Ankica

Ankica

Hardcover
3.33

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Beschreibung

Eine junge Frau im Ungarn des 19. Jahrhunderts ringt mit Lust, Freiheit und den Zwängen der Dorfgemeinschaft. Ihre unkonventionell freie Lebensweise führt dazu, dass einige sie unverhohlen als Vampirin brandmarken. Sprachgewaltig und zärtlich zugleich erzählt dieser Roman aus Ankicas Perspektive von weiblicher Selbstbehauptung, unbändiger Neugier und dunkler Sinnlichkeit. Für Lesende, die das Poetische im Wilden suchen und keine Angst vor Tabubrüchen haben. Das Buch vereint historischen Realismus mit der Vampirthematik und bietet eine starke weibliche Perspektive sowie eine vielschichtige Sprache, die gesellschaftskritische Aspekte aufzeigt.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Weitere Themen
Format
Hardcover
Seitenzahl
572
Preis
26.99 €

Autorenbeschreibung

Ruben Dellers, geboren 1958, sah als Zehnjähriger eine Werbung für einen Fotoapparat für fünf Franken. Er kaufte ihn und entwarf damit Bildgeschichten. Mit fünfzehn schrieb er sie auf, mit zwanzig verfilmte er sie. Dann wurde der Computer populär und er schrieb Programme und entfernte sich vom Literarischen. Doch 2014 entdeckte er im Internet den Berner Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverein. Seit 2022 veröffentlichte er fünf Romane.

Beiträge

3
Alle
4

Eine ziemlich verstörende Geschichte einer Frau, einer Vampirin.

Horror aus dem echten Leben. Eine Vampir-Geschicjte. Die ohne das Übernatürliche und Romantik auskommt. Denn es ist eine historisch Geprägte Erzählung über eine Frau aus Ungarn des 19. Jahrhundert, die es versucht. Sich gegen die von Patriarchat geprägte Gesellschaft zu stellen. Das Buch ist düster, es geht einem tief unter die Haut, es öffnet einem die Augen und lässt lange darüber nachdenken. Grausamkeiten, Gewalt und Traumara sind hier all gegenwärtig. Anfangs kann es etwas schwierig werden, das Geschehen der Sprache wegen zu verfolgen und richtig zu verstehen. Aber im weiteren Verlauf wird es besser und man will das Buch nicht mehr weg legen. Es ergreift einen richtig tief, die Schicksalsschläge, die Ankica erleben und überleben musste, zerstören innerlich. Dieses Buch bleibt auf jeden Fall in Erinnerung.

2

Die grundsätzliche Message des Buches ist richtig und wichtig, allerdings hat der Autor die Geschichte viel zu sehr in die Länge gezogen. Die wichtigsten Aspekte hätten ebenso auf der Hälfte der Seiten stehen können. Die unnötige Länge des Buches hat mir persönlich den Lesespaß genommen, sodass ich froh bin, es nun beendet zu haben.

Das Buch zeichnet sich durch eine äußerst düstere Atmosphäre aus und ist daher kein Werk für zwischendurch. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ankica, eine junge Frau, der von Beginn an die Möglichkeit verwehrt bleibt, ein unbeschwertes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Bereits in jungen Jahren wird sie mit Ablehnung, Missbrauch, Identitätssuche, Enttäuschung und Verrat konfrontiert. Früh erkennt Ankica, dass sie ein anderes Leben führen möchte als jenes, das man für sie vorgesehen hat. Brav, sittsam und fromm soll sie sein – so, wie es angeblich von einer jungen Frau erwartet wird. Sie entscheidet sich jedoch bewusst dagegen, diese starren Rollenvorgaben zu akzeptieren, und folgt stattdessen ihren eigenen Bedürfnissen und Leidenschaften. Als die Bewohner ihres kleinen Dorfes beginnen, sie des Vampirismus zu bezichtigen, nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung und für Ankica beginnt eine gnadenlose Tortur des Überlebens. Der Autor greift innerhalb seines Romans eine Vielzahl bedeutender Themen auf. Er zeigt eindrücklich, welche zentrale Rolle elterliche Fürsorge spielt und welche tiefgreifenden Folgen ihr Fehlen für Kinder haben kann. Darüber hinaus thematisiert er das bis heute bestehende Dilemma vieler Frauen, von denen bestimmte Verhaltensweisen erwartet werden, um als gesellschaftlich akzeptabel zu gelten. Wer diesen Normen nicht entspricht, wird schnell als aufmüpfig, frech oder rebellisch abgestempelt. Dellers verwebt diese gesellschaftliche Ausgrenzung geschickt mit dem Motiv des Vampirismus: Die Dorfbewohner:innen sind überzeugt, dass Menschen, die sich so deutlich außerhalb ihrer moralischen und sozialen Vorstellungen bewegen, nur Vampire sein können. Ein Aberglaube, der für die Betroffenen tödliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Ankica erweist sich dabei als echte Kämpferin, sie lässt sich nicht brechen, vertritt ihre Überzeugungen selbstbewusst und versucht, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten. In dieser Hinsicht besitzt das Buch durchaus einen inspirierenden Kern. Trotz der vielen positiven Ansätze gibt es jedoch auch mehrere Aspekte, die der Geschichte aus meiner Sicht ihren Reiz genommen haben. Zunächst fiel mir auf, dass dem Buch keine Triggerwarnung vorangestellt ist, obwohl explizite Darstellungen sexueller Gewalt sowie Folterszenen enthalten sind. In der heutigen Zeit halte ich eine solche Warnung für dringend notwendig. Darüber hinaus empfand ich das Buch insgesamt als schwer zugänglich. Dies liegt einerseits an der thematischen Schwere – leichte Kost ist dieser Roman keinesfalls –, vor allem jedoch an der Sprache, derer sich der Autor bedient. Sie ist sehr direkt, teilweise plump und stark dialektal geprägt. Zwar mag dies dazu dienen, die Dorfbewohner als einfache Menschen zu charakterisieren, für mich persönlich gestaltete sich das Lesen der Dialoge jedoch als anstrengend. Hinzu kommt, dass zahlreiche Szenen in die Handlung eingebaut wurden, die für den Fortgang der Geschichte nicht zwingend erforderlich erscheinen. Dadurch wird die Erzählung unnötig in die Länge gezogen und verliert an Intensität. Die zentrale Botschaft des Romans hätte aus meiner Sicht deutlich an Kraft gewonnen, wenn der Fokus stärker auf das Wesentliche gelegt worden wäre. So spielt das Motiv der Flucht eine große Rolle: Ankica ist mehrfach gezwungen, erneut zu fliehen. Diese wiederholten Ortswechsel werden jedoch so häufig und ausführlich geschildert, dass ich stellenweise den Überblick darüber verlor, wo sich die Handlung gerade befindet. Das ließ mich immer wieder aus dem Geschehen herausfallen und hätte eleganter gelöst werden können. Positiv hervorzuheben ist das Cover des Buches. Die Farbgestaltung ist stimmig und auch die im Buch enthaltenen Karten sind ansprechend und liebevoll umgesetzt. Insgesamt konnte mich der Roman aufgrund der genannten Kritikpunkte leider nicht vollends überzeugen.

4

Ein Roman, der weniger von Vampiren als von gesellschaftlicher Ausgren-zung, Selbstbestimmung und einer starken, unangepassten Frau erzählt.

Ankica von Ruben Dellers ist keine klassische Vampirgeschichte. Anfangs bin ich davon ausgegangen, dass Vampire im Mittelpunkt stehen, doch sie bilden eher den Hintergrund. Sie werde als eine verstoßene, zurückgezogen im Wald lebende Gemeinschaft dargestellt, die zwar ständig präsent ist, aber nicht das eigentliche Kernthema der Geschichte. Es handelt sich vielmehr um die Biografie von Ankica. Besonders ist wie viele unterschiedliche Themen aufgegriffen werden. Ankica ist eine starke, selbstständige und für ihre Zeit extrem unkonventionelle Frau. Sie weigert sich, sich in die damaligen Rollenbilder zwängen zu lassen, wehrt sich gegen Unterdrückung, ist laut, unbequem und setzt ihre eigenen Interessen durch. Genau dieses Aufbegehren ist es, das sie in den Augen der Gesellschaft zum „Vampir" macht. Nach und nach wird ihre grausame Kindheit enthüllt, was der Geschichte zusätzliche Tiefe gibt und für mich einen großen Spannungsfaktor darstellte. Auch die Nebenfiguren sind alles andere als blass und sehr detailreich ausgearbeitet. Hier hätte ich mir allerdings stellenweise etwas mehr Kürze gewünscht, nicht jede Nebenfigur hätte meiner Meinung nach ihre komplette Lebensgeschichte gebraucht, ohne dass das Verständnis darunter gelitten hätte. Der Schreibstil ließ sich angenehm lesen, und auch die zeittypische Sprache bereitete mir keinerlei Probleme. Besonders positiv hervorheben möchte ich die hochwertige Hardcover-Ausgabe mit einem sehr gelungenen Cover. Die Gestaltung des Buches ist insgesamt sehr aufwendig und wunderschön, inklusive liebevoller Details wie Personenregister und Chronologie, die das Leseerlebnis abrunden. Insgesamt ein tiefgründiger, ungewöhnlicher Roman, der mehr Gesellschaftskritik und Charakterstudie als Vampirgeschichte ist. Eine klare Empfehlung und lesenswert auch für jeden der mit Vampiren nichts anfangen kann.

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