Das deutsche Krokodil
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Beschreibung
Ijoma Mangold wächst in den siebziger Jahren in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, geht aber nach kurzer Zeit nach Afrika zurück. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder und bringt Unruhe in die Verhältnisse. Wie wuchs man als «Mischlingskind» und «Mulatte» in der Bundesrepublik auf? Wie geht man um mit einem abwesenden Vater? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen, mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner? Erzählend beantwortet Ijoma Mangold diese Lebensfragen, hält er seine Erlebnisse mit seiner deutschen und mit seiner afrikanischen Familie fest. Und nicht zuletzt seine überraschenden Erfahrungen mit sich selbst.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ijoma Mangold, geboren 1971 in Heidelberg, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Bologna. Nach Stationen bei der „Berliner Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“ wechselte er 2009 zur Wochenzeitung „Die Zeit“, deren Literaturchef er von 2013 bis 2018 war. Inzwischen ist er Kulturpolitischer Korrespondent der Zeitung. Zusammen mit Amelie Fried moderierte er die ZDF-Sendung „Die Vorleser“. Außerdem gehört er zum Kritiker-Quartett der Sendung „lesenswert“ des SWR-Fernsehens. 2017 erschien „Das deutsche Krokodil“. Mangold lebt in Berlin.
Beiträge
Ich mag Ijoma Mangold als Mitglied im Literaturclub, deshalb hab ich dieses Buch gelesen und deshalb mag ich das Buch auch. Mangold erzählt von seiner Kindheit und Jugend mit Mutter und Großmutter. Die Mutter hat ihm gesagt, dass es immer klar war, dass sein Vater in seine Heimat zurückkehren wird um sein Wissen und seine Arbeitskraft seinen Leuten zur Verfügung zu stellen. Als Ijoma ungefähr 20 ist meldet sich sein Vater, will ihn kennen lernen und erzählt ihm von seinen Geschwistern. Er fährt nach Nigeria, mag seine Geschwister, seinen Vater und dessen Frau, kann und will sich aber nicht in das nigerianische Leben einfügen, hält aber Kontakt. Das Buch ist spannend und nachvollziehbar erzählt. Ich habe es gerne gelesen.
„Wenn es so wichtig ist, dass jede Identitätsgruppe ihre Geschichte erzählt, damit diese Geschichte öffentlich anerkannt wird, dann muss es auch meine Geschichte geben, die da lautet, ich kann mich nicht so richtig daran erinnern, dass mir je etwas übel Rassistisches widerfahren ist.“ Die Autobiografie von Ijoma Mangold hebt sich meines Erachtens deutlich von den derzeit in den Bestsellerlisten stehenden anderen deutschsprachigen Biografien schwarzer Autorinnen ab (ich verwende den Begriff Schwarzer, da Mangold sich selbst mit der Abkürzung PoC schwer tut). Nun ist Mangold auch eher in meiner Generation, ebenfalls in der gediegen-beschaulichen Kurpfalz aufgewachsen und sicherlich privilegiert mit einem intakten Freundeskreis und einer liebevollen, alleinerziehenden Mutter. Wenn er über seine Kindheit im ersten Drittel des Buchs erzählt, dann spielt die Hautfarbe erstaunlich wenig eine Rolle. Es sind Geschichten von den Großeltern, Nachbarn und der Schule, die in dieser Form jeder zum Besten geben könnte. Störenderweise erzählt er diesen Part in der dritten Person, warum auch immer, kehrt aber zum Glück im weiteren Verlauf in die Ich-Perspektive um. Das zweite Drittel geht dann um den Erstkontakt mit seinem nigerianischen Vater, als Mangold Anfang 20 war. Er reist nach Nigeria, lernt seine dortige Familie kennen. Auch sie sind vergleichsweise privilegiert, der Vater der Arzt und Chief des Dorfes, die Halbgeschwister teilweise zum Studium in Europa. Auch wenn Afrika hier erstmals auftaucht, so sind die Gedanken und Probleme Mangolds in erster Linie auf die Tatsache gerichtet, dass er ohne Vater aufwuchs. Bis dahin war ich dem Buch etwas zwiegespalten gegenüber. Natürlich hätte ich mir mehr über Identität, Rassismus oder auch Literaturwissenschaften von ihm gewünscht. Das ändert sich dann im letzten Drittel des Buchs, welches mich dann richtig packte und zu einer guten Bewertung kommen ließ. Ijoma Mangold hat die Sprache als effektivsten Mittel für sich entdeckt, um mit Vorbehalte gegenüber seiner Person umzugehen. Nach seinen Erfahrungen entspannen sich die Gesichtszüge der unbekannten Person gegenüber, sobald er in geschliffenem Deutsch und gewinnendem Lächeln die Konversation beginnt. Dann tauchen auch mal Sätze wie der Folgende auf, der im krassen Widerspruch zu den von White Fragilty inspirierten Büchern jüngerer Autor/innen steht: „Es ist ohnehin nicht leicht, Fälle von Rassismus auszumachen. Im Zweifelsfall hat der Betroffene ein feineres Gespür dafür, aber es kann nicht sein, dass die Macht, darüber zu entscheiden, ob etwas rassistisch ist oder nicht, alleine bei dem Betroffenen liegt.“ Es ist keinesfalls so, dass ich mich jetzt entspannt zurücklehne und denke: „Wenn der Ijoma kaum Rassismus gespürt hat, dann wird es in Deutschland auch nicht so schlimm sein.“ Jede/r empfindet Diskriminierungen anders und alle haben das Recht, ihre Gefühle zu äußern. Es wird nur problematisch, wenn eine Seite versucht, die Regeln für das Miteinander einseitig aufzustellen, ob Schwarze oder Weiße. Das funktioniert nur gemeinschaftlich und auf keinen Fall mit der dogmatisch Wucht, wie Andere derzeit auftreten. Dogmatisch ist Ijoma Mangold nie, vielleicht etwas prätentiös, ungewöhnlich (welcher junger Mensch hört heute schon am liebsten Richard Wagner) und konservativ. Aber vor allem ist er äußerst sympathisch. Sehr lesenswert.
„Das deutsche Krokodil“ ist eine kluge, tiefgründige und gleichzeitig humorvolle Autobiografie, die mich auf vielen Ebenen berührt hat. Ijoma Mangold nimmt uns mit auf eine sehr persönliche Reise durch seine Kindheit und Jugend in Deutschland – als Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters. Aufgewachsen in Heidelberg, also ganz in meiner Nähe, konnte ich mich in vielen Beschreibungen von Orten und Stimmungen gut wiederfinden. Was mich besonders beeindruckt hat, ist seine Fähigkeit, mit Leichtigkeit und Eleganz über Themen wie Identität, Herkunft, Zugehörigkeit und Rassismus zu schreiben – ohne dabei belehrend zu sein. Stattdessen erzählt er mit feiner Ironie, analytischem Scharfsinn und emotionaler Tiefe. Manche Stellen haben mich zum Lachen gebracht, andere waren traurig oder nachdenklich stimmend. Genau diese Mischung macht das Buch so besonders. Auch der Titel „Das deutsche Krokodil“ bekommt im Laufe des Lesens eine tiefere Bedeutung. Er steht für das Bild eines Menschen, der sich im Außen angepasst zeigt – kontrolliert, sachlich, „deutsch“ – während im Inneren viele Schichten, Fragen und Emotionen arbeiten. Dieses Spannungsfeld beschreibt Mangold sehr ehrlich und menschlich. Ich finde das Buch nicht nur literarisch stark, sondern auch gesellschaftlich wichtig. Es eröffnet Perspektiven, lässt einen mitdenken und auch sich selbst hinterfragen: Wer bin ich eigentlich? Wer darf „dazugehören“? Und wie kann ich selbstbewusst meinen Platz im Leben einnehmen?
Ein sehr gutes Buch, gerade vor dem Hintergrund, dass ich Biografien nicht oft lese. Man merkt dem Buch sofort an, dass Ijoma Mangold die Sprache an sich aber natürlich auch die deutsche Sprache "liebt". Für mich persönlich ist Sprache Identifikation und auch Heimat. Hierbei meine ich nicht die deutsche Sprache an sich sondern sich gut ausdrücken, kommunizieren miteinander ist mir hierbei wichtig. Genau den Eindruck habe ich auch von Mangold. Einen Stern habe abgezogen, da in manchen Passagen gehäuft Fremdwörter, ja sogar adjektivische Fremdwörter zum Bezugswort, verwendet werden und so meinen Lesefluss störten. Wunderschön beschreibt er aber auch Orte (Nigeria, USA), so dass sie vorstellbar für einem werden. Oder bei Erklärungen wie wahrhaftig sind unsere Erinnerungsbilder oder warum man erst bestimmten Fragen nachgeht, wenn der Gegenüber verstummt ist, bringt er den Kerninhalt genau auf den Punkt. Inhaltlich ist in dem Buch das aktuelle Thema Rassismus, wobei hierbei interessant ist, dass Ijoma Mangold nie eine große Ausgrenzung in Deutschland empfunden hatte. Eher ausgegrenzt wurde in seinen Jugendjahren für seine Vorliebe für Klassik und Thomas Mann u.a. Man fragt sich, ob es hier aber auch zu Verdrängung seinerseits gekommen ist, was am Ende des Buches auch angesprochen wird. Zweites großes Thema ist die besondere Mama-Sohn-Beziehung, welche mir nahe ging, da ich meine auch vor kurzem verloren habe. Große Leseempfehlung.🌈☀️🍀📚
„Wenn es so wichtig ist, dass jede Identitätsgruppe ihre Geschichte erzählt, damit diese Geschichte öffentlich anerkannt wird, dann muss es auch meine Geschichte geben, die da lautet, ich kann mich nicht so richtig daran erinnern, dass mir je etwas übel Rassistisches widerfahren ist.“ Die Autobiografie von Ijoma Mangold hebt sich meines Erachtens deutlich von den derzeit in den Bestsellerlisten stehenden anderen deutschsprachigen Biografien schwarzer Autorinnen ab (ich verwende den Begriff Schwarzer, da Mangold sich selbst mit der Abkürzung PoC schwer tut). Nun ist Mangold auch eher in meiner Generation, ebenfalls in der gediegen-beschaulichen Kurpfalz aufgewachsen und sicherlich privilegiert mit einem intakten Freundeskreis und einer liebevollen, alleinerziehenden Mutter. Wenn er über seine Kindheit im ersten Drittel des Buchs erzählt, dann spielt die Hautfarbe erstaunlich wenig eine Rolle. Es sind Geschichten von den Großeltern, Nachbarn und der Schule, die in dieser Form jeder zum Besten geben könnte. Störenderweise erzählt er diesen Part in der dritten Person, warum auch immer, kehrt aber zum Glück im weiteren Verlauf in die Ich-Perspektive um. Das zweite Drittel geht dann um den Erstkontakt mit seinem nigerianischen Vater, als Mangold Anfang 20 war. Er reist nach Nigeria, lernt seine dortige Familie kennen. Auch sie sind vergleichsweise privilegiert, der Vater der Arzt und Chief des Dorfes, die Halbgeschwister teilweise zum Studium in Europa. Auch wenn Afrika hier erstmals auftaucht, so sind die Gedanken und Probleme Mangolds in erster Linie auf die Tatsache gerichtet, dass er ohne Vater aufwuchs. Bis dahin war ich dem Buch etwas zwiegespalten gegenüber. Natürlich hätte ich mir mehr über Identität, Rassismus oder auch Literaturwissenschaften von ihm gewünscht. Das ändert sich dann im letzten Drittel des Buchs, welches mich dann richtig packte und zu einer guten Bewertung kommen ließ. Ijoma Mangold hat die Sprache als effektivsten Mittel für sich entdeckt, um mit Vorbehalte gegenüber seiner Person umzugehen. Nach seinen Erfahrungen entspannen sich die Gesichtszüge der unbekannten Person gegenüber, sobald er in geschliffenem Deutsch und gewinnendem Lächeln die Konversation beginnt. Dann tauchen auch mal Sätze wie der Folgende auf, der im krassen Widerspruch zu den von White Fragilty inspirierten Büchern jüngerer Autor/innen steht: „Es ist ohnehin nicht leicht, Fälle von Rassismus auszumachen. Im Zweifelsfall hat der Betroffene ein feineres Gespür dafür, aber es kann nicht sein, dass die Macht, darüber zu entscheiden, ob etwas rassistisch ist oder nicht, alleine bei dem Betroffenen liegt.“ Es ist keinesfalls so, dass ich mich jetzt entspannt zurücklehne und denke: „Wenn der Ijoma kaum Rassismus gespürt hat, dann wird es in Deutschland auch nicht so schlimm sein.“ Jede/r empfindet Diskriminierungen anders und alle haben das Recht, ihre Gefühle zu äußern. Es wird nur problematisch, wenn eine Seite versucht, die Regeln für das Miteinander einseitig aufzustellen, ob Schwarze oder Weiße. Das funktioniert nur gemeinschaftlich und auf keinen Fall mit der dogmatisch Wucht, wie Andere derzeit auftreten. Dogmatisch ist Ijoma Mangold nie, vielleicht etwas prätentiös, ungewöhnlich (welcher junger Mensch hört heute schon am liebsten Richard Wagner) und konservativ. Aber vor allem ist er äußerst sympathisch. Sehr lesenswert.
Beschreibung
Ijoma Mangold wächst in den siebziger Jahren in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, geht aber nach kurzer Zeit nach Afrika zurück. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder und bringt Unruhe in die Verhältnisse. Wie wuchs man als «Mischlingskind» und «Mulatte» in der Bundesrepublik auf? Wie geht man um mit einem abwesenden Vater? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen, mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner? Erzählend beantwortet Ijoma Mangold diese Lebensfragen, hält er seine Erlebnisse mit seiner deutschen und mit seiner afrikanischen Familie fest. Und nicht zuletzt seine überraschenden Erfahrungen mit sich selbst.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ijoma Mangold, geboren 1971 in Heidelberg, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Bologna. Nach Stationen bei der „Berliner Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“ wechselte er 2009 zur Wochenzeitung „Die Zeit“, deren Literaturchef er von 2013 bis 2018 war. Inzwischen ist er Kulturpolitischer Korrespondent der Zeitung. Zusammen mit Amelie Fried moderierte er die ZDF-Sendung „Die Vorleser“. Außerdem gehört er zum Kritiker-Quartett der Sendung „lesenswert“ des SWR-Fernsehens. 2017 erschien „Das deutsche Krokodil“. Mangold lebt in Berlin.
Beiträge
Ich mag Ijoma Mangold als Mitglied im Literaturclub, deshalb hab ich dieses Buch gelesen und deshalb mag ich das Buch auch. Mangold erzählt von seiner Kindheit und Jugend mit Mutter und Großmutter. Die Mutter hat ihm gesagt, dass es immer klar war, dass sein Vater in seine Heimat zurückkehren wird um sein Wissen und seine Arbeitskraft seinen Leuten zur Verfügung zu stellen. Als Ijoma ungefähr 20 ist meldet sich sein Vater, will ihn kennen lernen und erzählt ihm von seinen Geschwistern. Er fährt nach Nigeria, mag seine Geschwister, seinen Vater und dessen Frau, kann und will sich aber nicht in das nigerianische Leben einfügen, hält aber Kontakt. Das Buch ist spannend und nachvollziehbar erzählt. Ich habe es gerne gelesen.
„Wenn es so wichtig ist, dass jede Identitätsgruppe ihre Geschichte erzählt, damit diese Geschichte öffentlich anerkannt wird, dann muss es auch meine Geschichte geben, die da lautet, ich kann mich nicht so richtig daran erinnern, dass mir je etwas übel Rassistisches widerfahren ist.“ Die Autobiografie von Ijoma Mangold hebt sich meines Erachtens deutlich von den derzeit in den Bestsellerlisten stehenden anderen deutschsprachigen Biografien schwarzer Autorinnen ab (ich verwende den Begriff Schwarzer, da Mangold sich selbst mit der Abkürzung PoC schwer tut). Nun ist Mangold auch eher in meiner Generation, ebenfalls in der gediegen-beschaulichen Kurpfalz aufgewachsen und sicherlich privilegiert mit einem intakten Freundeskreis und einer liebevollen, alleinerziehenden Mutter. Wenn er über seine Kindheit im ersten Drittel des Buchs erzählt, dann spielt die Hautfarbe erstaunlich wenig eine Rolle. Es sind Geschichten von den Großeltern, Nachbarn und der Schule, die in dieser Form jeder zum Besten geben könnte. Störenderweise erzählt er diesen Part in der dritten Person, warum auch immer, kehrt aber zum Glück im weiteren Verlauf in die Ich-Perspektive um. Das zweite Drittel geht dann um den Erstkontakt mit seinem nigerianischen Vater, als Mangold Anfang 20 war. Er reist nach Nigeria, lernt seine dortige Familie kennen. Auch sie sind vergleichsweise privilegiert, der Vater der Arzt und Chief des Dorfes, die Halbgeschwister teilweise zum Studium in Europa. Auch wenn Afrika hier erstmals auftaucht, so sind die Gedanken und Probleme Mangolds in erster Linie auf die Tatsache gerichtet, dass er ohne Vater aufwuchs. Bis dahin war ich dem Buch etwas zwiegespalten gegenüber. Natürlich hätte ich mir mehr über Identität, Rassismus oder auch Literaturwissenschaften von ihm gewünscht. Das ändert sich dann im letzten Drittel des Buchs, welches mich dann richtig packte und zu einer guten Bewertung kommen ließ. Ijoma Mangold hat die Sprache als effektivsten Mittel für sich entdeckt, um mit Vorbehalte gegenüber seiner Person umzugehen. Nach seinen Erfahrungen entspannen sich die Gesichtszüge der unbekannten Person gegenüber, sobald er in geschliffenem Deutsch und gewinnendem Lächeln die Konversation beginnt. Dann tauchen auch mal Sätze wie der Folgende auf, der im krassen Widerspruch zu den von White Fragilty inspirierten Büchern jüngerer Autor/innen steht: „Es ist ohnehin nicht leicht, Fälle von Rassismus auszumachen. Im Zweifelsfall hat der Betroffene ein feineres Gespür dafür, aber es kann nicht sein, dass die Macht, darüber zu entscheiden, ob etwas rassistisch ist oder nicht, alleine bei dem Betroffenen liegt.“ Es ist keinesfalls so, dass ich mich jetzt entspannt zurücklehne und denke: „Wenn der Ijoma kaum Rassismus gespürt hat, dann wird es in Deutschland auch nicht so schlimm sein.“ Jede/r empfindet Diskriminierungen anders und alle haben das Recht, ihre Gefühle zu äußern. Es wird nur problematisch, wenn eine Seite versucht, die Regeln für das Miteinander einseitig aufzustellen, ob Schwarze oder Weiße. Das funktioniert nur gemeinschaftlich und auf keinen Fall mit der dogmatisch Wucht, wie Andere derzeit auftreten. Dogmatisch ist Ijoma Mangold nie, vielleicht etwas prätentiös, ungewöhnlich (welcher junger Mensch hört heute schon am liebsten Richard Wagner) und konservativ. Aber vor allem ist er äußerst sympathisch. Sehr lesenswert.
„Das deutsche Krokodil“ ist eine kluge, tiefgründige und gleichzeitig humorvolle Autobiografie, die mich auf vielen Ebenen berührt hat. Ijoma Mangold nimmt uns mit auf eine sehr persönliche Reise durch seine Kindheit und Jugend in Deutschland – als Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters. Aufgewachsen in Heidelberg, also ganz in meiner Nähe, konnte ich mich in vielen Beschreibungen von Orten und Stimmungen gut wiederfinden. Was mich besonders beeindruckt hat, ist seine Fähigkeit, mit Leichtigkeit und Eleganz über Themen wie Identität, Herkunft, Zugehörigkeit und Rassismus zu schreiben – ohne dabei belehrend zu sein. Stattdessen erzählt er mit feiner Ironie, analytischem Scharfsinn und emotionaler Tiefe. Manche Stellen haben mich zum Lachen gebracht, andere waren traurig oder nachdenklich stimmend. Genau diese Mischung macht das Buch so besonders. Auch der Titel „Das deutsche Krokodil“ bekommt im Laufe des Lesens eine tiefere Bedeutung. Er steht für das Bild eines Menschen, der sich im Außen angepasst zeigt – kontrolliert, sachlich, „deutsch“ – während im Inneren viele Schichten, Fragen und Emotionen arbeiten. Dieses Spannungsfeld beschreibt Mangold sehr ehrlich und menschlich. Ich finde das Buch nicht nur literarisch stark, sondern auch gesellschaftlich wichtig. Es eröffnet Perspektiven, lässt einen mitdenken und auch sich selbst hinterfragen: Wer bin ich eigentlich? Wer darf „dazugehören“? Und wie kann ich selbstbewusst meinen Platz im Leben einnehmen?
Ein sehr gutes Buch, gerade vor dem Hintergrund, dass ich Biografien nicht oft lese. Man merkt dem Buch sofort an, dass Ijoma Mangold die Sprache an sich aber natürlich auch die deutsche Sprache "liebt". Für mich persönlich ist Sprache Identifikation und auch Heimat. Hierbei meine ich nicht die deutsche Sprache an sich sondern sich gut ausdrücken, kommunizieren miteinander ist mir hierbei wichtig. Genau den Eindruck habe ich auch von Mangold. Einen Stern habe abgezogen, da in manchen Passagen gehäuft Fremdwörter, ja sogar adjektivische Fremdwörter zum Bezugswort, verwendet werden und so meinen Lesefluss störten. Wunderschön beschreibt er aber auch Orte (Nigeria, USA), so dass sie vorstellbar für einem werden. Oder bei Erklärungen wie wahrhaftig sind unsere Erinnerungsbilder oder warum man erst bestimmten Fragen nachgeht, wenn der Gegenüber verstummt ist, bringt er den Kerninhalt genau auf den Punkt. Inhaltlich ist in dem Buch das aktuelle Thema Rassismus, wobei hierbei interessant ist, dass Ijoma Mangold nie eine große Ausgrenzung in Deutschland empfunden hatte. Eher ausgegrenzt wurde in seinen Jugendjahren für seine Vorliebe für Klassik und Thomas Mann u.a. Man fragt sich, ob es hier aber auch zu Verdrängung seinerseits gekommen ist, was am Ende des Buches auch angesprochen wird. Zweites großes Thema ist die besondere Mama-Sohn-Beziehung, welche mir nahe ging, da ich meine auch vor kurzem verloren habe. Große Leseempfehlung.🌈☀️🍀📚
„Wenn es so wichtig ist, dass jede Identitätsgruppe ihre Geschichte erzählt, damit diese Geschichte öffentlich anerkannt wird, dann muss es auch meine Geschichte geben, die da lautet, ich kann mich nicht so richtig daran erinnern, dass mir je etwas übel Rassistisches widerfahren ist.“ Die Autobiografie von Ijoma Mangold hebt sich meines Erachtens deutlich von den derzeit in den Bestsellerlisten stehenden anderen deutschsprachigen Biografien schwarzer Autorinnen ab (ich verwende den Begriff Schwarzer, da Mangold sich selbst mit der Abkürzung PoC schwer tut). Nun ist Mangold auch eher in meiner Generation, ebenfalls in der gediegen-beschaulichen Kurpfalz aufgewachsen und sicherlich privilegiert mit einem intakten Freundeskreis und einer liebevollen, alleinerziehenden Mutter. Wenn er über seine Kindheit im ersten Drittel des Buchs erzählt, dann spielt die Hautfarbe erstaunlich wenig eine Rolle. Es sind Geschichten von den Großeltern, Nachbarn und der Schule, die in dieser Form jeder zum Besten geben könnte. Störenderweise erzählt er diesen Part in der dritten Person, warum auch immer, kehrt aber zum Glück im weiteren Verlauf in die Ich-Perspektive um. Das zweite Drittel geht dann um den Erstkontakt mit seinem nigerianischen Vater, als Mangold Anfang 20 war. Er reist nach Nigeria, lernt seine dortige Familie kennen. Auch sie sind vergleichsweise privilegiert, der Vater der Arzt und Chief des Dorfes, die Halbgeschwister teilweise zum Studium in Europa. Auch wenn Afrika hier erstmals auftaucht, so sind die Gedanken und Probleme Mangolds in erster Linie auf die Tatsache gerichtet, dass er ohne Vater aufwuchs. Bis dahin war ich dem Buch etwas zwiegespalten gegenüber. Natürlich hätte ich mir mehr über Identität, Rassismus oder auch Literaturwissenschaften von ihm gewünscht. Das ändert sich dann im letzten Drittel des Buchs, welches mich dann richtig packte und zu einer guten Bewertung kommen ließ. Ijoma Mangold hat die Sprache als effektivsten Mittel für sich entdeckt, um mit Vorbehalte gegenüber seiner Person umzugehen. Nach seinen Erfahrungen entspannen sich die Gesichtszüge der unbekannten Person gegenüber, sobald er in geschliffenem Deutsch und gewinnendem Lächeln die Konversation beginnt. Dann tauchen auch mal Sätze wie der Folgende auf, der im krassen Widerspruch zu den von White Fragilty inspirierten Büchern jüngerer Autor/innen steht: „Es ist ohnehin nicht leicht, Fälle von Rassismus auszumachen. Im Zweifelsfall hat der Betroffene ein feineres Gespür dafür, aber es kann nicht sein, dass die Macht, darüber zu entscheiden, ob etwas rassistisch ist oder nicht, alleine bei dem Betroffenen liegt.“ Es ist keinesfalls so, dass ich mich jetzt entspannt zurücklehne und denke: „Wenn der Ijoma kaum Rassismus gespürt hat, dann wird es in Deutschland auch nicht so schlimm sein.“ Jede/r empfindet Diskriminierungen anders und alle haben das Recht, ihre Gefühle zu äußern. Es wird nur problematisch, wenn eine Seite versucht, die Regeln für das Miteinander einseitig aufzustellen, ob Schwarze oder Weiße. Das funktioniert nur gemeinschaftlich und auf keinen Fall mit der dogmatisch Wucht, wie Andere derzeit auftreten. Dogmatisch ist Ijoma Mangold nie, vielleicht etwas prätentiös, ungewöhnlich (welcher junger Mensch hört heute schon am liebsten Richard Wagner) und konservativ. Aber vor allem ist er äußerst sympathisch. Sehr lesenswert.









