücher? Genug lamentiert, es soll schließlich um „Die Frauen von Salaga“ und nicht etwa mäßige bis schlechte Verlagsarbeit gehen. „Die Frauen von Salaga“ erzählt die Geschichten von Aminah und Wurche. Aminahs Schicksal nimmt seine Lauf, als ihr Vater sich mal wieder mit einer Karawane auf den Weg macht, um Stiefel zu verkaufen, aber nicht zurückkehrt. Schlimmer noch: Eines Tages ziehen Räuber durch das Dorf und brennen es nieder, nachdem sie die Menschen gefangen genommen haben, um sie als Sklaven zu verkaufen – darunter Aminah und ihre Geschwister. Der Leidensweg beginnt. Derweil wird Wurche, ihres Zeichens Königstochter, aus politisch-strategischen Gründen mit Adnan verheiratet, obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt davon ausging, sich ihren Mann selbst aussuchen zu können. Das Zusammentreffen beider Frauen, das ich wegen des Klappentextes permanent erwartete, findet letztlich erst im letzten Drittel des Buches statt. Davor lernen wir über die Lebenswege der beiden Frauen ein wenig über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse Ghanas des 19. Jahrhunderts kennen. Was mir sehr gefallen hat, ist die Tatsache, dass ich nie das Gefühl hatte, dass Ayesha Harrunah Attah dieses Buch für Europäer geschrieben hat. Sie reißt viele Themen nur an und setzt ganz offensichtlich Hintergrundwissen zur Geschichte des Landes voraus. Sie richtet sich an ihre Landsleute, nicht an potentielle Leser*innen jenseits von Afrika. Dadurch hat für mich das Buch an Authentizität gewonnen. Es sind Kleinigkeiten wie die Mahlzeiten, die nicht bis ins letzte Detail beschrieben werden, aber eben auch die verschiedenen Begriffe wie „Clans“, „Stämme“ etc., die sie nicht näher erläutert, weil sie davon ausgeht, dass die Leser wissen, was sie meint, die in mir den Eindruck erweckt haben, dass sie primär für ein Publikum geschrieben hat, das das nötige Hintergrundwissen hat. Das hat mir ganz ehrlich sehr gut gefallen. Wer mehr wissen möchte, kann sich andere Bücher über Ghana und/oder Afrika kaufen. Dies ist ein Roman, kein Sachbuch, auch wenn Ayesha Harruna Attha einen sehr sachlichen Schreibstil verwendet. Die Sätze sind knapp – trotzdem verwendet sie eine sehr bildhafte Sprache. Das Wesentliche ist aber der jeweilige Weg von Aminah und Wurche. Für mich waren sie ein bisschen wie Yin und Yang – Gegensätze, die sich anziehen. In gewisser Weise sind sie das genaue Gegenteil voneinander und ergänzen sich doch gut. Und so wie ihr Lebensweg bis zu ihrem Treffen – und auch danach – total gegensätzlich ist, so sind das ihre Charaktere und ihr Äußeres. Anders als es der Klappentext suggeriert, ist es nicht so, dass Wurche und Aminah sich quasi besprechen, für ihre Freiheit zu kämpfen. Es ergibt sich mehr aus ihrer Situation. Und dieser Kampf wird auch nicht nach Absprache und gemeinsam geführt, sondern die Frauen führen ihn jeder für sich. Sie treffen nur zufällig aufeinander und verbringen als Sklavin und Herrin einige Jahre miteinander, ehe sich ihre Lebenswege wieder trennen. Aber: Beide Frauen sind auf ihre Weise stark. Sie erleiden viel – bei Aminah ist das für uns Leser*innen vielleicht leichter nachzuvollziehen, aber auch Wurche muss einiges ertragen. Und doch zerbrechen sie nicht, sondern finden ihren Weg. Am Ende bleibt die Hoffnung. Das Buch ist wie das Leben – am Ende des Romans bleiben viele lose Fäden, nicht alles wird aufgeklärt. Auch hier bleibt sich Ayesha Harruna Attah ihrem Stil treu. „Die Frauen von Salaga“ ist ein unterhaltsamer, teilweise spannender, vor allem aber interessanter Roman, der für viele Leser*innen sicher gewöhnungsbedürftig ist (schon allein wegen der Namen), aber letztlich eine tolle Geschichte erzählt.
Ich wusste bis zu diesem Buch nicht, wo Salaga liegt und mag es, dass ich geschichtlich so viel mitnehmen konnte. Die Geschichte ist fesselnd geschrieben. Ich ziehe nur einen Stern ab, weil mir bei Wurche zu wenig erklärt wurde, woher ihre Charakterentwicklung kam und mir das Ende dadurch etwas schnell erschien. Dafür hätte das Buch gerne ein paar Seiten länger sein dürfen :-)









