Badjens. Roman
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Beschreibung
Wort für Wort bedeutet Bad-jens: nicht akzeptabel.
Und im Alltagspersischen: schelmisch oder aufmüpfig.
Schiras, Herbst 2022. Mitten im Aufstand »Frau, Leben, Freiheit« klettert die sechzehnjährige Iranerin Badjens bei einer Demonstration auf einen Müllcontainer, um in aller Öff entlichkeit ihr Kopftuch zu verbrennen. Während sie vor der sie anfeuernden Menschenmenge steht, zieht in Rückblenden ihr bisheriges Leben an ihr vorbei: ihre unerwünschte Geburt, ihr konservativer Vater, ihr Smartphone voller rebellischer Hits, ihre Freundinnen, ihre erste Liebe, ihr Körper, der nach Freiheit verlangt, und die Kleiderordnung für Frauen, die dieses Stück Stoff auf dem Kopf vorschreibt, von dem sie sich unbedingt befreien will.
»Meine Heldin Badjens verkörpert all diese Mädchen der Generation Z, die mit der Propaganda des islamischen Regimes gefüttert wurden, aber auch Zugang zu sozialen Netzwerken, Taylor Swift und Netflix hatten. Sie sind Lichtjahre von ihren Großmüttern entfernt und ganz anders als ihre Mütter, die zwischen den Verboten navigiert haben. Sie lassen alles hinter sich.« Delphine Minoui
Delphine Minoui erzählt die radikale Entwicklung ihrer Protagonistin in Form eines inneren Monologs. In ihrem bewegenden Entwicklungsroman verweben sich ausdrucksstarke Worte zu einer neuen Sprache, die in ihrer Feinfühligkeit und Rebellion Ausdruck für eine neue Generation im Aufbruch ist. Die Grundlage für den Roman bildeten Social Media Posts und Online-Interviews, die Minoui mit jungen Iranerinnen geführt hat. Es ist ihr gelungen, daraus einen Text zu schaff en, der die Wut, die Rebellion, aber auch den Mut der jungen Frauen ungeheuer kraftvoll zum Ausdruck bringt.
»Delphine Minoui setzt starke Akzente und komponiert aus Sätzen, die sie wie in Strophen arrangiert, eine traurige und mitreißende Hymne.« Le Figaro
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Delphine Minoui ist Franko Iranerin. Sie arbeitet als Auslandskorrespondentin bei Le Figaro und hat lange im Iran gelebt. Sie berichtet seit 25 Jahren über das Geschehen im Nahen und Mittleren Osten. 2006 wurde sie für eine Artikel serie über den Irak und den Iran mit dem Prix Albert Londres ausgezeichnet. Ihre bisher erschienenen Romane wurden in dutzende andere Sprachen übersetzt. Badjens war 2024 Finalist beim FNAC-Prix du Roman und erhielt 2025 den Prix Visionnaires.
Beiträge
Unterdrückung und Rebellion
"Ich habe das Gefühl, mich für alles rechtfertigen zu müssen. Als ob ich gesündigt hätte. Als ob ich schuldig wäre. Und eigentlich bin ich ja wirklich schuldig. Eine Frau zu sein. Haare zu haben. Zu lachen. Zu sprechen. Zu denken. Zu singen. Zu tanzen. Leben zu wollen. Ich, die eigentlich gar nicht zur Welt kommen sollte. " Wir verfolgen den Lebensweg von Zahra, einer jungen Iranerin. Als bekannt wird, dass sie ein Mädchen ist, möchte ihr Großvater sie am liebsten abtreiben lassen und sieht nur davon ab, weil es zu teuer ist. Über ihre Geburt wird sich nicht gefreut, ihrer Mutter wird nicht gratuliert. Ein paar Jahre später wird ihr Bruder Mehdi geboren, dem zu Ehren ein riesiges Fest gefeiert wird. Schnell erkennt Badjens, wie Zahra von ihrer Mutter genannt wird, dass sie nichts wert ist. So wächst sie relativ unsichtbar auf in einer Welt, die ihr nur Regeln auferlegt, sie einengt und ihr weder Freiheiten noch eine eigene Meinung zugesteht. Nach außen hin spielt sie ihre Rolle, während es in ihr drinnen immer mehr brodelt, bis sie sich als 16-Jährige schließlich einer Demonstration anschließt und ihr Kopftuch verbrennt. Das Buch ist nicht sehr lang, schildert aber sehr eindrücklich den Alltag von Iranerinnen. Badjens erzählt in Rückblicken von ihrem Leben und lässt uns an ihrer Unterdrückung und ihrer wachsenden Wut teilhaben. Ihre Entwicklung und ihre Zerrissenheit zwischen der, die sie vorgibt zu sein, und der, die sie wirklich ist, wird gut nachempfindbar beschrieben. Die Sprache ist eher nüchtern und beschreibend, aber nicht emotionslos. Es wirkt, als würde Badjens uns sehr reflektiert ihre Lebensgeschichte erzählen und uns an ihren Gedanken teilhaben lassen. Besonders beeindruckt haben mich die Stärke und der Mut der Frauen, ihr Zusammenhalt und ihr Kampf für mehr Gleichberechtigung. Badjens' Geschichte ist zwar fiktiv, beruht aber auf Social Media Posts und Online-Interviews, die die Autorin durchgeführt hat, und spiegelt somit die Realität von Frauen im Iran wider. Trotz der Kürze wird dieses Buch noch einige Zeit in mir nachhallen.
Badjens bedeutet aufmüpfig und so wird sie von ihrer Mutter genannt. Sie ist die einzige, die ihre Tochter unterstützt und ermutigt, denn in dieser zutiefst patriarchalen Gesellschaft zählt eine Frau nichts. Anders als ihre Mutter, die gelernt hat, Verbote um Stillen zu umgehen sehnt sich Badjens nach Freiheit und kämpft offen darum. Sie geht konsequent ihren Weg, geprägt durch Erfahrungen, wie sie einem engen Moralkodex zu gehorchen hat und gleichzeitig ständig Abwertung erfährt. Dieses schmale Büchlein zeigt beispielhaft wie ein junges Mädchen mit Frau Leben Freiheit für sich selber einsteht und für ihre Rechte kämpft. Sehr lesenswert.
Ein tolles Buch über die Wut der Frauen im Iran und ihr Aufbegehren nach dem Tod von Mahsa Amini, erzählt von der sechzehnjährigen Zahra. Ihre Mutter gab ihr den Kosenamen Badjens. „Wort für Wort bedeutet Bad-jens: nicht akzeptabel. Und im Alltagspersischen: schelmisch oder aufmüpfig.“
Ein sehr emotionales Buch, genau das soll es vermutlich auch sein. Und das ist gut so! Hoffentlich kann niemand sich menschenverachtende patriarchale Strukturen solchen Ausmaßes anschauen ohne über alle Maßen wütend zu werden. „Frau, Leben, Freiheit“ - aber davon reden wir auch schon nicht mehr, weil immer neue Grausamkeiten auf der Weltbühne auftauchen.
»Manchmal kriege ich Angst vor mir selbst: Wenn ich ständig Masken trage, wird sich dann die echte »Ich« nicht irgendwann in Luft auflösen?«
Schon als bekannt wurde, dass es ein Mädchen wird, wollte ihr Großvater sie abgetrieben wissen. Diese schon vor ihrer Geburt begonnene Abneigung zieht sich durch Zahras – von ihrer Mutter Badjens genannt – ganzes Leben. Alles was zählt sind Regeln und Gesetze des Staates und der Religion und selbstverständlich ihr jüngerer, lang ersehnter Bruder Mehdi. Ihr eigenes Leben besteht aus Anpassung und aus einer gezwungenen Unterwerfung aufgrund dieses patriarchalen Systems der Unterdrückung von Frauen. Doch sie weiß, dass das nicht alles sein kann und spätestens nachdem sie ihr Kopftuch tragen muss und von ihrem einst so liebevollen Cousin missbraucht wird, kehrt sie ihre innere Rebellion nach außen. Sie teilt Eindrücke auf Social Media, schließt dort Bekanntschaften und redet mit anderen jungen Frauen, denen es ähnlich geht. Ihre größte Stütze ist ihre Mutter, die ihr die benötigte Zuneigung schenkt, wertschätzt und sie unterstützt. Schon vor dem Lesen dieses Romans war ich sehr gespannt und hatte hohe Erwartungen, die sogar übertroffen wurden. Delphine Minoui erzählt keine fiktive Geschichte, sondern eine, in denen sich das Schicksal unzähliger iranischer Frauen widerspiegelt und gibt ihnen eine Stimme, die sonst so oft stumm bleibt. Frauen, die unerwünscht sind und ausschließlich für die Männer da sind und sich herabwürdigenden Gesetzen, die ebenfalls ausschließlich von Männern verabschiedet wurden, unterwerfen müssen. Und doch zeigt sich Widerstand gegen eben dieses scheinbar unerschütterliche System, was spätestens die Bewegung „Frauen, Leben, Freiheit“, nach dem Mord an Jina Mahsa Amini, gezeigt und internationale Wellen geschlagen hat. Eben davon handelt auch dieser Roman auf eindrückliche Weise. Aufgrund seiner bedeutsamen Aktualität sowie der tollen Sprache ist „Badjens“ einer der besten Romane, die ich dieses Jahr gelesen habe und ein Buch, das man gelesen haben MUSS!

,,Der Perverse bist du, die freie Frau bin ich."✊
Wow... Das war echt heftig und erschreckend. Mir war klar wie krass es im Iran ist aber nicht dass es so abscheulich und freiheitsberaubend sein kann. Badjens ist unglaublich mutig und stark✊🫂 Wir brauchen solche Bücher unbedingt um uns klar zu machen wie sehr wir Feminismus und Gleichberechtigung brauchen auch wenn manche denken dass wir schon viel erreicht haben. Nicht genug. So viele Frauen werden unterdrückt,vergewaltigt oder umgebracht weil sie einfach Frauen sind... Kein Mensch dieser Welt sollte so leben müssen. Dieses Buch gehört in jedem Schule. Ich wünsche allen Frauen die ähnliches durchmachen müssen und generell allen Frauen alles gute💗 Seid stark. Lasst euch nicht unterkriegen. 🧕♀️🤛🇮🇷💔

Kraftvoll
Der Iran gehört zu den Ländern, in die ich nie verreisen würde. Es herrscht eine Kopftuchpflicht, auch für Touristinnen, und dieser Regel würde ich mich niemals unterwerfen. Bad-jens bedeutet nicht akzeptabel, aber auch schelmisch oder aufmüpfig. Badjens ist der Name, den Zahra von ihrer Mutter bekommen hat. Es steht für eine starke, autonome Frau, die eingesperrt wird in Konventionen und Kopftuch. Wir sind in Shiraz im Iran und wir sind mitten in einer kleinen Revolution. Während die Protagonistin ihr Kopftuch in die Höhe hält und es in eine Fackel verwandelt, erinnert sie sich an ihr Leben. Als Kind mit ungewolltem Geschlecht ist sie nur aufgrund eines zu hohen Preises der Abtreibung entkommen. Sie wächst in einem Haushalt auf, indem sie nichts gilt. Für den Vater ist sie nicht wirklich existent, er konzentriert sich lieber auf das volle Verwöhnprogramm für seinen Sohn. In ihrer Mutter findet sie eine stille Verbündete. Nach einem Missbrauch wächst in Badjens Wut die in Protestaktionen mündet. Am Ende ist sie nicht mehr zu halten. Die Autorin schreibt in einer mitreissenden Dynamik, die uns Teil dieser Rebellion sein lässt. Wir schauen direkt in den Kopf der weiblichen iranischen Seele. Die Sprache ist kraftvoll und präzise, es fällt überhaupt nicht schwer, sich in den Text fallen zu lassen und mit Badjens zu fühlen. Jede Seite lässt mich fühlen, wie privilegiert es ist, in einem Land wie unserem aufzuwachsen. Das Kopftuch in all seinen verschiedenen Varianten wird hier deutlich entzaubert. Wer es nach der Lektüre dieses Buches immer noch als religiöse Symbol hyped, bekennt sich meinem Empfinden nach deutlich zu den misogynen Praktiken von Religion. Natürlich muss jede Frau selber entscheiden dürfen, ob sie ihr Haupt dauerhaft bedecken möchte oder nicht. Das Kopftuch ist trotzdem im Ursprung dazu da den „Funken, der vom Haar einer Frau ausgeht und damit die Männer verführt“ im Zaum zu halten. Die Schuld für übergriffiges Verhalten liegt hier ursächlich in der Existenz weibliche Attribute. Badjens kämpft dagegen an, rasiert sich das Haupt und solidarisiert sich mit anderen Frauen. Es ist schon sehr besonders, dass dieses patriarchale Symbol nicht verherrlicht, sondern in aller Deutlichkeit bekämpft wird. Ein starkes, kraftvolles Buch, welches den Überlebenswillen, einer jungen Generation Iranerinnen in den Mittelpunkt, und die Tragik der Situation nicht außer Acht lässt. Ich empfehle Euch diese packende Lektüre und werde mit Interesse das Programm des Orlanda Verlags verfolgen.
Beschreibung
Wort für Wort bedeutet Bad-jens: nicht akzeptabel.
Und im Alltagspersischen: schelmisch oder aufmüpfig.
Schiras, Herbst 2022. Mitten im Aufstand »Frau, Leben, Freiheit« klettert die sechzehnjährige Iranerin Badjens bei einer Demonstration auf einen Müllcontainer, um in aller Öff entlichkeit ihr Kopftuch zu verbrennen. Während sie vor der sie anfeuernden Menschenmenge steht, zieht in Rückblenden ihr bisheriges Leben an ihr vorbei: ihre unerwünschte Geburt, ihr konservativer Vater, ihr Smartphone voller rebellischer Hits, ihre Freundinnen, ihre erste Liebe, ihr Körper, der nach Freiheit verlangt, und die Kleiderordnung für Frauen, die dieses Stück Stoff auf dem Kopf vorschreibt, von dem sie sich unbedingt befreien will.
»Meine Heldin Badjens verkörpert all diese Mädchen der Generation Z, die mit der Propaganda des islamischen Regimes gefüttert wurden, aber auch Zugang zu sozialen Netzwerken, Taylor Swift und Netflix hatten. Sie sind Lichtjahre von ihren Großmüttern entfernt und ganz anders als ihre Mütter, die zwischen den Verboten navigiert haben. Sie lassen alles hinter sich.« Delphine Minoui
Delphine Minoui erzählt die radikale Entwicklung ihrer Protagonistin in Form eines inneren Monologs. In ihrem bewegenden Entwicklungsroman verweben sich ausdrucksstarke Worte zu einer neuen Sprache, die in ihrer Feinfühligkeit und Rebellion Ausdruck für eine neue Generation im Aufbruch ist. Die Grundlage für den Roman bildeten Social Media Posts und Online-Interviews, die Minoui mit jungen Iranerinnen geführt hat. Es ist ihr gelungen, daraus einen Text zu schaff en, der die Wut, die Rebellion, aber auch den Mut der jungen Frauen ungeheuer kraftvoll zum Ausdruck bringt.
»Delphine Minoui setzt starke Akzente und komponiert aus Sätzen, die sie wie in Strophen arrangiert, eine traurige und mitreißende Hymne.« Le Figaro
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Delphine Minoui ist Franko Iranerin. Sie arbeitet als Auslandskorrespondentin bei Le Figaro und hat lange im Iran gelebt. Sie berichtet seit 25 Jahren über das Geschehen im Nahen und Mittleren Osten. 2006 wurde sie für eine Artikel serie über den Irak und den Iran mit dem Prix Albert Londres ausgezeichnet. Ihre bisher erschienenen Romane wurden in dutzende andere Sprachen übersetzt. Badjens war 2024 Finalist beim FNAC-Prix du Roman und erhielt 2025 den Prix Visionnaires.
Beiträge
Unterdrückung und Rebellion
"Ich habe das Gefühl, mich für alles rechtfertigen zu müssen. Als ob ich gesündigt hätte. Als ob ich schuldig wäre. Und eigentlich bin ich ja wirklich schuldig. Eine Frau zu sein. Haare zu haben. Zu lachen. Zu sprechen. Zu denken. Zu singen. Zu tanzen. Leben zu wollen. Ich, die eigentlich gar nicht zur Welt kommen sollte. " Wir verfolgen den Lebensweg von Zahra, einer jungen Iranerin. Als bekannt wird, dass sie ein Mädchen ist, möchte ihr Großvater sie am liebsten abtreiben lassen und sieht nur davon ab, weil es zu teuer ist. Über ihre Geburt wird sich nicht gefreut, ihrer Mutter wird nicht gratuliert. Ein paar Jahre später wird ihr Bruder Mehdi geboren, dem zu Ehren ein riesiges Fest gefeiert wird. Schnell erkennt Badjens, wie Zahra von ihrer Mutter genannt wird, dass sie nichts wert ist. So wächst sie relativ unsichtbar auf in einer Welt, die ihr nur Regeln auferlegt, sie einengt und ihr weder Freiheiten noch eine eigene Meinung zugesteht. Nach außen hin spielt sie ihre Rolle, während es in ihr drinnen immer mehr brodelt, bis sie sich als 16-Jährige schließlich einer Demonstration anschließt und ihr Kopftuch verbrennt. Das Buch ist nicht sehr lang, schildert aber sehr eindrücklich den Alltag von Iranerinnen. Badjens erzählt in Rückblicken von ihrem Leben und lässt uns an ihrer Unterdrückung und ihrer wachsenden Wut teilhaben. Ihre Entwicklung und ihre Zerrissenheit zwischen der, die sie vorgibt zu sein, und der, die sie wirklich ist, wird gut nachempfindbar beschrieben. Die Sprache ist eher nüchtern und beschreibend, aber nicht emotionslos. Es wirkt, als würde Badjens uns sehr reflektiert ihre Lebensgeschichte erzählen und uns an ihren Gedanken teilhaben lassen. Besonders beeindruckt haben mich die Stärke und der Mut der Frauen, ihr Zusammenhalt und ihr Kampf für mehr Gleichberechtigung. Badjens' Geschichte ist zwar fiktiv, beruht aber auf Social Media Posts und Online-Interviews, die die Autorin durchgeführt hat, und spiegelt somit die Realität von Frauen im Iran wider. Trotz der Kürze wird dieses Buch noch einige Zeit in mir nachhallen.
Badjens bedeutet aufmüpfig und so wird sie von ihrer Mutter genannt. Sie ist die einzige, die ihre Tochter unterstützt und ermutigt, denn in dieser zutiefst patriarchalen Gesellschaft zählt eine Frau nichts. Anders als ihre Mutter, die gelernt hat, Verbote um Stillen zu umgehen sehnt sich Badjens nach Freiheit und kämpft offen darum. Sie geht konsequent ihren Weg, geprägt durch Erfahrungen, wie sie einem engen Moralkodex zu gehorchen hat und gleichzeitig ständig Abwertung erfährt. Dieses schmale Büchlein zeigt beispielhaft wie ein junges Mädchen mit Frau Leben Freiheit für sich selber einsteht und für ihre Rechte kämpft. Sehr lesenswert.
Ein tolles Buch über die Wut der Frauen im Iran und ihr Aufbegehren nach dem Tod von Mahsa Amini, erzählt von der sechzehnjährigen Zahra. Ihre Mutter gab ihr den Kosenamen Badjens. „Wort für Wort bedeutet Bad-jens: nicht akzeptabel. Und im Alltagspersischen: schelmisch oder aufmüpfig.“
Ein sehr emotionales Buch, genau das soll es vermutlich auch sein. Und das ist gut so! Hoffentlich kann niemand sich menschenverachtende patriarchale Strukturen solchen Ausmaßes anschauen ohne über alle Maßen wütend zu werden. „Frau, Leben, Freiheit“ - aber davon reden wir auch schon nicht mehr, weil immer neue Grausamkeiten auf der Weltbühne auftauchen.
»Manchmal kriege ich Angst vor mir selbst: Wenn ich ständig Masken trage, wird sich dann die echte »Ich« nicht irgendwann in Luft auflösen?«
Schon als bekannt wurde, dass es ein Mädchen wird, wollte ihr Großvater sie abgetrieben wissen. Diese schon vor ihrer Geburt begonnene Abneigung zieht sich durch Zahras – von ihrer Mutter Badjens genannt – ganzes Leben. Alles was zählt sind Regeln und Gesetze des Staates und der Religion und selbstverständlich ihr jüngerer, lang ersehnter Bruder Mehdi. Ihr eigenes Leben besteht aus Anpassung und aus einer gezwungenen Unterwerfung aufgrund dieses patriarchalen Systems der Unterdrückung von Frauen. Doch sie weiß, dass das nicht alles sein kann und spätestens nachdem sie ihr Kopftuch tragen muss und von ihrem einst so liebevollen Cousin missbraucht wird, kehrt sie ihre innere Rebellion nach außen. Sie teilt Eindrücke auf Social Media, schließt dort Bekanntschaften und redet mit anderen jungen Frauen, denen es ähnlich geht. Ihre größte Stütze ist ihre Mutter, die ihr die benötigte Zuneigung schenkt, wertschätzt und sie unterstützt. Schon vor dem Lesen dieses Romans war ich sehr gespannt und hatte hohe Erwartungen, die sogar übertroffen wurden. Delphine Minoui erzählt keine fiktive Geschichte, sondern eine, in denen sich das Schicksal unzähliger iranischer Frauen widerspiegelt und gibt ihnen eine Stimme, die sonst so oft stumm bleibt. Frauen, die unerwünscht sind und ausschließlich für die Männer da sind und sich herabwürdigenden Gesetzen, die ebenfalls ausschließlich von Männern verabschiedet wurden, unterwerfen müssen. Und doch zeigt sich Widerstand gegen eben dieses scheinbar unerschütterliche System, was spätestens die Bewegung „Frauen, Leben, Freiheit“, nach dem Mord an Jina Mahsa Amini, gezeigt und internationale Wellen geschlagen hat. Eben davon handelt auch dieser Roman auf eindrückliche Weise. Aufgrund seiner bedeutsamen Aktualität sowie der tollen Sprache ist „Badjens“ einer der besten Romane, die ich dieses Jahr gelesen habe und ein Buch, das man gelesen haben MUSS!

,,Der Perverse bist du, die freie Frau bin ich."✊
Wow... Das war echt heftig und erschreckend. Mir war klar wie krass es im Iran ist aber nicht dass es so abscheulich und freiheitsberaubend sein kann. Badjens ist unglaublich mutig und stark✊🫂 Wir brauchen solche Bücher unbedingt um uns klar zu machen wie sehr wir Feminismus und Gleichberechtigung brauchen auch wenn manche denken dass wir schon viel erreicht haben. Nicht genug. So viele Frauen werden unterdrückt,vergewaltigt oder umgebracht weil sie einfach Frauen sind... Kein Mensch dieser Welt sollte so leben müssen. Dieses Buch gehört in jedem Schule. Ich wünsche allen Frauen die ähnliches durchmachen müssen und generell allen Frauen alles gute💗 Seid stark. Lasst euch nicht unterkriegen. 🧕♀️🤛🇮🇷💔

Kraftvoll
Der Iran gehört zu den Ländern, in die ich nie verreisen würde. Es herrscht eine Kopftuchpflicht, auch für Touristinnen, und dieser Regel würde ich mich niemals unterwerfen. Bad-jens bedeutet nicht akzeptabel, aber auch schelmisch oder aufmüpfig. Badjens ist der Name, den Zahra von ihrer Mutter bekommen hat. Es steht für eine starke, autonome Frau, die eingesperrt wird in Konventionen und Kopftuch. Wir sind in Shiraz im Iran und wir sind mitten in einer kleinen Revolution. Während die Protagonistin ihr Kopftuch in die Höhe hält und es in eine Fackel verwandelt, erinnert sie sich an ihr Leben. Als Kind mit ungewolltem Geschlecht ist sie nur aufgrund eines zu hohen Preises der Abtreibung entkommen. Sie wächst in einem Haushalt auf, indem sie nichts gilt. Für den Vater ist sie nicht wirklich existent, er konzentriert sich lieber auf das volle Verwöhnprogramm für seinen Sohn. In ihrer Mutter findet sie eine stille Verbündete. Nach einem Missbrauch wächst in Badjens Wut die in Protestaktionen mündet. Am Ende ist sie nicht mehr zu halten. Die Autorin schreibt in einer mitreissenden Dynamik, die uns Teil dieser Rebellion sein lässt. Wir schauen direkt in den Kopf der weiblichen iranischen Seele. Die Sprache ist kraftvoll und präzise, es fällt überhaupt nicht schwer, sich in den Text fallen zu lassen und mit Badjens zu fühlen. Jede Seite lässt mich fühlen, wie privilegiert es ist, in einem Land wie unserem aufzuwachsen. Das Kopftuch in all seinen verschiedenen Varianten wird hier deutlich entzaubert. Wer es nach der Lektüre dieses Buches immer noch als religiöse Symbol hyped, bekennt sich meinem Empfinden nach deutlich zu den misogynen Praktiken von Religion. Natürlich muss jede Frau selber entscheiden dürfen, ob sie ihr Haupt dauerhaft bedecken möchte oder nicht. Das Kopftuch ist trotzdem im Ursprung dazu da den „Funken, der vom Haar einer Frau ausgeht und damit die Männer verführt“ im Zaum zu halten. Die Schuld für übergriffiges Verhalten liegt hier ursächlich in der Existenz weibliche Attribute. Badjens kämpft dagegen an, rasiert sich das Haupt und solidarisiert sich mit anderen Frauen. Es ist schon sehr besonders, dass dieses patriarchale Symbol nicht verherrlicht, sondern in aller Deutlichkeit bekämpft wird. Ein starkes, kraftvolles Buch, welches den Überlebenswillen, einer jungen Generation Iranerinnen in den Mittelpunkt, und die Tragik der Situation nicht außer Acht lässt. Ich empfehle Euch diese packende Lektüre und werde mit Interesse das Programm des Orlanda Verlags verfolgen.















