Alles was glänzt
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Beschreibung
Tief in den Stollen des alten Bergwerks tut sich was – und alle im Dorf können es spüren. Die Wirtin Susa zum Beispiel, wenn sie im „Espresso“ nachts die Pumpen von den Ketchup-Eimern schraubt. Oder der alte Wenisch, ihr letzter Stammgast. Sogar der Bürgermeister, wenn er nicht gerade auf Kur ist. Zuallererst aber hat es der schweigsame Martin gespürt, bis er dann eines Morgens die Kontrolle über sein Auto verlor. Es ist, als würde der Berg zittern, als könne er jeden Augenblick in sich zusammenbrechen. Für die junge Teresa und den Neuankömmling Merih ist die Sache klar: Sie will sich endlich absetzen aus dem maroden Ort, er hingegen sucht einen Neuanfang - ausgerechnet hier.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Marie Gamillscheg, geboren 1992 in Graz. Lebt in Berlin, arbeitet als freie Journalistin u.a. für ZEIT Campus. Veröffentlichungen in zahlreichen literarischen Zeitschriften und Magazinen. Ihr Roman "Alles was glänzt" landete auf der ORF-Bestenliste, wurde für den aspekte Literaturpreis nominiert und mit dem Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt 2018 ausgezeichnet.
Beiträge
Unaufgeregt, leise, melancholisch — genau meins! „Alles was glänzt“ von Theresa Gamillscheg war eine kleine Überraschung, denn ich habe es durch Zufall entdeckt, und als es dann bei mir daheim lag, wurde mir auf der ersten Seite schon klar, dass der Schreib- und Erzählstil genau meins ist. Und beim Thema Berge bin ich doch auch gleich dabei. Es geht um ein kleines, fast vergessenes Dorf, das an einem Berg liegt. Nun ist dieser Berg allerdings kein gewöhnlicher Berg, sondern jahrzehntelanger Bergbau haben ihn nahezu vollständig ausgehöhlt und er droht auseinanderzurechen. Obwohl bereits Risse und ein Spalt, fast einen halben Meter breit, sich dem Dorf näher, scheinen dessen Bewohner sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben und leben ihren Alltag. Bis eines Morgens die Leiche Martins aus einem Auto geborgen wird und alle Anwohner in Aufruhr geraten. Denn im Gegensatz zur Stadt kennt jeder im Dorf jeden und so ein Tod trifft natürlich alle: »In der Stadt wäre das nichts, aber hier, bei uns, das trifft uns direkt ins Herz.« Doch eigentlich fing alles mit einem kleinen roten Knopf im Bergmuseum an, der nicht mehr funktionieren wollte. Plötzlich wurde man sich im Dorf des Verfalls des Bergs bewusst, der ja nur noch eine leere Hülle ist. Regionalmanager Merih hat die Aufgabe zugeteilt bekommen, die Anwohner des kleines Dorfs umzusiedeln, um das Stadtzentrum wiederzubeleben und sie auch von der Gefahr, die vom Berg ausgeht, fortzubringen. »Wenn wir noch erleben, wie der Berg in sich zusammenbricht, dann wird vor allem das Licht entscheidend sein […]. Wenn das Licht mit dem Berg gemeinsam runterkommt, dann kann uns das nichts Böses wollen.« In Marie Gamillschegs Roman lernen wir aber nicht nur Merih kennen, der auf seine eigene Weise versucht, sich mit den Dorfbewohnern zu verstehen, sondern auch die Schwestern Esther und Teresa, die beide das Dorf verlassen und in die Stadt ziehen möchten. Esther macht sich einiges Tages einfach auf; ihre Schwester bleibt sehnsüchtig zurück. Ebenso lernen wir Gastwirtin Susa kennen, die die Kneipe des Dorfs führt. Sie ist misstrauisch gegenüber Merih und den Veränderungen, die er mitbringt. So hat jeder der Dorfbewohner seine kleine Geschichte, aber große Charakterentwicklungen braucht Gamillscheg nicht, um Gefühle zu wecken. Der unaufgeregte Schreibstil hat mich direkt ab der ersten Seite gefesselt und ließ mich erst mal nicht mehr los. Viel passiert in „Alles was glänzt“ zwar nicht, aber gerade das macht die Magie des Romans aus. Das stille Dorf, der ausgehöhlte Berg, die ruhigen Anwohner, alles trägt zu der melancholischen und unaufgeregten Atmosphäre bei. Der ausgehöhlte Berg steht dabei stets im Mittelpunkt des Geschehens. In malerischen Beschreibungen, die aber nie ausarten, beschreibt Gamillscheg, wie der Berg komplett von Tunnel durchzogen ist, wie seine Wände glitzern und funkeln. Dazu werden immer wieder Legenden und Mythen rund um den Berg erzählt, wie beispielsweise die Legende vom Blintelmann. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/marie-gamillscheg-alles-was-glaenzt
Wir befinden uns in einem Dorf in der Nähe eines Berges mit Erz-Vorkommen. Was jeder weiß und keiner verhindern kann: Irgendwann wird der Berg einstürzen, denn durch den Erzabbau mit vielen verschiedenen Gängen ist er fragil geworden – und was dann passieren wird, weiß keiner. Ein Journalist, der vor Jahren darüber berichtet hat, hat dem Dorf die letzte Lebendigkeit geraubt: Die Touristen bleiben aus, viele Bewohner sind in die größere Stadt gezogen. Die fehlende Lebendigkeit wird in der Schreibweise der Autorin gut widergegeben. So gesehen kann die Sprache an sich als Spiegelbild der Situation der Dorfbewohner gesehen werden. Während es scheinbar für einige Leser als zu nüchtern, ja fast langweilig erlebt wurde, machte für mich diese Schreibweise den Reiz des Buches aus. Die Geschichte besteht fast ausschließlich aus unmittelbar erlebten inneren Monologen verschiedener Dorfbewohner und einiger Rückblicke, die aber die Dorfbewohner selbst innerhalb ihrer Monologe vornehmen und die deswegen natürlich auch Objekt der Subjektivität sind. Obwohl Handlung und Charaktere nicht vergleichbar sind, hat mich das Buch irgendwie an „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky erinnert – auch dort spielt das Geschehen meist im Moment und weicht von der Alltagssprache dennoch ab. Diesen Schreibstil muss man mögen, das gebe ich zu und auch die Art der Handlung ohne großes Drama und einfach im Moment ist etwas Spezielles. Deswegen ist es für mich auch sehr schwer, dazu aufzurufen, das Buch zu lesen, denn ich kann selbst keine belegbaren Argumente geben – lediglich, dass es außergewöhnlich geschrieben ist und dass man, trotz der nüchternen Lage, einige Charaktere sehr lieb gewinnt. Die Sprache zu nutzen, um widerzuspiegeln, wie leer dieses kleine Dorf ohne Tourismus ist, dass aber trotzdem täglich seinen kleinen Laden und die Bar öffnet, einfach weil es schon immer so war, hat mir gut gefallen. Wenn man das Buch etwas tiefer analysiert, kann man sogar einige gesellschaftskritische Themen herauslesen. Ich bin kein Literaturexperte, aber ich würde sagen, hier wurden teilweise bewusst Lücken gelassen, die der Leser als Co-Autor füllen kann, um dann einen Gesamtkontext zu kreieren und auch die Kritik lässt sich von Leser zu Leser unterschiedlich interpretieren. Lediglich einige kleine Details waren für mich seltsam im Kontext der Handlung und auch das Ende war mir ein wenig zu undetailliert, so dass ich mich eher danach gefragt habe, was die Autorin denn nun mit den davor gemachten Andeutungen und Erzählungen bezwecken wollte. Das macht für mich leider einen Stern Abzug. Ich werde aber dieses Buch erneut lesen, denn ich habe das Gefühl, dass sich da doch etwas bei gedacht wurde und man dieses Buch einer genaueren Leseanalyse unterziehen muss – genauso wie sich auch erst ganz am Ende aufklärt, was die relativ zufällig scheinenden Kapitelüberschriften zu bedeuten haben. Und suchen wir nicht eigentlich alle nach Büchern, die mal etwas anders als der Standard sind und trotzdem nicht ohne Sinn?
Dorfdilemma Von eigentlich einem schon toten Ort erzählt Marie Gamillscheg. In „Alles was glänzt“ erzählt sie über ein Bergdorf, dass kurz vor dem Tod steht. Denn der hohle Berg droht dank intensiven Bergbaus in sich zusammenbrechen und das Dorf mit in den Tod reißen. Die Bewohner haben ihr Dorf schon längst aufgegeben. Doch der Regionalmanager Merih versucht trotzdem, die Bedrohung durch den Berg zu verdrängen und dem Dorf neuen Glanz zu verleihen. Ob er es schafft? Naja. Der Ort ist trostlos. Nicht an die benachbarte Schnellstraße angebunden. Das Grubenmuseum, das einstige touristische Ziel ist schon längst geschlossen. Genau gesagt, seitdem ein Journalist DER Journalist über die Einsturzgefahr des Berges medienwirksam berichtete. Das war der Tod des Ortes. Der Bürgermeister geht lieber zur Kur und Merih versucht, die letzten Bewohner vom Rande des Ortes ins Ortszentrum zu ziehen. Nur damit es auf dem Dorfplatz wieder belebter zugeht. Denn Susas Kneipe hat auch nur noch die allerletzten Stammgäste. Einer der Stammgäste ist Wenisch. Ein alter Mann, der auf die Rückkehr der Tochter von der Stadt ins Dorf wartet. Zurück zu ihm. Vergeblich. Auch sein bester Trinkkumpel, der Martin, ist bei einem Autounfall ums leben gekommen. Auf der Straße am Berg. Der Berg hat ihn wohl schon vor dem drohenden Einsturz geholt. Martins Freundin Esther kommt mit der Trauer um seinen Tod nicht klar. Und beginnt einen Neuanfang in der Stadt. Das kann leider ihre Schwester Teresa absolut nicht verstehen. Denn sie wollte und will weg aus dem Dorf. Denn sie sieht die klaffende Bergspalte am Rande des Dorfes. Verzweifelt ist sie. Sie möchte weg, kann aber nicht. Und Merih ist ihr auch keine Stütze. Denn der Regionalmanager möchte in das Dorf ziehen. Und nicht weggehen. Das versteht Teresa nicht. Sie ist verzweifelt. Verärgert, dass ihre Schwester ohne sie gegangen ist. Das Buch ist durchweg trostlos. Die Charaktere werden abwechselnd in relativ kurzen Kapiteln weitererzählt. Meist kurz und knapp in wenigen Sätzen. Das macht das ganze Leben im Dorf natürlich noch trostloser. Leider bleibt dabei der Zugang des Lesers zu den Charakteren auf der Strecke. Es bleibt eine sehr kühle Atmosphäre. Fast zu kühl. Am ehesten kann man noch Teresa nachvollziehen. Dieser immer wiederkehrende Blick zur Felsspalte lässt sie verzweifeln. Auch die letzte Hoffnung für den Ort, der Regionalmanager Merih, kann nichts tun. Seine Aktivitäten interessieren den Ort nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. In dem Ort ist sie bereits gestorben. Es ist ein Buch der Hoffnungslosigkeit. Des Verzweifelns. Des Sterbens. Des Aufgebens. Der Trauer an bessere vergangene Zeiten. Und trotzdem interessant und brutal ehrlich. Denn die Charaktere könnte man an vielen Orten, die bereits am Aufgeben sind, finden. Diese Trostlosigkeit und die nicht verspürende Nähe zu den Charakteren kann einen Leser sehr herunterziehen. Der Berg, das Monster, tut hierbei sein Übriges. Wer also die Vorstufe und den Umgang einer wissenden, bevorstehenden Naturkatastrophe lesen möchte, ist hier richtig. Hier wird definitiv keine heile Welt erzählt. https://commigratio.com/2018/05/09/marie-gamillscheg-alles-was-glaenzt/
Beschreibung
Tief in den Stollen des alten Bergwerks tut sich was – und alle im Dorf können es spüren. Die Wirtin Susa zum Beispiel, wenn sie im „Espresso“ nachts die Pumpen von den Ketchup-Eimern schraubt. Oder der alte Wenisch, ihr letzter Stammgast. Sogar der Bürgermeister, wenn er nicht gerade auf Kur ist. Zuallererst aber hat es der schweigsame Martin gespürt, bis er dann eines Morgens die Kontrolle über sein Auto verlor. Es ist, als würde der Berg zittern, als könne er jeden Augenblick in sich zusammenbrechen. Für die junge Teresa und den Neuankömmling Merih ist die Sache klar: Sie will sich endlich absetzen aus dem maroden Ort, er hingegen sucht einen Neuanfang - ausgerechnet hier.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Marie Gamillscheg, geboren 1992 in Graz. Lebt in Berlin, arbeitet als freie Journalistin u.a. für ZEIT Campus. Veröffentlichungen in zahlreichen literarischen Zeitschriften und Magazinen. Ihr Roman "Alles was glänzt" landete auf der ORF-Bestenliste, wurde für den aspekte Literaturpreis nominiert und mit dem Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt 2018 ausgezeichnet.
Beiträge
Unaufgeregt, leise, melancholisch — genau meins! „Alles was glänzt“ von Theresa Gamillscheg war eine kleine Überraschung, denn ich habe es durch Zufall entdeckt, und als es dann bei mir daheim lag, wurde mir auf der ersten Seite schon klar, dass der Schreib- und Erzählstil genau meins ist. Und beim Thema Berge bin ich doch auch gleich dabei. Es geht um ein kleines, fast vergessenes Dorf, das an einem Berg liegt. Nun ist dieser Berg allerdings kein gewöhnlicher Berg, sondern jahrzehntelanger Bergbau haben ihn nahezu vollständig ausgehöhlt und er droht auseinanderzurechen. Obwohl bereits Risse und ein Spalt, fast einen halben Meter breit, sich dem Dorf näher, scheinen dessen Bewohner sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben und leben ihren Alltag. Bis eines Morgens die Leiche Martins aus einem Auto geborgen wird und alle Anwohner in Aufruhr geraten. Denn im Gegensatz zur Stadt kennt jeder im Dorf jeden und so ein Tod trifft natürlich alle: »In der Stadt wäre das nichts, aber hier, bei uns, das trifft uns direkt ins Herz.« Doch eigentlich fing alles mit einem kleinen roten Knopf im Bergmuseum an, der nicht mehr funktionieren wollte. Plötzlich wurde man sich im Dorf des Verfalls des Bergs bewusst, der ja nur noch eine leere Hülle ist. Regionalmanager Merih hat die Aufgabe zugeteilt bekommen, die Anwohner des kleines Dorfs umzusiedeln, um das Stadtzentrum wiederzubeleben und sie auch von der Gefahr, die vom Berg ausgeht, fortzubringen. »Wenn wir noch erleben, wie der Berg in sich zusammenbricht, dann wird vor allem das Licht entscheidend sein […]. Wenn das Licht mit dem Berg gemeinsam runterkommt, dann kann uns das nichts Böses wollen.« In Marie Gamillschegs Roman lernen wir aber nicht nur Merih kennen, der auf seine eigene Weise versucht, sich mit den Dorfbewohnern zu verstehen, sondern auch die Schwestern Esther und Teresa, die beide das Dorf verlassen und in die Stadt ziehen möchten. Esther macht sich einiges Tages einfach auf; ihre Schwester bleibt sehnsüchtig zurück. Ebenso lernen wir Gastwirtin Susa kennen, die die Kneipe des Dorfs führt. Sie ist misstrauisch gegenüber Merih und den Veränderungen, die er mitbringt. So hat jeder der Dorfbewohner seine kleine Geschichte, aber große Charakterentwicklungen braucht Gamillscheg nicht, um Gefühle zu wecken. Der unaufgeregte Schreibstil hat mich direkt ab der ersten Seite gefesselt und ließ mich erst mal nicht mehr los. Viel passiert in „Alles was glänzt“ zwar nicht, aber gerade das macht die Magie des Romans aus. Das stille Dorf, der ausgehöhlte Berg, die ruhigen Anwohner, alles trägt zu der melancholischen und unaufgeregten Atmosphäre bei. Der ausgehöhlte Berg steht dabei stets im Mittelpunkt des Geschehens. In malerischen Beschreibungen, die aber nie ausarten, beschreibt Gamillscheg, wie der Berg komplett von Tunnel durchzogen ist, wie seine Wände glitzern und funkeln. Dazu werden immer wieder Legenden und Mythen rund um den Berg erzählt, wie beispielsweise die Legende vom Blintelmann. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/marie-gamillscheg-alles-was-glaenzt
Wir befinden uns in einem Dorf in der Nähe eines Berges mit Erz-Vorkommen. Was jeder weiß und keiner verhindern kann: Irgendwann wird der Berg einstürzen, denn durch den Erzabbau mit vielen verschiedenen Gängen ist er fragil geworden – und was dann passieren wird, weiß keiner. Ein Journalist, der vor Jahren darüber berichtet hat, hat dem Dorf die letzte Lebendigkeit geraubt: Die Touristen bleiben aus, viele Bewohner sind in die größere Stadt gezogen. Die fehlende Lebendigkeit wird in der Schreibweise der Autorin gut widergegeben. So gesehen kann die Sprache an sich als Spiegelbild der Situation der Dorfbewohner gesehen werden. Während es scheinbar für einige Leser als zu nüchtern, ja fast langweilig erlebt wurde, machte für mich diese Schreibweise den Reiz des Buches aus. Die Geschichte besteht fast ausschließlich aus unmittelbar erlebten inneren Monologen verschiedener Dorfbewohner und einiger Rückblicke, die aber die Dorfbewohner selbst innerhalb ihrer Monologe vornehmen und die deswegen natürlich auch Objekt der Subjektivität sind. Obwohl Handlung und Charaktere nicht vergleichbar sind, hat mich das Buch irgendwie an „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky erinnert – auch dort spielt das Geschehen meist im Moment und weicht von der Alltagssprache dennoch ab. Diesen Schreibstil muss man mögen, das gebe ich zu und auch die Art der Handlung ohne großes Drama und einfach im Moment ist etwas Spezielles. Deswegen ist es für mich auch sehr schwer, dazu aufzurufen, das Buch zu lesen, denn ich kann selbst keine belegbaren Argumente geben – lediglich, dass es außergewöhnlich geschrieben ist und dass man, trotz der nüchternen Lage, einige Charaktere sehr lieb gewinnt. Die Sprache zu nutzen, um widerzuspiegeln, wie leer dieses kleine Dorf ohne Tourismus ist, dass aber trotzdem täglich seinen kleinen Laden und die Bar öffnet, einfach weil es schon immer so war, hat mir gut gefallen. Wenn man das Buch etwas tiefer analysiert, kann man sogar einige gesellschaftskritische Themen herauslesen. Ich bin kein Literaturexperte, aber ich würde sagen, hier wurden teilweise bewusst Lücken gelassen, die der Leser als Co-Autor füllen kann, um dann einen Gesamtkontext zu kreieren und auch die Kritik lässt sich von Leser zu Leser unterschiedlich interpretieren. Lediglich einige kleine Details waren für mich seltsam im Kontext der Handlung und auch das Ende war mir ein wenig zu undetailliert, so dass ich mich eher danach gefragt habe, was die Autorin denn nun mit den davor gemachten Andeutungen und Erzählungen bezwecken wollte. Das macht für mich leider einen Stern Abzug. Ich werde aber dieses Buch erneut lesen, denn ich habe das Gefühl, dass sich da doch etwas bei gedacht wurde und man dieses Buch einer genaueren Leseanalyse unterziehen muss – genauso wie sich auch erst ganz am Ende aufklärt, was die relativ zufällig scheinenden Kapitelüberschriften zu bedeuten haben. Und suchen wir nicht eigentlich alle nach Büchern, die mal etwas anders als der Standard sind und trotzdem nicht ohne Sinn?
Dorfdilemma Von eigentlich einem schon toten Ort erzählt Marie Gamillscheg. In „Alles was glänzt“ erzählt sie über ein Bergdorf, dass kurz vor dem Tod steht. Denn der hohle Berg droht dank intensiven Bergbaus in sich zusammenbrechen und das Dorf mit in den Tod reißen. Die Bewohner haben ihr Dorf schon längst aufgegeben. Doch der Regionalmanager Merih versucht trotzdem, die Bedrohung durch den Berg zu verdrängen und dem Dorf neuen Glanz zu verleihen. Ob er es schafft? Naja. Der Ort ist trostlos. Nicht an die benachbarte Schnellstraße angebunden. Das Grubenmuseum, das einstige touristische Ziel ist schon längst geschlossen. Genau gesagt, seitdem ein Journalist DER Journalist über die Einsturzgefahr des Berges medienwirksam berichtete. Das war der Tod des Ortes. Der Bürgermeister geht lieber zur Kur und Merih versucht, die letzten Bewohner vom Rande des Ortes ins Ortszentrum zu ziehen. Nur damit es auf dem Dorfplatz wieder belebter zugeht. Denn Susas Kneipe hat auch nur noch die allerletzten Stammgäste. Einer der Stammgäste ist Wenisch. Ein alter Mann, der auf die Rückkehr der Tochter von der Stadt ins Dorf wartet. Zurück zu ihm. Vergeblich. Auch sein bester Trinkkumpel, der Martin, ist bei einem Autounfall ums leben gekommen. Auf der Straße am Berg. Der Berg hat ihn wohl schon vor dem drohenden Einsturz geholt. Martins Freundin Esther kommt mit der Trauer um seinen Tod nicht klar. Und beginnt einen Neuanfang in der Stadt. Das kann leider ihre Schwester Teresa absolut nicht verstehen. Denn sie wollte und will weg aus dem Dorf. Denn sie sieht die klaffende Bergspalte am Rande des Dorfes. Verzweifelt ist sie. Sie möchte weg, kann aber nicht. Und Merih ist ihr auch keine Stütze. Denn der Regionalmanager möchte in das Dorf ziehen. Und nicht weggehen. Das versteht Teresa nicht. Sie ist verzweifelt. Verärgert, dass ihre Schwester ohne sie gegangen ist. Das Buch ist durchweg trostlos. Die Charaktere werden abwechselnd in relativ kurzen Kapiteln weitererzählt. Meist kurz und knapp in wenigen Sätzen. Das macht das ganze Leben im Dorf natürlich noch trostloser. Leider bleibt dabei der Zugang des Lesers zu den Charakteren auf der Strecke. Es bleibt eine sehr kühle Atmosphäre. Fast zu kühl. Am ehesten kann man noch Teresa nachvollziehen. Dieser immer wiederkehrende Blick zur Felsspalte lässt sie verzweifeln. Auch die letzte Hoffnung für den Ort, der Regionalmanager Merih, kann nichts tun. Seine Aktivitäten interessieren den Ort nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. In dem Ort ist sie bereits gestorben. Es ist ein Buch der Hoffnungslosigkeit. Des Verzweifelns. Des Sterbens. Des Aufgebens. Der Trauer an bessere vergangene Zeiten. Und trotzdem interessant und brutal ehrlich. Denn die Charaktere könnte man an vielen Orten, die bereits am Aufgeben sind, finden. Diese Trostlosigkeit und die nicht verspürende Nähe zu den Charakteren kann einen Leser sehr herunterziehen. Der Berg, das Monster, tut hierbei sein Übriges. Wer also die Vorstufe und den Umgang einer wissenden, bevorstehenden Naturkatastrophe lesen möchte, ist hier richtig. Hier wird definitiv keine heile Welt erzählt. https://commigratio.com/2018/05/09/marie-gamillscheg-alles-was-glaenzt/






