Ausreden

Ausreden

Hardcover
3.414

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Beschreibung

»Wir alle haben, sensationsgeil, wie wir sind, die Augen nicht von dieser Frau und ihren gleichzeitig raffinierten wie ungeheuerlichen Morden lassen können, aber die Augen sind zu schwach. Es muss jemand kommen, der uns von den Augen aufs Hirn umstellt und das in den Schraubstock dieses Buches spannt, bis wir ihm nicht mehr auskommen können.« Elfriede Jelinek Elfriede Blauensteiner, bekannt als »schwarze Witwe«, wurde Anfang 1996 verhaftet und später wegen mehrfachen Mordes an Pflegefällen und Partnern verurteilt. Hier spricht sie in einer dokumentarischen Selbstaufzeichnung. Was man hier liest, ist kein Roman, kein Krimi, sondern ein aufgeschriebenes Leben. Hier wird ausgesagt. Aus Protokollen, Gutachten, Auskünften entsteht ein Monolog, der uns zwingt, unsere Vorstellungen von Schuld, Gerechtigkeit und Empathie neu zu justieren. Natürlich geht es darin um Schuld, aber nicht im juristischen Sinn. Ja, diese Frau hat Menschen ermordet. Aber wer mit sieben Jahren weiß, dass die eigene Mutter den Tod des Kindes mehr ersehnt als seine Gesundung, der entwickelt keinen Sinn für Moral. Es gibt Bücher, die lassen sich nicht weglegen. Nicht, weil sie unterhaltsam sind, sondern gerade, weil sie kaum erträglich sind. »Ausreden« ist ein solches Buch.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
144
Preis
23.70 €

Autorenbeschreibung

Florian Klenk, geboren 1973, ist Jurist und seit 2012 Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung »Falter«. Mehrmals wurde er als Journalist des Jahres ausgezeichnet. Bei Zsolnay sind zuletzt erschienen »Bauer und Bobo« (2021), »Über Leben und Tod. In der Gerichtsmedizin« (2024) und »Ausreden« (2026).

Beiträge

6
Alle
3

Die „schwarze Witwe“ der 1990 Jahre

Ich fand das Buch geht gut für zwischendurch. Es gibt einen Einblick in die Machenschaften der Elfriede Blauensteiner. Erschreckend fand ich wie sie mit den betagten Menschen aber auch Männern umgegangen ist. Und am schlimmsten das sie im Gefängnis ihre Geständnisse alle widerrufen hat. Für alle die sich interessieren für den Fall „schwarze Witwe“ der 1990 Jahre .

Die „schwarze Witwe“ der 1990
Jahre
3

Keine leichte Kost, aber nett für zwischendurch

In Ausreden taucht der österreichische Investigativjournalist tief in einen der verstörendsten Kriminalfälle der jüngeren österreichischen Geschichte ein — den Fall Elfriede Blauensteiner, die als „Schwarze Witwe” in die Annalen eingegangen ist. Das Buch ist keine leichte Kost. Es verlangt Geduld, vor allem zu Beginn. Der Einstieg wirkt bewusst fragmentiert, fast verwirrend — man tappt ein wenig im Dunkeln, sucht nach Orientierung. Wer durchhält, wird belohnt: Die Fäden, die Klenk zu Beginn scheinbar planlos auslegt, fügen sich gegen Ende zu einem schlüssigen, erschreckend klaren Bild zusammen. Die Auflösung sitzt. Klenk gewährt dabei Einblicke, die weit über den reinen Kriminalfall hinausgehen. Er beleuchtet das Leben Blauensteiners, ihre Opfer, die Mechanismen, mit denen sie über Jahre unerkannt mordete — und er tut das ohne reißerische Sensationslust. Stattdessen: nüchterne Präzision, die umso mehr unter die Haut geht. Ausreden eignet sich gut für zwischendurch — in dem Sinne, dass man es in einzelnen Abschnitten lesen kann. Innerlich loslassen kann man es so leicht nicht. Fazit: Für alle, die True Crime mit journalistischer Substanz schätzen und bereit sind, einem Text auch dann zu vertrauen, wenn er anfangs noch nicht alle Karten zeigt.​​​​​​​​​​​​​​​​

Keine leichte Kost, aber nett für zwischendurch

Es gibt Bücher, die man nicht wegen ihrer Spannung liest, sondern trotz der inneren Gegenwehr, die sie auslösen. „Ausreden“ von Florian Klenk gehört eindeutig in diese Kategorie. Es ist kein Roman, kein klassischer True-Crime-Bericht und schon gar kein Krimi, sondern ein literarisch verdichtetes Dokument menschlicher Abgründe – verstörend, schwer erträglich und gerade deshalb von großer Wirkung. Im Zentrum steht Elfriede Blauensteiner, bekannt als die „schwarze Witwe“, die Mitte der 1990er-Jahre wegen mehrfachen Mordes an Pflegebedürftigen und Partnern verurteilt wurde. Klenk lässt sie im ersten Teil des Buches selbst sprechen: in einem Monolog, der aus Gerichtsakten, psychiatrischen Gutachten und Gesprächsprotokollen montiert ist. Diese Stimme ist roh, fragmentarisch, voller Rechtfertigungen, Beschönigungen und erschreckender Bekenntnisse. Der Titel „Ausreden“ trifft dabei den Kern: Was hier zu lesen ist, schwankt zwischen Geständnis und Selbstentlastung, zwischen kalter Tatbeschreibung und beiläufig erzähltem Leid. Besonders irritierend – und literarisch wirkungsvoll – ist, wie ungerührt Blauensteiner von ihrer grausamen Kindheit berichtet. Armut, Gewalt, emotionale Verwahrlosung im Wien der Vorkriegs- und Nachkriegszeit zeichnen das Bild eines Lebens, dem früh jede Form von Schutz und moralischem Halt entzogen wurde. Klenk zwingt die Lesenden damit in eine unbequeme Position: Man weiß um die Schuld dieser Frau, und doch lässt sich die Frage nach Empathie nicht vollständig abwehren. Nicht im juristischen Sinn, sondern als menschliche Zumutung. Der zweite Teil des Buches bildet dazu einen bewussten Kontrapunkt. Hier ordnet Klenk das Material ein, ergänzt es durch Gespräche mit Angehörigen der Täterin und reflektiert die Taten, die Opfer und den medialen Umgang mit dem Fall. Dieser Teil verhindert, dass der Monolog romantisierend oder relativierend wirkt. Im Gegenteil: Die Verbrechen werden klar benannt, ebenso wie die verstörenden Motive dahinter. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf den Medienzirkus der späten 1990er-Jahre und die rohe Lust an der Skandalisierung, die auch die Familie der Täterin traf. Formal hebt sich „Ausreden“ deutlich von gängiger True-Crime-Literatur ab. Der Monolog ist fast wie ein Langgedicht gebaut – reduziert, rhythmisch, eindringlich. Diese poetische Verdichtung erzeugt Nähe und Distanz zugleich und verleiht dem Text eine ungewöhnliche Intensität. Inhaltlich geht es dabei um weit mehr als um einen Kriminalfall: um soziale Kälte, um die Prägung durch Gewalt, um die Frage, wie Gesellschaft Verantwortung trägt – nicht für die Tat, wohl aber für die Bedingungen, unter denen Menschen zu Tätern werden. „Ausreden“ ist ein schmales Buch, schnell gelesen, aber lange nachwirkend. Es fordert heraus, irritiert und lässt einen mit gemischten Gefühlen zurück. Gerade darin liegt seine Stärke. Der Florian Klenk zeigt, dass Geschichten von Mord und Schuld gesellschaftlich relevant sein können, wenn sie nicht bloß konsumiert, sondern reflektiert werden.

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2.5

Hätte mir mehr erwartet

Habe das Buch an einem Tag gelesen - war betrübt und überrascht über die Originalmitschriften aus den Interviews mit Blauensteiner. Klenk schreibt am Ende sehr viel über die Recherchearbeit, vielen Gesprächen wie Dokumenten etc - mir war es aber in den Ausführungen zu wenig und hätte mir da mehr erwartet. In Summe erläutert es stark die Herkunft von Blauensteiner und gibt einige Einblicke in ihr Leben. Ich habe am Ende des Buchs das Gefühl es wurde nur oberflächlich skizziert obwohl mehr Information vorliegt, was ich schade finde, da ich Klenk als Journalist und Autor sehr schätze.

3.5

Also 25€ für 1 Stunde lesen ist schon grenzwertig…

… aber die Qualität eines Buches bemisst sich ja nicht an der Länge des Textes. Die ersten 100 von 144 Seiten sind editierte Original - Aussagen von Elfriede Blauensteiner, darauf folgen 44 Seiten Kontext von Klenk. Ich hab mir halt ein bisserl mehr erwartet. Mehr politische Einordnung, mehr Hintergrund. Was da ist, ist gut so. Mehr wäre aber schön gewesen. Gleichzeitig wirk es trotzdem fertig. Schwieriger Fall.

Also 25€ für 1 Stunde lesen ist schon grenzwertig…
3

Ein Buch für zwischendurch. Der Schreibstil, hat mir gar nicht zugesagt. Es wurde lange Stichpunktartig geschrieben und das ist nicht so meins. Der Inhalt war aber sehr interessant und da ich true crime mag hab ich es auch durchgezogen. Dur die wenigen Seiten ist man tatsächlich auch in ca 1 Stunde durch. Inhaltsangabe (Quelle Amazon) Elfriede Blauensteiner, bekannt als »schwarze Witwe«, wurde Anfang 1996 verhaftet und später wegen mehrfachen Mordes an Pflegefällen und Partnern verurteilt. Hier spricht sie in einer dokumentarischen Selbstaufzeichnung. Was man hier liest, ist kein Roman, kein Krimi, sondern ein aufgeschriebenes Leben. Hier wird ausgesagt. Aus Protokollen, Gutachten, Auskünften entsteht ein Monolog, der uns zwingt, unsere Vorstellungen von Schuld, Gerechtigkeit und Empathie neu zu justieren. Natürlich geht es darin um Schuld, aber nicht im juristischen Sinn. Ja, diese Frau hat Menschen ermordet. Aber wer mit sieben Jahren weiß, dass die eigene Mutter den Tod des Kindes mehr ersehnt als seine Gesundung, der entwickelt keinen Sinn für Moral. Es gibt Bücher, die lassen sich nicht weglegen. Nicht, weil sie unterhaltsam sind, sondern gerade, weil sie kaum erträglich sind. »Ausreden« ist ein solches Buch.

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