DIE AUGEN DER BLINDEN

DIE AUGEN DER BLINDEN

Taschenbuch
3.01

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Beschreibung

Drei Menschen - eine Biologin, ein Arzt, ein Computer-Wissenschaftler - sind ausgezogen auf Erkundungsfahrt ins All, weil sie hoffen, unter außergewöhnlichen Bedingungen, frei von den Bindungen des Erden-Daseins, Antwort auf ungelöste Fragen ihres Zusammenlebens zu finden; denn beide Männer begehren die Frau. Jahre, nachdem sie den blauen Planeten verlassen haben, landen die drei auf dem Dunkelstern Phi, wo unter der Herrschaft eines Hierarchen vernunftbegabte Pelz-Wesen leben. Im Spannungsfeld zwischen dem Hierarchen, der sie erpresst, ihm zu Willen zu sein, dem Wissenschaftler, dessen vernunftgesteuerte Aktivität sie fasziniert, und dem Arzt, der im kreatürlichen Lebensgenuss seine eigentliche Daseinsform erblickt, muss die junge Aria Wann sich entscheiden... Der Roman DIE AUGEN DER BLINDEN des Schriftstellers Werner Steinberg (* 18. April 1913 in Neurode, Schlesien; † 25. April 1992 in Dessau), erstmals im Jahr 1973 veröffentlicht, erscheint als durchgesehene Neuausgabe im Apex-Verlag in der Reihe KOSMOLOGIEN – SCIENCE FICTION AUS DER DDR.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Abenteuer
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
372
Preis
12.99 €

Autorenbeschreibung

Werner Steinberg (* 18. April 1913 in Neurode, Schlesien; † 25. April 1992 in Dessau) war ein deutscher Schriftsteller, der auch unter den Pseudonymen Udo Grebniets und Udo Grebnitz publizierte.

Beiträge

1
Alle
3

Ein weiteres Exemplar von DDR-Science Fiction aus den 80er Jahren. Wie schon bei "Unheimliche Erscheinungsformen (https://www.goodreads.com/book/show/12023211-unheimliche-erscheinungsformen-auf-omega-xi) sind Eheprobleme der Treiber der Handlung. Diese bestimmt autobiographisch begründeten und für sich genommen langweiligen Eheprobleme sind durch absurd exotisch klingen sollende Namen (z.B. Bronn Ziano) und ein möglichst weit entfernt liegendes Reiseziel verfremdet. So weit Science Fiction, wie man es sich denkt. Die Ausgangslage ist eine veränderte (im sozialistischen Sinne der Abfassungszeit: befreite) Erde - Geld und Unterschiede braucht's nicht mehr. Auch hier schimmert steinberg'sche Autobiographie durch, wenn als Beispiel für nicht mehr verdreckte, sondern saubere Städte neben Chicago ausgerechnet Dessau genannt wird (und es geht sogar so weit, dass ein dort lebender Schriftsteller erwähnt wird, der doch damals geschrieben hätte - wer damit wohl gemeint sein soll?). Das einzige, das an Besitztum übriggeblieben ist (neben fliegenden Wolkenhäusern) ist die Ehe, aber (das kennt man sonst nur aus schiitischem Islam) eine Ehe auf Zeit. Immerhin noch 5 Jahre verpflichtet man sich aus freien Stücken, dann hat man die Möglichkeit, für weitere 5 Jahre zu unterschreiben. Aria Wann war erst 5 Jahre mit dem Pionier der geplanten Venusbesiedlung verheiratet, dann 5 Jahre mit einem erfolgreichen Piloten und Chirurgen - besagter Bronn Ziano. Die Ausgangslage des Romans ist also, dass sie sich nun zwischen diesen beiden entscheiden soll. Als nun ausgerechnet letzterer eine Raumfahrt zu einem unerforschten Planeten zugesagt bekommt und sie mitnehmen will, besteht sie im Gegenzug darauf, als drittes den Pionier und Professor aus ihrer ersten Ehe mitzunehmen. Dies ist also die Konstellation, die emotional den Roman tragen wird: Für wen wird sie sich wohl entscheiden? Die Science-Fiction-Handlung treibt aber in eine andere Richtung: Der unerforschte Planet ist mit viel Phantasie völlig anders gezeichnet, als man es von der Erde so kennt. Schließlich begegnen sie nach allerhand Problemen eigenartigen blinden Pelzwesen und müssen herausfinden, wie sie mit ihnen kommunizieren können, die zumal in einem streng hierarchischen und monarchischem Kastensystem leben. Mit Umwandlung ihrer Stimmfrequenzen gelingt das Miteinander-Sprechen. Nun verlangt aber der König dieser Pelzwesen, Aria Wann vergewaltigen zu dürfen - gemäß seiner Ideologie aber erst, wenn sie einwilligt (so wie seine Untergebenen auch in schreckliche Bestrafungen und Folter "einwilligen"). Würde sie nicht einwilligen, würde er die drei Menschen verhungern lassen. Das Ziel der Vergewaltigung ist zum einen reine Lust - zum anderen, Kinder zu zeugen, die als Mischwesen eventuell endlich Augenlicht bekämen. Zum Glück gelingt es aber den Chirurgen mithilfe einer Operation, bereits evolutionär entwickelte Augäpfel bei einigen Widerständigen von ihren Lidern zu befreien. (Handelstreibend ist überhaupt möglicher Widerstand, weil die Pelzwesen blind sind.) Ob diese nun Sehenden den König stürzen können, wissen wir nicht - sie helfen auf jeden Fall den Menschen, zu fliehen und die Vergewaltigung zu verhindern. Äußerst unlogisch durchgeführt ist es, dass die Evolution so vorgegangen sein soll, dass es schon Augäpfel gäbe, aber noch keine Sicht - es wäre wahrscheinlicher gewesen, dass der Chirurg der Zukunft künstliche Sehnerven eingebaut hätte. Überhaupt ist der zufälligen auf Mutation und anderen Lebensbedingungen beruhenden Evolution (die Pelzwesen leben unterirdisch - warum haben sie dann eigentlich einen Pelz?) hier viel abverlangt - warum sollten diese Wesen zwar leicht andere (drei Brüste!), aber doch vergleichbare, "kompatible" Geschlechtsteile haben? Überhaupt die Geschlechtlichkeit: Vordergründig gleichberechtigt misslingt es dem Erzähler, der Frau in der Dreierkonstellation ähnliches Wissen und ähnliche Fähigkeit wie den Männern zuzusprechen - sie ist eben ganz klassisch die, die zwischen den beiden Machern - dem Superintelligenten und dem Praktisch-Pragmatischen - entscheidet, aber selbst - obgleich äußerst intelligent (Biologin) - weniger Handelsspielraum zugesprochen bekommt. Die Pelzwesen haben auch eine Geschlechterbinarität, kein Zufall, sondern mangelnde Phantasie ist es, wenn ein weibliches Pelzwesen vor allem über ihren Wunsch nach Schönheit, um männliche Pelzwesen herumzukriegen, beschrieben wird (und erst später, einem männlichen Pelzwesen nachfolgend, als Heldin beschrieben wird). Die Menschen fliehen von dem Planeten. Wie entscheidet sich Aria Wann? Wenn ich es richtig verstanden haben, bleibt es offen, bzw. sie will erst einmal niemanden von beiden. Ehen auf Zeit sind ein interessantes Konzept, doch dieser Roman zeigt, wie es nicht geht: Beide Männer sind deutlich älter als die bei ihrer ersten Ehe erst 17-Jährige (!) und 5 Jahre sind eine viel zu lange Zeit, am Ende der 5 Jahre auf eine mehrere Jahre dauernde Raumfahrt zu gehen (hier ist die Handlung physikalisch korrekt, aber dadurch umso unglaubwürdiger).

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