China und die Neuordnung der Welt
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Susanne Weigelin-Schwiedrzik studierte Sinologie, Politikwissenschaft, Japanologie und chinesische Sprache in Bonn, Peking und Bochum. Von 1989 bis 2002 war sie Universitätsprofessorin für Moderne Sinologie in Heidelberg, von 2002 bis 2020 Professorin für Sinologie an der Universität Wien. Schon 1975 reiste Weigelin-Schwiedrzik nach China, studierte in Peking an der Fakultät für Philosophie und erlebte politische Meilensteine wie das Ende der Kulturrevolution persönlich mit. Das moderne China bildet den Schwerpunkt ihrer Forschung. Ihre jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Land macht sie zu einer Koryphäe der Chinawissenschaft; als Expertin für internationale Beziehungen unter Einbezug Chinas ist sie gefragte Ansprechpartnerin der Medien.
Beiträge
Eine lohnenswerte Lektüre
Zu diesem Buch griff ich eher zufällig. Eine Reisebegegnung und ein Gespräch über Chinas wachsenden Einfluss in Südostasien weckten erneut mein Interesse an einem Land, das die Welt seit Jahren prägt und zugleich oft erstaunlich schwer zu fassen bleibt. Das Buch stand bereits lange auf meiner Leseliste. Nun erwies sich die Lektüre als ausgesprochen lohnend. Susanne Weigelin-Schwiedrzik ist Sinologin, hat unter anderem in Peking studiert und sich über Jahrzehnte mit chinesischer Geschichte, Politik und Selbstdeutung beschäftigt. Diese Erfahrung prägt jede Seite. Ihre Analysen wirken kenntnisreich, historisch fundiert und sorgfältig abgewogen. Besonders beeindruckt hat mich, wie viele bekannte Ereignisse durch größere Zusammenhänge verständlich werden. Chinas Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, das chinesische Positionspapier, die Beziehungen zu Russland, Taiwan, Europa oder den USA erscheinen hier als Teile eines größeren strategischen Gefüges. Die Autorin wägt Argumente sorgfältig gegeneinander ab und vermeidet einfache Deutungen. Aufschlussreich fand ich ihre Diskussion der häufig gezogenen Parallele zwischen Russland und der Ukraine einerseits sowie China und Taiwan andererseits. Sie arbeitet die Unterschiede überzeugend heraus und zeigt zugleich, welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine auf Taiwan und das dortige Selbstverständnis hatte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Lowell Dittmers Konzept des „strategischen Dreiecks“. Die Analyse der Beziehungen zwischen den USA, der Sowjetunion beziehungsweise Russland und China verleiht vielen historischen und aktuellen Entwicklungen eine neue Klarheit. Während der Lektüre begann ich zunehmend, internationale Politik durch diese Perspektive zu betrachten. Immer wieder entstand dabei das Gefühl, auf ein großes Schachbrett zu blicken, auf dem sich Machtzentren, Interessen und Allianzen verschieben. Die Autorin nimmt den Leser gewissermaßen mit auf diese Ebene der Betrachtung. Viele Ereignisse, die zuvor isoliert wirkten, fügen sich dort zu einem größeren Muster zusammen. Sehr gelungen fand ich auch die Ausführungen zur chinesischen Entwicklung nach 1989. Die Autorin zeigt, dass marktwirtschaftliche Reformen vor allem der wirtschaftlichen Stabilisierung und dem Machterhalt der Kommunistischen Partei dienten. Dieser Gedanke half mir, Chinas Entwicklung besser einzuordnen. An mehreren Stellen begegnete ich Beobachtungen, die eigene langjährige Eindrücke bestätigten. Dazu gehört die Einschätzung, dass China außerordentliche Fähigkeiten im Optimieren, Skalieren und Weiterentwickeln bestehender Technologien entwickelt hat, während Vorstöße in vollkommen neue Erkenntnisräume unter anderen Voraussetzungen entstehen. Spannend waren auch die Kapitel über Europa. Die Autorin erläutert nachvollziehbar, weshalb eine gemeinsame China-Strategie der EU so schwierig ist und welche Rolle unterschiedliche nationale Interessen dabei spielen. Beispiele wie die Neue Seidenstraße, die 16+1-Initiative oder der Hafen von Piräus zeigen, wie eng wirtschaftliche und geopolitische Überlegungen miteinander verwoben sind. Ebenso interessant fand ich den Blick auf Japan, Indien und ASEAN als Akteure, die eigene Wege zwischen den Machtzentren suchen. Das Buch erschien 2023. Einige Entwicklungen haben sich seitdem weiter zugespitzt. Gerade deshalb empfinde ich die Lektüre als wertvoll. Viele der Konfliktlinien, die heute sichtbar sind, werden hier in ihren historischen und strukturellen Grundlagen beschrieben. Wer eine Sammlung aktueller Nachrichten sucht, wird woanders fündig. Wer verstehen möchte, welche Kräfte unter den Nachrichten wirken, findet in diesem Buch eine kluge, differenzierte und äußerst erkenntnisreiche Analyse. Für mich war es eine sehr bereichernde geopolitische Lektüre.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Susanne Weigelin-Schwiedrzik studierte Sinologie, Politikwissenschaft, Japanologie und chinesische Sprache in Bonn, Peking und Bochum. Von 1989 bis 2002 war sie Universitätsprofessorin für Moderne Sinologie in Heidelberg, von 2002 bis 2020 Professorin für Sinologie an der Universität Wien. Schon 1975 reiste Weigelin-Schwiedrzik nach China, studierte in Peking an der Fakultät für Philosophie und erlebte politische Meilensteine wie das Ende der Kulturrevolution persönlich mit. Das moderne China bildet den Schwerpunkt ihrer Forschung. Ihre jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Land macht sie zu einer Koryphäe der Chinawissenschaft; als Expertin für internationale Beziehungen unter Einbezug Chinas ist sie gefragte Ansprechpartnerin der Medien.
Beiträge
Eine lohnenswerte Lektüre
Zu diesem Buch griff ich eher zufällig. Eine Reisebegegnung und ein Gespräch über Chinas wachsenden Einfluss in Südostasien weckten erneut mein Interesse an einem Land, das die Welt seit Jahren prägt und zugleich oft erstaunlich schwer zu fassen bleibt. Das Buch stand bereits lange auf meiner Leseliste. Nun erwies sich die Lektüre als ausgesprochen lohnend. Susanne Weigelin-Schwiedrzik ist Sinologin, hat unter anderem in Peking studiert und sich über Jahrzehnte mit chinesischer Geschichte, Politik und Selbstdeutung beschäftigt. Diese Erfahrung prägt jede Seite. Ihre Analysen wirken kenntnisreich, historisch fundiert und sorgfältig abgewogen. Besonders beeindruckt hat mich, wie viele bekannte Ereignisse durch größere Zusammenhänge verständlich werden. Chinas Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, das chinesische Positionspapier, die Beziehungen zu Russland, Taiwan, Europa oder den USA erscheinen hier als Teile eines größeren strategischen Gefüges. Die Autorin wägt Argumente sorgfältig gegeneinander ab und vermeidet einfache Deutungen. Aufschlussreich fand ich ihre Diskussion der häufig gezogenen Parallele zwischen Russland und der Ukraine einerseits sowie China und Taiwan andererseits. Sie arbeitet die Unterschiede überzeugend heraus und zeigt zugleich, welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine auf Taiwan und das dortige Selbstverständnis hatte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Lowell Dittmers Konzept des „strategischen Dreiecks“. Die Analyse der Beziehungen zwischen den USA, der Sowjetunion beziehungsweise Russland und China verleiht vielen historischen und aktuellen Entwicklungen eine neue Klarheit. Während der Lektüre begann ich zunehmend, internationale Politik durch diese Perspektive zu betrachten. Immer wieder entstand dabei das Gefühl, auf ein großes Schachbrett zu blicken, auf dem sich Machtzentren, Interessen und Allianzen verschieben. Die Autorin nimmt den Leser gewissermaßen mit auf diese Ebene der Betrachtung. Viele Ereignisse, die zuvor isoliert wirkten, fügen sich dort zu einem größeren Muster zusammen. Sehr gelungen fand ich auch die Ausführungen zur chinesischen Entwicklung nach 1989. Die Autorin zeigt, dass marktwirtschaftliche Reformen vor allem der wirtschaftlichen Stabilisierung und dem Machterhalt der Kommunistischen Partei dienten. Dieser Gedanke half mir, Chinas Entwicklung besser einzuordnen. An mehreren Stellen begegnete ich Beobachtungen, die eigene langjährige Eindrücke bestätigten. Dazu gehört die Einschätzung, dass China außerordentliche Fähigkeiten im Optimieren, Skalieren und Weiterentwickeln bestehender Technologien entwickelt hat, während Vorstöße in vollkommen neue Erkenntnisräume unter anderen Voraussetzungen entstehen. Spannend waren auch die Kapitel über Europa. Die Autorin erläutert nachvollziehbar, weshalb eine gemeinsame China-Strategie der EU so schwierig ist und welche Rolle unterschiedliche nationale Interessen dabei spielen. Beispiele wie die Neue Seidenstraße, die 16+1-Initiative oder der Hafen von Piräus zeigen, wie eng wirtschaftliche und geopolitische Überlegungen miteinander verwoben sind. Ebenso interessant fand ich den Blick auf Japan, Indien und ASEAN als Akteure, die eigene Wege zwischen den Machtzentren suchen. Das Buch erschien 2023. Einige Entwicklungen haben sich seitdem weiter zugespitzt. Gerade deshalb empfinde ich die Lektüre als wertvoll. Viele der Konfliktlinien, die heute sichtbar sind, werden hier in ihren historischen und strukturellen Grundlagen beschrieben. Wer eine Sammlung aktueller Nachrichten sucht, wird woanders fündig. Wer verstehen möchte, welche Kräfte unter den Nachrichten wirken, findet in diesem Buch eine kluge, differenzierte und äußerst erkenntnisreiche Analyse. Für mich war es eine sehr bereichernde geopolitische Lektüre.





